Dienstag, 30. Oktober 2012

Brauseboys am 1.11.: Um die Ecke


Neue Medientricks

Der künftige Neuweddinger Peer Steinbrück hat seine Einkünfte aus Vorträgen auf seiner Homepage offengelegt. Und als gäbe es nun wirklich nichts Interessanteres mehr, haben so viele Menschen darauf geschaut, dass die Seite sofort eingebrochen und nun nicht mehr verfügbar ist. Als ich gleich nach Lesen der Meldung danach gucke jedenfalls.
Ein paar Leute konnten es aber wohl lesen, vermute ich, eine Handvoll wenigstens. Morgen jedenfalls schaue ich nicht noch einmal drauf, da gibt es wieder eine andere Meldung. Aber eigentlich kein schlechter Trick, wenn die Informationen durch ihre Offenlegung sofort unzugänglich werden.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Nikolic


Singen hält jung, dieser Formel nach handelt Nikolic, die goldene Stimme aus Kreuzberg, sicherlich auch, um sich seine Jugendlichkeit erhalten zu können. Oder er hat eine andere Form von Jungbrunnen entdeckt und trägt hier hemmungslos Werbeartikel. Wie auch immer vergoldete seine Stimme den Abend.

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Allegorie mit Fluppe

Aus keinem besonderen Anlass besuchte ich mal wieder den Chiller-Park, wo am Chiller-Denkmal vier chillende Allegorien in Damengestalt um den alten Schreiberling herum chillen. Diese hier ist für die Lyrik zuständig.


Jemand hatte sie liebevoll geschminkt.


Und lässig hing eine Zigarette zwischen ihre Fingern.


Dienstag, 23. Oktober 2012

Brauseboys am 25.10.: Weddinger Welten


Unentdeckte Welten

Der Mars-Rover Curiosity hat eine unglaubliche Entdeckung gemacht. Ein kleines silbernes Stück irgendwas im Sand, vermutlich aus Plastik, und die Forscher sind sicher, dass es nicht vom Mars stammt. Aus Plastik und nicht vom Mars auf dem Mars, sensationell. In einem großen Kraftakt aus Ingenieursleistung und Entdeckergeist hat es der Roboter auf dem Mars geschafft, ein kleines silbernes Stück irgendwas, vermutlich Plastik, mit auf den Mars zu bringen, es dann zufällig fallen zu lassen, und ebenfalls wie zufällig darüber zu stolpern. Huch, was ist denn das, denkt er da? Ein Stück hier von mir, hier auf dem Mars? Verrückt, was es so alles gibt.

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Karl


Karl Neukauf wirkte durchaus erschrocken, dass seine Musikerkollegin Chio an diesem Abend ohne jedes Instrument auftauchte und vorgelesen hat. "Das mache ich jetzt auch", wird er sich gedacht haben, "seit Jahren schiebe ich mühevoll meinen Flügel von Auftrittsort zu Auftrittsort, aber es scheint ja auch ohne zu gehen. Mannomann, was hätte ich mir Rückenschmerzen erspart, wenn ich da früher drauf gekommen wäre."

Chio liest


Chio Schuhmacher haben wir als Teil des "Zuckerklub" kennengelernt, sie hat eine coole Stimme, coole Texte, einen coolen Schlag auf die Saiten. Weshalb wir uns unmäßig freuen, wenn sie zu Gast ist. Aber sie liest auch Texte vor, wie an diesem Tag, und das ziemlich cool, wie zu erwarten war.

Dienstag, 16. Oktober 2012

Brauseboys am 18.10.: Magische Minuten


Schwarze Elfen

Die BVG hat heute morgen mal wieder die Zeit angehalten. Als ich an der Haltestelle ankam, waren es noch sieben Minuten bis zur Ankunft des Busses. Nachdem ich eine Zigarette geraucht hatte, und obwohl die Zigarette ein allgemein üblicher und wirksamer Zauber ist, um die Ankunftszeit eines Busses zu beschleunigen, war er danach weiterhin sieben Minuten entfernt. Ich kann daraus nur schließen, dass sich die BVG stärkere Magier angeschafft hat. Eigentlich blieb ein ausgefallener Bus wohl so lange sieben Minuten entfernt liegen, bis wieder der nächste Bus sieben Minuten entfernt war und sich dann anstelle des Gescheiterten der Haltestelle in normalem Zeitfluß näherte. Sicher vermuteten das auch die meisten, mit denen ich dort wartete. Heute aber wußte ich es besser, denn wer den Bus mit Endstation "Schwarzelfenweg" nehmen will, muss einfach mit Zauberei rechnen.

