Mittwoch, 22. März 2017

Brauseboys am 23.3.: Mit Michael Bittner & Sven van Thom

Fiktionen (von Frank Sorge)

Es ist so unglaublich, dass ich es doch noch einmal protokollieren muss. Kurz vor elf Uhr fällt mir auf, dass Ausweis und Pass bald ablaufen werden, also sehe ich, damit es irgendwie demnächst zu erledigen wäre, bei der Online-Terminvergabe nach. Mir letztlich egal, wohin ich fahren muss irgendwann in den nächsten Monaten. Im Sommer ist es ja dann wieder überall schön, da ist so ein Ausflug nach Hohenschönhausen oder Köpenick wie Urlaub. Aus Spaß surfe ich gleich zum Bürgeramt Wedding und bin erstaunt, dass der nächste mögliche Termin heute um 12.20 Uhr ist, also in knapp anderthalb Stunden. Bei mir um die Ecke. Beinahe bin ich zu paralysiert, um den Button zu klicken. Als ich es doch getan habe, berauscht von der Erfahrung jenseits aller Erfahrungen, kommen mir Zweifel. Kann ich das überhaupt schaffen? Ich habe keine Fotos, auch sonst bin ich völlig unvorbereitet. Ich dusche, eile die Müllerstraße zum Fotografen hinunter - dort elendes Warten, Minuten verrinnen, Menschen sind vor mir dran. Die alle sehr gelassen, haben die nüscht zu tun? Ausführlich demonstriert mir der Fotograf seine Photoshop-Kenntnisse, dann endlich los mit den Bildern, die das erste Mal in der Reihe meiner Ausweise irgendwie ganz manierlich aussehen. Eine gute halbe Stunde noch zum Termin, also schnell zum Bäcker auf dem Rückweg, alles zu Hause abladen, wieder runter zur Tram. Eine Minute vor Termin eile ich in den Wartesaal, nach fünf Minuten Verschnaufpause wird meine Nummer angezeigt. So muss sich das mit diesen chemischen Drogen anfühlen. Zack sitze ich am Tisch, kündige den Bedarf für zwei Dokumente an.
"Dit jeht eigentlich nich, Sie brauchn für jeden Anlass einen Termin."
"Ja, ich weiß", sage ich, "aber es ging alles so... schnell."
"Ick mach dit mal, ick kann ja die Daten übernehm."
"Danke."
Ein bisschen Geklicke, Fingerabdrücke, Bezahlen mit EC-Karte, keine zehn Minuten später bin ich draußen. Sprinte zur Tram, die gerade ankommt. Keine zwei Stunden später sitze ich wieder am Schreibtisch und weiß, dass ich damit Rekordhalter in diesem Vorgang bin und es niemand glauben wird. Das ist dieses Gefühl, wie man es auch sonst derzeit häufiger hat. Dass dem Irrsinn der Welt mit Fiktionen nicht mehr recht beizukommen ist.
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Donnerstag, 23.3. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen.

Samstag, 18. März 2017

14 Jahre Brauseboys: Heute großes Kino (18.3.)

Die Jubiläumsshow - Heute im Centre Francais (Müllerstraße 74)
-Samstag, 18.3. >14 Jahre Brauseboys - ganz großes Kino. >21 Uhr /Centre Francais (City Kino)

Erinnerungen (von Frank Sorge)

