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Brauseboys am 29.9. in der Nussbreite: Voll Nuss

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Gewöhnung (von Frank Sorge)

Die meisten Kinder sind in der Kita nach drei Wochen eingewöhnt, bei den Eltern dauert es gern etwas länger. Fünf Stunden sollen sie heute da bleiben. Fünf! Was ich da nicht alles plötzlich machen kann. Das ist so unglaublich lange, dass die erste Stunde schon mit dem Staunen darüber vorbeigeht. Die zweite dann mit häufiger, ungläubiger Kontrolle der Zeit, tiefem Zweifel, dass es wirklich noch drei weitere Stunden so gehen soll. Was ich da nicht alles arbeiten kann, sobald ich mich erinnert habe, wie das eigentlich geht. In der dritten Stunde döse ich ein, schrecke aber zehn Minuten später hoch. Muss ich sie gleich abholen? Nein, immer noch zwei Stunden. Soll mich allerdings bereithalten, falls es doch früher sein muss. Halte mich also zwei Stunden wacker bereit, schütte Kaffee ein, stelle ihnen ein paar Bausteine auf, die sie später umwerfen können. Mehr ist kaum drin bei der Aufregung.
Komme um 14 Uhr völlig erledigt bei der Kita an. "Kann nicht alles beim ersten Mal klappen, kein Problem, morgen der nächste Versuch." Ich nicke. Werde mich schon dran gewöhnen.
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Donnerstag, 29.9. / 20.30 Uhr
Nussbreite (Seestraße 106, nahe U-Seestraße)


Die Brauseboys in der Nussbreite
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit dreizehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 


Eingestellt von : Frank Sorge
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Ahoi, Brauseboys

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Ahoi, Brauseboys 
Ein Abschiedstext von Paul Bokowski

"Gute sechs Monate ist es nunmehr her, dass ich den Brauseboys meinen geplanten Ausstieg verkündet habe. Die Begründung ist nach wie vor eine sehr einfache: Nach zehn Jahren Brauseboys, einer der umtriebigsten Lesebühnen der Stadt, ist das Bedürfnis in mir herangewachsen, dieses Kapitel meines Lebens abzuschließen. Die Kollegen haben, so viel darf hoffentlich verraten werden, erwartungsgemäß reagiert: Heiko Werning, im Grunde seines Herzen ein wahrer Gentleman, hatte genug Anstand, um seine Erleichterung und Freude angemessen zu verbergen. Frank Sorge, zum Zeitpunkt der Verkündigung leicht bekifft, hat es zuerst für einen Aprilscherz gehalten. Bis Mitte Juli etwa. Volker Surmann hat die traurige Mitteilung, mit einer, zumindest für einen gebürtigen Ostwestfalen unerwartet langen und emotionalen Rede kommentiert, wie man sie im Teutoburger Wald zuletzt von Hermann dem Cheruskerfürsten vernommen haben dürfte. Ich zitiere: “Ok.” Und Robert Rescue, unser weinerliches Sensibelchen, schickt seither alle drei Tage spätnächtliche Emails über den Verteiler, die mit Wut, Freude, Trauer, Pathos, Verdrängung, Gleichmut, Hysterie und nicht zuletzt einer sonderbaren Hinwendung zu Gott so ziemlich alle emotionalen Ebenen abdecken, wie sie eigentlich nur sterbenskranke Menschen erleben, wie sie Robert aber in 15 Jahren voller Jobcenter-Maßnahmen kennenlernen durfte. 
Eingestellt von : Frank Sorge
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Brauseboys am 22.9.: Adios, Paul

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Dialog im Wedding (von Paul Bokowski)

Montag. Als ich am frühen Morgen die Vorhänge beiseite ziehe steht ein stämmiger Gerüstbauer vor meinem Fenster:

