Mittwoch, 19. April 2017

Brauseboys am 20.4.: Ja zum Wedding

Vielleicht (von Frank Sorge)

Samstag mittag, Ostereinkauf. Zu allem Überfluss am Tabakladen noch drei Lotto-Spieler vor mir in der Schlange. Mit großem Ernst werden Zettel getauscht, manche von der Lottomaschine ausgelesen, andere wieder ausgegeben. Kleine Eurobeiträge müssen nachgezahlt werden, heute kein Gewinn.
"Was ist Ihr Hobby?"
"Geld wegwerfen zum Wochenende."
Dialog hier nicht denkbar. Die eiserne Spielerregel, nur Geld einzusetzen, um das es nicht schade ist, zwingt zur Zurückhaltung. Wartezeit wie in Sirup, meine Tiefkühlsachen schwitzen. Immer wieder Nachfragen: "Spiel 77?"
"Hab ich doch gekreuzt."
"Ja? Aber nicht richtig. Also nein?"
"Habe ich gemacht."
"Müssen Sie aber deutlicher machen, hat die Maschine nicht erkannt."
"Computer", sagt der dritte. Seine Betonung suggeriert einen Doppelpunkt, Tore zur Weisheit werden geöffnet: "Immer nur 'Ja' oder 'Nein'. Nie vielleicht."
~#~#~#~#~#~#~#~#

Donnerstag, 20.4. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Dienstag, 11. April 2017

Brauseboys am 13.4.: Am grünen Donnerstag

So einfach (von Frank Sorge)

Vor meinem Balkon, unten auf der Seestraße, befindet sich ein schwer geschundener Grünstreifen. Auch frische Frühlingstriebe bleiben hier nicht lange hoffnungsgrün. Nur ein Buschwerk nahe der Ampel blüht in diesem Jahr ungewohnt auf, inmitten der austreibenden Zweige ist ein laminierter Zettel "Vorsicht Giftköder" an einem Bäumchen angebracht. Jeden Tag mehr wird mir klar, dass der Zettel das Überleben des Biotops sichert. Selbst die betrunkensten Urinierer halten angesichts der Botschaft inne und drehen ab zur nächsten Hecke, Hunde werden gleich weitergezogen. Als er nach einer Weile abfällt und tagelang nicht ersetzt wird, drucke ich selbst einen aus und hänge ihn in Klarsichtfolie an. Der Bereich davor, unter meinem Balkon, bekommt auch einen. Ein paar Wochen werden die schon halten. Da weiß man jahrelang nicht, was man eigentlich fürs direkte Wohnumfeld tun kann, und dann ist das so einfach.
~#~#~#~#~#~#~#~#

Donnerstag, 13.4. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Bastian Mayerhofer

###


Heiko verwirrt über ganz andere Auswüchse der Seestraße

Mittwoch, 5. April 2017

Brauseboys am 6.4.: Der Wedding-Effekt

Noch da (von Frank Sorge)

Herr Sorge, wie ist es, Vater von Zwillingen zu sein?
Toll.
Finden Sie noch Zeit für sich?
Für wen?
Wie halten Sie sich informiert? Erreichen Sie überhaupt Nachrichten über Präsident Trump und alles andere?
Ach, hat ers geschafft?
Wissen Sie noch, welches Jahr wir haben?
Ungefähr.
Schlafen Sie?
Hm, fast.
Frage ich die falschen Sachen?
Nein, Sie fragen so beruhigend.
Haben Sie Tipps für andere Eltern, oder speziell Väter von Zwillingen?
Nein.
Gar nichts?
Wenn man es schon ist, nein, dann ist alles zu spät, dann hilft nichts.
Nichts?
Nein, da muss man dann durch. Aber das ist ja kein Tipp, es bleibt einem gar nichts anderes übrig. Aber was mich interessieren würde, wie ist es denn für Sie, nicht Vater von Zwillingen zu sein?
Nicht? Äh, toll. Also in Ordnung.
Schlafen Sie?
Ja, nicht immer gut, aber ausreichend.
Erzählen Sie mehr, und bitte weiter in diesem ruhigen Ton.
Na, manchmal grübelt man halt über dies und das und kann nicht recht einschlafen. Auch vielleicht, ob man das selbst gerne hätte, diese schlaflosen Nächte mit kleinen Kindern, was man so hört. Was dann natürlich auch kaum anders sein kann, als halt darüber zu grübeln und nicht zu schlafen.
Sie machen sich keine Vorstellung.
Ich denke ja nur, es kann einem Leben ja auch Sinn und Struktur geben. Was meinen Sie? Herr Sorge? Noch da?
~#~#~#~#~#~#~#~#

