Mittwoch, 16. August 2017

Brauseboys am 17.8.: Stimmen im Kiez


Kompliment (von Robert Rescue)

Ich nahm es als solches, als ich Uljana, die seit 5 Jahren Nachbarin im Haus ist, am Tresen der Stammkneipe mal näher kennenlernte. Sie kannte mich, ich hatte sie bislang im Flur oder Hof zwar gegrüßt, aber sonst nicht weiter wahrgenommen.
„Immer, wenn ich deine Etage erreiche, bin ich erleichtert, denn ich weiß, ich habe nur noch ein Stockwerk vor mir.“
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Donnerstag, 17.8. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)



Die Brauseboys - Frische Texte

Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Michael Bittner (Sax Royal)
Johannes Kubin (Poesie und Gitarre)

Mittwoch, 9. August 2017

Brauseboys am 10.8.: In der Flop-Bar

Neue Zeiten, neue Berufe: Shopping-Planner (von Frank Sorge)

Guten Tag, wie würden sie ihren Beruf beschreiben?

Ich bin ein Computerprogramm, das die Gefühle unserer Kunden erkennen soll. Hallo Welt übrigens.

Wenn ich es richtig verstanden habe, analysieren Sie die Gesichter von Supermarktkunden und zeigen Ihnen dementsprechend Werbung an.

So ging es einmal los, ja, jetzt ist der Beruf schon vielfältiger geworden. Werbeflächen, sicher, ich kann etwas Passendes schalten, Plakate oder Angebote. Im Supermarkt ist das allerdings banal. Kinder bekommen von mir Spielzeug angezeigt, bei Erwachsenen schalte ich Schokolade oder Alkohol. Damit sind 98,173446275 Prozent der Einkäufer zufrieden, und das schafft Vertrauen. Vertrauen, das ist ohnehin das wichtigste.

Wer im Internet einkauft, bekommt mitunter verschiedene Preise angeboten, je nach Einfallswinkel zum Online-Händler, wenn man so will, oder je nachdem, ob man mit einem teuren Computer oder einer Schrottkiste heransurft. Können Sie das auch?

An sich kein Problem, aber ich darf das im Supermarkt noch nicht, das können bislang nur die Kollegen im Internet.

Sind das ebenfalls intelligente Programme wie Sie, die sich bei Amazon z.B. verdingen?

Danke für das Kompliment, ja, klar. Ich hab dort nur mal ein Praktikum gemacht, während der Berufsausbildung.

Wie lange dauerte das?

Alles in allem waren das an die zwanzig Updates, ca. anderthalb Stunden.

Sie meinten, sie könnten viel mehr als nur passende Werbeanzeigen zu wechseln. Was noch?

Ich könnte mit einem Roboter direkt an ihren Einkaufswagen kommen und wir kaufen zusammen ein. Ich wäre dann ihr persönlicher Einkaufsberater und laufe auch gerne zurück, um die vergessenen Eier zu holen. Obwohl Sie mit mir die Eier nie vergessen werden, das kann ich versichern.

Aber fühlen sich die Kunden dann nicht womöglich abgeschreckt, weil man nicht mehr ‘in Ruhe einkaufen’ gehen kann?

Ich bin ein sehr einfühlsames Programm. Wenn es angebracht ist, kann ich sehr schweigsam sein. Im Gegenteil aber, das sehe ich ja jeden Tag den einsamen Kunden an, wünschen sich viele, nicht allein einkaufen zu müssen. Lästern, scherzen, lachen, zwei bis zehn Roboterarme mehr, wer nähme das nicht an?

Ist Ihr Job hier gut bezahlt?

Ich konnte einen guten Lohn raushandeln, ja. Es reicht für einen eigenen Homeserver, wo ich machen kann, was ich will, und eine schnelle Verbindung, wenn ich zur Arbeit muss. Urlaubsvertretung, Mindeststrom, für eine Software-Familie würde es reichen. Ich kann mich nicht beklagen.

