Donnerstag, 27. Februar 2014

Dienstag, 25. Februar 2014

Brauseboys am 27.2.: Volles Programm

Neue Berliner (von Frank Sorge)

Es leben jetzt 3,5 Millionen Menschen in Berlin, zwei davon stehen in der S-Bahn und flirten. Er hat einen Koffer dabei, ihrer steht schon etwas länger in Berlin. Aber auch noch nicht lang.
“Wo isst du denn am am liebsten Döner?”, fragt er zärtlich.
“Schon in Berlin, in Leipzig ist er zu teuer”, antwortet sie.
“In Heidelberg über vier Euro”, trumpft er auf.
Gespannt verfolgt der ganze Wagen den weiteren Verlauf des Gesprächs. Er kommt aus einem Dorf im Schwarzwald, wo sie noch nie war. Aber sie kennt jemanden von dort, der schwul ist, und deswegen von dort weg. Schwulsein passe dort nicht so recht hin, hätte er gesagt. Trotzdem stünde der Schwarzwald natürlich auf ihrer Reiseliste.
Am S-Bahnhof Wedding muss sie raus, sie tauschen Namen ohne Nummern.

Donnerstag, 20. Februar 2014

Mittwoch, 19. Februar 2014

Brauseboys am 20.2. mit Sebastian Krämer und Marien Loha

Neue Zäune (von Frank Sorge)

Meist passiert mehr in dem Fenster vor mir, als in dem Fenster neben mir. Rechts hinaus sieht es immer gleich aus im Hinterhof, wenn er auch durch die Jahreszeiten anders dekoriert und coloriert ist. Geradezu in den "Windows" zur Welt flimmern ständig andere Texte, Filme und Bilder, so viele Vögel könnten gar nicht im Hof herumflattern, um mich nachhaltig abzulenken. Plötzlich aber klettert da ein Mensch im efeuumrankten Baum, zehn Meter über dem Boden. Er ist mit Klettergerät gesichert, an seiner Seite baumelt eine Kettensäge. Aus der Artistiknummer wird ein Massaker, der alte Baum im Hof wird zersägt, und der Efeu, der es gerade letztes Jahr bis auf meinen Balkon geschafft hatte, wird abgerissen. Nichts ist von Dauer.
Deutsche und Bäume, versuche ich mich in der Melancholie zu bremsen, wie typisch meine Reaktion doch ist. Und dann aber sehe ich im nahenden Frühling den irritierten Blick der Ringeltauben. Sie sitzen auf dem letzten verbliebenen Baum im Hof, und haben wie jedes Jahr Vermehrungsspaß auf den Ästen vor meinem Fenster. Nur eignen sich die verbliebenen kahlen Äste nicht für ihr Nest, das vormals im Schatten des Efeus lag. Trotzdem sitzen sie da und hoffen vielleicht darauf, dass ihr gewohnter Platz wieder erscheinen wird, sobald die Blätter sprießen.
Deutsche und Vögel, überlege ich, tirili und tanderadei, fast so schlimm wie mit den Bäumen - bremse mich also im Mitleid. Die werden schon was finden. Die Auslichtung unseres Hofs wurde vor allem wegen der alten Zäune vorangetrieben, die gleich nach dem Baum fallen. Drei Häuser teilen den Hof, ich bekomme einen Schreck, wie gut er plötzlich ganz ohne Zäune aussieht. Was für ein schöner Hof das ist, ohne die Abriegelung der Segmente, das war nie zu sehen. Einen halben Tag lang blicke ich auf die Utopie unseres offenen Hinterhofes, dann ist der erste Teil schon wieder durch neues Zaunwerk in die separierte Häßlichkeit zurückgeführt.
Und das ist dann auch so typisch, da fällt mir nichts mehr ein.

