Freitag, 28. Dezember 2012

Auf Nimmerwiedersehen 2012: Jeden Tag bis 5.1.


Wulff vs. Dieckmann (von Heiko Werning)
Wahrscheinlich hätte Christian Wulff mit seinen skrupellosen Methoden und seiner unerschöpflichen Machtfülle langfristig das ganze Land ausbluten lassen, doch ein unerschrockener Widerstandskämpfer stellte sich ihm in den Weg: Kai Diekmann, Chefredakteur der Untergrundschrift Bild, einer der letzten Aufrechten, eine Art Mischwesen aus Kurt Tucholsky, Sophie Scholl und einer Jahresvorratspackung Haargel. Als Idealist durch und durch schreibt er tapfer gegen jedwede moralische Verfehlungen an, von Bigotterie über Voyeurismus bis Hartz IV. Dagegen hatte der verkommene Wulff keine Chance.
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Noch jeden Tag von 28.12.-5.1. /jeweils 20.30 Uhr
Kookaburra (Schönhauser Allee, U2-Rosa-Luxemburg-Platz)



AUF NIMMERWIEDERSEHEN 2012
Nach einem erfolgreichen Start und einer ersten Reihe von schönen Veranstaltungen hier noch einmal die Erinnerung: es ist wieder soweit! Die Brauseboys setzen an zu ihrer traditionellen Jahresbilanz im Kookaburra. Paul Bokowski, Hinark Husen, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning kicken das Jahr 2012 aus der Zeitgeschichte – es stand sowieso ständig im Abseits. Das Begleitbuch ist im Berliner Satyr Verlag erschienen.

Für weitere Infos schaut auf unsere Presse-Seite: www.brauseboys.de/presse.htm
Oder in die aktuelle zitty, zu der wir eine Doppelseite beisteuern durften.
Noch gibt es letzte Karten für die meisten Tage, aber es wird eng, reserviert gleich über: www.comedyclub.de 

Montag, 17. Dezember 2012

Auf Nimmerwiedersehen 2012: Ab 20.12. im Kookaburra


Weltuntergangsstimmung (von Robert Rescue)

Das kulturell und wissenschaftlich hochstehende Volk der Maya bestimmt die Schlagzeilen, und das ist natürlich was anderes als irgendeine obskure Religionsgemeinschaft. Für die Werbung bedeutet das Ende ihres Kalenders am 21. Dezember eine erhöhte Aufmerksamkeit seitens der Bevölkerung. Ein Berliner Radiosender lud daher zur Promotion-Aktion »Finger im Po, Mexiko!« in das Einkaufscenter Alexa. 21 Kandidaten fanden sich bereit, möglichst lange mit den Händen unterm Hintern auf einem Stuhl zu sitzen. Nach 44 Stunden stand die Entscheidung fest, eine Hörerin gewann die 14-tägige Reise nach Mexiko. Vielleicht haben die Maya ja Recht. Vielleicht geht die Welt unter, weil das die Natur oder irgendeine Gottheit so will. Dann wäre es tröstlich zu wissen, dass auch die Hörer dieses Senders über die Wupper gehen.
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Ab Donnerstag, 20.12. /jeweils 20.30 Uhr
Kookaburra (Schönhauser Allee, U2-Rosa-Luxemburg-Platz)

AUF NIMMERWIEDERSEHEN 2012
Es ist wieder soweit! Die Brauseboys setzen an zu ihrer traditionellen Jahresbilanz im Kookaburra. In 17 Vorstellungen vom 20.12. bis 5.1. kicken Paul Bokowski, Hinark Husen, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning das Jahr 2012 aus der Zeitgeschichte – es stand sowieso ständig im Abseits. Das Begleitbuch ist im Berliner Satyr Verlag erschienen.

Für weitere Infos schaut auf unsere Presse-Seite: www.brauseboys.de/presse.htm
Oder reserviert gleich über: www.comedyclub.de 

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Brauseboys am 13.12.: Im weißen Wedding


Wir warten

Ich warte an der Tram-Haltestelle, an der auch andere warten. Wir gehen davon aus, dass uns die nächste Tram Richtung Osloer Straße fahren wird. Letztlich weiß man das aber nie so genau.
Im Bereich des Möglichen wäre zum Beispiel, dass sie einfach rückwärts fährt bis zur Starthaltestelle, und der Fahrer ausruft “April, April”, obwohl noch Dezember ist. Auch könnte sich jemand in den Weg und mit bis dato geheim gehaltenen Superkräften die Tram daran hindern, Richtung Osloer zu fahren. Ich weiß nicht, ob nicht vielleicht das schon ausreicht, was man sich hier in den Muckibuden ringsherum in die Pausenmilch rührt, um mit einer Hand die Tram aufzuhalten, bis deren Räder durchdrehen und sich funkensprühend in die Tramschienen einschleifen.
Wie Superman, der schließlich schon von gestern ist und längst ein Auslaufmodell. Die Rechenkraft von Computern zum Beispiel hat sich seit dem zweiten Weltkrieg mindestens verzehntausendfacht, auf anderen Gebieten habe ich eine ähnliche Steigerung vielleicht einfach nicht mitbekommen. Und selbst, wenn die Kraft desjenigen nicht ausreicht, um die Tram zu stoppen, wird die Tram doch stoppen, definitiv, diese Wette gewinnt man in jedem Fall.

Dienstag, 4. Dezember 2012

Brauseboys am 6.12.: Kerzen im Mastul


Verschoben

Eigentlich müsste ich einen Text schreiben, aber der Kühlschrank ist genauso leer wie die Datei, mein Magen so leer wie die Datei und der Kühlschrank, und das Universum ist so leer wie mein Kühlschrank. Weit und breit nur tote Materie, Kälte und Vakuum, und auf einem kleinen Rest Käse hinten links ist aus unklaren Gründen intelligentes Leben entstanden.
Also gehe ich erst einmal einkaufen, denn der Markt ist im Gegensatz zu meinem Kühlschrank und der Datei voll bis obenhin. Und außerdem muss man ja den Kühlschrank voll machen, genauso wie später die Datei und vorher noch den Magen. Der so leer ist, dass das Portemonnaie, das durchaus voll war, nach dem Einkaufen leer ist. Man soll eben nicht hungrig einkaufen, aber es ist nicht nur notwendig, sondern auch wichtiger, den Magen zu füllen, als die Datei, weshalb ich mich nicht gräme, die Datei leer zu hinterlassen. Zuerst ist der Einkaufswagen leer, dann ist er voll und die Taschen und Tüten, die ich erwerbe, sind leer und dann voll, als der Wagen wieder leer ist. Dann laufe ich über die Allee der staubigen Taschen, den Boulevard der Überziehungszinsen, den Kudamm des Nordens, aber nicht auf Pfennigabsätzen, zurück in die Wohnung. Die leer war und jetzt voll ist mit mir und den Sachen, die den Kühlschrank füllen.

Dienstag, 27. November 2012

Brauseboys am 28.11. & 29.11.: Kein Widerspruch


Hoax

Aufgrund der neuen AGB’s in Facebook widerspreche ich hiermit der kommerziellen Nutzung meiner persönlichen Daten, Zeichnungen und Fotos (gemäß der Berner Convention vor allem denen meiner Hauskatzen und Staubmilben). Wo ich einmal dabei bin, widerspreche ich in gleicher Weise allem Bösen auch für Google+, YouTube, MySpace (nicht so wichtig), und Twitter (Verhandlungssache), außerdem möchte ich wirklich nicht, dass meine Highscore bei Angry Birds veröffentlicht wird. Wehe! Das Copyright meiner Profilbilder liegt ausschließlich bei mir, als selbsterkannte Inkarnation von Mozart, Goethe, John Lennon, Manet, Pythagoras, Billie Holiday und Joachim II. von Brandenburg gilt das auch auch für die Profilbilder der genannten. Die kommerzielle Nutzung aller unser Werke bedarf außerdem meiner schriftlichen Zustimmung (hiermit erteilt).