"Tach!" begrüßt er mich.
"Guten Morgen."
"Dit muss Ihn' jetzt nich unanjenehm sein."
"Neenee. Ich hab ja zum Glück was an."
"Ja. Zum Glück."
"Charmant."
"Nich persönlich nehm'. Witzchen am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen."
"Schon gut. Wenn Sie und ihre Jungs einen Kaffee wollen, einfach Bescheid sagen."
"Kommt drauf an. Ham'se Sojamilch?"
"Äh, nee."
"Dann gern." 
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Donnerstag, 22.9. / 20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Abschiedsshow für Paul Bokowski - mit Hinark Husen, Danny Dziuk und heißen Tränen
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Paul Bokowski, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit dreizehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 



Gute zehn Jahre davon war Paul Bokowski mit dabei, an diesem Donnerstag dann zum letzten Mal. Schon im Laine-Art kam er zu uns, erst als Bonus-Boy, dann fest im Team. Ganz zerlumpt und verwahrlost, zudem völlig unbekannt, stand er damals mit laufender Nase an unserer Bühne und fragte um Obdach. Auf einem Pappschild hatte er mitleiderregende Schreibfehler eingebaut. Wir wuschen dem verlotterten Studenten in unserer altehrwürdigen Dusche die auffälligen Ohren und steckten ihn in ein literarisches Boot-Camp nach dem anderen, bis der Junge selber laufen konnte und mit stets lustigen Geschichten und famosen Bucherfolgen uns gerne auch einmal davon. Jetzt schmiedet er neue Pläne und wir freuen uns schon seit dem Sommer über den Neuzugang Thilo Bock. Hunderte Auftritte haben wir gemeinsam absolviert, für den Abschied ziehen wir noch einmal alle emotionalen Register und massieren uns die Tränendrüsen. Gast-Experte: Ex-Brauseboy Hinark Husen.

Dazu gibt es aufwühlende Lieder von Danny Dziuk.
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Brauseboys-Politwochen am 15.9.: Mit Dr. Maja Lasic (SPD), Daniel Gollasch (GRÜNE) und Manfred Maurenbrecher

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Wenn ich Politiker wäre (von Frank Sorge)

Wenn ich Politiker wäre, würde ich vermutlich etwas sorgfältiger Körperpflege betreiben, vor allem im sichtbaren Bereich. Ich wäre regelmäßiger beim Friseur. Ich würde mir auch die Zähne weißen und richten lassen, um kameratauglicher zu sein. Auch wenn keine Kameras in Sicht sind. Ich würde mich beraten lassen, was für ein Typ ich bin.
Ich würde wohl joggen, um schlank zu bleiben, und etwas 'Aktives' zu haben, was ich jede Woche auf mein Facebook-Profil stellen kann. Überhaupt gäbe es viel mehr Fotos von mir, wenn ich Politiker wäre.
Ich wäre sehr engagiert, wenn ich Politiker wäre, ich würde für Dinge werben, die man nicht in Schachteln verkauft. Ich hätte wohl schon früh Politik gemacht und in Jugendorganisationen ernste Workshops besucht, um Mädchen kennenzulernen.
Wenn ich Politiker wäre, würde ich meine Emails verschlüsseln und auch sonst vorsichtiger sein. Ich würde keine Nacktfotos im Internet bestellen, wenn ich Politiker wäre. Wenn ich Politiker wäre, wäre ich etwas durchschnittlicher, damit sich der Durchschnitt in mir erkennen kann.
Ich würde viel reden, wenn ich Politiker wäre, ich würde ständig reden können und es würde mir jedes Mal aufs Neue Spaß machen. Ich hätte Phrasen und Zitate und schlagende Formeln, geflügelte Worte und all das und viel mehr auf der Zunge. Ich hätte immer Bonbons in der Tasche.

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Brauseboys-Politwochen am 8.9.: Mit Christian Hanke & Zuckerklub

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Neulich auf einer Party (von Robert Rescue)

Ich stehe in der Küche und will meine Zigarette im Ascher am Fensterbrett ausdrücken. Am offenen Fenster sitzt ein Mann. Meine Armbewegung ist falsch, ich stoße ihn an und er fällt aus dem Fenster, fünf Stockwerke tief. Niemand sonst ist in der Küche und der Verunfallte war zu überrascht, um auf sich aufmerksam zu machen. Ich nehme mein Bier und gehe möglichst unauffällig rüber ins Wohnzimmer. Später werden Rufe laut, ein später Neuzugang hat Peter, wie ich jetzt weiß, vor der Haustür gefunden. Ich rufe, dass ich ihn zuletzt an der Badtür gesehen habe. Ich tue bekümmert, was anderes bleibt mir ja auch nicht übrig.