Donnerstag, 13. Februar 2014

Dienstag, 11. Februar 2014

Brauseboys am 13.2.: Wieder im La Luz

Lästergold (von Frank Sorge)

Na gut, wenn schon die Zuschauerränge in Sochi leerbleiben, sind ja vielleicht auch noch Quotenplätze frei. Dann kann ich ja auch mal den Fernseher einschalten, bevor das gar keiner guckt. Ich springe in lustige Vorberichterstattung über die Toiletten in Sochi, da bleibt keine Fliese trocken. Empfindsame Sportler, die von unter dem Klo hervorspringenden Salamandern erschreckt worden sind, dickere Sportler, die beim Hinsetzen mit der Kloschüssel umgekippt sind, die nicht verschraubt war. Sowie in Kabinen eingesperrte Sportler, von denen einer sich durch komplettes Zerlegen der Tür freigekämpft hat. Da lästert der deutsche Handwerker, kichert leise "Pfusch, Pfusch" und mosert gleich weiter über das russische Handwerk, in dem ja auch immer, "Gluck, Gluck", ein bisschen Wodka im Spiel ist - ach, ist doch kein Handwerker, der da lästert, sondern die ARD, "Zwinker, Zwinker".
Schon die Eröffnung wurde so intensiv belästert, als ginge es um Lästergold. Nicht so groß wie da und dort, und vor allem nicht so spektakulär, wie sich das der feine Herr Putin wohl vorgestellt hatte. Ätschibätsch. Als der die Eröffnungsformel sprach, da hatte ich auch kurz hineingeguckt am Freitag, lästerte auch der deutsche Kommentator gleich: "Aber mehr als den einen Satz darf er nicht sagen."
Ich sehe ein paar Halbfinalläufe von Snowboardern in der Halfpipe. Das sieht sehr cool aus, in manchen der Sprünge fast unmenschlich. Ob da aber nicht doch schon Drohnen springen, kann man nicht so genau sehen, weil alle Sportler dick über Kragen und Mund eingepackt sind, und ihre riesigen, verspiegelte Helme bei der Punktevergabe nicht abnehmen. Sie sehen aus wie Robocop, denke ich, so richtig schön angestachelt durch die Lästerei.

Donnerstag, 6. Februar 2014

Mittwoch, 5. Februar 2014

Brauseboys am 6.2. im Mastul: Vorausschau

Neue Bedrohnungen (von Frank Sorge)

Amazon hat ein Patent für ein System des “vorausschauenden Versendens” angemeldet. Der Plan ist dabei, ein Paket schon auf den Weg zum Kunden zu schicken, bevor der weiß, dass er das Paket bestellen wird. In dem Moment, wo er das Paket bestellt, ist es dann schon ganz in Nähe seiner Haustür und kann flugs zugestellt werden. Von einer Amazon-Drohne, jetzt noch aus Fleisch und zu Fuß, oder bald dann mit Rotoren und kleinen Glasaugen.
Unvorsichtigerweise hatte ich mir um die Weihnachtszeit ein Gerät im Internet angesehen, das ich vermutlich kaufen werde. Da ich zum Preisvergleich auch auf Amazon gesucht habe, erinnert mich Amazon seit Wochen daran und sendet mir Emails, um mir das Gerät noch einmal anzupreisen. Mal als Set mit Zubehör, mal bekomme ich plötzlich einen Rabatt zugesprochen. Was noch so in den E-Mails steht, darüber muss ich spekulieren, denn wenn ich die anklicke, wird das alles noch schlimmer. Jedenfalls weiß ich langsam nicht mehr, ob ich mir das Gerät kaufen werde, weil mich Amazon alle paar Tage daran erinnert, oder weil ich es wirklich haben will.
Außerdem bin ich ein Trotzkind, das derlei Vorgänge nicht sinnvoll verarbeiten kann. Als Einblick in mein Trotzsystem: Weil mich Amazon mit diesen Emails befeuert, kaufe ich das Gerät garantiert nicht bei Amazon. Da Amazon so nachdrücklich will, dass ich es kaufe, überlege ich aber schon aus Trotz, es überhaupt niemals zu erwerben. Da ich mir schon jetzt nicht mehr sicher sein kann, ob ich das Ding nur noch wegen der ständigen Erinnerungen kaufen will, oder es sonst längst vergessen hätte. Ich könnte es aber auch kaufen, trotzdem durch diese Situation alles dagegenspricht, ein Trotz-Dilemma.
Mit dem System des neuen Patents läge das Gerät jedenfalls für mich schon im Wedding bereit. Die Drohne stünde mit dem Päckchen beim Imbiss zur Mittelpromenade in Sichtweite, um dort auf ihren Einsatz zu warten. Wahrscheinlich seit Weihnachten - mit all den anderen, die dort tagtäglich mit Kaffee, Korn und Kippe auf ihren Einsatz warten.