Sonntag, 25. November 2012

Donnerstag, 22. November 2012

Dienstag, 20. November 2012

Brauseboys am 22.11.: Zum Zuhören


Der perfekte Döner: Merkmal Nr.6

Der perfekte Döner kommt von einem Dönermann, der zuhört. Eigentlich habe ich keine Lust mehr auf die folgende Situation.
“Einen Döner mit Käse.”
“Ein Döner?”
“Ja, mit Käse.”
“Welche Soße?”
“Scharf.”
Nachdem Soße und Fleisch im Brot sind, ergänze ich: “Und mit Käse.”
“Salat alles?”
“Ja, alles. Und Käse.”
Der Döner ist soweit, nur eine Kleinigkeit fehlt noch.
“Zum Mitnehmen?”
“Ja, aber mit Käse.”
“Mit Käse?”
Er schaut skeptisch auf die vollgestopfte Brottasche. Wo soll da jetzt noch Käse hinpassen? Eigentlich gar nicht, man müsste wenigstens das Brot noch einmal aufklappen. Der Käse wird also halb auf den Döner gelegt und einfach schneller mit eingewickelt, als er außen auf dem Brot zerbröseln kann.

Donnerstag, 15. November 2012

Dienstag, 13. November 2012

Brauseboys am 15.11.: Leselichter


30 Sekunden

Wieder einmal lande ich in einer Schulklasse, um mit den jungen Insassen etwas Kreatives zu schreiben, wovon ich aber an dieser Stelle nichts erzählen möchte. Nur andeuten, dass man für die aktuelle Klasse besser nicht mich, sondern den Drill-Sergeant aus Full Metal Jacket hätte einstellen sollen. Denn nur bei diesem hätte ich Hoffnung, dass er eine den Schülern angemessene Mischung aus Disziplinierungsmaßnahmen und packenden Arbeitsmethoden zu finden in der Lage wäre. Als Alternative würde mir nur noch Herkules einfallen. Ich bin dafür einfach zu nett, wofür ich auf der anderen Seite auch gelobt worden bin. “Hat zwar nichts geklappt, aber die Schüler fanden Sie nett”, sagt die Lehrerin nicht ganz in diesen Worten, die aber dahinterstecken. Und die Schüler selbst machen zwar nichts, sagen aber in einer kurzen Kreischpause auch einmal: “Sie sind wenigstens nett.” Wenn allgemeine Nettigkeit als Kompetenz gefragt wäre, könnte ich nur noch Chuck Norris anbieten, diese Schüler zum Schreiben zu bringen. Der guckt doch lieb. Denke aber, er würde den Job aus fadenscheinigen Gründen nicht annehmen, da er insgeheim ahnen wird, dass auch Grenzenlosigkeit irgendwo Grenzen hat. Und wer will schon in einem Klassenzimmer in Pankow enden?
Das Problem ist aber eben nicht, wie man denken könnte, dass es an den Fähigkeiten der Schüler liegen würde, diesem Antibildungsloch, in das alle Jugend gefallen ist. Sie sind schlauer denn je, aber auch viel zu schlau, um das immer zu zeigen. Es blitzt hier und da einmal auf, um mich ruhigzustellen, und das funktioniert. Ein Beispiel: Kurz vor der Stunde sind noch andere Schüler im Raum, einer sieht das “Das ist kein Berlin-Buch” der Brauseboys mit der leer gegessenen Pommes-Pappe auf dem Cover.
“Ist das Buch von Ihnen?”, fragt er.
“Nicht nur, aber zu einem großen Teil”, sage ich.
“Sind Sie ein Schriftsteller?”, fragt er.
“Ja”, sage ich.
“Aha, ich weiß schon, dann schreiben Sie so kurze, lustige Geschichten über Currywurst und Döner.”
Ich nicke. In dreißig Sekunden hat mich dieser 13-jährige, der wie ein 11-jähriger aussieht, analysiert, durchschaut, korrekt einsortiert und verurteilt. Er nimmt seinen Rucksack, schwirrt aus dem Raum und geht zum parallel stattfindenden Spanisch-Kurs. Er hat mich derweil abgelenkt von den Pausengesprächen über Quantenphänomene und Wagners letzte Oper, sobald aber die Klingel zur Stunde schlägt, ist auch meine Gruppe wieder ein schlaffer Haufen aus Papierflugzeugbastlern mit Bestleistungen in den Fächern Ignoranz und Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Ich durchschaue sie, aber es hilft mir nicht.

Donnerstag, 8. November 2012

Dienstag, 6. November 2012

Brauseboys am 8.11.: Gewählte Worte


Mutter Fett und Tochter Dick (von Robert Rescue)

Beobachtung im ALDI an der Müllerstraße. Tochter Dick beschwert sich, dass der Einkaufswagen randvoll ist. "Letzte Woche, wo ich mit Thomas einkaufen war, war der nur halbvoll", wirft sie ihrer Mutter vor.
"Halt die Fresse, Tochter. Werd erst mal so fett wie ich, dann weißt du, warum der Wagen so voll ist.“

Donnerstag, 1. November 2012

Andreas Albrecht

Andreas Albrecht ist nicht nur Produzent schöner CDs anderer Menschen, er besingt auch eigene Alben, von denen das neue "TAGEBUCHt" besonders schön in Holz verpackt ist.


Und nicht nur konnte ich es mittlerweile selbst aus dem Holz nehmen, ich hörte manch schönes Lied davon auch schon im Radio.


Dienstag, 30. Oktober 2012

Brauseboys am 1.11.: Um die Ecke


Neue Medientricks

Der künftige Neuweddinger Peer Steinbrück hat seine Einkünfte aus Vorträgen auf seiner Homepage offengelegt. Und als gäbe es nun wirklich nichts Interessanteres mehr, haben so viele Menschen darauf geschaut, dass die Seite sofort eingebrochen und nun nicht mehr verfügbar ist. Als ich gleich nach Lesen der Meldung danach gucke jedenfalls.
Ein paar Leute konnten es aber wohl lesen, vermute ich, eine Handvoll wenigstens. Morgen jedenfalls schaue ich nicht noch einmal drauf, da gibt es wieder eine andere Meldung. Aber eigentlich kein schlechter Trick, wenn die Informationen durch ihre Offenlegung sofort unzugänglich werden.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Nikolic


Singen hält jung, dieser Formel nach handelt Nikolic, die goldene Stimme aus Kreuzberg, sicherlich auch, um sich seine Jugendlichkeit erhalten zu können. Oder er hat eine andere Form von Jungbrunnen entdeckt und trägt hier hemmungslos Werbeartikel. Wie auch immer vergoldete seine Stimme den Abend.

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Allegorie mit Fluppe

Aus keinem besonderen Anlass besuchte ich mal wieder den Chiller-Park, wo am Chiller-Denkmal vier chillende Allegorien in Damengestalt um den alten Schreiberling herum chillen. Diese hier ist für die Lyrik zuständig.


Jemand hatte sie liebevoll geschminkt.


Und lässig hing eine Zigarette zwischen ihre Fingern.


Dienstag, 23. Oktober 2012

Brauseboys am 25.10.: Weddinger Welten


Unentdeckte Welten

Der Mars-Rover Curiosity hat eine unglaubliche Entdeckung gemacht. Ein kleines silbernes Stück irgendwas im Sand, vermutlich aus Plastik, und die Forscher sind sicher, dass es nicht vom Mars stammt. Aus Plastik und nicht vom Mars auf dem Mars, sensationell. In einem großen Kraftakt aus Ingenieursleistung und Entdeckergeist hat es der Roboter auf dem Mars geschafft, ein kleines silbernes Stück irgendwas, vermutlich Plastik, mit auf den Mars zu bringen, es dann zufällig fallen zu lassen, und ebenfalls wie zufällig darüber zu stolpern. Huch, was ist denn das, denkt er da? Ein Stück hier von mir, hier auf dem Mars? Verrückt, was es so alles gibt.

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Karl


Karl Neukauf wirkte durchaus erschrocken, dass seine Musikerkollegin Chio an diesem Abend ohne jedes Instrument auftauchte und vorgelesen hat. "Das mache ich jetzt auch", wird er sich gedacht haben, "seit Jahren schiebe ich mühevoll meinen Flügel von Auftrittsort zu Auftrittsort, aber es scheint ja auch ohne zu gehen. Mannomann, was hätte ich mir Rückenschmerzen erspart, wenn ich da früher drauf gekommen wäre."

