Mittwoch, 24. Mai 2017

Brauseboys am 25.5.: Du hörst mich

Mit Haut und Haar (von Frank Sorge)

Der Currywurstverkäufer im Traditionsgeschäft nennt Darm jetzt 'Haut'. 
“Mit Haut?” 
“Ja", sage ich nach einer Schrecksekunde, "und mit Kartoffelfingern bitte.”
Mit Haut? Das ist wahrscheinlich der Versuch, etwas Appetitlicheres zu fragen als ‘mit Darm’. Hat aber nicht geklappt. Vor allem, weil man erst einmal länger darüber nachdenken muss. Haut? Welche Haut? Und wie muss ich mir die erfragte Haut vorstellen? So wie meine, zart mit feinen Härchen? Das ergäbe allerdings eine Currywurst, die ich auslassen würde. Oder wie knusprige Brathähnchenhaut, die im Idealfall mit wenig rückseitigem Fett positive Assoziationen weckt, aber völlig weg von denen einer Bratwurst? Oder ist die Haut wie die auf Kakao oder Pudding gemeint, und was sollte mir das über die Currywurst sagen?
“Lassen Se mal die Wurst, ich nehm nur Pommes.”
“Huch, wieso das denn?”
“Wahrscheinlich schon der Gedanke, die Wurst wäre in Menschenhaut verpackt.”
“In was?”
“Na, wegem dem Darm.”
“Häh?”
“Wegen des Darmes.”
“Ach so, na dit is wegen der Touristen.”
“Hab ich mir gedacht. Aber die haben das doch gelernt?”
“Gelernt?”
“Na, in ihre Falkplan-Seminare und Reise-Coachings und Tripadvisor-Konferenzen - hundertmal. Seien Sie nicht irritiert über die Nachfrage ‘mit Darm’, sagen Sie einfach Ja oder Nein, wenn sie keine Pelle mögen. So was lernen die doch da.”
“Pelle? Dit is vielleicht besser, dann frage ich nach Pelle.”
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Donnerstag, 25.5. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Sebastian Niedlich (Am Ende der Welt gibt es Kaffee und Kuchen)
Doc Schoko (schlecht dran / gut drauf)

Mittwoch, 17. Mai 2017

Brauseboys am 18.5. in der NUSSBREITE: Mit Dziuk und Birr

Kulinarische Seestraße (von Frank Sorge)

Um sich vor den Brauseboys angemessen stärken zu können, sind unsere Zuschauer diese Woche auf die Spezialitäten der Straße angewiesen. Hier die wichtigsten Gastro-Tipps Müller-/Seestraße auf dem Weg zur Nussbreite.

Sei dabei, sei Saray - Döner geht immer, sagt der Volksmund und beißt rein - dieser hier geht auch immer bis Mitternacht. Wer jetzt gleich denkt: Ach nee, Imbiss will ich nicht, dem sei versichert, dass es sich beim Saray nicht um einen solchen handelt. Es ist ein Restaurant. Es gibt wunderbaren Reis auf den Teller und duftende Soßen zum Grillgut, außerdem haben die Kellner die Haare schön.

Direkt gegenüber am Urnenfriedhof hat der 'Rebel Room' in einem alten Taxihäuschen Station bezogen. Es gibt hier an Bierbänken und Stehtischen feine Burger und frittierte Beilagen. Außerdem die höchste Hipsterdichte jenseits der Gerichtsstraße. Werden wir gefragt, ob der Wedding jetzt endlich cool, bärtig und im Kommen wäre, können wir sagen: Ja, auf diesen paar Quadratmetern in jedem Fall. 

Auf dem Mittelstreifen der Kreuzung lockt hingegen schon viele Jahrzehnte lang der Imbiss zur Mittelpromenade. Fragt man die Locals, will es immer keiner empfehlen, aber trotzdem gehen alle regelmäßig hin. Nur dann weiß man, dass der Imbiss in den letzten Jahren so manche Veränderung durchlebte. Es ist auch weit und breit die einzige Currywurst dort zu bekommen.