Der Brauseboys-Newsletter ist ein paar Wochen jünger als wir, er kam erst nach den ersten Donnerstagen dazu. Wann genau, ist unklar, denn die ersten Aussendungen hatten nicht nur sehr wenige Empfänger, sondern diese hatten auch ganz andere Email-Adressen als heute, und sie hatten Postfächer, die längst gelöscht sind. Noch dazu war der Sender ein anderer. Es war 2003, was erschreckend lange Zeit her ist. Es war eine Zeit, in der man vom Internet irrigerweise annahm, es käme nichts weg.
Heute wissen wir, will man etwas im Internet bewahrt wissen oder überhaupt irgendwie in die Aufmerksamkeit bringen, von der es auch immer weniger gibt, muss man Beiträge anpinnen, hervorheben, hemmungslos verdoppeln und verdreifachen. Am Besten noch hochkaufen und auf Freunde setzen, die teilen, weil man ihnen dafür ein Bier ausgibt. Ähnlich ist es auch mit Erinnerungen in unserem Gedächtnis. Da dachten wir vor vierzehn Jahren gleichfalls, es käme nichts weg. An alles würden wir uns erinnern, wie die Elefanten, aber die Zellen wurden weniger frisch, und es wurde jahrelang über sie drüber geschrieben.
Schaut man sich alte Filme an, die in großer Zahl in den vierzehn Jahren entstanden sind, stellt sich ein gänzlich anderer Effekt ein. Es ist alles noch da. Die alten Hosen und Jacken, die längst durchgeschauert und weggeworfen sind, die Farbe in den Haaren. Untergegangene Geschäfte im Hintergrund, weitergezogene Freunde und Bekannte. Wie gestern stehen sie da und man selbst auch.
Dieses Gefühl, aber auch die ganz gelöste Feierstimmung, die ein Jubiläum mit sich bringt, werden wir von der Leinwand heute ausstrahlen. Neben den größten Highlights unserer Filmgeschichte gibt es vor allem auch Unveröffentlichtes und Nie-Gesehenes. Auch eine Weltpremiere aus professioneller Hand erwartet uns. Kommt mit, das wunderschöne Kino im Centre Francais bietet ausreichend Schutz vor Regen und Trübsinn draußen. Um 21 Uhr!
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14 JAHRE BRAUSEBOYS - Die Jubiläumsshow

Samstag, 18.3. /21 Uhr
Centre Francais (Müllerstr. 74, U6-Rehberge)

14 Jahre Brauseboys - Ganz großes Kino!
Unvergessene Momente des Brauseboys-Filmschaffens, nie gesehene, aber dennoch bewegte Bilder, Raritäten und Filme aus dem Lesebühnengiftschrank – und natürlich wunderbare Geschichten. Zum 14. Geburtstag laden die Brauseboys in den Kinosaal des Centre Francais! Die schönsten Texte, die interessantesten Filme und natürlich die best angezogenen Stars des Weddings, die auch nach 14 Jahren auf dem roten Teppich noch die bescheidenen Genies geblieben sind, die sie von Anfang an waren. Weitere Informationen u.a. hier bei der Facebook-Veranstaltung.



Dienstag, 14. März 2017

Brausegirls am 16.3. & 14 Jahre Brauseboys am 18.3.

Die Festwoche (von Browsergirl)

'Macht doch mal einen Abend, an dem nur Männer auf der Bühne stehen', so abwegige Vorschläge kommen, wenn man nach 14 Jahren schon nicht mehr weiß, was man sich noch ausdenken soll. Gut, ganz reizlos muss das nicht sein. Männer auf der Bühne, das geht unter Umständen. Nur wenn die dann auch noch etwas vorlesen sollen, hört der Spaß eigentlich auf. Ich hab zu den Kolleginnen gesagt: "Gut, Mädels, lässt uns das machen mit den Männern, von mir aus, aber bitte nicht am regulären Donnerstag. Okay? Wir legen die Herren aufs Wochenende. Da wird dann auch mehr getrunken und die Leute sind nicht so kritisch."
Das wenigstens haben die Damen eingesehen. Sicher ist sicher, und Vorsicht der Vater der Porzellankiste.
"Am Besten außerdem nicht im La Luz, sonst fällt das noch auf uns hier zurück. Nicht, dass irgendjemand denkt, das wäre immer so. Schon so kostet es garantiert Zuschauer, aber wenn noch jemand glaubt, das wäre normal, sehen wir Leute nie wieder. Also, ein bisschen örtlicher Abstand ist nicht das schlimmste. So ein wenig Richtung Reinickendorf, da fällt das nicht so auf."
So kam also unsere Festwoche zusammen. Am Donnerstag ist alles wie immer, die besten Texte von uns Brausegirls. Am Samstag im 'Centre Francais' dann ein, naja, ambitioniertes Experiment, bei dem wir euch nachdrücklich auffordern, auch zu kommen und Nachsicht zu zeigen. Sind halt nur Männer.
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Donnerstag, 16.3. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brausegirls - frische Texte
Einmal im Jahr räumen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning die Bühne am Donnerstag vor der Geburtstagsshow für die tollsten Frauen der Lesebühnen. In diesem Jahr sind das: 