Chio liest


Chio Schuhmacher haben wir als Teil des "Zuckerklub" kennengelernt, sie hat eine coole Stimme, coole Texte, einen coolen Schlag auf die Saiten. Weshalb wir uns unmäßig freuen, wenn sie zu Gast ist. Aber sie liest auch Texte vor, wie an diesem Tag, und das ziemlich cool, wie zu erwarten war.

Dienstag, 16. Oktober 2012

Brauseboys am 18.10.: Magische Minuten


Schwarze Elfen

Die BVG hat heute morgen mal wieder die Zeit angehalten. Als ich an der Haltestelle ankam, waren es noch sieben Minuten bis zur Ankunft des Busses. Nachdem ich eine Zigarette geraucht hatte, und obwohl die Zigarette ein allgemein üblicher und wirksamer Zauber ist, um die Ankunftszeit eines Busses zu beschleunigen, war er danach weiterhin sieben Minuten entfernt. Ich kann daraus nur schließen, dass sich die BVG stärkere Magier angeschafft hat. Eigentlich blieb ein ausgefallener Bus wohl so lange sieben Minuten entfernt liegen, bis wieder der nächste Bus sieben Minuten entfernt war und sich dann anstelle des Gescheiterten der Haltestelle in normalem Zeitfluß näherte. Sicher vermuteten das auch die meisten, mit denen ich dort wartete. Heute aber wußte ich es besser, denn wer den Bus mit Endstation "Schwarzelfenweg" nehmen will, muss einfach mit Zauberei rechnen.

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Dienstag, 9. Oktober 2012

Brauseboys am 11.10.: Kontrollierte Qualität


Qualitätskontrolle

Es klingelt an der Tür und ein Mann von Kabel Deutschland will die Signale an der Multimedia-Dose überprüfen. Er ist der dritte in diesem Jahr, die Dose gehört zur Wohnung, wird im Grunde nicht benutzt und ist sehr neu. Es gab weder eine Beschwerde von mir, noch irgendwelche Bauarbeiten in Nähe der Leitungen, keine Sonnenstürme, Blitzeinschläge, Überschwemmungen, Brände, und wie die zwei anderen Kontrolleure dieses Jahr, und die letztes Jahr, lobt auch dieser die Qualität der möglichen Signalübertragung. Dieser gibt sich besonders Mühe, “Hervorragend, hervorragend” ruft er aus, als würde ich hier das Kasperletheater machen, und nicht er. Und als hätte ich gerade einen Witz gemacht, und nicht er.
“Dürfte ich noch fragen, wie sie telefonieren und im Internet surfen?”
“Nein, ein Verkaufsgespräch müssen sie mit mir jetzt nicht beginnen, ich lasse alles so, wie es ist.”
Das aber fordert ihn heraus und er hakt weiter nach, schmeisst mir irgendwelche Zahlen an den Kopf, ich blocke weiter, er wird pampig, ich wisse ja nicht, wovon ich rede, dann ist er endlich im Flur und ich kann die Tür schließen.
Immerhin habe ich sie nun durchschaut, fast peinlich, dass erst jetzt der Groschen fällt. Aber es wurde aufgerüstet an der Abwerbefront. Der Gegner Mammon weiß immer mehr über uns und feilt an seinen Strategien. Jemand kam auf die zündende Idee, Haustürverkäufer jetzt in einen Blaumann zu stecken und mit dem Wort “Qualitätskontrolle” bewaffnet direkt in die Wohnzimmer zu schicken.
Auch die Online-Spam hat die nächste Evolutionsstufe erreicht und weiß im Gegensatz zum Kabel-Deutschländer recht genau, über welchen Verein ich telefoniere. Die Rechnungs-Mails sehen auf den ersten Blick jedenfalls sehr überzeugend aus, und der Betrag ist mit 91 Euro gut gezielt, um einen unbedachten Klick herauszufordern. Jetzt müssen sie noch daran arbeiten, dass ich die E-Mail nicht gleichzeitig an alle meine zehn Adressen bekomme.
Am Telefon ist das meiste hingegen so plump wie eh und je. Irgendwann einmal hätte ich Fragen über meine Trinkgewohnheiten beantwortet, behauptete eine Frau gestern, zum Dank, gewissermaßen als Geschenk, hätte man mir ein schönes Rotwein-Paket zum Vorzugspreis für 180 Euro geschnürt. “Hervorragend, hervorragend”, rief ich aus, machte alles aus und ging spazieren.

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Brauseboys am 4.10.: Im Westen


Fake

Ich hatte den Schülern ein paar Postkarten mitgebracht, eine wilde Mischung, die sie zum Schreiben anregen sollte. Einer suchte sich eins der bekanntesten Fotos des Mauerbaus heraus, auf dem ein Grenzsoldat einem Kind hilft, den ersten, provisorischen Stacheldraht zu überwinden. "Das geht ja gar nicht", sagte ein anderer Schüler, "das ist ein Fake, Photoshop, man kann Stacheldraht nicht anfassen."
"Oh doch, man kann Stacheldraht anfassen", sagte ich und fragte weiter nach den möglichen Umständen des Fotos. Als ich die Mauer erwähnte, sagte einer, ja, das würde er wissen, die wäre früher einmal um die ganze Stadt gegangen. Ich malte also einen großen Fleck auf die Tafel im Klassenzimmer der Ahnungslosen, der Berlin darstellen sollte, und verschob das Schreiben auf später.

Donnerstag, 27. September 2012

Meike, David und Micha

Meike Schmitz und David Schwarz bilden das Duo "Schwarz un Schmitz", wobei ich betonen möchte, dass ich mich nicht vertippt habe. Das "un" muss so. Außerdem zu Gast: Michael-André Werner, der unter anderem aus seinem frisch erschienen Roman "Ansichten eines Klaus" vorgelesen hat.

Dienstag, 25. September 2012

Brauseboys am 27.9.: Licht im Dunkel


Schweinkram

Ein Wort ist für sich gesehen erst einmal harmlos. Man kann es aussprechen, man kann es auch nur denken, und man kann es nicht kennen. So glaubte ein Schüler in meiner Schreibwerkstatt diese Woche offenbar, dass er mit “Schweineführer” ein besonders lustiges Wort erfunden hätte. Jedenfalls konnte er seine Fabel “Die Katze und der Schweineführer” nicht flüssig vorlesen, immer wieder musste er sich von Lachkrämpfen gekrümmt weg vom Papier drehen. Und das immer genau dann, wenn das Wort “Schweineführer” in seinem Text auftauchte. Und da er sehr stolz über die enthemmende Wirkung seiner Erfindung “Schweineführer” war, kam das Wort “Schweineführer” ziemlich oft vor.
Auch die Jungs um ihm herum wurden von Lachsalven geschüttelt, obwohl es ja im Grunde nicht mal Schweinkram war. Später am Tag gab ich dann Schweineführer in die Suchmaschine ein und war direkt auch erstaunt, dass es das Wort wirklich gibt und mir irgendwie entgangen sein musste. Oder sich nie in meinem Weichspeicher festsetzen konnte und eben die korrekte Bezeichung für denjenigen ist, der das trüffelsuchende Schwein an der Leine führt. Obwohl ja eigentlich das Schwein den Schweineführer führt, denn es weiß im Gegensatz zu ihm, wo die Trüffel sind und führt ihn dahin. Im Grunde ist das Schwein somit Menschenführer, und gelegentlich also auch Schweineführer, wenn der Mensch ein Schwein ist.
Der eigentlich als Schweineführer bezeichnete ist eher ein Schweinehalter oder ein Schweinestopper, denn seine vornehmliche Aufgabe ist es, das Schwein rechzeitig von den Trüffeln wegzuziehen, in der kurzen Lücke zwischen Entdeckung und Verspeisung. Eine undankbare Aufgabe, dem Schwein die gefundenen Speisen wegzunehmen, die als Arbeit sicher nicht dazu geeignet ist, besonders viel gutes Karma dabei anzusammeln.
Die aber auch nicht dafür da ist, sondern um möglichst viele Trüffel einzusammeln. Das ginge aber mit Hunden besser, die Trüffel genau so gut finden, aber nicht so gut fänden, dass sie diese sofort fressen wollen, wie die Schweine, erzählt mir das nette Internet. Und dass es immer weniger Schweineführer auf der Welt gibt und sie gewiß irgendwann auch einmal ganz vergessen sein werden.