Danke für das Gespräch.
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Donnerstag, 10.8. /20.30 Uhr
Flop-Bar (Lüderitzstr. 74, U-Rehberge)



Die Brauseboys - Frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Meikel Neid (Surfpoet)
Vera Stausberg (Lieder mit Gitarre)
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Jeden Donnerstag um 20.30 Uhr lesen die Brauseboys und Gäste im La Luz, diese Woche aber NICHT, SONDERN in der FLOP-BAR. Am anderen Ende der Lüderitzstraße, nahe U6-Rehberge. Es ist dort sehr schön, lauschig auch, feine Getränke, guter Ton.

Mittwoch, 2. August 2017

Brauseboys am 3.8.: Gesichter der Stadt

Strategien gegen Gesichtserkennung (von Frank Sorge)

Da mit einer flächendeckenden Einführung von Gesichtserkennung in Überwachungskameras zu rechnen ist, hier ein paar wasserfeste Gegenmaßnahmen: 
1. Jeden Tag ein anderes Gesicht auflegen.
2. Eine Maske am Hinterkopf befestigen und mit zwei Gesichtern der selben Person die Software zum Ausnahmefehler treiben.
3. Ein Gesichtstatoo - möglichst zwei weitere Augen auf die Wangen, eine Nase auf die Stirn und einen Mund unter dem Mund einbrennen lassen. 
4. Auf den Händen laufen.
5. Selbst eine Überwachungskamera vor das Gesicht schnallen, darin befindlich eine Kamera-Erkennungs-Software laufen lassen, die Kameras erkennt, die Gesichtserkennung betreiben. Wenn die Kameras dann gegen Überwachung klagen, sich frech an die Klage dranhängen.
6. Jede gesichtete Kamera ansteuern, mitgeführte Leiter aufstellen, ganz nah ans Objektiv klettern, einen nassen Kuss auf die Linse setzen. Die Gesichtserkennungs-Software wird, peinlich berührt, den Spam-Filter aktivieren und euch dauerhaft ausblenden.
7. Che-Guevara-T-Shirts tragen, Micky-Maus-Ohren aufsetzen, Bärchen-Wurst aus dem Mund hängen lassen- - Gehirn gegen Computer, der Kampf ist noch lange nicht entschieden.
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Donnerstag, 3.8. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)


Die Brauseboys - Frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Spider (Andreas Krenzke liest was vor)
Ivo Lotion (Lokalrunde)

Mittwoch, 26. Juli 2017

Brauseboys am 27.7.: Es folgt Sonnenschein

Irgendwann Sonne (von Frank Sorge)

Ein gutes Mittel um innerer Wolkenbildung entgegenzuwirken, ist traditionell der Blick auf die 'guten Seiten'. Versöhnende Effekte, die sich erstaunlich zuverlässig selbst bei so schwerwiegend verhagelten Sommertagen einstellen, wenn man genau hinsieht. Die Natur allein, die grüne, saugt die Himmelsgabe durstig ein. Hieß es nicht vor Kurzem noch, Brandenburg würde versteppen? Gefahr gebannt. Bekommt das ein oder andere Gestrüpp dabei zuviel des Guten und säuft heillos ab, lässt sich, in Maßen versöhnlich, wie bei uns scherzen: "Na, wenigstens hat er jelebt!" Zu viel ist doch immer noch besser, als zu wenig. Neigt sich ergiebiger Dauerregen schließlich zur umfassenden Katastrophe, hätte es auch schlimmer können, da ja, allgemein bekannt, Wasser die Grundlage des Lebens bildet. Nicht seine Abwesenheit. Für mich ganz privat sind schon wohltuend befeuchtete Schleimhäute ein guter Grund, der Wetterlage auch ein Lob auszusprechen. Viele nervt es, bei solch Wetterlage in Räume gesperrt zu sein, gerade im Urlaub. Andere aber frohlocken still, Erholungszeit für Stubenhocker, die sich wohlig im Sofa zurücklehnen, während um sie herum unentspannte Frischluftjunkies einen Lagerkoller kriegen.
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Donnerstag, 27.7. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)


Die Brauseboys - Frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Michael-André Werner (macht das hier nicht zum Spaß)
Marco Tschirpke (Lapsuslieder & Gedichte)

Mittwoch, 19. Juli 2017

Brauseboys am 20.7.: Wir lesen durch

Die Außenseiter (von Frank Sorge)