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14 JAHRE BRAUSEBOYS - Die Jubiläumsshow

Samstag, 18.3. /21 Uhr
Centre Francais (Müllerstr. 74, U-Rehberge)

14 Jahre Brauseboys - Ganz großes Kino!
Unvergessene Momente des Brauseboys-Filmschaffens, nie gesehene, aber dennoch bewegte Bilder, Raritäten und Filme aus dem Lesebühnengiftschrank – und natürlich wunderbare Geschichten. Zum 14. Geburtstag laden die Brauseboys in den Kinosaal des Centre Francais! Die schönsten Texte, die interessantesten Filme und natürlich die best angezogenen Stars des Weddings, die auch nach 14 Jahren auf dem roten Teppich noch die bescheidenen Genies geblieben sind, die sie von Anfang an waren. Weitere Informationen u.a. hier bei der Facebook-Veranstaltung.

Dienstag, 7. März 2017

Brauseboys am 9.3.: Schöner lesen für alle

Den Winter rausschwitzen: Alles muss raus! (von Volker Surmann)

Ich weiß nicht, warum, aber irgendwas macht, dass Menschen in der Sauna mit einer Offenheit plaudern, als gäbe es kein Morgen mehr – oder keine Mitsaunierenden. Vielleicht liegt es an der Nacktheit: Man hat schon alle Hüllen fallen lassen, zeigt sich völlig entblößt, und man kann alles sehen: alle Falten, jedes Haar an passender oder unpassender Stelle, dieses schwarzbraune Muttermal in der Form Zyperns neben dem Bauchnabel, jede Narbe, ob rasiert oder nicht rasiert, klein oder groß, bevorhäutet oder nacktmullig, alle Piercings, alle Tattoos, auch die peinlichen ersten.
Oder es liegt an der Hitze. Dass bei 90 Grad manche Schmelzsicherungen im Hirn einfach durchbrennen und neben ranzigem Schweiß aus den Poren jede Menge müffelnde Wahrheit aus den Mündern quillt. Jedenfalls hab ich in der Sauna schon sexuelle Intimitäten, kolportierte Seitensprünge, pikante Geständnisse und Geschäftsgeheimnisse aufgeschnappt, da sind Handytelefonate in der Deutschen Bahn nichts gegen, und selbst da erfährt man ja schon so einiges: »Ja, hallo, Frau Böge, hallo? Ja, ich war wohl gerade in einem Funkloch ... also noch mal: Die Klageschrift wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz geht an Simon Peters ... Simon wie Simon und dann Peter Emil Theodor Emil Richard und S wie Siegfried. ... Nein, das sind nicht die Vornamen, Frau Böge ... Bommerlunder Straße 18, 58089 Hagen ... Hallo? Sind Sie noch da, Frau Böge? ... Hallo, ja gut ... haben Sie? ... Sehr gut. Und schreiben Sie bitte ›vertraulich‹ auf die Akte, muss ja nicht jeder wissen, was er mit der Kleinen gemacht hat.« 
Schilder der Art »In der Sauna bitte Ruhe!« sind gar keine Ausgeburt deutschen Spießertums, es sind Warnhinweise. »Sagen Sie nichts, was Sie später bereuen könnten.« Neben jedem »Kein Schweiß auf’s Holz!«-Schild sollte eins hängen mit: »Kein Wort über die Lippen!«
(Aus: Saunamänner, in: Volker Surmann "Bloßmenschen. Schöner schämen für alle") 
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Donnerstag, 9.3. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit bald vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 