Auf der dunklen (Süd-)Seite der Seestraße gibt es ein paar Häuser weiter noch den 'Asia Deli'. Ein schnöder China-Imbiss, hat schon so mancher beim Vorbeischlendern und Ansehen der deutschen Speisekarte gedacht, man könnte hier nicht nicht weiter daneben liegen. Die Zauberworte hießen lange "Die andere Karte" - der Laden verwandelt sich, vor den Fenstern kommen Reisfelder in den Blick und eine frische Brise vom großen Fluss kühlt das Mützchen. Unter diesen Eindrücken bekommt man dann Maos Lieblingsspeise aufgetischt.
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Donnerstag, 18.5. /20.30 Uhr
ACHTUNG: Nussbreite (Seestraße 106, nahe U-Seestraße)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 



Dienstag, 9. Mai 2017

Brauseboys am 11.5.: O Mai o Mai

Angenommen (von Frank Sorge)

Der Paketzusteller hat eine Sackkarre dabei, die mit einem englischen Spruch beklebt ist. Den übersetze ich mir so: Kunst produziert Künstler. Ah ja, denke ich, da hat er wohl recht, und will schon die Tür schließen. Das Paket? Okay, das nehme ich auch, danke.
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Donnerstag, 11.5. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 


Mittwoch, 3. Mai 2017

Brauseboys am 4.5.: Mit Zuckerklub und Klaus Ungerer

Gute Luft macht größenwahnsinnig (von Robert Rescue)

Auf einer Terrasse in Konradshöhe, irgendwo bei oder hinter Tegel. Ich rauche und blicke sinnierend in die Nacht. Drinnen diskutieren mehrere Autoren ihre Ideen für Romane. Der andere rauchende Schriftsteller kommt auf die Terrasse. "Es ist nicht gut, dass wir beide hier draußen stehen", sage ich zu ihm. "Warum nicht?", fragt er zurück. Er ist etwas überrascht. Kann ich verstehen, schließlich war ich gerade irgendwie unhöflich. Aber so ist es nicht gemeint gewesen. „Siehst du da drüben das Einfamilienhaus mit dem einen beleuchteten Zimmer?“
„Ja“, antwortet er und zündet sich die Zigarette an.
"Der Bewohner könnte etwas gegen uns haben. Wir sind Fremde für ihn. Vielleicht holt er gerade die Knarre heraus und richtet sie auf uns. Ich meine, wir beide sind die besten Schriftsteller Berlins und stehen gerade nebeneinander. Wir wären, schlimmstenfalls, beide erledigt. Was wäre das für ein Verlust für die Stadt und ihre Kultur?
"Da könnte was dran sein", sagt der andere. "Was sollen wir tun?"
"Ich habe eine Idee", sage ich und drücke meine Zigarette aus. "Ich gehe wieder rein. Damit ist die Gefahr zwar nicht gebannt, aber wenn der Typ schießt, ist der Schaden nicht so groß."

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Donnerstag, 4.5. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen.

Klaus Ungerer
Zuckerklub

Mittwoch, 26. April 2017

Brauseboys am 27.4.: Mit Johannes Krätschell und Lüül

Wie ein Stein (von Frank Sorge)

Kurz vor dem Einschlafen rappelt sich meine Tochter häufiger die Woche noch einmal auf, klettert aus dem Bett und wandert zu mir an den Schreibtisch, um sich abzulenken und zu zerstreuen. Zielsicher hat sie, wie ich, dafür den besten Ort ausgewählt. Die Bildschirme am Platz werden aber bald von selbst dunkel, denn sie werden nicht gebraucht. Es stellt sich als hilfreich heraus, dass ich über Jahre hier im Arbeitszimmer Erinnerungsstücke in rauen Mengen gesammelt habe. Oder lagere, denn eine Systematik, die dem Sammeln eigen ist, kann man lange suchen. Hier findet man nur mühelos etwas, das man nicht gesucht hat. Phasenweise spielen wir mit übrig gebliebenen Geldstücken aus fernen Ländern, Würfeln, Plastikfiguren, was immer sich gerade findet. Derzeit sind es Steine, die ich von Reisen mitgebracht habe, mit großem Überblick sammelt sie alle zusammen, legt sie einzeln auf den Tisch und wir besprechen den Fund. Ist er rund, ist er schwarz, ist er rau, glitzert da was? Das kann locker eine halbe Stunde gehen, wirkt aber sicher. Wenn ich gerade noch so das Klappern der Schlafzimmertür wahrnehme und sie in Sicherheit weiß, bin ich sofort friedlich verschlafen.
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Donnerstag, 27.4. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Mittwoch, 19. April 2017