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Brauseboys-Politwochen am 1.9.: Mit Maren Jasper-Winter (FDP), Katharina Becker (CDU) & Sebastian Krämer

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Altbewährtes (von Frank Sorge)

Beim Rauchen im Hinterhof sehe ich, dass die Studenten-WG ein Plakat von Frank Henkel in die Küche gehängt hat. Kann ja sonst was für Gründe haben, aber irgendetwas stimmt da doch nicht. Auch auf die Gefahr hin, zu neugierig zu erscheinen, lehne ich mich etwas weiter hinaus. Tatsächlich, der Button mit Aufschrift "Starkes Berlin" ist nicht dazugeklebt, es gibt keinen aufgemalten Schnurrbart, keine nachgezogenen Augenbrauen. Auch keine Dartpfeile oder Löcher, wo sie einmal steckten. Nichts.
Mit etwas längerem Hals kann ich auch den Slogan des Plakats am unteren Rand lesen: "Mehr Video-Technik. Nur mit uns."  Nach einer nachdenklichen Minute ziehe ich mich schmunzelnd an den Rechner zurück. Hat doch alles seine Ordnung mit der Partei für Altbewährtes und den Studenten. Mal sehen, wo ich auch noch so eins abgreifen kann.

Eingestellt von : Frank Sorge
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Brauseboys-Politwochen am 25.8.: Mit Klaus Lederer (LINKE)

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Keine Experimente (von Frank Sorge)

Meine einjährige Tochter entwickelte zum Ende der rbb-Abendschau das Experiment, Personen auf der Mattscheibe zu küssen, wie die Moderatoren und Ulli Zelle bei der Außenreportage. Problematisch wurde das nur, als die aktuelle Wahlwerbung zur Berlin-Wahl nachkam. “Hör auf, nein, NICHT Frank Henkel!”, rief ich und stürmte zum Fernseher. 

Eingestellt von : Frank Sorge
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Ficken in Rio (Eine Antwort auf Manuel Schubert in der taz)

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Was bisher geschah: In Rio hat ein Journalist der amerikanischen Unterhaltungsplatform The Daily Beast enthüllt, dass es im olympischen Dorf bei der schwulen Dating-App Grindr, kurz gesagt, rund geht. Dazu streute er Andeutungen über prominente Athleten, die ihn angechattet hätten, sparte nicht mit süffisanten Hinweisen auf deren Identität, und berichtete, auch von muslimischen Sportlern kontaktiert worden zu sein, aus Staaten, in denen Homosexualität streng verboten sei.

So weit, so sensationsgierig. Über The Daily Beast brach ein Shitstorn sondergleichen rein, weil die Andeutungen des Artikels doch in ihrer Konkretheit sehr nach Zwangsouting rochen. Verschiedentlich wurde kritisiert, dass der besagte Journalist hetero gewesen sei. Ich persönlich halte das für nicht sehr relavant. (Ich glaub, die Homomedien ärgerten sich bloß, dass sie nicht selbst auf die Idee gekommen waren. Ich bin mir allerdings sicher, dass sie sensibler mit Hinweisen auf Identitäten umgegangen wären.)So oder so: Der Chefredakteur vom Daily Beast entschuldigte sich, der Artikel wurde aus dem Netz genommen. So weit, so unangenehm, der Fall schien abgeschlossen.

Doch dann kam Manuel Schubert von der taz.

Ja, ich glaub auch: Normalerweise würde dieser Satz heißen: „Doch dann kam Franz-Josef Wagner von der BILD“ oder „Dann kam Matthias Matussek“, aber nein, auch die taz hat ihre Quartalsirren.

Manuel Schubert wundert sich in einem Artikel, überschrieben mit „Ehrlicher Ficken“, über den Shitstorm, ob dahinter wirklich ein „Bruch der Privatsphäre“ stecke. Noch mehr wundert er sich über prominente Athleten, die dabei auffliegen, „wenn sie sich auf einer weltberühmten schwulen Dating-App mitten im olympischen Dorf nach einem Penis umsehen“ und unkt, sie seien „vielleicht“ „selbst Schuld“ und sicherlich „naiv“.

Gut, naiv ist das vielleicht, aber Apps wie Grindr basieren auf einem Grundkonsens: dass sich dort nur Gleichgesinnte treffen. Sportler fickt Journalist fickt Volunteer fickt Local fickt wenauchimmer ... Informationen aus so einem Medium zutage zu fördern, ist, wie in einem Darkroom das Licht anzuknipsen. Das macht man einfach nicht. Ohne diesen Grundkonsens an Naivität funktioniert schwule Subkultur nicht.

Aber das ist nur ein Teilaspekt. Schubert geht es um das große Ganze: „In jedem Fall sind sie Weltklasseathleten. Sie wissen, dass sie gerade bei Olympia auf der Weltbühne stehen. Als Sportler, aber auch als Staatsbürger, gut bezahlte Werbegesichter, Prominente und Vorbilder. Nur: Welchen Vorbildcharakter hat ein Athlet, der zwar Höchstleistungen erbringt, aber zugleich einen maßgeblichen Teil seines identitären Kerns, das Sexuelle, verbirgt, ja vertuscht und die Öffentlichkeit darüber belügt? Klare Antwort: keinen.“

Unverkennbar: Wir bleiben beim Thema Naivität. Mit der schaut Manuel Schubert auf den Sport. Ich sehe das anders: Sportler sind in erster Linie Sportler. Medaillen werden verliehen für sportliche Leistungen, nicht für Gesinnungen oder charakterliche Brillanz. Es gibt Sportler, die als Vorbilder taugen, andere taugen nicht. Ist so: Die meisten Sportler sind Menschen wie du und ich (auch wenn sie nicht immer so aussehen).

Schubert kapriziert in seinem Text ausschließlich auf Spitzensportler und „gut bezahlte Werbegesichter, Prominente und Vorbilder“. Auch das ist haarsträubend naiv. In Rio sind mehr als 11.000 Athletinnen und Athleten. Wie viele von denen sind prominent, gut bezahlt und Werbegesichter? Maximal 10 Prozent würde ich denken. Das Gros der Olypioniken stellen hingegen die vielen Spartensportler, die Unbekannten aus allen Herren Länder, für die Olympia ein großes Abenteuer ist. Sollen sie das doch mit sexuellen Abenteuern verbinden! Wer möchte es einem schwulen Bogenschützen aus, was weiß ich, sagen wir Pakistan (fiktives Beispiel) verübeln, dass er bei solch einem Abenteuer auch anderweitig zum Schuss kommen möchte?

Natürlich: Wenn ein Starathlet aus einer westlichen Nation seine Homosexualität verheimlicht, weil das Werbeverträge kosten könnte, dann mag man das mit Recht kritisieren, und meinethalben mag man dann auch Gerüchte kolportieren. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass in einer Vielzahl von Staaten dieser Erde Homosexualität verboten und mit drakonischen Strafen belegt ist. Wer da seine Sexualität verbirgt, ist kein schlechtes Vorbild sondern schlicht lebensklug. Und in noch viel mehr Staaten sorgen homophobe Staats- oder Religionsdoktrinen dafür, dass ein Coming-out eine Ächtung als Sportler, mindestens aber ein Ende jeder Sportförderung bedeuten würde. Es geht also auch um sehr existenzielle Fragen. Kann man es jemanden, der mit Leib und Leben Sportler ist, verübeln, dass er da seine Homosexualität im Verborgenen hält?