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Freitag, 17.3. /20 Uhr
AHA (Monunmentenstr. 13)

"Bloßmenschen. Schöner schämen für alle" heißt die neue Geschichtensammlung von Volker Surmann 

Vorgestellt wird dieses Buch an diesem Abend im Rahmen eines thematischen Poetry Slams zum wohl unterhaltsamsten Gefühl der Menschheit. - Wenn man nicht gerade selbst betroffen ist. Um so reizvoller ist es, mit wohligem Schauern davon zu lesen und zu hören.



Texte zum Theme Schämen, Fremdschämen und Bloßstellungen jeglicher Art, vorgetragen von Volker Surmann und seinen Lieblingsgästen. Wer wird an diesem Abend Schämechampion?

Mit Karsten Lampe, Micha Ebeling, Sebastian Lehmann, Kirsten Fuchs und einem Überraschungsgast. Beginn: 20 Uhr, Einlass: 19 Uhr

Mittwoch, 1. März 2017

Brauseboys am 2.3.: Großes Lesekino

Kann ja mal passieren (von Frank Sorge)

Es fing mit einem kleinen Zettel an, der mit der Post durch unseren Briefschlitz im Flur landete, darauf stand: "´Habe leider die Post falsch eingeworfen. Bitte eine Etage höher durchstecken. Danke. Ihr Briefzusteller". Das machte ich natürlich, zwei Tage später traf ich dann zufällig einen Postboten vor dem Haus, der mich ansprach.
"Hatte ich bei Ihnen die Post falsch...?"
"Ja, genau, kein Problem", sagte ich, "gerne wieder."
Zwei, drei Wochen nichts mehr dergleichen, ich hatte es fast vergessen, als wieder ein Zettel im Flur lag: "Dringender Arzttermin mit der Tochter, konnte leider Briefe im Haus nicht verteilen, liegen vor der Tür. Bitte einwerfen. Danke. Ihr Briefzusteller". Ein wenig mutig die Anfrage, dachte ich, da aber dazu noch eine Tafel Schokolade eingeworfen war, wollte ich nicht so sein. Vom Verständnis als Vater ganz abgesehen. Es dauerte nur wenige Minuten und ich quittierte mit einen Zettel unter der Fußmatte.
"Frau Frentzen aus der WG ist, jedenfalls für mich, unbekannt verzogen, Handyrechnung retour. Lieblingssorte Nugat gut getroffen. Danke. Ihr Aushilfsbriefzusteller."
Natürlich ahnte ich, dass es auf diese Weise noch zu weiteren Überraschungen kommen würde. Als nächstes kam dieser Zettel: "Habe aus Versehen mein Schlüsselbund mit Ihrer Post eingeworfen. Das Fahrrad steht gut verschlossen im Hof und hat noch die Lüderitzstraße geladen. Schlüssel nummeriert, bitte einwerfen. Danke. Ihr Briefzusteller." 
Dauerte natürlich einen Moment, aber am Tag drauf kam mit der Post auch der erste Fünfzig-Euro-Schein. Erstaunlicherweise trafen wir uns eine sehr lange Zeit nicht mehr zufällig vor der Tür, dafür wurden die Zettel klarer: "Hätte gern mehr Zeit mit den Kindern, Teilzeit hier blödes Modell. Wenn Interesse besteht, habe ich aus Versehen meine Gehaltsabrechnung mit Ihrer Post eingeworfen. Einfaches pari-pari nach Stunden, im Fahrrad heute die kleine Tour Togo, Kongo, Kamerun. Bitte einwerfen. Danke. Ihr Briefzusteller."
Mir kam das Zubrot recht und mein Fitnesszustand hat sich auch schnell verbessert.
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Donnerstag, 2.3. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit bald vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 