Brauseboys am 20.4.: Ja zum Wedding

Vielleicht (von Frank Sorge)

Samstag mittag, Ostereinkauf. Zu allem Überfluss am Tabakladen noch drei Lotto-Spieler vor mir in der Schlange. Mit großem Ernst werden Zettel getauscht, manche von der Lottomaschine ausgelesen, andere wieder ausgegeben. Kleine Eurobeiträge müssen nachgezahlt werden, heute kein Gewinn.
"Was ist Ihr Hobby?"
"Geld wegwerfen zum Wochenende."
Dialog hier nicht denkbar. Die eiserne Spielerregel, nur Geld einzusetzen, um das es nicht schade ist, zwingt zur Zurückhaltung. Wartezeit wie in Sirup, meine Tiefkühlsachen schwitzen. Immer wieder Nachfragen: "Spiel 77?"
"Hab ich doch gekreuzt."
"Ja? Aber nicht richtig. Also nein?"
"Habe ich gemacht."
"Müssen Sie aber deutlicher machen, hat die Maschine nicht erkannt."
"Computer", sagt der dritte. Seine Betonung suggeriert einen Doppelpunkt, Tore zur Weisheit werden geöffnet: "Immer nur 'Ja' oder 'Nein'. Nie vielleicht."
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Donnerstag, 20.4. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Dienstag, 11. April 2017

Brauseboys am 13.4.: Am grünen Donnerstag

So einfach (von Frank Sorge)

Vor meinem Balkon, unten auf der Seestraße, befindet sich ein schwer geschundener Grünstreifen. Auch frische Frühlingstriebe bleiben hier nicht lange hoffnungsgrün. Nur ein Buschwerk nahe der Ampel blüht in diesem Jahr ungewohnt auf, inmitten der austreibenden Zweige ist ein laminierter Zettel "Vorsicht Giftköder" an einem Bäumchen angebracht. Jeden Tag mehr wird mir klar, dass der Zettel das Überleben des Biotops sichert. Selbst die betrunkensten Urinierer halten angesichts der Botschaft inne und drehen ab zur nächsten Hecke, Hunde werden gleich weitergezogen. Als er nach einer Weile abfällt und tagelang nicht ersetzt wird, drucke ich selbst einen aus und hänge ihn in Klarsichtfolie an. Der Bereich davor, unter meinem Balkon, bekommt auch einen. Ein paar Wochen werden die schon halten. Da weiß man jahrelang nicht, was man eigentlich fürs direkte Wohnumfeld tun kann, und dann ist das so einfach.
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Donnerstag, 13.4. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Bastian Mayerhofer

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Heiko verwirrt über ganz andere Auswüchse der Seestraße

Mittwoch, 5. April 2017

Brauseboys am 6.4.: Der Wedding-Effekt

Noch da (von Frank Sorge)