Donnerstag, 20. September 2012

Dienstag, 18. September 2012

Brauseboys am 20.9.: Im La Luz


Alles im Kopf

Ein Dönerimbiss im Wedding ist mindestens zweisprachig, die Kunden sind es nicht zwangsläufig.
"Hallo."
"Hallo. Was möchten Sie haben?"
"Einen Döner mit Käse."
"Welche Soße?"
"Scharf."
Ich stehe im Dönerladen, als ein kleiner, dunkelhaariger Junge an den Tresen kommt und hinauf zum Dönermann sieht. Der sieht den Jungen an, überlegt kurz, sagt "Merhaba" und dann noch etwas, das ich nicht verstehe. Das aber vermutlich einfach "Was möchtest du denn haben?" auf Türkisch heißt. Der Junge stockt und sagt erst einmal nichts. Dann sagt er, nicht besonders vorwurfsvoll: "Aber ich bin kein Türke".
Wir schauen uns den Jungen genau an, ich jetzt natürlich auch, und lassen gemeinsam das Auge des Vorurteils schweifen. Dunkler Teint, braune Kulleraugen, Pausbäckchen, ein blaues SpongeBob-T-Shirt. Es gibt ausreichend Hinweise auf die falsche Vermutung des Dönermanns, peinlich ist es ihm trotzdem. "Okay", murmelt er in mein Arrangement Salat komplett, "ist ja nicht so schlimm."
Er verpackt meinen Döner und holt eine Tüte und Servietten heran, als ihm etwas einfällt. Vielleicht auch, weil der Junge jetzt schon eine weitere Minute nicht auf eine Frage antwortet, die er nicht verstanden hat.
"Was möchtest du denn haben?"
"Einen Döner."
"Okay."

Donnerstag, 13. September 2012

Gregor und Marlen


An diesem Donnerstag packten wir Brauseboys mal wieder die Wanderrucksäcke und lasen außer der Reihe im Mastul in der Liebenwalder. Dass es hier ebenso behaglich ist, kann das Foto allein erzählen. Gregor Mothes war zu Gast und der Zuckerklub spielte auf, der hier mit Marlen Pelny aber nur zur Hälfte zu sehen ist.

Dienstag, 11. September 2012

Brauseboys am 13.9.: Im Mastul


Suchergebnisse "Bettina ging"

Bettina ging es nicht anders.
Aber Bettina ging einen anderen Weg.
Bettina ging oft in die Kneipe in der Nähe.
Bettina ging es bei ihrem ersten Einsatz ähnlich wie Christine: "Da rutscht dir das Herz in die Hose", weiß sie noch.
Bettina ging voraus in ihr kleines, schmuddeliges Wohnzimmer.
Bettina ging auf meine Bedürfnisse und Beschwerden ein.
Bettina ging ab wie Lotti.
Bettina ging mit der anderen Gruppe direkt in die Box des Red Bull Teams.
In den Sommerferien trainierten wir unseren Simba wieder an und Bettina ging mit ihm wieder zum Reitunterricht.
Lediglich Bettina ging im zweiten Durchgang in der Deckung beherzter zur Sache und sorgte somit für ein Mindestmaß an Stabilität.

Donnerstag, 6. September 2012

Dienstag, 4. September 2012

Im Kino: Dichter und Kämpfer



Kinostart am 6.9: Dichter und Kämpfer - das Leben als Poetryslammer in Deutschland


Die Journalistin Marion Hütter hat einen abendfüllenden Dokumentarfilm über vier Slampoeten in Deutschland gedreht, der dieses Jahr auf der Berlinale vorgestellt wurde und diese Woche offiziell und deutschlandweit in vielen Kinos startet. Auch bei uns Brauseboys sind über die Jahre viele Slammer zu Gast gewesen, und auch wir sind schon auf Slams gesehen worden. Und so ähnlich wie die vier leben wir auch, deshalb sei der Film hier auch ohne unserer Beteiligung wärmstens empfohlen. Und wie es immer so ist, entscheiden die ersten Kinotage über die Zukunft eines Films. Wer also in Berlin oder so ziemlich jeder anderen größeren Stadt diesen Landes diese Woche ins Kino gehen möchte, und schon lange genug von blöden Effekten, Monstern und Superhelden hat, der sehe sich lieber diesen Streifen an.

www.dichter-und-kaempfer.de & www.facebook.com/DichterUndKaempfer

In Berlin:
Hackesche Höfe Kino 5
Kino Zukunft am Ostkreuz 3
Sputnik am Südstern

Brauseboys am 6.9.: Sprechen und Lesen


Da war sie weg, die Idee für den Text (von Robert Rescue)

Nach einem Auftritt der Brauseboys habe ich beim Einräumen der Stühle einen Einkaufszettel aus Karton gefunden. Prima, dachte ich mir, da schreibe ich einen Text drüber. Eine Analyse der einzukaufenden Waren und eine Vorstellung, wer die Person sein könnte, die den Zettel verloren oder entsorgt hat. Zuhause legte ich den Zettel auf den Drucker. Eine Woche später wollte ich was drucken und plötzlich fiel der Zettel in den Papiereinzugsschacht und wurde mit eingezogen. Daraufhin ging der Drucker kaputt. Aufschrauben konnte ich den nicht und somit waren sowohl Einkaufszettel, die Idee dazu, als auch der Drucker verloren.

Dienstag, 28. August 2012

Brauseboys am 30.8.: Termingewitter


Urlaubsmärchen

Und es begab sich aber zu der Zeit, dass der Vorleser für seinen Urlaub einen Ort in der Klimazone Funkloch gewählt hatte. Nach einigen Tagen schon schrumpfte die Welt daher beträchtlich um ihn, die kleine Insel konnte nun Kontinent genannt werden. Der reichte an die Ostsee, bald danach kam der Rand, über den hinaus man wohl ins Weltall fallen würde. Hinter der Grenze seines Campinglandes, hinter dem Wald, gäbe es sogar den entbehrten Handyempfang, munkelte man, aber sonst fehlte es ihm an nichts. Die See war größer als jede Badewanne, das Blätterwerk über ihm war dicht und der Wind brach sich an Dünen und Bäumen ein paar Meter entfernt, schwirrte über das Dach und hätte nur sanft die Haare aus seinem Gesicht gestreichelt. Wenn der Vorleser noch für solcherlei Vorgang ausreichend Haupthaar besessen hätte.
Der Laden im Zentrum des Landes bot von Allem das Nötigste, die Währung vor Ort war stabil, hieß Duschmark und galt für jeweils drei Minuten. Und für die körperliche Stärkung zwischendurch hatte man, wie in seiner weit entfernten Heimat, nur wenige hundert Meter entfernt einen Dönerimbiss in den Wald gestellt. So also lebte er auch in der Fremde mit größtem Behagen und freute sich seiner Tage.

Dienstag, 21. August 2012

Brauseboys am 23.8.: Lesen und Singen


Die Zukunft naht

Über die Jahre habe ich beim Zelten das stets fehlende Kopfkissen auf unterschiedliche Art und Weise zu simulieren versucht. So kann man den Sack, in dem der Schlafsack sonst steckt, den Schlafsack-Sack, mit abgetragenen T-Shirts und dergleichen stopfen. Ist das simulierte Kopfkissen am ersten Tag noch etwas flach, kann es Tag für Tag wachsen, dennoch brachte ich es auf die Methode und mit verschiedenen Stopftechniken nie zustande, ein halbwegs überzeugendes Kopfkissen-Imitat zu erhalten. Auch ohne den Sack lassen sich größere Mengen gefalteter, gestopfter oder gerollter Kleidung in den Nacken klemmen, aber es ist immer zu flach, zu hoch, zu hart, zu rutschig oder sonstnochwas gewesen. Nach vielen Jahren also, eigentlich nach allen Jahren überhaupt, in denen ich es bislang nicht vermocht habe, rechtzeitig daran zu denken, ein richtiges Kopfkissen einzupacken, habe ich mir jetzt spontan vor dem Urlaub eine aufblasbare Nackenstütze bei Karstadt gekauft. Wieder kein Kopfkissen natürlich, von denen gibt es ja genug zu Hause. Auf der Verpackung steht die Warnung, der Inhalt könne in Farbe und Ausführung "bedingt durch technischen Fortschritt" von der Darstellung abweichen. Also war ich durchaus gepannt, was ich darin vorfinden würde.