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14 JAHRE BRAUSEBOYS - Die Jubiläumsshow

Samstag, 18.3. /21 Uhr
Centre Francais (Müllerstr. 74, U-Rehberge)

14 Jahre Brauseboys - Ganz großes Kino!
Unvergessene Momente des Brauseboys-Filmschaffens, nie gesehene, aber dennoch bewegte Bilder, Raritäten und Filme aus dem Lesebühnengiftschrank – und natürlich wunderbare Geschichten. Zum 14. Geburtstag laden die Brauseboys in den Kinosaal des Centre Francais! Die schönsten Texte, die interessantesten Filme und natürlich die best angezogenen Stars des Weddings, die auch nach 14 Jahren auf dem roten Teppich noch die bescheidenen Genies geblieben sind, die sie von Anfang an waren. Weitere Informationen u.a. hier bei der Facebook-Veranstaltung.



Dienstag, 21. Februar 2017

Brauseboys am 23.2.: Weddinger Frohsinn

Karstadt (von Frank Sorge)

Bei den Kindern deutet sich eine Sprachexplosion an, aus den ersten hundert Einzelwörtern werden Kombinationen gebildet und täglich neue Partikel dazugelernt. Das ist so wundersam zu beobachten, wie das Zusammenfinden erster Eiweißpartikel zu primitiven Bakterien, die einen mit Leben überwucherten Planeten ergeben. Auch der Urknall stinkt dagegen im Grunde ab, mangels staunender Zuschauer. Als Papa Poetus achte ich natürlich darauf, dass ihr erster Sprachteich der Erkenntnis möglichst naturbelassen bleibt. Ein sicheres Terrain bildet, ein elementarer Grundstock, bevor der ganze Wahnsinn unserer globalen Sprachexplosion über sie hereinbricht.
"Kommt, Kinder, wir gehen noch zu Karstadt", sagen wir unbedarft, und mein Sohn reckt freudig den Kopf nach vorne und sagt: "Karstadt."
"Wow, er hat Karstadt gesagt", sagt meine Freundin, darauf er: "Karstadt, Karstadt, Karstadt."
"Puh, willst du nicht lieber was anderes sagen", versuche ich abzulenken, "ein schöneres Wort, wie gestern zum Beispiel: Eichhörnchen. Sag doch noch mal Eichhörnchen!"
"Karstadt."
Ob er überhaupt weiß, was Karstadt ist, fragen wir uns auf dem Weg die Müllerstraße entlang. "Guck mal, ein Kran", rufe ich Richtung Kinderwagen. Aus dem aber dringt nur heraus: Karstadt.
In Sichtweite des Kaufhauses dann die Gewissheit. Er zeigt sogar drauf. Die Box mit dem Kinderpuzzle, die wir dort erwerben, hält er den ganzen Rückweg in festem Griff. Und auch beim Einschlafen hören wir ihn leise säuseln: Karstadt. Es liegt nicht mehr in unserer Hand.
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Donnerstag, 23.2. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit bald vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Mittwoch, 15. Februar 2017

Brauseboys am 16.2.: Liebe in der Luft

Kümmernis (von Frank Sorge)