Dabei argumentiere ich nicht von dem Standpunkt, dass Homosexualität per se „ins Private gehört“. Da stimme ich Manuel Schubert sogar zu, im Grunde ist Homosexualität keine Privatsache, aber ich glaube, das war gar nicht Kern des Shitstorms. Es gibt aber – leider! – viele kluge Gründe, Homosexualität im Privaten zu halten, und der wohl Gewichtigste ist, am Leben zu bleiben. Kurios, dass Manuel Schubert diesen Aspekt so gar nicht betrachtet.

Er verlangt unbedingte „Ehrlichkeit“ von Sportlern, „man muss behelligen, muss offen und authentisch auftreten“. Gut gebrüllt, Schubert, aber dann brüll mal weiter: „It’s Raining Men“ mit ner Regenbogenflagge in der Hand auf einem Markplatz in Theheran. Da beginnen aber sofort die Endausscheidungen im Steinweitwurf.

Genau hier lag der eigenliche Skandal der Daily Beast-Enthüllungen, die jeden Shitstorm gerechtfertigt haben: Ich möchte nicht in der Haut desjenigen schwulen, musilimischen Athleten gesteckt haben, der da (nicht namentlich) erwähnt wurde. Ich möchte mir seine Angst nicht ausmalen, ob da vielleicht nicht doch noch eine Name folgen würde. Ich möchte nicht mal in der Haut irgendeines schwulen, muslimischen Athleten gesteckt haben, denn solche Enthüllungen sind sicherlich geeignet, dass in entsprechenden Delegationen ein Klima des Misstrauens gesät, womöglich richtig Hatz auf vermeintliche Schwule gemacht wird.

All das blendet Manuel Schubert aus. Er schließt seinen Kommentar ab mit der Hinweis, solange Athleten nicht bereit wären, sich zu outen, „sollten sie im olympischen Dorf besser keine Penisse auf Grindr suchen.“ Denn wenn ihre Hetero-Fassade auffliege, stünden sie „auf der Weltbühne zukünftig als Lügner und Betrüger da ... in einer Reihe mit Dopingsündern.“

Das ist nun starker Tobak und wirklich völliger Bockmist. Gewiss, Doping und eine versteckte Homosexualität eint der Aspekt der Unehrlichkeit. Doch bei dem einen betrügt man viele andere, bei dem anderen betrügt man nur sich selbst. Das ist ein gehöriger Unterschied. Und wie gesagt: Leider gibt es immer noch gute und mithin zwingende Gründe für so einen Selbstbetrug. In manch einer homophoben Gesellschaft sind anonyme Dating-Apps wie Grindr die einzige Chance, überhaupt zwischenmenschlichen Kontakt herzustellen, und sei es auch nur zum Ausleben einer ansonsten völlig unterdrückten Sexualität.

Ich kann viele schwule Athleten gut verstehen, die ihre Homosexualität verstecken. Und natürlich würde ich ihnen mehr Mut wünschen. Es ist toll, wenn Sportler sich outen, und es gibt genug, denen es nicht geschadet hat. (Auch wenn ich mich wundere, dass dieser Aspekt ihres Lebens von Sportreportern, die ja sonst jede Mutter im Publikum, jede Freundin daheim und jede Hauskatze der Kindheit herbeifaseln, einfach ignoriert wird. Dabei hätte man über den im Schubertschen Sinne vorbildlich offen schwulen Wasserspringer Tom Daley zum Beispiel viel erzählen können.)

Immerhin: Sogar Manuel Schubert gesteht Athleten das Recht zu, „selbst zu entscheiden, zu welchem Zeitpunkt sie das öffentliche Bild von ihrer Person um den Aspekt der sexuellen Orientierung vervollständigen“ (das Recht, ihn dauerhaft zu verschweigen, gestattet er allerdings nicht), doch bis dahin „sollten sie im olympischen Dorf besser keine Penisse auf Grindr suchen“. Sprich: Schwule Sporter, die sich - aus welchen Gründen auch immer - für ein Leben im Schrank entscheiden, sollen gefälligst die Tür des Schranks von innen abschließen. Das ist schlicht menschenfeindlich.

