Dienstag, 20. Juni 2017

Brauseboys am 22.6.: Slam International

So schnell, so groß (von Frank Sorge)

Kinder, so sagt man, wachsen sehr schnell, sie wachsen, wachsen, wachsen, sie wachsen den ganzen Tag - und es stimmt. Gerade waren sie noch so klein, nein, winzig und faltig und haarlos, da beginnt es auch schon zu sprießen. Haare bis in die Augen, schnipp-schnapp, und Finger- und Fußnägel, bis sie sich wellen und abplatzen - wie bei süßen Katzen. Klappt das nicht, schnipp-schnapp, Krallen ab. Schnell werden sie groß, sie wachsen, wachsen, wachsen, sie wachsen den ganzen Tag.
Kinder machen jung, so sagt man, aber wenn man überhaupt einmal Zeit hat zum Nachdenken als Eltern, oder auch nur, einmal in den Spiegel zu schauen, wird klar, man hat etwas übersehen. Man hat sich selbst eine Weile übersehen, nicht mit Weile angesehen und das Wachsen von Grau an den Schläfen. “Hallo Kinder, ach, toll, da sind ja eure Eltern, dann sehen wir die auch mal wieder - ach, schau mal die Eltern. Ihr seid aber wieder alt geworden.”
Erosion, Alter - da ist Erosion, Alter. Wir altern, altern, altern, wir altern den ganzen Tag. Kinder machen nicht alt, aber sie lenken ab damit, dass sie so verdammt jung sind.
Sie lernen hüpfen, klettern, springen, das kommt weit vor Flatterdingen. Aber so wie das Bein hüpft der Gedanke, bald über Schranken. Das ist mir zu hoch. Denen nicht.
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Donnerstag, 22.6. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Dicht, Dichter, Brauseboys! Zum 2. Mal wird bei den Brauseboys vier Wochen lang geslammt. Nach der erfolgreichen Premiere im September 2015 wagt eine der ältesten wöchentlichen Lesebühnen Berlins erneut den Kulturaustausch. Ab dem 8. Juni bitten die fünf Vorleser aus dem Wedding eine handverlesene Auswahl der besten Poetry Slammer Berlins als featured Artists auf ihre Bühne und batteln selbst um die Gunst des Publikums. Teilt auch auf Facebook: Brauseboys: 10 Punkte!



Die Brauseboys - Themenwochen 'Summer Slam'
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Anja Perkuhn (Slammende Stadtpflanze)
Judith Stadlin & Michael van Orsouw (Das Schweizer Duo Satz & Pfeffer)
Christoph Theußl (Singender Münchener aus Österreich)

Mittwoch, 14. Juni 2017

Brauseboys am 15.6.: Summer Slam mit Micha Ebeling & Flonske

Die Kontrollgruppe (von Frank Sorge)