Donnerstag, 6.4. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Mittwoch, 29. März 2017

Brauseboys am 30.3.: Emotionen

Und hier die Emotionsvorhersage für morgen:   (von Frank Sorge)

In der Südhälfte geht das aufgehellte Weißbiergefühl erst einmal weiter. In der Nordhälfte hat ein Stimmungstief dichte Kummerwolken im Gepäck. Am Freitag erwartet uns dann der heiterste Tag des Jahres, bevor es am Wochenende wieder wechsellaunig wird.

Südlich der Arme-Würstchen-Grenze durchgehend Wonne. Nach Norden hin verdichten sich Wolken aus Trübsinn mit Shitstormneigung an den Küsten. Im Westen dagegen schon fröhlicher, das Band aus Wonne und Behagen reicht vom Niederrhein bis an die Alpen. Juchheisassa! Innere Wärme von leuchtend bis glühend, Feinsinnige leiden zuweilen unter Hormondruck.

Am Freitag machen die Launen dann auch im Norden einen Sprung nach oben und regional wird über die Stränge geschlagen. Pünktlich zum Aprilstart zeigt sich die Großwetterlage mit Schauernis und Bitterkeit von seiner übellaunigen Seite, es bleibt aber warmherzig.
~#~#~#~#~#~#~#~#

Donnerstag, 30.3. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Mittwoch, 22. März 2017

Brauseboys am 23.3.: Mit Michael Bittner & Sven van Thom

Fiktionen (von Frank Sorge)

Es ist so unglaublich, dass ich es doch noch einmal protokollieren muss. Kurz vor elf Uhr fällt mir auf, dass Ausweis und Pass bald ablaufen werden, also sehe ich, damit es irgendwie demnächst zu erledigen wäre, bei der Online-Terminvergabe nach. Mir letztlich egal, wohin ich fahren muss irgendwann in den nächsten Monaten. Im Sommer ist es ja dann wieder überall schön, da ist so ein Ausflug nach Hohenschönhausen oder Köpenick wie Urlaub. Aus Spaß surfe ich gleich zum Bürgeramt Wedding und bin erstaunt, dass der nächste mögliche Termin heute um 12.20 Uhr ist, also in knapp anderthalb Stunden. Bei mir um die Ecke. Beinahe bin ich zu paralysiert, um den Button zu klicken. Als ich es doch getan habe, berauscht von der Erfahrung jenseits aller Erfahrungen, kommen mir Zweifel. Kann ich das überhaupt schaffen? Ich habe keine Fotos, auch sonst bin ich völlig unvorbereitet. Ich dusche, eile die Müllerstraße zum Fotografen hinunter - dort elendes Warten, Minuten verrinnen, Menschen sind vor mir dran. Die alle sehr gelassen, haben die nüscht zu tun? Ausführlich demonstriert mir der Fotograf seine Photoshop-Kenntnisse, dann endlich los mit den Bildern, die das erste Mal in der Reihe meiner Ausweise irgendwie ganz manierlich aussehen. Eine gute halbe Stunde noch zum Termin, also schnell zum Bäcker auf dem Rückweg, alles zu Hause abladen, wieder runter zur Tram. Eine Minute vor Termin eile ich in den Wartesaal, nach fünf Minuten Verschnaufpause wird meine Nummer angezeigt. So muss sich das mit diesen chemischen Drogen anfühlen. Zack sitze ich am Tisch, kündige den Bedarf für zwei Dokumente an.
"Dit jeht eigentlich nich, Sie brauchn für jeden Anlass einen Termin."
"Ja, ich weiß", sage ich, "aber es ging alles so... schnell."
"Ick mach dit mal, ick kann ja die Daten übernehm."
"Danke."
Ein bisschen Geklicke, Fingerabdrücke, Bezahlen mit EC-Karte, keine zehn Minuten später bin ich draußen. Sprinte zur Tram, die gerade ankommt. Keine zwei Stunden später sitze ich wieder am Schreibtisch und weiß, dass ich damit Rekordhalter in diesem Vorgang bin und es niemand glauben wird. Das ist dieses Gefühl, wie man es auch sonst derzeit häufiger hat. Dass dem Irrsinn der Welt mit Fiktionen nicht mehr recht beizukommen ist.
~#~#~#~#~#~#~#~#

Donnerstag, 23.3. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen.

Samstag, 18. März 2017

14 Jahre Brauseboys: Heute großes Kino (18.3.)

Die Jubiläumsshow - Heute im Centre Francais (Müllerstraße 74)
-Samstag, 18.3. >14 Jahre Brauseboys - ganz großes Kino. >21 Uhr /Centre Francais (City Kino)

Erinnerungen (von Frank Sorge)

Der Brauseboys-Newsletter ist ein paar Wochen jünger als wir, er kam erst nach den ersten Donnerstagen dazu. Wann genau, ist unklar, denn die ersten Aussendungen hatten nicht nur sehr wenige Empfänger, sondern diese hatten auch ganz andere Email-Adressen als heute, und sie hatten Postfächer, die längst gelöscht sind. Noch dazu war der Sender ein anderer. Es war 2003, was erschreckend lange Zeit her ist. Es war eine Zeit, in der man vom Internet irrigerweise annahm, es käme nichts weg.
Heute wissen wir, will man etwas im Internet bewahrt wissen oder überhaupt irgendwie in die Aufmerksamkeit bringen, von der es auch immer weniger gibt, muss man Beiträge anpinnen, hervorheben, hemmungslos verdoppeln und verdreifachen. Am Besten noch hochkaufen und auf Freunde setzen, die teilen, weil man ihnen dafür ein Bier ausgibt. Ähnlich ist es auch mit Erinnerungen in unserem Gedächtnis. Da dachten wir vor vierzehn Jahren gleichfalls, es käme nichts weg. An alles würden wir uns erinnern, wie die Elefanten, aber die Zellen wurden weniger frisch, und es wurde jahrelang über sie drüber geschrieben.
Schaut man sich alte Filme an, die in großer Zahl in den vierzehn Jahren entstanden sind, stellt sich ein gänzlich anderer Effekt ein. Es ist alles noch da. Die alten Hosen und Jacken, die längst durchgeschauert und weggeworfen sind, die Farbe in den Haaren. Untergegangene Geschäfte im Hintergrund, weitergezogene Freunde und Bekannte. Wie gestern stehen sie da und man selbst auch.
Dieses Gefühl, aber auch die ganz gelöste Feierstimmung, die ein Jubiläum mit sich bringt, werden wir von der Leinwand heute ausstrahlen. Neben den größten Highlights unserer Filmgeschichte gibt es vor allem auch Unveröffentlichtes und Nie-Gesehenes. Auch eine Weltpremiere aus professioneller Hand erwartet uns. Kommt mit, das wunderschöne Kino im Centre Francais bietet ausreichend Schutz vor Regen und Trübsinn draußen. Um 21 Uhr!
~#~#~#~#~#~#~#~#

14 JAHRE BRAUSEBOYS - Die Jubiläumsshow

Samstag, 18.3. /21 Uhr
Centre Francais (Müllerstr. 74, U6-Rehberge)

14 Jahre Brauseboys - Ganz großes Kino!
Unvergessene Momente des Brauseboys-Filmschaffens, nie gesehene, aber dennoch bewegte Bilder, Raritäten und Filme aus dem Lesebühnengiftschrank – und natürlich wunderbare Geschichten. Zum 14. Geburtstag laden die Brauseboys in den Kinosaal des Centre Francais! Die schönsten Texte, die interessantesten Filme und natürlich die best angezogenen Stars des Weddings, die auch nach 14 Jahren auf dem roten Teppich noch die bescheidenen Genies geblieben sind, die sie von Anfang an waren. Weitere Informationen u.a. hier bei der Facebook-Veranstaltung.



Dienstag, 14. März 2017

Brausegirls am 16.3. & 14 Jahre Brauseboys am 18.3.

Die Festwoche (von Browsergirl)

'Macht doch mal einen Abend, an dem nur Männer auf der Bühne stehen', so abwegige Vorschläge kommen, wenn man nach 14 Jahren schon nicht mehr weiß, was man sich noch ausdenken soll. Gut, ganz reizlos muss das nicht sein. Männer auf der Bühne, das geht unter Umständen. Nur wenn die dann auch noch etwas vorlesen sollen, hört der Spaß eigentlich auf. Ich hab zu den Kolleginnen gesagt: "Gut, Mädels, lässt uns das machen mit den Männern, von mir aus, aber bitte nicht am regulären Donnerstag. Okay? Wir legen die Herren aufs Wochenende. Da wird dann auch mehr getrunken und die Leute sind nicht so kritisch."
Das wenigstens haben die Damen eingesehen. Sicher ist sicher, und Vorsicht der Vater der Porzellankiste.
"Am Besten außerdem nicht im La Luz, sonst fällt das noch auf uns hier zurück. Nicht, dass irgendjemand denkt, das wäre immer so. Schon so kostet es garantiert Zuschauer, aber wenn noch jemand glaubt, das wäre normal, sehen wir Leute nie wieder. Also, ein bisschen örtlicher Abstand ist nicht das schlimmste. So ein wenig Richtung Reinickendorf, da fällt das nicht so auf."
So kam also unsere Festwoche zusammen. Am Donnerstag ist alles wie immer, die besten Texte von uns Brausegirls. Am Samstag im 'Centre Francais' dann ein, naja, ambitioniertes Experiment, bei dem wir euch nachdrücklich auffordern, auch zu kommen und Nachsicht zu zeigen. Sind halt nur Männer.
~#~#~#~#~#~#~#~#

Donnerstag, 16.3. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brausegirls - frische Texte
Einmal im Jahr räumen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning die Bühne am Donnerstag vor der Geburtstagsshow für die tollsten Frauen der Lesebühnen. In diesem Jahr sind das: 


~#~#~#~#~#~#~#~#


14 JAHRE BRAUSEBOYS - Die Jubiläumsshow

Samstag, 18.3. /21 Uhr
Centre Francais (Müllerstr. 74, U-Rehberge)

14 Jahre Brauseboys - Ganz großes Kino!
Unvergessene Momente des Brauseboys-Filmschaffens, nie gesehene, aber dennoch bewegte Bilder, Raritäten und Filme aus dem Lesebühnengiftschrank – und natürlich wunderbare Geschichten. Zum 14. Geburtstag laden die Brauseboys in den Kinosaal des Centre Francais! Die schönsten Texte, die interessantesten Filme und natürlich die best angezogenen Stars des Weddings, die auch nach 14 Jahren auf dem roten Teppich noch die bescheidenen Genies geblieben sind, die sie von Anfang an waren. Weitere Informationen u.a. hier bei der Facebook-Veranstaltung.

Dienstag, 7. März 2017

Brauseboys am 9.3.: Schöner lesen für alle

Den Winter rausschwitzen: Alles muss raus! (von Volker Surmann)

Ich weiß nicht, warum, aber irgendwas macht, dass Menschen in der Sauna mit einer Offenheit plaudern, als gäbe es kein Morgen mehr – oder keine Mitsaunierenden. Vielleicht liegt es an der Nacktheit: Man hat schon alle Hüllen fallen lassen, zeigt sich völlig entblößt, und man kann alles sehen: alle Falten, jedes Haar an passender oder unpassender Stelle, dieses schwarzbraune Muttermal in der Form Zyperns neben dem Bauchnabel, jede Narbe, ob rasiert oder nicht rasiert, klein oder groß, bevorhäutet oder nacktmullig, alle Piercings, alle Tattoos, auch die peinlichen ersten.
Oder es liegt an der Hitze. Dass bei 90 Grad manche Schmelzsicherungen im Hirn einfach durchbrennen und neben ranzigem Schweiß aus den Poren jede Menge müffelnde Wahrheit aus den Mündern quillt. Jedenfalls hab ich in der Sauna schon sexuelle Intimitäten, kolportierte Seitensprünge, pikante Geständnisse und Geschäftsgeheimnisse aufgeschnappt, da sind Handytelefonate in der Deutschen Bahn nichts gegen, und selbst da erfährt man ja schon so einiges: »Ja, hallo, Frau Böge, hallo? Ja, ich war wohl gerade in einem Funkloch ... also noch mal: Die Klageschrift wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz geht an Simon Peters ... Simon wie Simon und dann Peter Emil Theodor Emil Richard und S wie Siegfried. ... Nein, das sind nicht die Vornamen, Frau Böge ... Bommerlunder Straße 18, 58089 Hagen ... Hallo? Sind Sie noch da, Frau Böge? ... Hallo, ja gut ... haben Sie? ... Sehr gut. Und schreiben Sie bitte ›vertraulich‹ auf die Akte, muss ja nicht jeder wissen, was er mit der Kleinen gemacht hat.« 
Schilder der Art »In der Sauna bitte Ruhe!« sind gar keine Ausgeburt deutschen Spießertums, es sind Warnhinweise. »Sagen Sie nichts, was Sie später bereuen könnten.« Neben jedem »Kein Schweiß auf’s Holz!«-Schild sollte eins hängen mit: »Kein Wort über die Lippen!«
(Aus: Saunamänner, in: Volker Surmann "Bloßmenschen. Schöner schämen für alle") 
~#~#~#~#~#~#~#~#

Donnerstag, 9.3. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit bald vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 


~#~

Freitag, 17.3. /20 Uhr
AHA (Monunmentenstr. 13)

"Bloßmenschen. Schöner schämen für alle" heißt die neue Geschichtensammlung von Volker Surmann 

Vorgestellt wird dieses Buch an diesem Abend im Rahmen eines thematischen Poetry Slams zum wohl unterhaltsamsten Gefühl der Menschheit. - Wenn man nicht gerade selbst betroffen ist. Um so reizvoller ist es, mit wohligem Schauern davon zu lesen und zu hören.



Texte zum Theme Schämen, Fremdschämen und Bloßstellungen jeglicher Art, vorgetragen von Volker Surmann und seinen Lieblingsgästen. Wer wird an diesem Abend Schämechampion?

Mit Karsten Lampe, Micha Ebeling, Sebastian Lehmann, Kirsten Fuchs und einem Überraschungsgast. Beginn: 20 Uhr, Einlass: 19 Uhr

Mittwoch, 1. März 2017

Brauseboys am 2.3.: Großes Lesekino

Kann ja mal passieren (von Frank Sorge)

Es fing mit einem kleinen Zettel an, der mit der Post durch unseren Briefschlitz im Flur landete, darauf stand: "´Habe leider die Post falsch eingeworfen. Bitte eine Etage höher durchstecken. Danke. Ihr Briefzusteller". Das machte ich natürlich, zwei Tage später traf ich dann zufällig einen Postboten vor dem Haus, der mich ansprach.
"Hatte ich bei Ihnen die Post falsch...?"
"Ja, genau, kein Problem", sagte ich, "gerne wieder."
Zwei, drei Wochen nichts mehr dergleichen, ich hatte es fast vergessen, als wieder ein Zettel im Flur lag: "Dringender Arzttermin mit der Tochter, konnte leider Briefe im Haus nicht verteilen, liegen vor der Tür. Bitte einwerfen. Danke. Ihr Briefzusteller". Ein wenig mutig die Anfrage, dachte ich, da aber dazu noch eine Tafel Schokolade eingeworfen war, wollte ich nicht so sein. Vom Verständnis als Vater ganz abgesehen. Es dauerte nur wenige Minuten und ich quittierte mit einen Zettel unter der Fußmatte.
"Frau Frentzen aus der WG ist, jedenfalls für mich, unbekannt verzogen, Handyrechnung retour. Lieblingssorte Nugat gut getroffen. Danke. Ihr Aushilfsbriefzusteller."
Natürlich ahnte ich, dass es auf diese Weise noch zu weiteren Überraschungen kommen würde. Als nächstes kam dieser Zettel: "Habe aus Versehen mein Schlüsselbund mit Ihrer Post eingeworfen. Das Fahrrad steht gut verschlossen im Hof und hat noch die Lüderitzstraße geladen. Schlüssel nummeriert, bitte einwerfen. Danke. Ihr Briefzusteller." 
Dauerte natürlich einen Moment, aber am Tag drauf kam mit der Post auch der erste Fünfzig-Euro-Schein. Erstaunlicherweise trafen wir uns eine sehr lange Zeit nicht mehr zufällig vor der Tür, dafür wurden die Zettel klarer: "Hätte gern mehr Zeit mit den Kindern, Teilzeit hier blödes Modell. Wenn Interesse besteht, habe ich aus Versehen meine Gehaltsabrechnung mit Ihrer Post eingeworfen. Einfaches pari-pari nach Stunden, im Fahrrad heute die kleine Tour Togo, Kongo, Kamerun. Bitte einwerfen. Danke. Ihr Briefzusteller."
Mir kam das Zubrot recht und mein Fitnesszustand hat sich auch schnell verbessert.
~#~#~#~#~#~#~#~#

Donnerstag, 2.3. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit bald vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 


~#~#~#~#~#~#~#~#
14 JAHRE BRAUSEBOYS - Die Jubiläumsshow

Samstag, 18.3. /21 Uhr
Centre Francais (Müllerstr. 74, U-Rehberge)

14 Jahre Brauseboys - Ganz großes Kino!
Unvergessene Momente des Brauseboys-Filmschaffens, nie gesehene, aber dennoch bewegte Bilder, Raritäten und Filme aus dem Lesebühnengiftschrank – und natürlich wunderbare Geschichten. Zum 14. Geburtstag laden die Brauseboys in den Kinosaal des Centre Francais! Die schönsten Texte, die interessantesten Filme und natürlich die best angezogenen Stars des Weddings, die auch nach 14 Jahren auf dem roten Teppich noch die bescheidenen Genies geblieben sind, die sie von Anfang an waren. Weitere Informationen u.a. hier bei der Facebook-Veranstaltung.



Dienstag, 21. Februar 2017

Brauseboys am 23.2.: Weddinger Frohsinn

Karstadt (von Frank Sorge)

Bei den Kindern deutet sich eine Sprachexplosion an, aus den ersten hundert Einzelwörtern werden Kombinationen gebildet und täglich neue Partikel dazugelernt. Das ist so wundersam zu beobachten, wie das Zusammenfinden erster Eiweißpartikel zu primitiven Bakterien, die einen mit Leben überwucherten Planeten ergeben. Auch der Urknall stinkt dagegen im Grunde ab, mangels staunender Zuschauer. Als Papa Poetus achte ich natürlich darauf, dass ihr erster Sprachteich der Erkenntnis möglichst naturbelassen bleibt. Ein sicheres Terrain bildet, ein elementarer Grundstock, bevor der ganze Wahnsinn unserer globalen Sprachexplosion über sie hereinbricht.
"Kommt, Kinder, wir gehen noch zu Karstadt", sagen wir unbedarft, und mein Sohn reckt freudig den Kopf nach vorne und sagt: "Karstadt."
"Wow, er hat Karstadt gesagt", sagt meine Freundin, darauf er: "Karstadt, Karstadt, Karstadt."
"Puh, willst du nicht lieber was anderes sagen", versuche ich abzulenken, "ein schöneres Wort, wie gestern zum Beispiel: Eichhörnchen. Sag doch noch mal Eichhörnchen!"
"Karstadt."
Ob er überhaupt weiß, was Karstadt ist, fragen wir uns auf dem Weg die Müllerstraße entlang. "Guck mal, ein Kran", rufe ich Richtung Kinderwagen. Aus dem aber dringt nur heraus: Karstadt.
In Sichtweite des Kaufhauses dann die Gewissheit. Er zeigt sogar drauf. Die Box mit dem Kinderpuzzle, die wir dort erwerben, hält er den ganzen Rückweg in festem Griff. Und auch beim Einschlafen hören wir ihn leise säuseln: Karstadt. Es liegt nicht mehr in unserer Hand.
~#~#~#~#~#~#~#~#

Donnerstag, 23.2. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit bald vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Mittwoch, 15. Februar 2017

Brauseboys am 16.2.: Liebe in der Luft

Kümmernis (von Frank Sorge)

Eigentlich eine typisch amerikanische Situation. An einer Kreuzung von Highways irgendwo mitten im zersiedelten Delaware halten, um Kaffee und Donuts zu kaufen. Die Kinder schlafen glücklicherweise, es bliebe noch Zeit für eine Zigarette auf dem Parkplatz. Alles ist schnell so weit, aber das letzte Feuerzeug funktioniert nicht mehr. Ein Versuch im Donutgeschäft schlägt fehl, keine Werbestreichhölzer oder dergleichen vorhanden, Nichtraucher ringsherum. Draußen aber hält ein Pickup und ein verwitterter, älterer Mann steigt aus, den ich nach Feuer frage. Er hat welches und fragt, woher wir kommen. Seine Großeltern kämen auch aus Deutschland, führt er schnell aus, eine Schwester wäre vor vielen Jahren sogar dorthin zurück, aber er hätte sie bislang nicht besucht. Wenn er auch nie dagewesen wäre, überlege er doch manchmal, ob er nicht auch zurückgehen sollte. Hier lebe er mittlerweile im Grunde ganz allein, außerdem ginge im Land doch alles vor die Hunde, niemand kümmere sich. Nach allem, was er wisse, wäre das bei uns in Deutschland doch anders.
Ich antworte vage. Aber einiges anders, klar, stimme ich zu. Wo man jetzt aber glücklicher wird, wer kann das sagen? Die Zigarette aus, wir drängen zur Weiterfahrt, man wünscht sich 'Take care' und 'Goodbye'. Wäre es nicht so weit, würde ich heute ein halbes Jahr später gern den Gesprächsfaden aufgreifen, und nachfragen, ob er das jetzt mit 'Kümmern' gemeint hätte. Wenn nein, dann solle er ruhig rüberkommen. Man braucht kein großes Land, um einsam zu sein.
~#~#~#~#~#~#~#~#

Donnerstag, 16.2. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit bald vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 


Hinweis: Um den Abend mit garantierter Herzenswärme und Raumtemperatur auszustatten, finden wir vorne im Restaurant statt.

Mittwoch, 8. Februar 2017

Brauseboys am 9.2.: Ein Flughafen im Walde

Neue Kinderlieder (von Frank Sorge), heute:

Ein Flughafen im Walde, steht still und stumm.
Schaut die schönen Bäume hier ringsherum.
Sag, wie wurden sie so groß,
War denn hier nie etwas los?
Da im Löschteich schwimmt ein Floß.

Ein Flughafen im Walde ist nie allein,
Es krabbeln auf ihm Tiere von groß bis klein.
Schaut, ein Rabe startet dort,
Fliegt an einen andern Ort,
Und erzählt von hier kein Wort.
~#~#~#~#~#~#~#~#

Donnerstag, 9.2. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit bald vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 


Hinweis: Um den Abend mit garantierter Herzenswärme und Raumtemperatur auszustatten, finden wir vorne im Restaurant statt.

~#~#~#~#~#~#~#~#
Zum Vormerken:

Samstag, 18.3. >14 Jahre Brauseboys - Ganz großes Kino! Die Jubiläumsshow im Centre Francais mit einer wahnsinnigen Retrospektive unseres Filmschaffens und natürlich uns, die wir seit Anbeginn auf einem roten Teppich lesen. >Beginn 21 Uhr - Weitere Informationen u.a. hier bei der Facebook-Veranstaltung.