Mittwoch, 17. Januar 2018

Brauseboys am 18.1. im La Luz: Und täglich liest das Brause-Tier

Vorhang auf (von Frank Sorge)

Gestern im Kino gewesen, aus diversen Gründen mal wieder in 2D. Die jungen Kartenverkäufer lächelten spöttisch, es war auch sehr leer zur Vorstellung am frühen Abend, wenn die meisten noch arbeiten. Hatten etwas Mühe, das Kino zu finden, zwischen den modernen Digitalsälen, deren Leinwände sich dreimal um den Kopf der bebrillten Zuschauer drehen. Die Sitze waren sehr großzügig und beruhigend analog, der Eisverkäufer hatte auch Blutdruckmedikamente und Thrombosestrümpfe im Angebot. Er blieb die ganze Zeit im Saal, man konnte ihn am weißen Kittel gut seitlich ausmachen. Im Film selbst waren die wichtigsten Rollen mit digitalisierten Alt-Stars unserer Jugend ausgetauscht, mit denen wir noch etwas anfangen können. So mussten wir in 'Star Wars 16' nicht auf Carrie Fisher verzichten, der Geschichte tat das wohl keinen Abbruch. Es gab vier Inkontinenzpausen, auch für Sauerstoff, insgesamt war der Film um eine gute Stunde Actionsequenzen gekürzt, denn er ist im Original nicht Ü60. Nach dem Ende halfen uns weitere Mitarbeiter aus den Sitzen und brachten uns die Gehhilfen. Erst danach kümmerten sie sich um die, die es nicht mehr geschafft hatten. Alles in allem prima für einen Kinotag mit Altersermäßigung. Einfach gut, dass es so was noch gibt.
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Donnerstag, 18.1. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)


Die Brauseboys - Frische Texte 
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Frédéric Valin (Randgruppenmitglied)
Holger Saarmann (Geschmacksverstärker)

Während der kalten Wochen finden wir im kuschlig warmen Restaurant statt!

Mittwoch, 10. Januar 2018

Brauseboys am 11.1.: Rin in die jute Stube

Hätte das Publikum auch ein Gästebuch (von Frank Sorge)

Dann schriebe ich hinein: Es war wieder ein schöner Jahresrückblick mit euch! Besonders gefallen haben mir die Zuschauer an den Tischen vorne nach Weihnachten, vor Weihnachten die in der Mitte, im neuen Jahr dann die seitlich vor der Säule. Aber auch durchgängig und zwischendrin, alle mittenmang und hinten. Danke auch dafür, dass wir durchgängig mit der Zugabe Gelegenheit hatten, uns in knisternden Panda-Kostümen der Sinnlosigkeit von Seriosität im Allgemeinen zu vergewissern. Die Selbstkasteiung mit den Kordeln der Mönchskutten hat hingegen einzelnen von uns so sehr gefallen, dass sie fest (und gelegentlich fester) in den Alltag integriert wird. Wir haben außerdem alle uns zugeworfenen Kuscheltiere sorgsam gekämmt und zu den anderen auf die Nachttische gesetzt. Lasst uns zusammen alt werden, z.B. gleich schon wieder diese Woche.



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Donnerstag, 11.1. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)


Die Brauseboys - Frische Texte 
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Jesko Habert (Kiezpoet)
Ivo Smolak (Lokalrunde)

Während der kalten Wochen finden wir im kuschlig warmen Restaurant statt!

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Brauseboys am 7.12.: Wedding mit scharf

Ad Astra (von Frank Sorge)

Es ist naturgemäß so, dass Kinder schneller sind als das Bild, das man sich gerade noch von ihnen gemacht hat. Das betrifft jedes Alter, viele Kinder bleiben in den Augen ihrer Eltern zum Beispiel so, wie sie waren, als sie ausgezogen sind. „Mama, ich bin vierzig!“ „Ach ja, stimmt.“ „Ich kann das mit den Schnürsenkeln schon alleine.“ „Komm, ich mach das schnell.“
So sitze ich mit meinen 2-jährigen vor dem Rechner, sie deuten auf ein Vorschaubild der aktuellen ‚Sendung mit der Maus’.
„Aber das ist noch eher für ältere Kinder“, sage ich, „es ist eine ganze Sendung. Es geht um den Mond.“ „Ja!“ Na gut.
Alexander Gerst erklärt die Mondphasen, es ist sehr anschaulich, aber, puh, Planeten, Sonnen, Monde, das ist vielleicht wirklich noch etwas abstrakt. Eine Außenbordkamera der ISS zeigt die Erde.
„Die Erde“, sage ich, „da wohnen wir drauf, eine große Kugel. So sieht die aus dem Weltraum aus.“
„Ich will auch in den Weltraum!“, sagt mein Sohn.
Ich schweige. Was ist da los? Ich wechsel dir die Windeln und du planst schon die Mondfahrt? Mit leichtem Kopfschütteln vertreibe ich den Gedanken, der junge Mann plappert was nach, aber ich will es doch genauer wissen. „Ich will auch in den Weltraum“, sage ich.
„Papa kommt mit?“
„Ja, aber wie wollen wir das machen?“
„Da könn' wir da hoch fliegen.“
„In den Weltraum?“
„Ja.“
Ein paar Minuten später zeigt er mir dann, wie er sich das vorstellt. Aus einer Decke baut er ein Fahrzeug, hier ist das Lenkrad, dort sind Knöpfe. Wir sollen uns setzen. „Könn' wir in Weltraum einsteigen.“
„Ah, das ist dein Weltraum?“
„Ja.“
„Dein Raumschiff“, korrigiere ich, „wo wollen wir hin?“
Meine Tochter daneben deutet an die Altbaudecke. Also fliegen wir einfach los.
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Donnerstag, 7.12. /20.30 Uhr
Nussbreite (Seestraße 106, nahe U6-Seestraße)


Die Brauseboys - Frische Texte - diese Woche in der Nussbreite
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Eva Mirasol (Rakete 2000)
Bastian Mayerhofer (Wirsing fürs Volk)

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Außerdem:


AUF NIMMERWIEDERSEHEN 2017 - Ab 14.12. bis 6.1. im Comedyclub Kookaburra

Weitere Kommentare zum Weltgeschehen, Satire vom Blatt, Liedgut vom Klavier und Bilder von der Wand in der multimedialen Jahresbilanz der Weddinger Vorlese-Boygroup.



Mittwoch, 29. November 2017

Brauseboys am 30.11. in der Nussbreite: Alles kann, nichts nuss

Advent, Advent, das Marktlicht brennt (von Frank Sorge)

Der Mann vor mir an der Kasse, nach Ansicht eines Infozettels: "Oh, Sonntag ist verkaufsoffen?"
Verkäuferin: "Ja."
Der Mann: "Sonntag, wirklich?"
Verkäuferin: "Ja, da wollen alle einkaufen."
Der Mann: "Am Sonntag, wirklich?"
Verkäuferin: "Nein."
Der Mann: "Ach so, aber es ist offen?"
Verkäuferin: "Ist doch toll."
Der Mann: "Ja."
Verkäuferin schweigt.
Der Mann: "Ist das denn immer?"
Verkäuferin: "Nein, nur diesen und zwei Wochen später."
Der Mann schweigt.
Ich denke: "Frag nicht warum, frag nicht warum, frag nicht warum."
Der Mann: "Warum?"
Verkäuferin: "Ostern."
Der Mann nickt verhalten, bezahlt und geht. Vielleicht geht ihm ja Sonntag ein Licht auf.
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Donnerstag, 30.11. /20.30 Uhr
Nussbreite (Seestraße 106, nahe U6-Seestraße)


Die Brauseboys - Frische Texte - diese Woche in der Nussbreite
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Moses Wolff (Schwabinger Schaumschläger)

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Außerdem:


AUF NIMMERWIEDERSEHEN 2017 - Ab 14.12. bis 6.1. im Comedyclub Kookaburra

Weitere Kommentare zum Weltgeschehen, Satire vom Blatt, Liedgut vom Klavier und Bilder von der Wand in der multimedialen Jahresbilanz der Weddinger Vorlese-Boygroup.



Mittwoch, 22. November 2017

Brauseboys am 23.11. in der Nussbreite: Es ist besser

Deutschland aktuell (von Frank Sorge)

Es ist besser, nicht zu verlieren, als falsch zu verlieren.
Es ist besser, kein Bier zu trinken, als falsch Bier zu trinken.
Lieber keine Steuern bezahlen, als die falschen.
Lieber keine Prinzipien, als die falschen.
Lieber keinen Partner, als den falschen.
Es ist besser, keine Pakete anzunehmen, als die falschen anzunehmen.
Es ist besser, falsch anzunehmen, als nicht anzunehmen.
Es ist anzunehmen, dass nichts anzunehmen besser ist.
Es ist besser, nicht fernzusehen, als falsch fernzusehen.
Lieber keinen Newsletter schicken, als einen falschen.
Es ist besser.
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Donnerstag, 23.11. /20.30 Uhr
Nussbreite (Seestraße 106, nahe U6-Seestraße)


Die Brauseboys - Frische Texte - diese Woche in der Nussbreite

Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Veso Portarsky (Der Wein, der nicht getrunken werden durfte)
Blockflöte des Todes (Alles wird teurer)

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Außerdem:


AUF NIMMERWIEDERSEHEN 2017 - Ab 14.12. bis 6.1. im Comedyclub Kookaburra

Weitere Kommentare zum Weltgeschehen, Satire vom Blatt, Liedgut vom Klavier und Bilder von der Wand in der multimedialen Jahresbilanz der Weddinger Vorlese-Boygroup.


Mittwoch, 15. November 2017

Brauseboys am 16.11. im La Luz: Mit Katharina Greve & Lüül

Kein feines Spiel (von Frank Sorge)

Ich lasse den Zigarettenstummel achtlos fallen, dabei treffe ich ihn mit der Fußspitze, worauf er in feinem Bogen dem anderen Fuß zur Vorlage fliegt. Die schnelle Verlagerung geschieht automatisch, die andere Fußspitze erreicht die Kippe im Lauf und wirft sie funkensprühend zurück. Der Moment wird in Zeitlupe gedreht, im ganzen Körper werden Erinnerungen wach: Spärliche Einsätze im leidigen Spiel, sinnlose Versuche, den Ball sinnvoll zu treffen, geübtere Beine luchsen ihn ab, der ganze Sinn der Sache erschließt sich mir nicht, das Gerangel und Ego-Gehabe, schließlich das Urteil, mit diesem ungeliebten Sport nichts zu teilen.
Auch die Rückantwort funktioniert, mit Messi-anischem Geschick beschreibt der Stummel einen Bogen und kann vom linken Fuß retourniert werden, jahrzehntelange Unzulänglichkeit stülpt sich in einen Moment genialer Trickserei um. Jetzt abziehen, die Traumvorlage nutzen, das Ei zu den Sternen schießen...
Glanzlos verfehle ich, laufe weiter, ein angeleinter Hund bellt mir hinterher. Hätte ja eh keiner gesehen,  denke ich, oder wenn doch, hätten Beobachter nur kritisch angemerkt, achtlos Kippen wegzuwerfen wäre nun wirklich kein feines Spiel. 
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Donnerstag, 16.11. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)


Die Brauseboys - Frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Katharina Greve (Komische Kunst)
Lüül (West-Berlin)

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Außerdem:

AUF NIMMERWIEDERSEHEN 2017 - Ab 14.12. bis 6.1. im Comedyclub Kookaburra

Weitere Kommentare zum Weltgeschehen, Satire vom Blatt, Liedgut vom Klavier und Bilder von der Wand in der multimedialen Jahresbilanz der Weddinger Vorlese-Boygroup.


Mittwoch, 8. November 2017

Brauseboys am 9.11. im La Luz: Mit Rattelschneck & ichbinsoso

Neulich in der Steueroase (von Frank Sorge)

„Es ist wirklich das Paradies.“
„Ja.“
„Palmen, Meer, Sandstrand...“
„Null Regulierung, null Steuern, null Fragen...“
„Und es weht immer eine frische Brise.“
„Offshore.“
„Schade, dass wir gar nicht hier sind.“
„Ja, wir sind nur ein Briefkasten.“
„Das Haus ist profan und hässlich.“
„Besteht ja auch im Wesentlichen aus Briefkästen.“
„Ich wäre gern im Paradies.“
„Illegal, sagen sie, haben aber keine Ahnung.“
„Ich wäre so gern illegal. Alles besser als nur ein Briefkasten zu sein.“
„Wir haben ja gar kein Geld. Geld hat man nicht, man macht es.“
„Oder es macht einen.“
„Macht ist Geld.“
„Macht nichts.“
„Was macht dein Geld so?“
„Nichts Gutes, aber es wird mehr.“
„Ach, das Meer...“
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Donnerstag, 9.11. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)


Die Brauseboys - Frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Rattelschneck (Stulli, das Pausenbrot)
ichbinsoso (Abstrakte Lust)

Mittwoch, 1. November 2017

Brauseboys am 2.11. in der Nussbreite: Hier kommt die Nuss

Wieder mal in der Pizzeria La Rosa (von Robert Rescue)

„Hallo. Ich wollte mal fragen, wie lange ihr heute auf habt?"
„Keine Ahnung."
„Wie jetzt? Wisst ihr eure Öffnungszeiten nicht?"
„Wir machen das nach Gefühl. Ali, wann machen wir heute zu?"
„Ich würde sagen, so in 5 Minuten. Vom Gefühl her."
„Wir haben aber noch ein ganzes Blech Mini-Pizza, Ali."
„Dann halt in einer halben Stunde, Bruder."
„Wir schließen heute in einer halben Stunde."
„Und sonst so? Gestern zum Beispiel? Habt ihr keine festen Zeiten?"
„Nach Gefühl halt. Ali, wann haben wir gestern zugemacht?"
„Keine Ahnung."
„War es nach 23 Uhr oder vorher?"
„Keine Ahnung. Das Pizzablech war alle und vom Gefühl her wollten wir kein neues auslegen. Kann sein, dass es schon 22 Uhr war."
„Aber öffnen tut ihr um 11 Uhr?"
„Kommt drauf an. Ist wichtig, ob Ali oder ich schon hier sind. Sonst später, manchmal früher. Chef sagt, wir sollen flexibel sein."
„Und wenn ich morgen um diese Zeit vorbeikomme?"
„Dann ist vielleicht auf, vielleicht zu. Kommst du besser früher."
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Donnerstag, 2.11. /20.30 Uhr
Nussbreite (Seestraße 106, U6 Seestraße)


Die Brauseboys - Frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Hauck & Bauer (Am Rande der Gesellschaft)
Andreas Max Martin (Ich bin ein Kopfhörer)

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Brauseboys am 26.10.: Nussschnaps in der Seestraße

Flyer in der Post (von Robert Rescue)

Ich finde im Briefkasten einen Flyer von einem Nachbar. Er macht eine Ausstellung seiner Bilder. Ich schaue mir die Karte an, drehe sie hin und her und suche nach dem Button für "Vielleicht" und "Zusagen". Merkwürdige Facebook-Veranstaltung, denke ich mir und schmeiße die Einladung in den Müll.
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Donnerstag, 26.10. /20.30 Uhr
NUSSBREITE (Seestraße 106, U6 Seestraße)


Die Brauseboys - Frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Mascha Potempa (Rauchschwalben am Horizont)
Michael Bittner (Sax Royal, Zentralkomitte deluxe)
Johannes Kubin (Supernett)

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Brauseboys am 19.10.: Sondiert uns

Will das auch (von Frank Sorge)

Nachdem wir nun beim Kinderzahnarzt waren, wundert mich, dass man nicht manche Dinge generell so macht. Alleine auf dem kühlen, harten Zahnarztstuhl Platz zu nehmen, der viele erdenkliche Formen der Folter verspricht, da geht es schon los. Könnte man, wie mit Kind, zusammen auf den Stuhl und der Patient kann sich sanft z.B. auf dem mitgebrachten Partner zurücklehnen, wie viel erträglicher wäre das alles? Intensives Lob macht die kleinen Patienten glücklich - ganz toll gemacht - es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es bei den Erwachsenen plötzlich anders sein sollte. "Herr Sorge, das machen Sie ganz hervorragend. Sehr mutig, sehr gefasst. Jetzt mal den Mund aufmachen, ganz weit, wie ein Löwe, Roar. Sehr gut, Sie Tiger, Sie..."
An der Decke ist ein schönes Meeresbild angebracht, beim Zurücklehnen kann sich das Auge an einer Alge oder einem Fisch hängen, der Betrachter kann sich vom ewigen Rauschen der Meere in uns beruhigen lassen, während die Ärztin den Schlagbohrer ansetzt. Gut, es gibt oft Bildschirme, die zum Beispiel Modeschauen oder Formel 1 zeigen, während die Betäubungswirkung einsetzt, und man sieht, zunehmend deliriert, wippenden Rocksäumen oder qualmenden Reifen zu. Aber so ein gemaltes Bild an der Decke, das beruhigt doch viel nachhaltiger.
Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, so heißt es, die Kinder greifen begeistert bunte Ringe aus einer Kiste. Da man ja auch sonst schon überall Gimmicks, Giveaways und Propierpäckchen nachgeworfen bekommt, außerdem die paar Cent dafür die Kosten einer Zahnbehandlung nun wahrlich nicht fett machen, ist das spätere Ausbleiben von Geschenken bei Zahnärzten geradezu ein Skandal. 
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Donnerstag, 19.10. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)


Die Brauseboys - Frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Insa Kohler (Rakete 2000)
Michael Goehre (Wortstrom)
Herr Binner (Urlaub von der Familie)

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Brauseboys am 12.10.: Bücher einer Ausstellung

Der lustige Mann aus Hessen (von Frank Sorge)

Es ist ja schon komisch, nicht im Supermarkt zu sein, in dem man immer ist. Als ich im Netto Eier besorge, stellt sich dazu ein Mann hinter mich, der mich breit anlächelt. Er steht etwas zu nah, glotzt über meine Schulter, auf meinen fragenden Blick gluckst er. "Ach, nichts", sagt er, "ich freue mich nur."
Dabei könnte er es belassen, finde ich. Freut mich, dass er sich freut, am liebsten noch einen halben Meter weiter entfernt. "Ha", sagt er zu sich, aber ich soll dennoch reagieren, "keine Panik, ich bin ja bald wieder weg."
"Aha", reagiere ich, irgendein Problem an der Kasse deutet sich an.
"Ich bin aus Hessen", sagt er und stellt zwei Flachmänner Pfeffi aufs Band, "und war jetzt eine Woche schon in Berlin." Sachen gibts, überlege ich, die gibts leider einfach. Ich muss ernsthaft mal in den Spiegel schauen, warum so Leute gern an mir hängenbleiben.
"Mannomann", sagt der lustige Mann aus Hessen, "ich hab hier in der Woche Sachen erlebt, das glaubst du gar nicht. Aber in zwei Tagen gehts zurück." Er kichert und schiebt nach: "Endlich dann wieder normale Leute." Jetzt ziehe ich doch eine Augenbraue hoch und reagiere: "In Hessen?"
"Ja, ja", beteuert er, "so viele merkwürdige Leute auf einen Haufen, das gibt's nur hier."
Kein Wunder, überlege ich, wenn die merkwürdigen Leute von woanders lieber nach Berlin fahren, um dort sich über merkwürdige Leute zu wundern, die vielleicht sämtlichst auch hier sind, um sich über merkwürdige Leute zu wundern. Seine Fahne wird nicht angenehmer, während wir den Ausführungen der Kassierin über Bonussysteme und deren Einlösungsbedingungen lauschen, die sie breit einer verwirrten Kundin erklärt.
"Das war, Mannomann", er ringt mit den Worten, "das war so verrückt, da kannst du echt ein Buch drüber schreiben. Ja, ich könnte da locker ein Buch drüber schreiben." Mit einem Lächeln denkt er darüber nach und schaut in die Ferne der Regalreihen. "Das mache ich", sagt er, grinst, lacht.
Glückwunsch, denke ich, einen Leser hast du schon verloren. 
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Donnerstag, 12.10. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)


Die Brauseboys - Frische Texte & Talk
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Daniel Hoth (Peace, Love & Poetry)
Thomas Franz (Eisbecher mit der Post)

Mittwoch, 4. Oktober 2017

Brauseboys am 5.10.: Laufen in Laubhaufen

Frischluft (von Frank Sorge)

Ich rauche auf dem Balkon. Durch das Fenster sehe ich, dass mich meine Tochter sucht und sie entdeckt hat, dass ich hier draußen stehe. Freudig kommt sie herbei. Seit kurzem hat sie gelernt, wie man mit Klinken zurechtkommt. Einfach runterdrücken, dann öffnen sich Türen. Nur funktioniert diese etwas anders, wird mir klar, als sie mich mit einem Ruck der Klinke auf dem Balkon aussperrt.
Durch das Fenster strahlt sie mich an, mein Lächeln ist eingefroren, jetzt bloß keinen Fehler machen. Es ist alles nur ein Spiel. 'Und wieder hoch!" sage ich und bedeute es mit Zeichen. Verständnis leuchtet in ihrem Blick, dann wackelt sie lustig davon. Immerhin werde ich, bis zu meiner Rettung, wohl nicht an Frischluft zugrunde gehen.
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Donnerstag, 5.10. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)


Die Brauseboys - Frische Texte & Talk
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Klaus Ungerer (Der weinende Mörder)
Doctorella (Nur die Gefühle sind echt)