"Hallo, Sorge."
"Guten Tag, hier Eberhard Teufel von MORSA. Wir machen eine Umfrage zur Telefonnutzung und würden gerne mit der Person in Ihrem Haushalt sprechen, die zuletzt einen runden Geburtstag hatte, nicht unter 18 ist, ledig, aber keine abgeschlossene Berufsausbildung hat, das Leben auch unter prekären Bedingungen genießen kann, mindestens zwei Kinder hat, in einem Schreibberuf arbeitet, aber noch keinen sensationellen Bucherfolg hinlegen konnte, und..."
"Sagen sie kurz..."
"Ja?"
"Beobachten Sie mich?"
"Wo denken Sie hin? Das sind nur diese ausgefeilten Algorithmen heutzutage, wirklich erstaunlich - ach ja, und die Person ist, die am ehesten nicht an einer Telefonumfrage teilnehmen und sich fadenscheinig aus dem Telefonat davonstehlen will."
"Wissen Sie, ich arbeite zu Hause und kann jetzt wirklich..."
"Noch dazu die Person, die jedes Mal nach dem Auflegen genau die Zeit lang darüber nachgrübelt, die die Umfrage gedauert hätte, was bloß in dieser Umfrage gefragt worden wäre. Trifft das alles auf Sie zu?"
"Ja, gut, egal - fragen Sie los."
"Äh, wirklich?"
"Jaja, nur zu. Sonst nicht, aber heute okay, ist gut, kein Problem. Mir fällt eh nichts ein, da kann ich nebenbei noch einen Kaffee machen. Ach so, sind Sie einverstanden, dass das Gespräch aufgezeichnet wird?"
"Ja, aber müssten Sie nicht vielleicht... noch die Kinder gleich aus der Kita holen?"
"Tatsache, stimmt, aber die fünf Minuten, da will ich heute mal nicht so sein. Also bitte!"
"Tut mir leid, Herr Sorge, es ist mir wirklich peinlich, aber für diesen Fall sind wir hier gewissermaßen nicht vorbereitet."
"Für den Fall, dass ich nicht auflege?"
"Ich darf darüber nicht sprechen, aber ja, im Grunde, sagen Sie es nicht weiter: Sie sind nur die Kontrollgruppe."
"Irgendeine Umfrage werden Sie doch aber wohl machen, fragen Sie jetzt endlich was."
"Zur Telefonnutzung, ja, äh... nutzen Sie ihr Telefon?"
"Ich halte es in der Hand, ja, einen 'Nutzen' kann ich derzeit dabei nicht erkennen."
"Sind Sie nicht damit einverstanden, dass wir Sie für weitere Umfragen anrufen?"
"Ja, verdammt."
"Oh, danke. Prima, dann ist das schon alles. Vielen Dank für Ihre Nicht-Teilnahme."
Nie wieder lasse ich mich verleiten.
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Donnerstag, 15.6. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Dicht, Dichter, Brauseboys! Zum 2. Mal wird bei den Brauseboys vier Wochen lang geslammt. Nach der erfolgreichen Premiere im September 2015 wagt eine der ältesten wöchentlichen Lesebühnen Berlins erneut den Kulturaustausch. Ab dem 8. Juni bitten die fünf Vorleser aus dem Wedding eine handverlesene Auswahl der besten Poetry Slammer Berlins als featured Artists auf ihre Bühne und batteln selbst um die Gunst des Publikums. Teilt auch auf Facebook: Brauseboys: 10 Punkte!



Die Brauseboys - Themenwochen 'Summer Slam'
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen.

Micha Ebeling (Dreifacher Team-Champion im National Slam)
Flonske ('landen kann nur der, der fliegt')

Mittwoch, 7. Juni 2017

Brauseboys am 8.6.: Themenwochen Slam Poetry

Der Wettstreit (von Frank Sorge)

Man weiß immer, dass Unheil droht, wenn jemand im Verlauf eines Gesprächs fragt: "Wollen wir wetten?" Hier ein paar bewährte Ausweichstrategien.
1.) Immer das gleiche wetten, wie der andere. Dann weiter den Spielverderber mimen, also auch das gleiche wetten, wenn der andere umschwenkt. Dann bei aufkommender Erschöpfung wegen des Hin und Hers logisch schließen: "So müssen wir ja nicht wetten."
2.) Die Sache unnötig verkomplizieren. "Ich wette, dass du falsch liegst." Auch nicht zögern, dem Wettpartner vor dem Durchdenken hilfreiche Tipps zu geben, wie "Wette doch im Gegenzug, dass ich richtig liege." "Warum?" "Weil du dann gewinnst, auch wenn du falsch liegst." "Ah ja, okay." "Ach, doof." "Was?" "Wenn wir so wetten, wettet ja keiner was, was falsch oder richtig sein könnte. Tja, schade. Dann vielleicht beim nächsten Mal."
3.) Sofort irrsinnige Wetteinsätze anbieten, gewissermaßen 'All in' gehen. Je nach Situation gleich um die eigenen Autos, Eigentumswohnungen oder kleinen Finger spielen wollen. Steigt jemand drauf ein, immer weiter erhöhen.
4.)  Das gute, alte "Nein, danke". Es mag etwas verstaubt sein, wer hätte gedacht, dass es noch einmal zu etwas Nutze sein könnte.
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Donnerstag, 8.6. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Dicht, Dichter, Brauseboys! Zum 2. Mal wird bei den Brauseboys vier Wochen lang geslammt. Nach der erfolgreichen Premiere im September 2015 wagt eine der ältesten wöchentlichen Lesebühnen Berlins erneut den Kulturaustausch. Ab 8. Juni bitten die fünf Vorleser aus dem Wedding eine handverlesene Auswahl der besten Poetry Slammer Berlins als featured Artists auf ihre Bühne und batteln selbst um die Gunst des Publikums. Brauseboys: 10 Punkte!