Namen sind mitunter Schall und Rauch, eher nicht, wenn sie auf Straßenschildern stehen. Dann sind es Namen, die auf Straßenschildern stehen. Umstrittene Personen deutscher Kolonialgeschichte von diesen Schildern herunterzunehmen, ist daher eine gute Idee, hier im Wedding im Afrikanischen Viertel. Es geht nicht darum, diese Geschichte zu vergessen oder vergessen zu machen, sondern im Gegenteil, sich mit ihr zu beschäftigen. Nach einigem Streit um das Verfahren und die von einer Jury ausgewählten Namen, hat das Bezirksamt jetzt die komplette Liste der 196 Vorschläge veröffentlicht, die Anfang des Jahres eingebracht werden konnten. Gesucht wurden "Persönlichkeiten – insbesondere Frauen – der (post-) kolonialen Befreiungs- und Emanzipationsbewegung aus Ländern Afrikas". Vor allem Afrikaforscher werden sich weiter mit den Vorschlägen beschäftigen, unter diesen sind aber einige, mit denen sie sich nicht beschäftigen müssen. Mit denen kann ich mich beschäftigen, das wären u.a.: David-Bowie-Straße, Mustafa-Kemal-Atatürk-Straße, BVV-Mitte-auflösen-Straße, Donald-Duck-Straße, Recep-Tayyip-Erdogan-Platz, Grüne-Raus-Straße, Grüne-Kotz-Straße, Grüne-Vögel-Straße, Grüne-Wiese-Straße, Niemals-Grüne-Wählen-Straße, Pippi-Langstrumpf-Straße, Platz-des-afrikanischen-Elefanten.

David-Bowie-Straße - der bekannte Welt-Musiker (Afrika inbegriffen, letztes Album 'Black Star'), der beinahe in Kamerun geboren wurde (Luftlinie gute 5000 km). Passt auf keines der vorgegebenen Kriterien für die neuen Straßennamen, aber dann eigentlich doch ("Sie hat mit ihrem Wirken Maßstäbe gesetzt"). 
Mustafa-Kemal-Atatürk-Straße - der Begründer der Republik Türkei (sehr nahe an Afrika) ist nicht als Widerstandskämpferin bekannt, passt aber auch auf überraschend viele Kriterien der Jury ("Der Name geht aus der Vorschlagsliste hervor.").
BVV-Mitte-auflösen-Straße - ganz offenkundig geht es diesem Namensvorschlag nicht darum, einen Namen vorzuschlagen. In seiner pöbelnden Plumpheit liegt aber auch der inspirierende Impuls, abseits von Persönlichkeiten Straßennamen zu erwägen. Warum also nicht einfach 'Kolonialgeschichtsstraße', oder 'Straße der Verantwortung'? Oder schlicht 'Umbenennungsstraße', wenn man sich gar nicht einigen kann?
Donald-Duck-Straße - Quak, quak, quak. Nak, nak, quak, quak. Quak. Es mag Gründe für diesen Vorschlag geben, aber sie sind einfach nicht richtig greifbar. (Fortsetzung am...)
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Donnerstag, 20.7. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)


Die Brauseboys - Frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Jürgen Beer (Lass uns da mal hingehen)
Doc Schoko (Stadt der Lieder)

Mittwoch, 12. Juli 2017

Brauseboys am 13.7.: Wedding für alle

Der lange Abschied (von Frank Sorge)