Donnerstag, 16. August 2012

Dienstag, 14. August 2012

Brauseboys am 16.8.: Was mit Vorlesen


Auf der Straße

Es wird immer wieder behauptet, Geschichten lägen auf der Straße. Ich aber war heute dort und muß dagegenhalten, sie liegen nicht dort. Sie laufen hin und her. Und da das so kitschig klingt, dass es kaum noch auszuhalten ist, darf ich ergänzen: Manche stehen auch oder sitzen. Und viele tragen Tigermuster. Und hier im Wedding, da liegen sie auch manchmal, in halbverdauten Bierlachen und Dönerschmodder und Passantenschnodder. Und nicht jeder sitzt an der Bushaltestelle, sondern auch vor einem Kaffeebecher, der bis auf ein paar Centstücke leer ist. Und da das so elend klingt, dass es kaum noch auszuhalten ist, darf ich ergänzen: manche stehen auch mit dem Kaffeebecher am Kiosk und trinken daraus.
Manchmal ruft ein Freund aus der Mitte von Mitte an, ob wir uns mit einer Flasche Sternburg an die Kreuzung Müller- Ecke Seestraße setzen wollen. Zuerst war ich irritiert, aber er erläuterte mir zugleich, dass die Menschen auf der Straße hier viel anders wären als bei ihm, der Erde näher, so dass das Beobachten allein schon eine Sensation wäre. Zudem stehe er auf kräftigere Männer mit Migrationshintergrund, die es bei ihm nicht, aber hier in Hülle und Fülle geben würde. Mittlerweile hätte er auch mehrere Geschichten hier in der Gegend laufen, aber immer nur kurze. In diesem Fall nun liegen die Geschichten dann doch einmal, auf der Straße aber wirklich selten.

Sonntag, 12. August 2012

Dienstag, 7. August 2012

Brauseboys am 9.8.: Vollendet


Man stellt sich an

Oh, wieder einer dieser Tage, an denen man sich an die falsche Supermarktkasse stellt. Obwohl es am Nachmittag ist und schon ein paar Tage weg vom Monatsanfang. Und fern vom Wochenende, und obwohl alle Kassenschlangen kurz sind. Gut, die ganz vorne haben einen Wagen vollgeladen, sieht man, denkt aber an diesen Tagen: "Mein Gott, ein Wagen, was kann da schon alles drin sein?" Aber es stellt sich heraus, dass sich auch in einem einzelnen Wagen so viel Zeug stapeln lässt, dass man dahinter verhungert und verdurstet. Wenn die Ladung zudem in mehreren Schüben bezahlt wird, verkompliziert durch merkwürdige Coupons, und mal bar, mal mit Karte.
Das ist alles mitbedacht, denkt man da, mit der modernen und ausgefeilten Supermarktlogistik, das muss ja alles immer schneller gehen. Und über den Gedanken wird man kahl und grauhaarig. Was hatte man nicht alles noch vorgehabt, Kinder, Hausbau, Reisen um die Welt, und mit jeder Minute wächst die Gewissheit, das alles auf ein diffuses Nachleben in späteren Generationen verschieben zu müssen. An der Kasse nebenan strömen sie im Minutentakt vorbei, es macht Pling-Zack und man wünscht sich "Auf Wiedersehen". Nur kurz schauen sie herüber, das Mitleid unverholen im Blick, und die Erleichterung, dass man vom Schicksal der bedauernswerten Kreaturen nebenan verschont geblieben ist.
Natürlich hatten diese, in grauer Vorzeit, auch einmal erwogen, auszuscheren und dem Elend durch einen Kassentausch zu entrinnen, aber dieser Impuls ist längst gebrochen. Wenn man einen Berg besteigt, geht man ihn auch wieder herunter, denkt man in einem letzten Aufglimmen des Lebenswillens gelassen auf das immergleiche Ende des Einkaufswagens vor einem. Hätte nicht auch nebenan alles jederzeit passieren können? Ein Storno, ungültige Karten und vieles mehr.
Eine Frau bittet mich zur Seite, sie will ohne etwas zu kaufen vorbei. Leider ist sie zu kräftig, um zwischen Wagen und Stange vor uns ins Freie gelangen zu können, sie hängt mit uns fest. Nach ein paar Jahren stellten wir uns einander vor und bekamen Kinder. Als wir an der Reihe waren, schoben wir unseren Wagen schließlich mit unseren Enkeln nach draußen. Und da alles darin längst vergammelt war, kehrten wir um, luden ihn voll und stellten uns wieder an.

Dienstag, 31. Juli 2012

Brauseboys am 2.8.: Weddingversteher


Weddinger Idylle

Der Spätverkäufer steht mittags vor dem Spätkauf und weist mich Vorbeischlendernden auf etwas hin. Durch die Scheibe sehe ich auf einem Getränkekasten einen Spatz sitzen, der uns gleichfalls von innen beobachtet.
"Der kommt öfter", sagt der Spätverkäufer.
"Und welches Bier kauft er immer?", frage ich.
"Radeberger."
Ich komme der Scheibe zu nah, der Vogel startet und flattert durch die offene Tür nach draußen. "Oh, Entschuldigung", sage ich und weiß nicht genau, zu wem eigentlich.

Mittwoch, 25. Juli 2012

Brauseboys am 26.7.: Sonne und Senf


Versprechungen

Sämtliche Kritik am Sommer ist verstummt, denn jetzt soll es ja endlich losgehen mit den heißen Tagen. Müsste man aber nicht ein wenig konsequenter mit der Jahreszeit sein? Wenn man nach zwei Sonnentagen sofort wieder frohlockt und alles vorherige vergisst, lernt die doch nichts. Das merkt der Sommer doch, dass die Kritik nicht nachhaltig war, da kann er sich versonnen zurücklegen und ändert nichts an seinem Gebahren. Drei Wochen Gegrummel können ja gar nicht so schlimm gewesen sein, wenn kurz darauf alle wieder durch die Blumen springen, als wäre nichts gewesen. Im Grunde reizt der Sommer doch nur aus, wie wenig er machen muss, um durchzukommen.
Ich sitze in einem Bus nach Spandau, was ich auch daran erkenne, das er auf dem Wege dahin nicht durch einen Wald aus Häusern schaukelt, sondern minutenlang durch einen Wald mit Bäumen. Da hinter dem Wald und der Brache, da hinten irgendwo liegt Spandau. Eine Mutter mit ihrer Tochter sitzt neben mir in der Sitzreihe.
Die Tochter sagt: "Du hast versprochen, ich kriege einen Bubble Tea."
Und die Mutter antwortet: "Nein, ich habe gesagt, morgen bekommst du einen Bubble Tea."
Die Tochter weiter: "Du hast versprochen, ich kriege einen Bubble Tea."
Die Mutter noch einmal: "Nein, ich habe gesagt, morgen bekommst du einen Bubble Tea."
Die Tochter wieder: "Du hast versprochen, ich kriege einen Bubble Tea."
Die Mutter erneut: "Nein, ich habe gesagt, morgen bekommst du einen Bubble Tea."
Man kann sich vielleicht vorstellen, wie sich das Gespräch in den nächsten Minuten entwickelt hat, überhaupt nicht. Und wenn es auch nichts genutzt hat, machte das Kind es wie wir mit dem Sommer, es beharrte auf seiner Kritik. Die löste sich dann gewiß am nächsten Tag genauso, mit dem ersten Schluck der glitschigen Zuckerinjektion, wieder in Luft auf.