Die Brauseboys - Themenwochen 'Summer Slam'
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Nils Heinrich (Wortmaschine & Ex-Brauseboy)
Uli Hannemann (Liebe statt Drogen)
Christian Ritter (Zentralkomitee Deluxe)
Broca Areal (Wolf Hogekamp & Lino Ziegel)

Dienstag, 30. Mai 2017

Brauseboys am 1.6.: Die Duschpoeten

Sand (von Frank Sorge)

“Hallo, Kinder! Was wollen wir denn m…”
“Buddeln.”
Neue Väter schaufeln Sand. In rauen Mengen, über Jahre hinweg nur vergleichbar mit Braunkohle-Tagebau. Für die ersten Monate genügt es, das Grundlegende vorzuturnen, also ‘Schaufeln in die Form’. Auch gleich schön ordentlich festpressen und überstehenden Sand professionell mit der Schaufelkante abziehen. Zeigen die Kinder nach und nach selbständig das gleiche Verhalten, kann über nächste Trainingseinheiten nachgedacht werden. Vielen erscheinen schon diese ersten Schritte zu mühsam. Unbeholfen schütteln sie etwas Sand von der Schippe und glauben, das biete dem Kind genug Inspiration, selbst tätig zu werden - damit man endlich wieder zurück an sein Bier, den Computer, den Fußball und andere Spielarten der Glückseligkeit kann, die ihren Ursprung zweifelsfrei im Sand haben. Doch wer nicht mit dem Kinde spielen mag, um selber zu spielen, sollte die eigene Volljährigkeit noch einmal überprüfen.
Denn dieses ist wahr: Am Anfang war Sand. Dann kam ein Kind, formte eine Schaufel und schaufelte in eine Form. Daraus nun entstand unsere Zivilisation, und daher ist sie auf Sand gebaut.
Ich richte meinen Blick zurück in mich, wie in ein umgestülptes Fernrohr. Aus alten Zimmern strömt muffige Luft, als die Fenster aufgerissen werden, dahinter ein Panoptikum eigener Buddel-Erinnerungen. Im Schlick, am Strand, in den Sandkästen der Stadt. Mit Sand war ich immer eng, ich nahm ihn mit, in Schuhen und Hosentaschen. Irgendwann habe ich ihn auch gegessen. Er bestaubte die Haut, aber tat nicht weh. Man konnte sich bedenkenlos fallenlassen, Freund Sand in die Arme. Unermüdlich schaufelte ich ihn in Eimer, kippte ihn woanders ab, schaufelte neuen hinein.
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Donnerstag, 1.6. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Chio Schuhmacher (liest wie gesungen)
Sebastian Krämer (singt wie gelesen)

Ab nächsten Donnerstag dann Slam-Wochen bei den Brauseboys:

Mittwoch, 24. Mai 2017

Brauseboys am 25.5.: Du hörst mich

Mit Haut und Haar (von Frank Sorge)