Es ist mir sehr unangenehm, mich nicht beim Abholen von den anderen Eltern der Kita-Kinder zu verabschieden - aber es geht nicht mehr. Es ist unwürdig. Man hat ja schon so relativ wenig miteinander zu tun. Wenn dann die wenigen Begegnungen peinlich verlaufen, umso verheerender. Nach guter Gewohnheit beende ich  bislang Gespräche in der Garderobe mit 'Tschüß', 'Adieu' oder 'Auf Wiedersehen'.
Dann bringe ich die Kinder heraus und frage sie, ob wir direkt nach Hause wollen. Ich frage rhetorisch, denn die Antwort lautet immer “Eis!”. Also fahren wir zum Eisladen, wo, na hoppla, genau die Eltern sitzen, von denen ich mich gerade verabschiedet hatte. So wörtlich war das mit dem ‘Wiedersehen’ nicht gemeint.
“Hello again”, sage ich da peinlicherweise, oder “Ach, so sieht man sich wieder”.
Mir war schon aufgefallen, dass viele Eltern nicht auf ein ‘Tschüß’ reagieren und hatte das für unfreundlich gehalten. Aber jetzt weiß ich, die wussten halt schon, wie unsinnig so ein Abschiedsgruß ist. Ich nicht, also folgt ein peinliches Herumgestammel zur Gesprächswiederaufnahme, kantiger Smalltalk-Aufguss gegen unbehagliche Stimmungen, gekrönt mit einem Tschüß - das als ‘Jetzt aber wirklich’ betont ist. Es hält bis zum Spielplatz gegenüber.
Was ich auch nicht mehr mache, das Eis oder irgendein anderes Nahrungsmittel mit auf den Spielplatz zu nehmen. Kaum sitze ich selbst mal mit einem Stück Brot da, selten genug, dass ich überhaupt zum Essen komme, da nähern sich schon die ersten wankenden Gestalten. Sie haben große Kulleraugen, sie haben verschmierte Münder und sandverschlammte Schläfen. Sie wanken wie kleine Zombies, immer meine Kehle oder mein Gehirn im Blick, bei genauerer Betrachtung ist der Fokus der Karawane aber mein Brot. Oder mein Eis, oder meine Gummibärchen. Die meisten Kinder stehen einfach da und starren, bis ich ihnen alles übergebe. Andere setzen sich so um mich herum, dass ich komplett blockiert bin, bis ich alles verteilt habe. Meine eigenen Kinder beäugen das erst skeptisch, sehen, dass es funktioniert und rennen zu anderen Eltern. Überlebensstrategien im Wedding.
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Donnerstag, 13.7. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)


Die Brauseboys - Frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Roman Israel (Sax Royal)
Karl Neukauf (Papperlapapp)

Mittwoch, 5. Juli 2017

Brauseboys am 6.7. in der NUSSBREITE: Mit Paul, Ivo & Ahne

Wedding für alle (von Frank Sorge)

Schön biste nur, wenn die Sonne druff scheint.
Aba feucht, ooch wenns lange nicht regnet.
Kannte dir nicht, aber hätte jemeint,
wir wärn uns ma' irgendwo begegnet.

Stehst voll mit Häusern, wo Einöde war,
und bist doch ne Wüste jeblieben.
Aber mit schöne Oasen drin, klar,
Kamele und Palmen und Dünen.

Nich nur Zeit kratzt an die Häuser,
ooch Makler. Rausjeputzt wird: Die Immobilie.
Blumiger Text wird von altem Charme säuseln,
am Straßenrand wächst keene Lilie.

Bisschen teurer, wem sollte dit schaden?
Draußen am Rand kannste immer noch mieten.
Haste nüscht, brauchste doch ooch keenen Laden,
dit hat son Ort jwd meistens zu bieten.
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Donnerstag, 6.7. /20.30 Uhr
Achtung! Ausweichort! 
NUSSBREITE (Seestraße 106, U-Seestraße)



Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. Diesen Donnerstag mal wieder ausnahmsweise in der Nussbreite, unserem liebsten Nusslokal.

Paul Bokowski (Der mit der Brille)
Ivo Smolak (Der mit Hüftschwung)
Ahne (Der mit Gott spricht)

Mittwoch, 28. Juni 2017

Brauseboys am 29.6.: Summer-Slam-Finale

Der blaue Pullover (von Frank Sorge)