GEMA: Senf oder nicht Senf? Das ist hier die Frage ... (eine Art Streitgeblogge)


Auf meinen Blogeintrag vom 2.7. gab es vielfältige Reaktionen. In einer Facebookgruppe von GEMA-Mitgliedern hat der Leipziger Musiker, bekannt unter dem Pseudonym „MR“, versucht, meine Thesen fachgerecht zu zerlegen. Es hat sich viel Mühe gemacht, und ich finde manche seiner Einwände bedenkenswert, weil sie eine andere Sichtweise auf die Problematik zeigen und ein paar neue Aspekte einbringen. Daher haben wir vereinbart, dass ich seine Gegenrede in einem eigenen Blogeintrag dokumentieren und meinerseits noch einmal kommentieren darf. Dafür schon mal ein großer Dank an MR, der beim Pseudonym bleiben möchte, um bei etwaigen Negativreaktionen seine Bandkollegen aus der Schusslinie zu nehmen (das ist sehr anständig). Vorneweg jeweils eine Kurzversion meiner These, damit man nicht jedes Mal zurückblättern muss. Aus künstlerischer Solidarität schreibe ich meine Erwiderungen ebenfalls in Kleinbuchstaben, allerdings enden damit unsere Gemeinsamkeiten dann auch schon, zumindest größtenteils. Also wird dieser Blogeintrag dokumentieren, wie verschieden die Urheber ticken, die sich gemeinsam unter dem Dach der GEMA versammeln. Ich überlasse die Bewertung den Leserinnen und Lesern dieses Blogs. Aus diesem Grunde werde ich, so sich eine Diskussion entwickelt, diese auch nicht weiter kommentieren.

Freitag, 20. Juli 2012

Die GEMA und das Märchen von der Entlastung der Kleinveranstalter


Noch ein Nachtrag zu meinem Gema-Senf. Darin hatte ich unter anderem über die Situation des kleinen Vereinslokals geschrieben, für das ich die GEMA-Angelegenheiten regele. Bisher ging ich blauäugig davon aus, dass wir als Kleinveranstalter von der Tarifreform profitieren, bzw. so klein sind, dass sich unter dem Strich gar nichts ändert. Inzwischen bin ich einen Schritt weiter. Wir werden doch getroffen. Und zwar volle Breitseite.

Entlastet wird wohl nur der Kleingartenverein mit seinem jährlichen Sommerfest oder ähnliche Einzelveranstalter. Wer hingegen regelmäßig veranstaltet, hatte bislang Jahrespauschalverträge. Diese werden zum 1.1.2013 ersatzlos abgeschafft – ein Umstand, der in keiner der schönen Vergleichsrechungen der GEMA auftaucht.

Für die Fachleute unter den Lesern: Der Tarif M-U III 1b fällt weg. "Tonträgerwiedergabe mit Veranstaltungscharakter und ohne Tanz". Den gab es in den Kategorien bis 16 und über 16 Veranstaltungstage im Monat. Im Grunde war das eine Art GEMA-Flatrate für Veranstalter. Man zahlte einen Jahresbetrag, und damit war quasi jegliche Musiknutzung abgegolten, die weder Tanz noch Konzert war, inklusive der sogenannten Hintergrundmusik. Zukünftig muss jeder Veranstaltungstag einzeln abgerechnet werden!

Die Kategorie „Veranstaltungen ohne Tanz“ wird auf gleichem Wege ersatzlos gestrichen.
Das trifft das Kneipenquiz mit 2€ Eintritt, das Speeddating im Club, das Gratistransenschingelschangel in der Gaybar ebenso wie den Veranstalter von queeren Sexpartys oder den Galeriebetreiber, der regelmäßig Vernissagen ausrichtet. Jede Veranstaltung, bei der Musik läuft, ohne dass die Musik im Mittelpunkt des Geschehens stünde und die Besucher ihretwegen kämen, wird zukünftig wie ein bumsvolles Tanzlokal abgerechnet (mit allen Aufschlägen, die ich in meinem ersten Blogeintrag beschrieben habe).

Wir haben das für unseren Verein mal ganz konkret durchgerechnet, und zwar ohne DEHOGA-Tarifrechner, sondern wirklich nur anhand von unseren GEMA-Rechungen und den bisher vorliegenden Tarifinformationen. Hier das niederschmetternde Ergebnis:

GEMA-Kosten (netto) für ein Vereinslokal (75qm, Netto-Jahresumsatz: 31.000€*)
2011
ab 1.1.2013
459,70€ Pauschalvertrag für Hintergrundmusik mit Tonträgern und Veranstaltungscharakter ohne Tanz (Tarif M-U III 1b)
+ 91,94 € (20% GVL-Aufschlag)
+ 229,85 € Aufschlag für selbst erstellte Tonträger (50%)
+ 22,96 € GVL-Aufschlag für selbst erstellte Tonträger (10%)
= 827,46€
+ 87,20€ für rd. 4 Live-Konzerte (Eintritt frei)
+  103,22€ für Wiedergabe 1 Fernsehgerät (inkl. Aufschläge für GVL und VG-Wort)

175,60€ für Hintergrundmusik (Tarif M-U III 1a)
+ 1.260€ für 18 Veranstaltungen (6,50€ Eintritt, Tarif U-V)
+ 630€ Zuschlag für 18 x Dauer > 5 Std.
+ 352€ für 12 Einzel-Termine und 4 Live-Konzerte (Eintritt frei; 16x Mindestbetrag Tarif U-V)
= 2.417,60€
+ 1.208,50€ Aufschlag für selbst erstellte Tonträger (50%)
+ 628,58 GVL-Aufschlag (bei Tarif U-V: 26%)
+ 103,22€ Wiedergabe 1 Fernsehgerät (inkl. Aufschläge für GVL und VG-Wort)
= 1.017,88€
= 3.729,32€ (+266%)
= 3,28% des Gesamtumsatzes
= 12,03% des Gesamtumsatzes
* = Gesamteinnahmen des Vereinslokals inkl. Gastronomie (ohne MWST)

Man sieht: Alle Einzelveranstaltungen, die 2011 noch über den Pauschalvertrag abgedeckt waren, müssen nun einzeln abgerechnet werden. (Und, das sei noch einmal expressiv verbis hinzugefügt: Für diese Rechung bin ich für beide Jahre von der exakt gleichen Zahl und Art an Veranstaltungen ausgegangen. Das, was rechts mehr auftaucht als links, war links über den Pauschalvertrag abgedeckt.)
Dabei ist diese Rechnung noch mit Unsicherheiten behaftet:

Donnerstag, 19. Juli 2012

Dienstag, 17. Juli 2012

Brauseboys am 19.7.: Unter Sommerwolken


Literaturgesteuert

Ich setze mich hin, schlage eins der Bücher auf, die ich gerade lese, und lese sogleich: "Setzen Sie sich... Ich stelle Teewasser auf." Also stehe ich auf und stelle Teewasser auf. Braucht es noch einen Beweis, dass Literatur Menschen in Bewegung setzen kann? Nein, einer reicht. Die richtige Idee im richtigen Moment steuert mich wie einen Zombie.
Schön wäre es, wenn man mir berichten würde, ob sich beim Lesen der letzten Sätze gerade eben auch bei anderen der Drang eingestellt hat, Teewasser aufzusetzen. Oder es jemand gar ausgeführt hat vor dem Weiterlesen. Und wäre das so, sollte man generell doch etwas vorsichtiger damit sein, welche Bücher man aufschlägt. So lese ich gerade außerdem "Die Reise nach Petuschki", einen spritlastigen Roman, in dem kein Teewasser vorkommt. Wer ihn nicht kennt, dem rate ich hiermit hinsichtlich der neuen Erkenntnisse, ihn möglichst weit weg von jeder Schnapsflasche zu lesen. Das literaturgesteuerte Auführen der Trinkmenge nur weniger Seiten kann drastische Folgen haben.
Das kleine Büchererlebnis zwitschere ich auch in mein Twitter-Profil. Ein Spamroboter hat sofort die Worte "Buch" und "lesen" aufgeschnappt und schickt mir eine Antwort, die gleiche wie allen anderen, die sich der Roboter so herausgefischt hat. Er schickt mir einen Buchlink zu "Shades of Grey", diesem Sado-Maso-Dingsda aus Amerika. Aber die Werbung erwischt mich ganz im falschen Moment. Nicht auszudenken, wenn da steht "Er fesselte sie" und man plötzlich den Drang verspürt, die Rolle Paketschnur aus der Kammer zu holen.