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Dienstag, 9. Oktober 2012

Brauseboys am 11.10.: Kontrollierte Qualität


Qualitätskontrolle

Es klingelt an der Tür und ein Mann von Kabel Deutschland will die Signale an der Multimedia-Dose überprüfen. Er ist der dritte in diesem Jahr, die Dose gehört zur Wohnung, wird im Grunde nicht benutzt und ist sehr neu. Es gab weder eine Beschwerde von mir, noch irgendwelche Bauarbeiten in Nähe der Leitungen, keine Sonnenstürme, Blitzeinschläge, Überschwemmungen, Brände, und wie die zwei anderen Kontrolleure dieses Jahr, und die letztes Jahr, lobt auch dieser die Qualität der möglichen Signalübertragung. Dieser gibt sich besonders Mühe, “Hervorragend, hervorragend” ruft er aus, als würde ich hier das Kasperletheater machen, und nicht er. Und als hätte ich gerade einen Witz gemacht, und nicht er.
“Dürfte ich noch fragen, wie sie telefonieren und im Internet surfen?”
“Nein, ein Verkaufsgespräch müssen sie mit mir jetzt nicht beginnen, ich lasse alles so, wie es ist.”
Das aber fordert ihn heraus und er hakt weiter nach, schmeisst mir irgendwelche Zahlen an den Kopf, ich blocke weiter, er wird pampig, ich wisse ja nicht, wovon ich rede, dann ist er endlich im Flur und ich kann die Tür schließen.
Immerhin habe ich sie nun durchschaut, fast peinlich, dass erst jetzt der Groschen fällt. Aber es wurde aufgerüstet an der Abwerbefront. Der Gegner Mammon weiß immer mehr über uns und feilt an seinen Strategien. Jemand kam auf die zündende Idee, Haustürverkäufer jetzt in einen Blaumann zu stecken und mit dem Wort “Qualitätskontrolle” bewaffnet direkt in die Wohnzimmer zu schicken.
Auch die Online-Spam hat die nächste Evolutionsstufe erreicht und weiß im Gegensatz zum Kabel-Deutschländer recht genau, über welchen Verein ich telefoniere. Die Rechnungs-Mails sehen auf den ersten Blick jedenfalls sehr überzeugend aus, und der Betrag ist mit 91 Euro gut gezielt, um einen unbedachten Klick herauszufordern. Jetzt müssen sie noch daran arbeiten, dass ich die E-Mail nicht gleichzeitig an alle meine zehn Adressen bekomme.
Am Telefon ist das meiste hingegen so plump wie eh und je. Irgendwann einmal hätte ich Fragen über meine Trinkgewohnheiten beantwortet, behauptete eine Frau gestern, zum Dank, gewissermaßen als Geschenk, hätte man mir ein schönes Rotwein-Paket zum Vorzugspreis für 180 Euro geschnürt. “Hervorragend, hervorragend”, rief ich aus, machte alles aus und ging spazieren.

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Brauseboys am 4.10.: Im Westen


Fake

Ich hatte den Schülern ein paar Postkarten mitgebracht, eine wilde Mischung, die sie zum Schreiben anregen sollte. Einer suchte sich eins der bekanntesten Fotos des Mauerbaus heraus, auf dem ein Grenzsoldat einem Kind hilft, den ersten, provisorischen Stacheldraht zu überwinden. "Das geht ja gar nicht", sagte ein anderer Schüler, "das ist ein Fake, Photoshop, man kann Stacheldraht nicht anfassen."
"Oh doch, man kann Stacheldraht anfassen", sagte ich und fragte weiter nach den möglichen Umständen des Fotos. Als ich die Mauer erwähnte, sagte einer, ja, das würde er wissen, die wäre früher einmal um die ganze Stadt gegangen. Ich malte also einen großen Fleck auf die Tafel im Klassenzimmer der Ahnungslosen, der Berlin darstellen sollte, und verschob das Schreiben auf später.