Dienstag, 30. März 2010

Brausegirls am 1.4.: Einmal im Jahr


Wäre ich eine Frau geworden, würde ich laut Aussage meiner Mutter jetzt Kati heißen. Und ich wäre kein Brauseboy, ist klar, aber ich würde die Herren anhimmeln, natürlich, und jeden Donnerstag als geheimnisvolle Fremde im Publikum sitzen, schöne Dinge ins Gästebuch schreiben (mit Herzen und so) und mit kleinem "k" unterschreiben. Ich würde Robert Rescue im Aldi winken und mir von Heiko ein Bier ausgeben lassen, womöglich Paul auf der Schlagernacktparty grüßen, Volker nach einer Lesung im Schwuz ansprechen und im Café Cralle dem Hinark ein Hefeweizen hinstellen. Garnicht auszudenken, ich würde mich dann auch noch selbst treffen, alles wäre hinfällig, wenn es trotz Kati doch noch einen Frank geben sollte.
Sollte es wirklich so sein, dass alle möglichen Welten nebeneinander existieren, ist es in irgendeiner Dimensionsanordnung auch genau so. Schwer zu sagen, wo da die beste aller möglichen ist. In einer anderen habe ich demnach mit anderen Vorleserinnen die Brausegirls gegründet und zur Feier des siebten Bühnengeburtstags haben wir uns die aufregendsten Vorleser der Zunft eingeladen. Einmal im Jahr gibt es dort an diesem Donnerstag die Brauseboys.
~#~#~#~#~#~#~#~#
Donnerstag, 1.4. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

DIE BRAUSEGIRLS

Neue Texte, Musik und Multimedia mit Sarah Schmidt, Daniela Böhle, Katharina Greve, Marlen Pelny und Ilka Schneider. Einmal im Jahr die volle Geschlechtsumwandlung.

Gäste-Links:
www.sarah-schmidt.de/
www.daniela-boehle.de/
www.ilkaschneider.de/
www.myspace.com/marlenpelny
www.freizeitdenker.de/

Donnerstag, 25. März 2010

Mittwoch, 24. März 2010

Brauseboys am 25.3.: Wedding liest

In der Leipziger Fußgängerzone singt eine Kleinfamilie und sammelt Spenden. Ich erkenne die Sprache nicht, aber mitreissend ist das Lied, klagend, traurig. Der kleine Junge vorn hält den Kaffeebecher für Spenden, seine Eltern und Geschwister drängen sich nah an die Hauswand, als es anfängt zu nieseln. Ein Leipziger neben uns nimmt zum Geschehen eine ungewöhnliche Perspektive ein:
"Na wenigstens machen die was", sagt er zu seiner Begleitung, "nicht so wie die Deutschen."
--> Bilder von der Messe und den Brauseboys in Leipzig findet man auf www.frafafose.blogspot.com

Samstag, 20. März 2010

Buchmesse: Ohren

Jetzt habe ich zu den anderen Fotos schon so viel über Katzenohren geschrieben und nie waren welche zu sehen. Auch diesmal nicht, denn hier handelt es sich natürlich um 1A-Elfenohren einer jungen Elfe im Elfenkostüm. Und da es scheinbar jedem Kamerainhaber der Messe ein Grundbedürfnis gewesen ist, ständig jeden jungen Verkleideten und vor allem jede junge Verkleidete abzulichten und vor allem die jungen Verkleideten mit den kurzen Röcken verging mir die Lust daran. Als Kontrastprogramm hier also weiterhin katzenohrfreie Zone, das Studio von "titel tresen temperamente" mit Ich-weiß-nicht-wem im Sessel.
Fortgesetzt mit einer kleinen Galerie der Herren unterschiedlich fortgeschrittenen Alters. Bitte schön:
Alles was ich von ihm höre, gefällt mir, also sollte ich endlich mal was lesen von Franz Dobler.
Und mal Bukowski-Übersetzer Carl Weissner zu hören hat mich auch nochmal zur Kamera greifen lassen.
Spricht auch mit Gott wie Nina Hagen, aber schon viel länger schon und ganz anders: Ahne.

Schließlich suchten wir den Kellerclub "Superkronik" zur Jungle World Party auf und nahmen kurzentschlossen Anselm Neft als Gastbrauseboy von der Bahnhofsbank mit, denn der Abend bot im zuerst eisigen Keller noch Heiko, Volker und mich als uns. Anschließend spielten die "Endlichen Automaten", ein Laptoporchester. Ihre Instrumente standen schon hinter uns und DJ Map.ache legte danach auf, bis sich die runde Tanzfläche mehrdimensional drehte.
Hier gings mir noch gut und später gings mir noch viel besser.

Freitag, 19. März 2010

Buchmesse: Panometer

Während man sich tagsüber auf der Messemondstation durch die Röhren die Füße wund läuft, wird in Leipzig selbst Tag und Nacht gelesen. Das Programm ist unglaublich umfangreich und lässt sich nur unter kippelnde Tische schieben, wenn der Tisch kippelt, weil ihm ein ganzes Bein fehlt. Ein Blick hinein verrät, dass ich quasi die ganze Buchmesse verpasst habe, obwohl ich mehrere Tage da war. Eine Veranstaltung aber habe ich durch eigene Mitwirkung nicht verpasst, die Präsentation zur Anthologie "Heimat, Heimweh, Heimsuchung" im beindruckenden Panometer.
Souverän moderiert Herausgeber und Freund der Lurche Heiko Werning in seinem natürlichen Lebensraum, dem Leipziger Regenwald, der uns rundherum mit vielleicht zwanzig Meter Höhe und Durchmesser Obdach bot. 

Ein kurzer Blick in den Fotowald kuriert jede "Avatar Emptiness" junger Menschen mit Katzenohren, die Pixelwelt Pandora entpuppt sich als müder Manga-Abklatsch und blau waren wir wegen der Bierpreise lange nicht.

Über den Ort kann man sich unter www.asisi.de informieren, vor der beeindruckenden Kulisse uferte unsere Veranstaltung zu einem schönen dreistündigen Spektakel ganz ohne inneres Heimweh aus.


Wozu wesentlich auch der singende (klingende) Tresen mit wunderbaren Liedern beitrug. Zur Zugabe mussten sie dann auch noch was zugeben.

Buchmesse: Fix und Foxi

Sonntag Abend war ich genauso wie die beiden bunten Herren heißen, das Gerenne, das Gestehe, das Gegehe, das Gelese, das Gehöre (und das Gerede, das Gesitze, Gegesse, Geatme). Immerhin gehe ich bei den meisten noch als "junger Mann" durch, so lange mindestens bis irgendein Manga-Boy oder Manga-Girl dazukommt. Also hier nicht, denn sie sind fast überall - wenn sie auch nur kurz vorbeischlendern an Gunibert Gaus, Richie Kornäcker und all den anderen grauen Herren und Frauen einer Literatur ohne Strichzeichnungen großbusiger Jungfrauen. Immerhin erkennen sie vielleicht Nina Hagen, als ältere Ausgabe ihrer selbst, die mit ihrem frisch zur falschen Zeit entdeckten Christentum in größtmöglicher Erweckungsnerverei dreimal durch alle Messestudios hausiert ist. Nur werden sich viele Manga-Fans gefragt haben, aus welchem Comic verdammt nochmal diese schräge Figur ist. Kurz erwog ich, mir auch eine Katzenmütze mit Katzenohren aus der Katzenmützenhalle zu erwerben. Ein solches Werkzeug der Infantilisierung kann ja mitunter wie ein Jungbrunnen wirken, wenigstens für den eigenen durch das Karma der Mütze dann schwer getrübten Blick. Aber wahrscheinlich ist mein Kopf viel zu dick für die Katzenmützen geworden und sie zerreissen schon beim Versuch, sie überhaupt aufzusetzen.
Hier also der Beweis, Autoren ohne Katzenmütze und womöglich noch ganz ohne Haare wie hier Arno Geiger erschaffen einen Bannzirkel für Leser mit Katzenmützen, kein einziges Katzenöhrchen lukt aus der Menge heraus.

Donnerstag, 18. März 2010

Messeboys



KULTURHINWEISE


Freitag, 19.3. /20 Uhr
Panometer Leipzig (Richard-Lehmann-Str. 114)

Heimat, Heimweh, Heimsuchung - Lesebuch für moderne Nomaden aus Ost und West. Mit Karsten Krampitz, Heiko Werning, Uwe von Seltmann, Markus Liske, Manja Präkels, Carmen Winter, Frank Sorge, Anselm Neft, Volker Surmann.

http://asisi.de

~#~

Samstag, 20.3. /19.30 Uhr
Superkronik (Karl-Heine-Str. 35)

Lese-Konzert-Party der Jungle World mit Texten der Brauseboys und einem Konzert des Laptoporchesters "Endliche Automaten". Mit anschließender Party in der Hand von DJ Map.ache.

http://superkronik.de

~#~

Samstag, 20.3. /20.30 Uhr
Cralle (Hochstädter Str. 10a)

Das ultimative Café Cralle Kneipenquiz - dieses Mal von und mit Thilo Bock. Für alle Berlindableiber und Wissensdurstigen. http://www.cralle.de

~#~

weitere Termine auf der Buchmesse Leipzig mit Brauseboys-Beteiligung:

21.3.10, Leipzig, Forum Messehalle 4, Stand D113 (im Rahmen der Buchmesse): Volker Surmann bei der Buchvorstellung von “Götter, Gurus & Gestörte” von Anselm Neft und Christian Bartel (10.30-11 Uhr).

21.3.10, Leipzig, Forum Messehalle 5, Stand E600 (im Rahmen der Buchmesse): Buchvorstellung von “Sex - Von Spaß war nie die Rede 2” (15.30-16.00 Uhr). 
21.3.10, Leipzig, Lehmanns Buchhandlung (im Rahmen der Buchmesse): Buchvorstellung von “Die Schwerelosigkeit der Flusspferde” (17.30-18.30 Uhr).

Mittwoch, 17. März 2010

Brauseboys am 18.3.: Hundert Zahlen

Gedichte auswendig lernen war gestern, ich hab in den letzten Tagen die ersten hundert Nachkommastellen von Pi ins Gedächtnis geschrieben. Hundert Zahlen wie Murmeln ins Hirn rollen lassen oder wie Perlen auf eine Schnur gereiht. Nachdem in den letzten Jahren beinahe alle Telefonnummern aus meinem Gedächtnis verschwunden sind und ich es zu Weihnachten sogar geschafft habe, eine seit diversen Jahren immergleiche und immer sicher eingetippte Pin-Nummer dreimal falsch in ein Gerät einzugeben, erwartete ich ein schnelles Scheitern und niemand hätte davon erfahren. Jetzt aber sind die hundert Zahlen drin und es war erschreckend leicht. "Aber warum macht er das nur?", habe ich mich zu Beginn auch noch gefragt, es war Pi-Tag, aber sobald man die ersten zwanzig oder dreißig in die Regale der weichen Substanz sortiert hat, weicht die Skepsis der Freude über das erste Gelingen und wird im weiteren Verlauf zu einer intim leidenschaftlichen Beziehung zur Zahlenreihe. Mehrmals am Tag sehe ich jetzt versonnen aus dem Fenster und lasse die Zahlen im Hirn heranrollen, stoppe ab und zu den Fluß, spule die Zahlenrolle rückwärts und dann wieder zurück bis zur Hundertsten. Ob ich die Technik richtig angewendet habe, weiß ich nicht, aber indem ich mir zu den Zahlen eine Geschichte ausgedacht habe, ging das Memorieren mühelos. Und irgendwie habe ich dann doch gemacht, was ich immer mache. Die Wetteraussichten: Frühlingsmilde 12 bis 15 Grad sind angesagt.

Sonntag, 14. März 2010

Donnerstag, 11. März 2010

Mittwoch, 10. März 2010

Lost in Wedding (Brauseboys am 11.3.)

Die Jugendgruppe auf dem Leopoldplatz ist verloren. Sie sind vielleicht vierzehn und ohne Lehrer oder sonstige Begleitung, sie rauchen. Sie kennen den Weg nicht mehr. "Können Sie mir sagen, wo hier das Jugendgästehaus ist?", fragt mich einer und ich zeige ungefähr in die Richtung. "Da hinter dem Rathaus, ihr könnt auch da mitten durch und dann noch geradeaus weiter, und dann..." Der Straßenname fällt mir nicht ein, ihnen auch nicht, sie werden schon dieses meinen. "Weddern, Wadde, irgendwie so", sagen sie. "Wedding?", frage ich, aber da drängelt sich ein wirrer Bettler in unsere Mitte und fragt nach Kleingeld, bei uns ist nichts zu holen.  "Ich bring euch hin, liegt fast auf meinem Weg." Wir überqueren die Müllerstraße, ich vorneweg und zehn Küken aus dem Emsland hinterher. Die Wölfe auf dem Leopoldplatz heulen.
Sie sind gestern erst angekommen, erzählt mir einer, sie wären auf Klassenfahrt und hätten jetzt irgendwie die Orientierung verloren. "Und wie gefällts euch?" "Naja, ich find das ja nicht so schön, dass hier so viele Bettler sind." "Der Wedding ist halt keine reiche Gegend", sage ich und schaue nach links zur Beuth-Hochschule und nach rechts auf die Altbauten am Zeppelinplatz. Auch Quatsch irgendwie. "Kommen Sie vom Sport?", fragt mich ein Junge und schaut auf meine Sporttasche, "vom Fußball?" "Vom Yoga", sage ich. Und dann irgendwie entschuldigend: "Ist auch anstrengend, aber anders." Er nickt. Wir biegen in die Straße zum Jugendgästehaus ein und plötzlich großes Wiedererkennen. "Ja, hier ist es richtig." "Na dann ist ja alles gut, habt eine schöne Woche", verabschiede ich mich. "Sie auch", rufen sie, "Danke schön" und "Sie sind der Beste."
Das hört man ja gern und ich schreite zufrieden voran nach Hause. Gut, wenn man mal rausgeht, auch auf die Gefahr verloren zu gehen. Abnehmende Erleuchtung am Himmel.

Donnerstag, 4. März 2010

Mittwoch, 3. März 2010

Brauseboys am 4.3.: Zweimal Michael

Komisch ist es mit diesen Zeitempfindungen. Schon März, klage ich selbst und höre andere klagen. Wo sind die letzten zwei Monate hin, erschreckend schnelle Zeitschmelze. Auf der anderen Seite lese ich, dass YouTube fünfjähriges Bestehen feiert. Fünf? Gibt es das Videoportal nicht schon seit zehn oder zwanzig Jahren, gab es das nicht schon immer? Vielleicht waren die Jahre mal länger, bestimmt sogar. Es heißt, das Erdbeben in Chile könnte die Erdachse verschoben haben, so dass ein Tag heute kürzer ist als er es in den verschollenen zwei Monaten war. Und da es jeden Tag Erdbeben gibt, wie man auf http://www2.demis.nl/quakes/ verfolgen kann, summieren sich die Millisekunden womöglich stärker als gedacht. Früher waren die Tage also doch länger, schöne alte Zeit mit mehr Zeit. Folgt man dem Gedanken, ist schon klar, warum es Twitter gibt, man immer mehr von allen Dingen verpasst, der Eindruck zunehmender Schnelllebigkeit überhaupt entsteht und auch die Texte im Blog plötzlich kürzer erscheinen.

Montag, 1. März 2010

Ich schreibe einen Roman (26)

Yannick Herbst ist mäßig erfolgreicher Comedian. „Früher hieß es Komiker“, sagt seine Mutter. „Aber da waren die Leute auch noch witzig.“
Er lebt in Berlin, der Stadt der kreativen Durchwurstler, und strauchelt zwischen neurotischen Comedy-Veranstaltern, provinziellen Kleinkunstvereinen und humorlosen Fernsehproduzenten hin und her. Seine Fanatsie verlangt eine Trennung auf Zeit, und bei seinen Auftritten schauen immer öfter Panikattacken vorbei.
Doch mit einem Mal bietet sich Yannick die Chance, auf der Showtreppe des privaten Glücks ein paar Stufen gutzumachen. Er verliebt sich in den jungen Flusspferdpfleger Konrad, der nicht nur seine Fantasie beflügelt. Doch auch diese Beziehung entwickelt sich, nun ja, irgendwie komisch.
“Die Schwerelosigkeit der Flusspferde“ ist böse Medien-Satire, Berlin-Roman und tragikomische Liebesgeschichte in einem.

Quer-Verlag (1.3.2010)
256 Seiten, 14,90€
ISBN: 978-3-89656-178-7
Schwerelose Flusspferde bei Amazon.


Der Autor kurz nach dem Empfang seiner Belegexemplare.