Eigentlich eine typisch amerikanische Situation. An einer Kreuzung von Highways irgendwo mitten im zersiedelten Delaware halten, um Kaffee und Donuts zu kaufen. Die Kinder schlafen glücklicherweise, es bliebe noch Zeit für eine Zigarette auf dem Parkplatz. Alles ist schnell so weit, aber das letzte Feuerzeug funktioniert nicht mehr. Ein Versuch im Donutgeschäft schlägt fehl, keine Werbestreichhölzer oder dergleichen vorhanden, Nichtraucher ringsherum. Draußen aber hält ein Pickup und ein verwitterter, älterer Mann steigt aus, den ich nach Feuer frage. Er hat welches und fragt, woher wir kommen. Seine Großeltern kämen auch aus Deutschland, führt er schnell aus, eine Schwester wäre vor vielen Jahren sogar dorthin zurück, aber er hätte sie bislang nicht besucht. Wenn er auch nie dagewesen wäre, überlege er doch manchmal, ob er nicht auch zurückgehen sollte. Hier lebe er mittlerweile im Grunde ganz allein, außerdem ginge im Land doch alles vor die Hunde, niemand kümmere sich. Nach allem, was er wisse, wäre das bei uns in Deutschland doch anders.
Ich antworte vage. Aber einiges anders, klar, stimme ich zu. Wo man jetzt aber glücklicher wird, wer kann das sagen? Die Zigarette aus, wir drängen zur Weiterfahrt, man wünscht sich 'Take care' und 'Goodbye'. Wäre es nicht so weit, würde ich heute ein halbes Jahr später gern den Gesprächsfaden aufgreifen, und nachfragen, ob er das jetzt mit 'Kümmern' gemeint hätte. Wenn nein, dann solle er ruhig rüberkommen. Man braucht kein großes Land, um einsam zu sein.
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Donnerstag, 16.2. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit bald vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 


Hinweis: Um den Abend mit garantierter Herzenswärme und Raumtemperatur auszustatten, finden wir vorne im Restaurant statt.

Mittwoch, 8. Februar 2017

Brauseboys am 9.2.: Ein Flughafen im Walde

Neue Kinderlieder (von Frank Sorge), heute:

Ein Flughafen im Walde, steht still und stumm.
Schaut die schönen Bäume hier ringsherum.
Sag, wie wurden sie so groß,
War denn hier nie etwas los?
Da im Löschteich schwimmt ein Floß.

Ein Flughafen im Walde ist nie allein,
Es krabbeln auf ihm Tiere von groß bis klein.
Schaut, ein Rabe startet dort,
Fliegt an einen andern Ort,
Und erzählt von hier kein Wort.
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Donnerstag, 9.2. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit bald vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 


Hinweis: Um den Abend mit garantierter Herzenswärme und Raumtemperatur auszustatten, finden wir vorne im Restaurant statt.

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Zum Vormerken:

Samstag, 18.3. >14 Jahre Brauseboys - Ganz großes Kino! Die Jubiläumsshow im Centre Francais mit einer wahnsinnigen Retrospektive unseres Filmschaffens und natürlich uns, die wir seit Anbeginn auf einem roten Teppich lesen. >Beginn 21 Uhr - Weitere Informationen u.a. hier bei der Facebook-Veranstaltung.


Mittwoch, 1. Februar 2017

Brauseboys am 2.2.: Spätwinterhitze

Die Rache ist mein (von Frank Sorge)

Seit Wochen habe ich darauf gewartet und kaum daran geglaubt, dass es noch einmal so kommen würde. Immer sind die Kinder vor uns wach und haben ihre helle Freude daran, uns aufzuwecken, an den immermüden Wracks zu zerren, die ihre Eltern sind. Heute liegt da ein Kind, entspannt und friedlich, und sollte aber längst aufgestanden sein. Das Kind aktiv aufwecken, wie oft hatte ich es mir nicht schon vorgestellt. Aber wie jetzt vorgehen? Auf den Arm nehmen? Nein, so einfach kommt es mir nicht davon. Das muss ausgekostet werden, die Rache ist mein und süß. Leise rufe ich den Namen, streichle den Rücken - keine Reaktion. Eine Spieluhr ans Ohr, kein Effekt. Beherztes Rütteln, ja, das würde wohl helfen, aber ist zu profan. Ich fange lieber an zu kitzeln, ein wenig am Fuß, ein wenig an der Seite, dann am Ohr. Das Ergebnis ist schläfriges Zucken, mauliges Abwehren, unbeeindrucktes Weiterschlafen. Müssen also doch radikalere Methoden her, mal überlegen: 
-Ein Becher Wasser über den Kopf, sehr vielversprechend in jedem Alter. Vielleicht gleich drei Becher und zwischendurch Haare waschen, was im wachen Zustand nicht geht. Eine Klappe, zwei Fliegen. Wenn das nicht reicht, gleich noch die Haare schneiden. Man wacht auf und sieht anders aus, ist das schon Rache genug?
-Wickeln und anziehen, einfach so tun, als wäre es wach. Auch wenn es weiterschläft, auf den Kinderstuhl setzen und Brötchenstücke in die Hand geben. Sich angeregt mit ihm unterhalten.
-Eine Schallplatte mit Disco-Musik auflegen und solange vor dem Bett tanzen und John Travolta mimen, bis es entnervt aufwacht und vor Schreck möglichst schnell selbst losgehen will.
Nach einigen Minuten zaghafter Versuche und Planschmiedearbeiten muss ich mir eingestehen, ich kann das nicht. Wenn es schläft, soll es schlafen. Muss ich mir noch einen Kaffee machen und Zeitung lesen, was für eine Enttäuschung.

Mittwoch, 25. Januar 2017

Dienstag, 17. Januar 2017

Brauseboys am 19.1. im La Luz: Freundliche Riesen

Das wirkliche Problem (von Frank Sorge)

Ich stehe mit meiner kleinen Tochter an der Ampel, ein Mann auf dem Fahrrad hält daneben. Er hätte auch eine Tochter, sagt er mir verzückt, Mädchen wären so toll. Einen Jungen hätte er auch, aber das wäre etwas ganz anderes.
Einen Jungen habe ich auch, antworte ich, das wäre vor allem etwas anderes, weil er ein ganz anderer Mensch wäre.
Die Ampel wird grün, ein zweiter Fahrradfahrer ruft uns im Vorbeirauschen zu: "Ja, kein Wunder, wenn alle ihre Mädchen die ganze Zeit in diesen Barbie-Farben anziehen. Also wirklich, da könnte ich mich aufregen...", und schon ist er aus der Rufweite geradelt.
Natürlich hat er recht, man muss immer das 'wirkliche Problem' identifizieren können. Am besten da, wo es gar keins gibt.

Mittwoch, 11. Januar 2017

Brauseboys am 12.1. im La Luz: Ins neue Jahr

Lokales Weltgeschehen (von Frank Sorge)

Müllerstraße - Reichelt heißt jetzt Edeka, bzw. heißt Edeka, das schon Edeka war, aber noch Reichelt hieß, jetzt auch so. Von der gegenüberliegenden Straßenseite betrachtet hat sich sonst erstmal nichts geändert. Man kann dort wohl Brot, Milch und Eiersalat kaufen.

Postfaktische Einkaufsbons - An einer Frischetheke kaufe ich ich Oliven mit italienischen Kräutern und Hummus. Die Kontrolle des Bons ergibt, ich hätte Oliven mit Chilli und Käsesalat erstanden. Im Grunde unproblematisch, solange alles schmeckt. Aber was, wenn ein Umtausch ansteht? 

Wachstum - Für ein Start-up-Projekt unter dem Namen 'Grow' wurde am Humboldthain eine Baugenehmigung erteilt. Es soll sofort einer gebaut werden und bald fertig sein, rauchen muss man selber. Let it grow, let it grow, let it grow.

Wetter - Es ist wahnsinnig kalt. Immer mehr Tiere müssen von der Weddinger Feuerwehr gerettet werden. Hunde frieren in ihren Pinkelpfützen fest, Spatzen in Kaffeebechern. Küssen Sie keine Straßenlaternen.

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Donnerstag, 12.1. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit bald vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 


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Auf Nimmerwiedersehen 2016



Wir danken recht herzlich allen Besuchern unseres Rückblicks und besonders dem Team des Kookaburra für die tolle Zusammenarbeit. Ein kleiner Nachklang findet sich hier und auf unserer Facebook-Seite.