Donnerstag, 12. Juli 2012

Dienstag, 10. Juli 2012

Brauseboys am 12.7.: Verlesene Geschichten


Beobachtung in der U-Bahn (von Robert Rescue)

Ein Mann sitzt mir gegenüber und hält vier Tüten Popcorn in der Armbeuge. Aus einer geöffneten isst er, aber seine Bewegungen sind so unkoordiniert, dass ihm die Hälfte auf den Boden fällt. Nach ein paar Minuten ist dieser mit Popcorn übersät. Dem Mann, der betrunken oder verrückt, vielleicht auch beides ist, gefällt das und er beginnt, das vor ihm liegende Popcorn zu zertreten, während er sich nach und nach eine Handvoll Popcorn ins Gesicht schmeißt. An der Station Turmstraße steigt er aus. Als er weg ist, setze ich mich an einen anderen Platz. Niemand soll denken, ich hätte was damit zu tun.

Donnerstag, 5. Juli 2012

Florian und Volker

An diesem schönen Donnerstag hatten wir Gäste im La Luz, wie jeden Donnerstag. Das erste Mal dabei war Florian Josef Blank, der mit der schlichten Technik verfährt, dass er über das singt, was die Welt ihm zeigt.


Und wir mussten ihn lange entbehren, aber umso größer war die Wiedersehensfreude mit dem Autor und Filmemacher Volker Strübing.


Dienstag, 3. Juli 2012

Brauseboys am 5.7.: Das wunde Herz


Stimmung

Der Leopoldplatz ist das wunde Herz des Wedding, hier sind Granit und Asphalt härter als anderswo. Zumindest fühlt es sich für mich so an, wenn ich hinüberschreite. Wie alle Passanten senke ich demütig den Kopf und laufe schneller über den klebrigen, fleckigen Boden mit den Scherben und dem immerwährenden Hauch "Odeur d'Urine". Tauben zerren an Rattenleichen, hagere Trinker auf den Kirchentreppen nippen an braunen Flaschen, ein schnöder Springbrunnen schmeisst Frischwasser in die Luft, das in die Dreckdeponie der Brunnenschale hineinfällt, ohne das schlierige Gemisch darin jemals aufklaren zu können. Es ist nicht schön hier, aber es darf auch nicht alles schön sein, wenn nicht alles schön ist.
Eine junge Frau spricht mich mitten auf dem Platz an und will wissen, ob ich Arbeit suche. Arbeit auf einem Straßenfest könnte sie anbieten. Ich bin etwas überrascht, aber dreimal muss man nicht raten, was ich antworte.
"Pst, junge Frau", sage ich, "wissen Sie nicht, wo Sie hier sind? Sie machen doch die ganze Stimmung kaputt."

Sonntag, 1. Juli 2012

Mittwoch, 27. Juni 2012

Brauseboys am 28.6.: Mit Schauing


Nationalstolz

Ist das letzte, worauf man stolz sein sollte. Macht es wie der Pizzabäcker auf der Müllerstraße, bei dem ich letztens eine Mini-Pizza bestellte, bekam und im Laden gemütlich verschlang. Ein Kunde fragte ihn: “Bist du Italiener?”
Und der Pizzabäcker antwortete: “Nein, noch schlimmer.”
Mehr sagte er nicht und mehr musste er auch nicht sagen, denn dies sei zukünftig die Standardantwort auf Fragen nach der Nationalität. Egal, ob jemand richtig oder falsch geraten hat: “Nein, noch schlimmer”. Und wenn die Antwort im Eifer nur ein Wort haben darf, z.B. wenn man das nächste Mal von der Seite mit “Deutschland” angebrüllt, kann man auch einfach mal “Japan” zurück brüllen. Das wichtige ist nur, dass der andere einen Moment darüber nachdenken muss, denn dieser Moment wird garantiert mit dem herrlichen Klang von Stille einhergehen.

Dienstag, 19. Juni 2012

Brauseboys am 21.6.: Mit Ball ab 20 Uhr


Abwarten und Bier trinken

In zwei Wochen ist der Spuk wieder vorbei, das Gros der Flaggen und der Dekotand kommt in die Mottenkiste. Irgendwer hat gewonnen und die anderen haben verloren. Das wird in ein großes Buch namens “Fußballgeschichte” eingetragen und das kommt obenauf. Dann wird die Kiste geschlossen und in den Jahren darauf immer mal wieder geöffnet, entleert und wieder gefüllt und geschlossen. Ein paar zehn Jahre weiter kommt die Kiste in ein Fan-Archiv, das ein paar Jahrhunderte später sich selbst überlassen wird, bis die Jahrtausende drauf den Zugang verschütten und die Kammer versiegeln. Wind, Wetter und die Naturkräfte sausen und brausen für ein paar Äonen, hunderttausende Jahre, die sich zu ein paar Millionen summieren, bis die nächste bewußte Spezies die Kammer aufstöbert. Dort werden die Archäologen eine Kiste ausfindig machen, mit längst verblasstem Kultmaterial. Obenauf eine heilige Schrift kryptischen Inhalts, die auch Experten lange nicht entschlüsseln können, weswegen sie von den Esoterikern der Zukunft zur Berechnung kommender Weltuntergänge benutzt werden wird. Wenn die Entschlüsselung doch endlich geschafft sein wird, wird das Ergebnis die Welt ernüchtern. Eine Reihe von Ergebnissen eines beliebten Ballspiels der Vorzeit, wird es heißen, ohne jede Relevanz für uns heute.

Dienstag, 12. Juni 2012

Brauseboys am 14.6.: Ohne Ball


Balla balla

Vor lauter Bällen, die uns derzeit umschwirren, ist den meisten bestimmt schon zu schwindelig geworden, um kompliziertere Satzkonstruktionen in Blogeinträgen noch kopfschmerzfrei entwirren zu können. Oder Fehler, Nonsens, balla balla im allgemeinen noch von der Realität zu unterscheiden. Die anderen wiederum, die sich entziehen, meiden das Abendrot und die Nacht, wenn die Fußballzombies durch die Straßen ziehen. Und lassen den Computer aus oder ziehen den großen Netzwerkstecker, womit die verzwirbelten Sätze sie auch nicht erreichen.
Besonders schön, liebe Fußballfreunde, finde ich nicht nur das Gröhlen generell, gerne studierte ich in der Tram am Samstag zum Beispiel die vorverbale, archaische Variante "Öööööööhö" am betrunkenen Objekt, nein, ein Freudenstrahlen blüht auch in meinem Gesicht, immer wieder, wenn ich von aufgepumpten Jungbullen mitternächtlich am Straßenrand mit "Deutschland" angebrüllt werde. Aber ich bin nicht Deutschland, ihr Irren. Ihr seid Deutschland.
Das schwarz-rot-goldene Marketing ist endlich ausreichend plus umfassend blöd geworden, für meinen Geschmack, es hat die Stufe erreicht, auf der es für mich alles negiert, was es empfiehlt.  Wie ein schwarzes Loch. Vielleicht bin ich allein, aber ich kaufe genau die Sachen nicht, auf denen mit einer Flagge geworben wird. Bei Duplo gehts noch, weil es schon immer so war, aber ansonsten finde ich das eklig. Auch könnte ich keine Frau küssen, die ihre Wangen beflaggt hat, sie müsste sie kurz verdecken. Ja, es ist eine Antihaltung, aber es ist meine Antihaltung.
Im Supermarkt sind Aufbauten enstanden wie sonst nur zu Weihnachten, die Fußballmeisterschaften sind der neue Osterhase. Statt bemalten Eiern gibt es wochenlang schwarz-rot-gold eingefärbte Grillwürste. Hoffentlich muss ich nie jemanden zusehen, der sie isst.

Donnerstag, 7. Juni 2012

Wieder misslungen

Aus den gleichen Gründen, wie sie im Eintrag von letzter Woche niedergelegt sind, hier wieder zwei Versuche, technisch misslungene Fotos irgendwie doch noch zu posten. Und dabei hatte ich mir extra vorgenommen, jetzt mal ein schönes Foto von Rapanthé Wolny zu machen, weil es schon das erste Mal nicht geklappt hat. Jetzt wieder. Bei all dieser Selbstgeißelung darf jedoch nicht unbemerkt bleiben, dass die junge Autorin seit einigen Monaten mit der schönen Lesebühne "Reality Is For Pussies" auf der Bühne der Baiz an der Torstraße zu hören ist.


Denn darum geht es hier ja, und nicht um mich. Außerdem zu Gast an diesem schönen Donnerstag der Barde des Wedding, der einzigartige Jan Koch.


Mittwoch, 6. Juni 2012

Brauseboys am 7.6.: Der Wedding bleibt


Neulich an der Mittelpromenade (von Robert Rescue)

Ein Stück neben der Bestellluke steht ein älterer Mann mit ungepflegten weißen Haaren und kann sich nur noch schwerlich auf den Beinen halten. Es ist 23 Uhr und er beobachtet eine Gruppe Jugendlicher mit Skateboards, die gegenüber an der Tram-Haltestelle warten. „Als ich so alt war wie die, musste ich um 22 Uhr ins Bett“, lässt er alle wartenden und essenden wissen. „Ach was, um 20 Uhr musste ich im Bett sein. Und die sollen unsere Zukunft sein. Nee, also da sehe ich schwarz. Das wird mit denen nichts.“ Auf der anderen Straßenseite läuft ein Mann hin und her und brüllt die Passanten auf Französisch an. Wird er zu dem auch noch was sagen? „Wenn Hertha absteigt“, lässt er jetzt alle wissen und einige horchen interessiert auf, „dann bringe ich mich um. Ich bin seit 40 Jahren Hertha-Fan. Wenn die absteigen, habe ich in Berlin nichts mehr zu suchen. Dann ziehe ich weg oder bringe mich um.“

Ich habe ihn seitdem nicht mehr an der Mittelpromenade gesehen. Also nehme ich mal an, er hat seinen Entschluss auf die eine oder andere Weise umgesetzt.

Donnerstag, 31. Mai 2012

So nicht

Ich mache nun schon seit vielen Jahren jede Woche Fotos unserer Gäste, jetzt offenbar setzt eine gewisse Ermüdung bei mir ein. Die äußert sich so, dass ich mir einfach nicht genug Zeit für die Fotos lasse, Mühe kommt von Mühsal. Oder andersherum? Wie auch immer, manchmal bleibt mir nichts anderes übrig, als irgendwelche Regler bei Gimp so lange hin- und herzuziehen, bis das halbherzige Ergebnis vollends zerstört ist. Kein Problem, denke ich wiederum dann, das kannst du durch wirre Vor- und Nachbemerkungen schon wieder irgendwie ausgleichen. Ein Teufelskreis. Hier ein allen Regeln der Bildkomposition hohnlachendes und entsättigtes Foto von Gregor Mothes.


Zudem sollte man immer sichergehen, dass man wenigstens ein Foto des Motivs nach Hause trägt, in dem das Motiv freundlich guckt. Lächeln muss ja nicht sein. Wenn man aber, wie hier von Nils Heinrich, nach einem schönen Abend nur ein Bild auf der Speicherkarte hat, das so wirkt, als wäre Nils gerade wegen seiner Doktorarbeit als Verteidigungsminister zurückgetreten, dann trägt natürlich nur der zuständige Schnappschussler die Schuld. Also auch entsättigen, das lenkt vielleicht ab.


Schließlich hätte ich ja von Tito Maffay immerhin noch ein zweites gehabt, das durchaus akzeptabel ist. Wie ich so ein schönes Foto aber sinnvoll in die Reihe der vorherigen stellen könnte, stellte mich vor noch größere Probleme. Also doch lieber das andere nehmen, das mit dem leicht grimmigen Ausdruck. Und entsättigen natürlich. Anmerken muss ich noch, dass der Abend natürlich ganz anders war. Ach, hab ich ja schon.


Mittwoch, 30. Mai 2012

Brauseboys am 31.5.: Mit Nils


Überall Wedding 

Letzte Woche sprach mich eine Frau im Freibad Plötzensee an. Ich saß auf dem Steg und schaute zum bunten Treiben der wild Badenden am Ufer gegenüber. "Die Leute da drüben, die bezahlen aber nicht, oder?", fragte sie und ich bejahte. Wir beide hatten hingegen bezahlt, denn hier war ja das Freibad, klar auch durch eine Trennleine im Wasser markiert, die in unserer Sicht schaukelte. Und gegenüber gab es nur eine alte Terrasse, die zum freien Baden gegenüber dem Freibad genutzt wird. Und als ob genau damit eine weitere geheimnisvolle Grenze gezogen worden wäre, mit dem Bezahlen, fragte mich die Frau weiter: "Und das da drüben ist Wedding?" 
"Nein", sagte ich und schaute mich vergewissernd um, "hier ist überall Wedding." Das schien sie zu verwirren. 

Montag, 28. Mai 2012

Teilnehmer-Überblick


Die sonstigen Lieder dieses Jahr haben geklonte Liedtexte aus den üblichen Klonvorlagen, aus “Deine Augen sind der Himmel - Lieder selbst bauen mit dem Liedertexteselbstbauset, von A wie Ah-Oh-Ah bis Z wie Zeig mir den Weg zum Licht.” Und ich bin müde geworden, den Quatsch einzeln zu besprechen. Warum, macht ein kurzer Durchlauf deutlich:

Zypern:
Oh Oh Oh ich fühl die Energie, überwältigt mich, legt sich auf mich,
wie lange habe ich gewartet auf die
Lalalalalalalala-Liebe

Griechenland:
Ich muss sagen, was in meinem Kopf vorgeht,
wenn ich bei dir bin, fühl ich mich gut.

Deutschenland:
Ich bleibe still stehen,
ich bleibe still stehen,
wenn du jetzt weggehst.

Russland:
Party für alle, tanzt
Komm her und tanz,
komm her und tanz.

Moldawien:
Gerade wie aus dem Paradies, kommst du vom Himmel geflogen,
in einem Flugzeug, das deinem Vater gehört.

England:
Wenn du jemanden liebst,
folge deinem Herzen.
Liebe kommt nur einmal,
wenn du viel Glück hast.

Albanien:
Zeit hat keine Zeit für uns
Nei-ei-ein
Nei-ei-ei-ei-ei-ei-ei-ein
Zeit hat keine Zeit für uns

Irland:
Ich tauche auf, unter mir,
ich war noch nie so verliebt,
so richtig doll.

Türkei:
Spring auf mein Schiff, Schätzchen,
bei mir kannst du fliegen,
du liebst mich, und ich weiß das,
lüg mich nicht an.

Rumänien:
Lass mich dich lieben, lass mich dich für immer lieben,
ohne Zweifel, dass ich nur für dich da bin.
Komm her, mein süßer Schokoladenjunge,
nur mit dir fühle ich echte Liebe.

Mazedonien:
Ich fühle mich neugeboren,
bei jedem deiner Atemzüge.
Ich bin nackt, wild und frei,
es ist soweit, komm her zu mir.

Serbien
Hau ab, einfach, geh,
Flieg irgendwohin, singe,
gib dein Herz jemand anderem.
Aber wisse,
“Auf Wiedersehen” ist nicht das Ende.

Das sind noch nicht alle Lieder, aber nur ein Lied habe ich willentlich nicht berücksichtigt. Der österreichische Beitrag “Woki mit deim Popo” ist zu grausam in jeder Hinsicht. Die beiden Traktor Gangster Rapper schildern darin, wie sie gangstermäßig in einen Stangentanzclub gehen und die Frauen angaffen, wie sie da an der Stange tanzen und mit dem Popo wackeln. Und damit niemand denkt, ach, der übertreibt es ein bisschen, so ein Lied ganz wegzulassen, obwohl es einhundertprozentig sexistische Kackscheiße ist, stelle ich hier in die letzte Ecke dieser Textkritik doch noch zwei übersetzte Beispielzeilen an den Pranger:

“Und sie tanzen und sie shaken, an den Stangen, an den Theken,
voll verzaubert von den Schnecken, schau, wie sich sich räkeln.”

Wer sich wirklich die Trackshittaz anhören möchte, folge diesem Link.
Für uns anderen lieber der Beitrag der Niederlande vom zweiten Halbfinale, denn solche Bilder bekommt man eigentlich sonst nur von größeren Mengen dortselben legal verkauften Waren geliefert.