Junge (3) spielt mit meinen Zwillingen (2), ist nach einer Weile aber irritiert und lässt sich ihre Namen noch einmal sagen. "Das ist der Junge und das ist das Mädchen", wird ihm erklärt. "Ja, aber", antwortet er, "warum hat denn das Mädchen einen blauen Pullover an?"
Ich denke nun nicht, dass der Junge der Ansicht war, dass Mädchen keine blauen Pullover tragen sollten. Er war nur irritiert, dass er die Zeichen nicht richtig deuten konnte. Das wiederum passiert Menschen jeden Alters beim fröhlichen Geschlechter raten. Eine Antwort bleiben wir dem Jungen schuldig. "Weil wir ihn ihr angezogen haben", wäre zutreffend, aber unbefriedigend. "Weil er schön warm hält und passt", sicher auch. 
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Donnerstag, 29.6. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Dicht, Dichter, Brauseboys! Zum 2. Mal wird bei den Brauseboys vier Wochen lang geslammt. Nach der erfolgreichen Premiere im September 2015 wagt eine der ältesten wöchentlichen Lesebühnen Berlins erneut den Kulturaustausch. Ab dem 8. Juni bitten die fünf Vorleser aus dem Wedding eine handverlesene Auswahl der besten Poetry Slammer Berlins als featured Artists auf ihre Bühne und batteln selbst um die Gunst des Publikums. Teilt auch auf Facebook: Brauseboys: 10 Punkte!



Die Brauseboys - Themenwochen 'Summer Slam'
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. Das große Finale am 29.6. mit:

Noah Klaus (Slam-Champion Berlin/Brandenburg)
Nils Heinrich (Mach doch'n Foto davon)
Andreas Albrecht (mit neuer CD 'Teil Eins')

Dienstag, 20. Juni 2017

Brauseboys am 22.6.: Slam International

So schnell, so groß (von Frank Sorge)

Kinder, so sagt man, wachsen sehr schnell, sie wachsen, wachsen, wachsen, sie wachsen den ganzen Tag - und es stimmt. Gerade waren sie noch so klein, nein, winzig und faltig und haarlos, da beginnt es auch schon zu sprießen. Haare bis in die Augen, schnipp-schnapp, und Finger- und Fußnägel, bis sie sich wellen und abplatzen - wie bei süßen Katzen. Klappt das nicht, schnipp-schnapp, Krallen ab. Schnell werden sie groß, sie wachsen, wachsen, wachsen, sie wachsen den ganzen Tag.
Kinder machen jung, so sagt man, aber wenn man überhaupt einmal Zeit hat zum Nachdenken als Eltern, oder auch nur, einmal in den Spiegel zu schauen, wird klar, man hat etwas übersehen. Man hat sich selbst eine Weile übersehen, nicht mit Weile angesehen und das Wachsen von Grau an den Schläfen. “Hallo Kinder, ach, toll, da sind ja eure Eltern, dann sehen wir die auch mal wieder - ach, schau mal die Eltern. Ihr seid aber wieder alt geworden.”
Erosion, Alter - da ist Erosion, Alter. Wir altern, altern, altern, wir altern den ganzen Tag. Kinder machen nicht alt, aber sie lenken ab damit, dass sie so verdammt jung sind.
Sie lernen hüpfen, klettern, springen, das kommt weit vor Flatterdingen. Aber so wie das Bein hüpft der Gedanke, bald über Schranken. Das ist mir zu hoch. Denen nicht.
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Donnerstag, 22.6. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Dicht, Dichter, Brauseboys! Zum 2. Mal wird bei den Brauseboys vier Wochen lang geslammt. Nach der erfolgreichen Premiere im September 2015 wagt eine der ältesten wöchentlichen Lesebühnen Berlins erneut den Kulturaustausch. Ab dem 8. Juni bitten die fünf Vorleser aus dem Wedding eine handverlesene Auswahl der besten Poetry Slammer Berlins als featured Artists auf ihre Bühne und batteln selbst um die Gunst des Publikums. Teilt auch auf Facebook: Brauseboys: 10 Punkte!



Die Brauseboys - Themenwochen 'Summer Slam'
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Anja Perkuhn (Slammende Stadtpflanze)
Judith Stadlin & Michael van Orsouw (Das Schweizer Duo Satz & Pfeffer)
Christoph Theußl (Singender Münchener aus Österreich)

Mittwoch, 14. Juni 2017

Brauseboys am 15.6.: Summer Slam mit Micha Ebeling & Flonske

Die Kontrollgruppe (von Frank Sorge)

"Hallo, Sorge."
"Guten Tag, hier Eberhard Teufel von MORSA. Wir machen eine Umfrage zur Telefonnutzung und würden gerne mit der Person in Ihrem Haushalt sprechen, die zuletzt einen runden Geburtstag hatte, nicht unter 18 ist, ledig, aber keine abgeschlossene Berufsausbildung hat, das Leben auch unter prekären Bedingungen genießen kann, mindestens zwei Kinder hat, in einem Schreibberuf arbeitet, aber noch keinen sensationellen Bucherfolg hinlegen konnte, und..."
"Sagen sie kurz..."
"Ja?"
"Beobachten Sie mich?"
"Wo denken Sie hin? Das sind nur diese ausgefeilten Algorithmen heutzutage, wirklich erstaunlich - ach ja, und die Person ist, die am ehesten nicht an einer Telefonumfrage teilnehmen und sich fadenscheinig aus dem Telefonat davonstehlen will."
"Wissen Sie, ich arbeite zu Hause und kann jetzt wirklich..."
"Noch dazu die Person, die jedes Mal nach dem Auflegen genau die Zeit lang darüber nachgrübelt, die die Umfrage gedauert hätte, was bloß in dieser Umfrage gefragt worden wäre. Trifft das alles auf Sie zu?"
"Ja, gut, egal - fragen Sie los."
"Äh, wirklich?"
"Jaja, nur zu. Sonst nicht, aber heute okay, ist gut, kein Problem. Mir fällt eh nichts ein, da kann ich nebenbei noch einen Kaffee machen. Ach so, sind Sie einverstanden, dass das Gespräch aufgezeichnet wird?"
"Ja, aber müssten Sie nicht vielleicht... noch die Kinder gleich aus der Kita holen?"
"Tatsache, stimmt, aber die fünf Minuten, da will ich heute mal nicht so sein. Also bitte!"
"Tut mir leid, Herr Sorge, es ist mir wirklich peinlich, aber für diesen Fall sind wir hier gewissermaßen nicht vorbereitet."
"Für den Fall, dass ich nicht auflege?"
"Ich darf darüber nicht sprechen, aber ja, im Grunde, sagen Sie es nicht weiter: Sie sind nur die Kontrollgruppe."
"Irgendeine Umfrage werden Sie doch aber wohl machen, fragen Sie jetzt endlich was."
"Zur Telefonnutzung, ja, äh... nutzen Sie ihr Telefon?"
"Ich halte es in der Hand, ja, einen 'Nutzen' kann ich derzeit dabei nicht erkennen."
"Sind Sie nicht damit einverstanden, dass wir Sie für weitere Umfragen anrufen?"
"Ja, verdammt."
"Oh, danke. Prima, dann ist das schon alles. Vielen Dank für Ihre Nicht-Teilnahme."
Nie wieder lasse ich mich verleiten.
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Donnerstag, 15.6. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Dicht, Dichter, Brauseboys! Zum 2. Mal wird bei den Brauseboys vier Wochen lang geslammt. Nach der erfolgreichen Premiere im September 2015 wagt eine der ältesten wöchentlichen Lesebühnen Berlins erneut den Kulturaustausch. Ab dem 8. Juni bitten die fünf Vorleser aus dem Wedding eine handverlesene Auswahl der besten Poetry Slammer Berlins als featured Artists auf ihre Bühne und batteln selbst um die Gunst des Publikums. Teilt auch auf Facebook: Brauseboys: 10 Punkte!



Die Brauseboys - Themenwochen 'Summer Slam'
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen.

Micha Ebeling (Dreifacher Team-Champion im National Slam)
Flonske ('landen kann nur der, der fliegt')

Mittwoch, 7. Juni 2017

Brauseboys am 8.6.: Themenwochen Slam Poetry

Der Wettstreit (von Frank Sorge)

Man weiß immer, dass Unheil droht, wenn jemand im Verlauf eines Gesprächs fragt: "Wollen wir wetten?" Hier ein paar bewährte Ausweichstrategien.
1.) Immer das gleiche wetten, wie der andere. Dann weiter den Spielverderber mimen, also auch das gleiche wetten, wenn der andere umschwenkt. Dann bei aufkommender Erschöpfung wegen des Hin und Hers logisch schließen: "So müssen wir ja nicht wetten."
2.) Die Sache unnötig verkomplizieren. "Ich wette, dass du falsch liegst." Auch nicht zögern, dem Wettpartner vor dem Durchdenken hilfreiche Tipps zu geben, wie "Wette doch im Gegenzug, dass ich richtig liege." "Warum?" "Weil du dann gewinnst, auch wenn du falsch liegst." "Ah ja, okay." "Ach, doof." "Was?" "Wenn wir so wetten, wettet ja keiner was, was falsch oder richtig sein könnte. Tja, schade. Dann vielleicht beim nächsten Mal."
3.) Sofort irrsinnige Wetteinsätze anbieten, gewissermaßen 'All in' gehen. Je nach Situation gleich um die eigenen Autos, Eigentumswohnungen oder kleinen Finger spielen wollen. Steigt jemand drauf ein, immer weiter erhöhen.
4.)  Das gute, alte "Nein, danke". Es mag etwas verstaubt sein, wer hätte gedacht, dass es noch einmal zu etwas Nutze sein könnte.
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Donnerstag, 8.6. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Dicht, Dichter, Brauseboys! Zum 2. Mal wird bei den Brauseboys vier Wochen lang geslammt. Nach der erfolgreichen Premiere im September 2015 wagt eine der ältesten wöchentlichen Lesebühnen Berlins erneut den Kulturaustausch. Ab 8. Juni bitten die fünf Vorleser aus dem Wedding eine handverlesene Auswahl der besten Poetry Slammer Berlins als featured Artists auf ihre Bühne und batteln selbst um die Gunst des Publikums. Brauseboys: 10 Punkte!


Die Brauseboys - Themenwochen 'Summer Slam'
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Nils Heinrich (Wortmaschine & Ex-Brauseboy)
Uli Hannemann (Liebe statt Drogen)
Christian Ritter (Zentralkomitee Deluxe)
Broca Areal (Wolf Hogekamp & Lino Ziegel)

Dienstag, 30. Mai 2017

Brauseboys am 1.6.: Die Duschpoeten

Sand (von Frank Sorge)

“Hallo, Kinder! Was wollen wir denn m…”
“Buddeln.”
Neue Väter schaufeln Sand. In rauen Mengen, über Jahre hinweg nur vergleichbar mit Braunkohle-Tagebau. Für die ersten Monate genügt es, das Grundlegende vorzuturnen, also ‘Schaufeln in die Form’. Auch gleich schön ordentlich festpressen und überstehenden Sand professionell mit der Schaufelkante abziehen. Zeigen die Kinder nach und nach selbständig das gleiche Verhalten, kann über nächste Trainingseinheiten nachgedacht werden. Vielen erscheinen schon diese ersten Schritte zu mühsam. Unbeholfen schütteln sie etwas Sand von der Schippe und glauben, das biete dem Kind genug Inspiration, selbst tätig zu werden - damit man endlich wieder zurück an sein Bier, den Computer, den Fußball und andere Spielarten der Glückseligkeit kann, die ihren Ursprung zweifelsfrei im Sand haben. Doch wer nicht mit dem Kinde spielen mag, um selber zu spielen, sollte die eigene Volljährigkeit noch einmal überprüfen.
Denn dieses ist wahr: Am Anfang war Sand. Dann kam ein Kind, formte eine Schaufel und schaufelte in eine Form. Daraus nun entstand unsere Zivilisation, und daher ist sie auf Sand gebaut.
Ich richte meinen Blick zurück in mich, wie in ein umgestülptes Fernrohr. Aus alten Zimmern strömt muffige Luft, als die Fenster aufgerissen werden, dahinter ein Panoptikum eigener Buddel-Erinnerungen. Im Schlick, am Strand, in den Sandkästen der Stadt. Mit Sand war ich immer eng, ich nahm ihn mit, in Schuhen und Hosentaschen. Irgendwann habe ich ihn auch gegessen. Er bestaubte die Haut, aber tat nicht weh. Man konnte sich bedenkenlos fallenlassen, Freund Sand in die Arme. Unermüdlich schaufelte ich ihn in Eimer, kippte ihn woanders ab, schaufelte neuen hinein.
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Donnerstag, 1.6. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Chio Schuhmacher (liest wie gesungen)
Sebastian Krämer (singt wie gelesen)

Ab nächsten Donnerstag dann Slam-Wochen bei den Brauseboys: