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Brauseboys am 17.9. in der Kulturfabrik Moabit: Mit Lukas Meister & Paul Bokowski

Die fremde Frau (von Frank Sorge)
Wir mieten ein Auto mit der App, ich schnalle mich an, und da ist sie, die fremde Frau. Sie hat ein fieses Parfüm und hat sich ihr Dekolleté damit begossen, genau dort, wo mir der Gurt jetzt meine Brust umschnürt. Es hilft kein Lüften, keine Aircondition, sie steigt nicht aus dem Auto. Als ich aussteige, kommt sie mit, auf Schritt und Tritt folgt sie mir. Sie ist mit bei Ikea, folgt uns durch die Warenhalle, sie fährt mit zurück und isst mit uns zu Abend. Selbst als ich mein Hemd ausziehe zur Nacht, ist sie immer noch da, und als ich Zähne putze, schaut sie mir über die Schulter. Erst am nächsten Morgen ist sie plötzlich weg, ich kann alleine duschen. Ich mag ihr so schnell auch nicht wiederbegegnen. ~#~#~#~#~#~#~#~# Donnerstag, 17.9.20 / 20 Uhr Kulturfabrik Moabit (Windlicht), Lehrter Str. 35

Die Brauseboys - Weddinger Lesebühne in Moabit - Open Air mit Lukas Meister & Paul Bokowski!
Das Beste an der zentralen Lage der Kulturfabrik ist, egal in welche …
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Brauseboys am 10.9. in der Kulturfabrik Moabit: Open Air mit Johanna Zeul

Die Moabiter Luft (von Frank Sorge)
Moabit! Hör ich den Namen schon, muss ich vergnüglich lachen. Dort kann man sich, mit wenig Lohn,  'nen schönen Abend machen. Man sitzt im Hof, der Himmel schweigt dann hört man so Geschichten, und wenn ein Gast was Schönes geigt, fängt dein Herz an zu dichten:
Das ist Moabiter Luft, Luft, Luft Süßer, holder Straßenduft, Duft, Duft Schlechte Laune gleich verpufft, pufft, pufft In dem Duft, Duft, Duft, Dieser Luft, Luft, Luft ~#~#~#~#~#~#~#~# Donnerstag, 10.9.20 / 20 Uhr Kulturfabrik Moabit (Windlicht), Lehrter Str. 35
Die Brauseboys - Weddinger Lesebühne in Moabit - Open Air mit Johanna Zeul!
Das Beste an der zentralen Lage der Kulturfabrik ist, egal in welche Richtung man hinaus stolpert, man bleibt in der Zivilisation. Aber auch hinein kommt man mühelos:  Immer dem Herzen nach, und schon ist man drin in diesem paradiesischem Stadtteil, wo das Beste immer nur einen Donnerstag entfernt ist. Wenn es wieder Grillgut vom Stand des Café Moab gibt, kühle Getränke aus …

Brauseboys am 3.9. in der Kulturfabrik Moabit: Im Rausch des Sommers

Heute gibt es Döner (von Frank Sorge)
Im Hausflur treffe ich einen Nachbarn, der mit der Familie nach Brandenburg zieht. In wenigen Tagen ist es so weit, Hausrat und Möbel stehen im Flur zum Transport, er macht Pause mit einem Döner und ich habe einen verpackten Döner in der Hand. Es ist eine würdige letzte Begegnung unter Weddingern, bevor einer von ihnen in eine ungewisse Zukunft aufbricht. Wir kommen vom selben Imbiss. “Den werde ich vermissen”, sagt er, in seiner Stimme liegt echte Wehmut. “Das würde ich auch”, sage ich, “es gibt einfach keinen besseren Döner als in Wedding, Neukölln, Moabit und Kreuzberg." Man muss wirklich wissen, was man tut, wenn man diese Stadtteilgrenzen verlässt, oder gar ganz die Stadt. Nicht umsonst heißt die Hälfte der Läden in der sonstigen Republik ‘Berlin Döner’, denn hier steht der Leuchtturm, um den sich alles dreht. Auf ihn gespießt sind die Fleischlappen, und er selbst dreht sich, Tag und Nacht. Er ist alles, was wir sind: er ist ehrlich, er is…

Brauseboys am 27.8. in der Kulturfabrik Moabit: Open Air mit Doc Schoko + Livestream

Risikoüberlegungen (von Frank Sorge)
Meine Corona-App zeigt mir jetzt häufig Risikobegegnungen an, die im Ergebnis dann doch kein erhöhtes Risiko ergeben. Zuerst bin ich erschrocken und überprüfe die Uhrzeiten. Dabei kommt heraus, dass Einkaufen im Penny Markt relativ sicher ein oder zwei Überprüfungen bedeutet, U-Bahnfahren noch mehr. Ich bin aber erleichtert, weil die Warnfarbe grün bleibt, und ich Smalltalks über Sonderangebote und den Füllstand des Toilettenpapierregals im Discounter selbst vermeiden kann. Einmal kommt direkt beim Überprüfen ganz frisch eine neue Begegnung dazu, wir stehen im Hausflur des Kinderarztes und nur eine Mutter mit Säugling wartet mit uns. Misstrauisch beäuge ich diese, aber ich kann mir nur sehr exotische Szenarien vorstellen, in denen sie gestern in der Hasenheide gefeiert hat. Vielleicht ist es doch jemand hinter der Wand direkt am Wartezimmer, ein halber Meter Wand zwischen Corona und mir. 220 Überprüfungen insgesamt zeigt mir die App an, als würde me…

Brauseboys am 20.8. in der Kulturfabrik Moabit: Mit Bernadette La Hengst

Heute gibt es Gemüse (von Frank Sorge)
Ich bin ein Freund der Archäologie, denn sie kann auch Fragen nach der Zukunft beantworten. Was bleibt von uns übrig, wenn wir jetzt verschwinden würden? Viel bilden wir uns darauf ein, was wir dem Planeten an Materialien abgerungen haben, im Zeitrahmen von ein paar tausend Jahren ist die Mindesthaltbarkeit von allem aber schon lange abgelaufen. Vor allem Keramik und Glas halten durch, das Horten von Pfandflaschen ist also durchaus anlagesicher weit über das eigene Leben hinaus. Der gute alte Ziegelstein bleibt noch eine Weile, aber Jahrtausend für Jahrtausend legt auch darüber neues Material, bis die Ära der Menschheit auf eine dünne Gesteinsschicht zusammengepresst sein wird. Die ist interessant zusammengesetzt, kann uns aber auch kein Shakespeare-Sonett mehr vorlesen. Was am längsten von uns selbst durchhält, das sind unsere Zähne, denn sie sind schon zu unseren Lebzeiten fast vollständig versteinert. Auf der Suche nach uns wird die Lage dennoc…

Brauseboys am 16.7. in der Kulturfabrik Moabit: Mit Michael-André Werner & Lüül

Nur so eine Ahnung (von Frank Sorge)
Wenn ich die Kinder von der Kita hole, erzählen sie immer sofort eine Sache. Offenbar das, was sie am Tag am meisten beschäftigt hat, was sie Besonderes erlebt haben, oder welche neue Frage sich gestellt hat. Man müsste diese Sätze eigentlich aufschreiben. "Weißt du, Papa?", setzt mein Sohn an, nachdem er zu mir gerannt ist. "Was denn?" "Das Weltall", sagt er, "das ist wirklich sehr groß." "Ja, stimmt", sage ich verblüfft, "sogar sehr, sehr groß, unvorstellbar groß." "Und weißt du? Man weiß gar nicht, ob es überhaupt ein Ende hat." "Ja", sage ich, "vielleicht hat es gar keins. Aber was sich Menschen auch schon lange fragen, wie es überhaupt angefangen hat." Er stutzt. "Was denken die denn?", fragt er, jetzt bin ich in der Bredouille. "Die meisten denken, es gab eine große Explosion und seitdem fliegt alles auseinander." "Nein", unt…

Brauseboys am 9.7. in der Kulturfabrik Moabit: Windlichter

Es ändert sich nichts (von Frank Sorge)
Ich habe mich schon so daran gewöhnt, dass sich die Situation ständig geändert hat, dass es mich unruhig macht, wenn sich im Moment wenig ändert. Früher, also vor drei Monaten, hat sich die Lage immer wieder verschoben, es war mehr und weniger erlaubt, neue Erkenntnisse kamen dazu, Regelungen wurden angepasst. Jetzt gehen so die Wochen dahin und ich weiß nicht: Soll ich mir wirklich wünschen, dass sich was ändert? Denn es könnte sich ja zum Schlechten ändern. Da das Jetzt aber nicht so bleiben kann, muss sich was ändern, damit sich auch was zum Guten ändern könnte. Verzwickte Sache. Verloren hat man, wenn man denkt, dass sich Dinge zurück ändern sollten. Zurück dahin, wo es auch nicht gut war, das zeigt sich ja meistens erst, wenn sich was ändert. Aber nicht nur deswegen. Zurück ändern geht so wenig wie Zeitreisen. Es wäre außerdem total unlogisch, wenn ich wieder herausfinden würde aus dem Labyrinth meiner Gedanken mit der Beobachtung, dass sich…