Herr Sorge, wie ist es, Vater von Zwillingen zu sein?
Toll.
Finden Sie noch Zeit für sich?
Für wen?
Wie halten Sie sich informiert? Erreichen Sie überhaupt Nachrichten über Präsident Trump und alles andere?
Ach, hat ers geschafft?
Wissen Sie noch, welches Jahr wir haben?
Ungefähr.
Schlafen Sie?
Hm, fast.
Frage ich die falschen Sachen?
Nein, Sie fragen so beruhigend.
Haben Sie Tipps für andere Eltern, oder speziell Väter von Zwillingen?
Nein.
Gar nichts?
Wenn man es schon ist, nein, dann ist alles zu spät, dann hilft nichts.
Nichts?
Nein, da muss man dann durch. Aber das ist ja kein Tipp, es bleibt einem gar nichts anderes übrig. Aber was mich interessieren würde, wie ist es denn für Sie, nicht Vater von Zwillingen zu sein?
Nicht? Äh, toll. Also in Ordnung.
Schlafen Sie?
Ja, nicht immer gut, aber ausreichend.
Erzählen Sie mehr, und bitte weiter in diesem ruhigen Ton.
Na, manchmal grübelt man halt über dies und das und kann nicht recht einschlafen. Auch vielleicht, ob man das selbst gerne hätte, diese schlaflosen Nächte mit kleinen Kindern, was man so hört. Was dann natürlich auch kaum anders sein kann, als halt darüber zu grübeln und nicht zu schlafen.
Sie machen sich keine Vorstellung.
Ich denke ja nur, es kann einem Leben ja auch Sinn und Struktur geben. Was meinen Sie? Herr Sorge? Noch da?
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Donnerstag, 6.4. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Mittwoch, 29. März 2017

Brauseboys am 30.3.: Emotionen

Und hier die Emotionsvorhersage für morgen:   (von Frank Sorge)

In der Südhälfte geht das aufgehellte Weißbiergefühl erst einmal weiter. In der Nordhälfte hat ein Stimmungstief dichte Kummerwolken im Gepäck. Am Freitag erwartet uns dann der heiterste Tag des Jahres, bevor es am Wochenende wieder wechsellaunig wird.

Südlich der Arme-Würstchen-Grenze durchgehend Wonne. Nach Norden hin verdichten sich Wolken aus Trübsinn mit Shitstormneigung an den Küsten. Im Westen dagegen schon fröhlicher, das Band aus Wonne und Behagen reicht vom Niederrhein bis an die Alpen. Juchheisassa! Innere Wärme von leuchtend bis glühend, Feinsinnige leiden zuweilen unter Hormondruck.

Am Freitag machen die Launen dann auch im Norden einen Sprung nach oben und regional wird über die Stränge geschlagen. Pünktlich zum Aprilstart zeigt sich die Großwetterlage mit Schauernis und Bitterkeit von seiner übellaunigen Seite, es bleibt aber warmherzig.
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Donnerstag, 30.3. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Mittwoch, 22. März 2017

Brauseboys am 23.3.: Mit Michael Bittner & Sven van Thom

Fiktionen (von Frank Sorge)

Es ist so unglaublich, dass ich es doch noch einmal protokollieren muss. Kurz vor elf Uhr fällt mir auf, dass Ausweis und Pass bald ablaufen werden, also sehe ich, damit es irgendwie demnächst zu erledigen wäre, bei der Online-Terminvergabe nach. Mir letztlich egal, wohin ich fahren muss irgendwann in den nächsten Monaten. Im Sommer ist es ja dann wieder überall schön, da ist so ein Ausflug nach Hohenschönhausen oder Köpenick wie Urlaub. Aus Spaß surfe ich gleich zum Bürgeramt Wedding und bin erstaunt, dass der nächste mögliche Termin heute um 12.20 Uhr ist, also in knapp anderthalb Stunden. Bei mir um die Ecke. Beinahe bin ich zu paralysiert, um den Button zu klicken. Als ich es doch getan habe, berauscht von der Erfahrung jenseits aller Erfahrungen, kommen mir Zweifel. Kann ich das überhaupt schaffen? Ich habe keine Fotos, auch sonst bin ich völlig unvorbereitet. Ich dusche, eile die Müllerstraße zum Fotografen hinunter - dort elendes Warten, Minuten verrinnen, Menschen sind vor mir dran. Die alle sehr gelassen, haben die nüscht zu tun? Ausführlich demonstriert mir der Fotograf seine Photoshop-Kenntnisse, dann endlich los mit den Bildern, die das erste Mal in der Reihe meiner Ausweise irgendwie ganz manierlich aussehen. Eine gute halbe Stunde noch zum Termin, also schnell zum Bäcker auf dem Rückweg, alles zu Hause abladen, wieder runter zur Tram. Eine Minute vor Termin eile ich in den Wartesaal, nach fünf Minuten Verschnaufpause wird meine Nummer angezeigt. So muss sich das mit diesen chemischen Drogen anfühlen. Zack sitze ich am Tisch, kündige den Bedarf für zwei Dokumente an.
"Dit jeht eigentlich nich, Sie brauchn für jeden Anlass einen Termin."
"Ja, ich weiß", sage ich, "aber es ging alles so... schnell."
"Ick mach dit mal, ick kann ja die Daten übernehm."
"Danke."
Ein bisschen Geklicke, Fingerabdrücke, Bezahlen mit EC-Karte, keine zehn Minuten später bin ich draußen. Sprinte zur Tram, die gerade ankommt. Keine zwei Stunden später sitze ich wieder am Schreibtisch und weiß, dass ich damit Rekordhalter in diesem Vorgang bin und es niemand glauben wird. Das ist dieses Gefühl, wie man es auch sonst derzeit häufiger hat. Dass dem Irrsinn der Welt mit Fiktionen nicht mehr recht beizukommen ist.
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Donnerstag, 23.3. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen.

Samstag, 18. März 2017

14 Jahre Brauseboys: Heute großes Kino (18.3.)

Die Jubiläumsshow - Heute im Centre Francais (Müllerstraße 74)
-Samstag, 18.3. >14 Jahre Brauseboys - ganz großes Kino. >21 Uhr /Centre Francais (City Kino)

Erinnerungen (von Frank Sorge)

Der Brauseboys-Newsletter ist ein paar Wochen jünger als wir, er kam erst nach den ersten Donnerstagen dazu. Wann genau, ist unklar, denn die ersten Aussendungen hatten nicht nur sehr wenige Empfänger, sondern diese hatten auch ganz andere Email-Adressen als heute, und sie hatten Postfächer, die längst gelöscht sind. Noch dazu war der Sender ein anderer. Es war 2003, was erschreckend lange Zeit her ist. Es war eine Zeit, in der man vom Internet irrigerweise annahm, es käme nichts weg.
Heute wissen wir, will man etwas im Internet bewahrt wissen oder überhaupt irgendwie in die Aufmerksamkeit bringen, von der es auch immer weniger gibt, muss man Beiträge anpinnen, hervorheben, hemmungslos verdoppeln und verdreifachen. Am Besten noch hochkaufen und auf Freunde setzen, die teilen, weil man ihnen dafür ein Bier ausgibt. Ähnlich ist es auch mit Erinnerungen in unserem Gedächtnis. Da dachten wir vor vierzehn Jahren gleichfalls, es käme nichts weg. An alles würden wir uns erinnern, wie die Elefanten, aber die Zellen wurden weniger frisch, und es wurde jahrelang über sie drüber geschrieben.
Schaut man sich alte Filme an, die in großer Zahl in den vierzehn Jahren entstanden sind, stellt sich ein gänzlich anderer Effekt ein. Es ist alles noch da. Die alten Hosen und Jacken, die längst durchgeschauert und weggeworfen sind, die Farbe in den Haaren. Untergegangene Geschäfte im Hintergrund, weitergezogene Freunde und Bekannte. Wie gestern stehen sie da und man selbst auch.
Dieses Gefühl, aber auch die ganz gelöste Feierstimmung, die ein Jubiläum mit sich bringt, werden wir von der Leinwand heute ausstrahlen. Neben den größten Highlights unserer Filmgeschichte gibt es vor allem auch Unveröffentlichtes und Nie-Gesehenes. Auch eine Weltpremiere aus professioneller Hand erwartet uns. Kommt mit, das wunderschöne Kino im Centre Francais bietet ausreichend Schutz vor Regen und Trübsinn draußen. Um 21 Uhr!
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14 JAHRE BRAUSEBOYS - Die Jubiläumsshow

Samstag, 18.3. /21 Uhr
Centre Francais (Müllerstr. 74, U6-Rehberge)

14 Jahre Brauseboys - Ganz großes Kino!
Unvergessene Momente des Brauseboys-Filmschaffens, nie gesehene, aber dennoch bewegte Bilder, Raritäten und Filme aus dem Lesebühnengiftschrank – und natürlich wunderbare Geschichten. Zum 14. Geburtstag laden die Brauseboys in den Kinosaal des Centre Francais! Die schönsten Texte, die interessantesten Filme und natürlich die best angezogenen Stars des Weddings, die auch nach 14 Jahren auf dem roten Teppich noch die bescheidenen Genies geblieben sind, die sie von Anfang an waren. Weitere Informationen u.a. hier bei der Facebook-Veranstaltung.



Dienstag, 14. März 2017

Brausegirls am 16.3. & 14 Jahre Brauseboys am 18.3.

Die Festwoche (von Browsergirl)

'Macht doch mal einen Abend, an dem nur Männer auf der Bühne stehen', so abwegige Vorschläge kommen, wenn man nach 14 Jahren schon nicht mehr weiß, was man sich noch ausdenken soll. Gut, ganz reizlos muss das nicht sein. Männer auf der Bühne, das geht unter Umständen. Nur wenn die dann auch noch etwas vorlesen sollen, hört der Spaß eigentlich auf. Ich hab zu den Kolleginnen gesagt: "Gut, Mädels, lässt uns das machen mit den Männern, von mir aus, aber bitte nicht am regulären Donnerstag. Okay? Wir legen die Herren aufs Wochenende. Da wird dann auch mehr getrunken und die Leute sind nicht so kritisch."
Das wenigstens haben die Damen eingesehen. Sicher ist sicher, und Vorsicht der Vater der Porzellankiste.
"Am Besten außerdem nicht im La Luz, sonst fällt das noch auf uns hier zurück. Nicht, dass irgendjemand denkt, das wäre immer so. Schon so kostet es garantiert Zuschauer, aber wenn noch jemand glaubt, das wäre normal, sehen wir Leute nie wieder. Also, ein bisschen örtlicher Abstand ist nicht das schlimmste. So ein wenig Richtung Reinickendorf, da fällt das nicht so auf."
So kam also unsere Festwoche zusammen. Am Donnerstag ist alles wie immer, die besten Texte von uns Brausegirls. Am Samstag im 'Centre Francais' dann ein, naja, ambitioniertes Experiment, bei dem wir euch nachdrücklich auffordern, auch zu kommen und Nachsicht zu zeigen. Sind halt nur Männer.
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Donnerstag, 16.3. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brausegirls - frische Texte
Einmal im Jahr räumen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning die Bühne am Donnerstag vor der Geburtstagsshow für die tollsten Frauen der Lesebühnen. In diesem Jahr sind das: 


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14 JAHRE BRAUSEBOYS - Die Jubiläumsshow

Samstag, 18.3. /21 Uhr
Centre Francais (Müllerstr. 74, U-Rehberge)

14 Jahre Brauseboys - Ganz großes Kino!
Unvergessene Momente des Brauseboys-Filmschaffens, nie gesehene, aber dennoch bewegte Bilder, Raritäten und Filme aus dem Lesebühnengiftschrank – und natürlich wunderbare Geschichten. Zum 14. Geburtstag laden die Brauseboys in den Kinosaal des Centre Francais! Die schönsten Texte, die interessantesten Filme und natürlich die best angezogenen Stars des Weddings, die auch nach 14 Jahren auf dem roten Teppich noch die bescheidenen Genies geblieben sind, die sie von Anfang an waren. Weitere Informationen u.a. hier bei der Facebook-Veranstaltung.