Brasilien ist ein liberales Land, in LGBT-Angelegenheiten recht fortschrittlich und offen. Wer möchte es schwulen Athleten vergönnen, diese Offenheit auszuleben, wo doch viele von ihnen aus Staaten kommen, in denen das nicht so ohne Weiteres geht. Soll sagen: Ich gönne jedem Schwulen Athleten jeden Penis, den er in diesen 16 Tagen auftreiben kann. Liebe schwule Sporter in Rio: Haltet eure Penisse nicht bei euch, wie Manuel Schubert euch rät. Benutzt sie. Fickt, so viel ihr könnt. Vögelt, als ginge es um Gold. Nutzt die Freiheit, die Rio euch gibt, und genießt sie in vollen Zügen. Denn wer die Freiheit nie geschmeckt hat, wird nie für sie eintreten.

(Volker Surmann)

Eingestellt von : Volker
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Brauseboys am 18.8.: Lesegold

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Mikrokosmos (von Frank Sorge)

Als es in der Wohnung nun wirklich nichts mehr gibt, was die Kinder nicht einmal in die Hand genommen und mit Schwung im Zimmer umverteilt haben, gehen wir auf den Spielplatz. Ich kann den Wedding auch nicht ewig von ihnen fernhalten, sie müssen lernen, sich durchzusetzen. Das Chaos auf dem Spielplatz im Brennpunkt, das wird sicher eine harte Schule, überlege ich auf dem Weg. Ein erster Brutkessel aus Verwahrlosung, sozialer Härte und dem Recht der Straße.
Vor Ort eine gewisse Ernüchterung. Die anderen Kinder fragen nach, bevor sie etwas von unseren Buddelsachen ausleihen. Sie bringen es sogar zurück. Ältere Fußballrowdies wechseln umsichtig den Spielort, wenn Kleinkinder in die Schussbahn krabbeln. Auf dem Trampolin fragen sie höflich nach, ob sie jetzt springen dürfen. Wenn das der Weddinger Mikrokosmos sein soll, weiß ich auch nicht. Das wäre doch etwas ungewohnt hoffnungsfroh für das große Bild.

Eingestellt von : Frank Sorge
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Brauseboys am 11.8.: Geschliffene Worte

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Mit Schwung (gefunden von Frank Sorge)


In Brandenburg auf dem Land ist das Kulturprogramm bodenständig und überschaubar. Wir haben hier am Wochenende immerhin erfolgreich neue Worte geerntet.

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Brauseboys am 4.8.: Für eine Handvoll Texte mehr

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WLAN in der Bank (von Robert Rescue)

Meine Hausbank bietet seit kurzem WLAN in der Filiale an. Bis zu einer Stunde kostenlos, wirbt sie auf einem Aufsteller. Fragt sich nur, wer sich so lange dort aufhält?

Eingestellt von : Frank Sorge
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Brauseboys am 28.7.: Für eine Handvoll Texte

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Waikiki Gun Club (von Frank Sorge)

Auf Hawaii gäbe es viele Obdachlose, erzählt die Freundin dort auf einem ersten Spaziergang in Honolulu. Nicht alle seien es hier geworden, mitunter würde man als Obdachloser in anderen US-Bundesstaaten ein One-Way-Ticket zur Anreise bekommen, erläutert sie. Denn es falle eine Todesart definitiv aus: Man könne nicht erfrieren.
Wir passieren einige, wie sie am Abend am Strand campieren, die meisten aber fallen in Einkaufs- und Schlenderstraßen als Werber auf. Sie haben bedruckte Westen des 'Waikiki Gun Club' um, halten ein Schild mit dem selben Aufdruck in der Hand. Vermutlich sollen sie auch Flyer verteilen, an Touristen, die mal mit einer richtigen Waffe schießen wollen, aber eigentlich stehen sie nur stumm für ein paar magere Dollar ihre Zeit ab.
Ich sehe niemanden, der sie anspricht oder sich informiert. Als ich begreife, wer hier wirbt, traurig und zerlumpt in gelb bedruckter schusssicherer Weste, unterdrücke ich den drängenden Impuls, an jeder Station schlaue Ratschläge aus mitteleuropäischer Sicht loszuwerden.

Eingestellt von : Frank Sorge
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