Der Currywurstverkäufer im Traditionsgeschäft nennt Darm jetzt 'Haut'. 
“Mit Haut?” 
“Ja", sage ich nach einer Schrecksekunde, "und mit Kartoffelfingern bitte.”
Mit Haut? Das ist wahrscheinlich der Versuch, etwas Appetitlicheres zu fragen als ‘mit Darm’. Hat aber nicht geklappt. Vor allem, weil man erst einmal länger darüber nachdenken muss. Haut? Welche Haut? Und wie muss ich mir die erfragte Haut vorstellen? So wie meine, zart mit feinen Härchen? Das ergäbe allerdings eine Currywurst, die ich auslassen würde. Oder wie knusprige Brathähnchenhaut, die im Idealfall mit wenig rückseitigem Fett positive Assoziationen weckt, aber völlig weg von denen einer Bratwurst? Oder ist die Haut wie die auf Kakao oder Pudding gemeint, und was sollte mir das über die Currywurst sagen?
“Lassen Se mal die Wurst, ich nehm nur Pommes.”
“Huch, wieso das denn?”
“Wahrscheinlich schon der Gedanke, die Wurst wäre in Menschenhaut verpackt.”
“In was?”
“Na, wegem dem Darm.”
“Häh?”
“Wegen des Darmes.”
“Ach so, na dit is wegen der Touristen.”
“Hab ich mir gedacht. Aber die haben das doch gelernt?”
“Gelernt?”
“Na, in ihre Falkplan-Seminare und Reise-Coachings und Tripadvisor-Konferenzen - hundertmal. Seien Sie nicht irritiert über die Nachfrage ‘mit Darm’, sagen Sie einfach Ja oder Nein, wenn sie keine Pelle mögen. So was lernen die doch da.”
“Pelle? Dit is vielleicht besser, dann frage ich nach Pelle.”
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Donnerstag, 25.5. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Sebastian Niedlich (Am Ende der Welt gibt es Kaffee und Kuchen)
Doc Schoko (schlecht dran / gut drauf)

Mittwoch, 17. Mai 2017

Brauseboys am 18.5. in der NUSSBREITE: Mit Dziuk und Birr

Kulinarische Seestraße (von Frank Sorge)

Um sich vor den Brauseboys angemessen stärken zu können, sind unsere Zuschauer diese Woche auf die Spezialitäten der Straße angewiesen. Hier die wichtigsten Gastro-Tipps Müller-/Seestraße auf dem Weg zur Nussbreite.

Sei dabei, sei Saray - Döner geht immer, sagt der Volksmund und beißt rein - dieser hier geht auch immer bis Mitternacht. Wer jetzt gleich denkt: Ach nee, Imbiss will ich nicht, dem sei versichert, dass es sich beim Saray nicht um einen solchen handelt. Es ist ein Restaurant. Es gibt wunderbaren Reis auf den Teller und duftende Soßen zum Grillgut, außerdem haben die Kellner die Haare schön.

Direkt gegenüber am Urnenfriedhof hat der 'Rebel Room' in einem alten Taxihäuschen Station bezogen. Es gibt hier an Bierbänken und Stehtischen feine Burger und frittierte Beilagen. Außerdem die höchste Hipsterdichte jenseits der Gerichtsstraße. Werden wir gefragt, ob der Wedding jetzt endlich cool, bärtig und im Kommen wäre, können wir sagen: Ja, auf diesen paar Quadratmetern in jedem Fall. 

Auf dem Mittelstreifen der Kreuzung lockt hingegen schon viele Jahrzehnte lang der Imbiss zur Mittelpromenade. Fragt man die Locals, will es immer keiner empfehlen, aber trotzdem gehen alle regelmäßig hin. Nur dann weiß man, dass der Imbiss in den letzten Jahren so manche Veränderung durchlebte. Es ist auch weit und breit die einzige Currywurst dort zu bekommen.

Auf der dunklen (Süd-)Seite der Seestraße gibt es ein paar Häuser weiter noch den 'Asia Deli'. Ein schnöder China-Imbiss, hat schon so mancher beim Vorbeischlendern und Ansehen der deutschen Speisekarte gedacht, man könnte hier nicht nicht weiter daneben liegen. Die Zauberworte hießen lange "Die andere Karte" - der Laden verwandelt sich, vor den Fenstern kommen Reisfelder in den Blick und eine frische Brise vom großen Fluss kühlt das Mützchen. Unter diesen Eindrücken bekommt man dann Maos Lieblingsspeise aufgetischt.
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Donnerstag, 18.5. /20.30 Uhr
ACHTUNG: Nussbreite (Seestraße 106, nahe U-Seestraße)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 



Dienstag, 9. Mai 2017

Brauseboys am 11.5.: O Mai o Mai

Angenommen (von Frank Sorge)

Der Paketzusteller hat eine Sackkarre dabei, die mit einem englischen Spruch beklebt ist. Den übersetze ich mir so: Kunst produziert Künstler. Ah ja, denke ich, da hat er wohl recht, und will schon die Tür schließen. Das Paket? Okay, das nehme ich auch, danke.
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Donnerstag, 11.5. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 


Mittwoch, 3. Mai 2017

Brauseboys am 4.5.: Mit Zuckerklub und Klaus Ungerer

Gute Luft macht größenwahnsinnig (von Robert Rescue)

Auf einer Terrasse in Konradshöhe, irgendwo bei oder hinter Tegel. Ich rauche und blicke sinnierend in die Nacht. Drinnen diskutieren mehrere Autoren ihre Ideen für Romane. Der andere rauchende Schriftsteller kommt auf die Terrasse. "Es ist nicht gut, dass wir beide hier draußen stehen", sage ich zu ihm. "Warum nicht?", fragt er zurück. Er ist etwas überrascht. Kann ich verstehen, schließlich war ich gerade irgendwie unhöflich. Aber so ist es nicht gemeint gewesen. „Siehst du da drüben das Einfamilienhaus mit dem einen beleuchteten Zimmer?“
„Ja“, antwortet er und zündet sich die Zigarette an.
"Der Bewohner könnte etwas gegen uns haben. Wir sind Fremde für ihn. Vielleicht holt er gerade die Knarre heraus und richtet sie auf uns. Ich meine, wir beide sind die besten Schriftsteller Berlins und stehen gerade nebeneinander. Wir wären, schlimmstenfalls, beide erledigt. Was wäre das für ein Verlust für die Stadt und ihre Kultur?
"Da könnte was dran sein", sagt der andere. "Was sollen wir tun?"
"Ich habe eine Idee", sage ich und drücke meine Zigarette aus. "Ich gehe wieder rein. Damit ist die Gefahr zwar nicht gebannt, aber wenn der Typ schießt, ist der Schaden nicht so groß."

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Donnerstag, 4.5. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen.

Klaus Ungerer
Zuckerklub

Mittwoch, 26. April 2017

Brauseboys am 27.4.: Mit Johannes Krätschell und Lüül

Wie ein Stein (von Frank Sorge)

Kurz vor dem Einschlafen rappelt sich meine Tochter häufiger die Woche noch einmal auf, klettert aus dem Bett und wandert zu mir an den Schreibtisch, um sich abzulenken und zu zerstreuen. Zielsicher hat sie, wie ich, dafür den besten Ort ausgewählt. Die Bildschirme am Platz werden aber bald von selbst dunkel, denn sie werden nicht gebraucht. Es stellt sich als hilfreich heraus, dass ich über Jahre hier im Arbeitszimmer Erinnerungsstücke in rauen Mengen gesammelt habe. Oder lagere, denn eine Systematik, die dem Sammeln eigen ist, kann man lange suchen. Hier findet man nur mühelos etwas, das man nicht gesucht hat. Phasenweise spielen wir mit übrig gebliebenen Geldstücken aus fernen Ländern, Würfeln, Plastikfiguren, was immer sich gerade findet. Derzeit sind es Steine, die ich von Reisen mitgebracht habe, mit großem Überblick sammelt sie alle zusammen, legt sie einzeln auf den Tisch und wir besprechen den Fund. Ist er rund, ist er schwarz, ist er rau, glitzert da was? Das kann locker eine halbe Stunde gehen, wirkt aber sicher. Wenn ich gerade noch so das Klappern der Schlafzimmertür wahrnehme und sie in Sicherheit weiß, bin ich sofort friedlich verschlafen.
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Donnerstag, 27.4. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Mittwoch, 19. April 2017

Brauseboys am 20.4.: Ja zum Wedding

Vielleicht (von Frank Sorge)

Samstag mittag, Ostereinkauf. Zu allem Überfluss am Tabakladen noch drei Lotto-Spieler vor mir in der Schlange. Mit großem Ernst werden Zettel getauscht, manche von der Lottomaschine ausgelesen, andere wieder ausgegeben. Kleine Eurobeiträge müssen nachgezahlt werden, heute kein Gewinn.
"Was ist Ihr Hobby?"
"Geld wegwerfen zum Wochenende."
Dialog hier nicht denkbar. Die eiserne Spielerregel, nur Geld einzusetzen, um das es nicht schade ist, zwingt zur Zurückhaltung. Wartezeit wie in Sirup, meine Tiefkühlsachen schwitzen. Immer wieder Nachfragen: "Spiel 77?"
"Hab ich doch gekreuzt."
"Ja? Aber nicht richtig. Also nein?"
"Habe ich gemacht."
"Müssen Sie aber deutlicher machen, hat die Maschine nicht erkannt."
"Computer", sagt der dritte. Seine Betonung suggeriert einen Doppelpunkt, Tore zur Weisheit werden geöffnet: "Immer nur 'Ja' oder 'Nein'. Nie vielleicht."
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Donnerstag, 20.4. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Dienstag, 11. April 2017

Brauseboys am 13.4.: Am grünen Donnerstag

So einfach (von Frank Sorge)

Vor meinem Balkon, unten auf der Seestraße, befindet sich ein schwer geschundener Grünstreifen. Auch frische Frühlingstriebe bleiben hier nicht lange hoffnungsgrün. Nur ein Buschwerk nahe der Ampel blüht in diesem Jahr ungewohnt auf, inmitten der austreibenden Zweige ist ein laminierter Zettel "Vorsicht Giftköder" an einem Bäumchen angebracht. Jeden Tag mehr wird mir klar, dass der Zettel das Überleben des Biotops sichert. Selbst die betrunkensten Urinierer halten angesichts der Botschaft inne und drehen ab zur nächsten Hecke, Hunde werden gleich weitergezogen. Als er nach einer Weile abfällt und tagelang nicht ersetzt wird, drucke ich selbst einen aus und hänge ihn in Klarsichtfolie an. Der Bereich davor, unter meinem Balkon, bekommt auch einen. Ein paar Wochen werden die schon halten. Da weiß man jahrelang nicht, was man eigentlich fürs direkte Wohnumfeld tun kann, und dann ist das so einfach.
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Donnerstag, 13.4. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Bastian Mayerhofer

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Heiko verwirrt über ganz andere Auswüchse der Seestraße

Mittwoch, 5. April 2017

Brauseboys am 6.4.: Der Wedding-Effekt

Noch da (von Frank Sorge)

Herr Sorge, wie ist es, Vater von Zwillingen zu sein?
Toll.
Finden Sie noch Zeit für sich?
Für wen?
Wie halten Sie sich informiert? Erreichen Sie überhaupt Nachrichten über Präsident Trump und alles andere?
Ach, hat ers geschafft?
Wissen Sie noch, welches Jahr wir haben?
Ungefähr.
Schlafen Sie?
Hm, fast.
Frage ich die falschen Sachen?
Nein, Sie fragen so beruhigend.
Haben Sie Tipps für andere Eltern, oder speziell Väter von Zwillingen?
Nein.
Gar nichts?
Wenn man es schon ist, nein, dann ist alles zu spät, dann hilft nichts.
Nichts?
Nein, da muss man dann durch. Aber das ist ja kein Tipp, es bleibt einem gar nichts anderes übrig. Aber was mich interessieren würde, wie ist es denn für Sie, nicht Vater von Zwillingen zu sein?
Nicht? Äh, toll. Also in Ordnung.
Schlafen Sie?
Ja, nicht immer gut, aber ausreichend.
Erzählen Sie mehr, und bitte weiter in diesem ruhigen Ton.
Na, manchmal grübelt man halt über dies und das und kann nicht recht einschlafen. Auch vielleicht, ob man das selbst gerne hätte, diese schlaflosen Nächte mit kleinen Kindern, was man so hört. Was dann natürlich auch kaum anders sein kann, als halt darüber zu grübeln und nicht zu schlafen.
Sie machen sich keine Vorstellung.
Ich denke ja nur, es kann einem Leben ja auch Sinn und Struktur geben. Was meinen Sie? Herr Sorge? Noch da?
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Donnerstag, 6.4. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen.