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Es werden Posts vom 2020 angezeigt.

Brauseboys am 24.9. in der Kulturfabrik Moabit: Open Air mit Lari + Livestream

Verständnis (von Frank Sorge)
Ich reserviere ein Auto mit der App, es ist ein goldener BMW. Als ich bei seinem Parkplatz ankomme, sehe ich, das Auto ist zu Schrott gefahren und aber normal abgestellt worden. Ich frage einen Dönerverkäufer in Sichtweite, ob er was gesehen hat. Aber der meint nur, das müsse in der Nacht gewesen sein, der hätte morgens hier schon so gestanden. Ich storniere die Reservierung und melde der App, dass der Innenraum wirklich sehr dreckig ist. Das Schlimmste an der Reservierung von Mietwagen, die Minutentarife haben, ist, dass man spät am Abend mindestens so lange einen Parkplatz sucht, wie man das Auto für die eigentliche Fahrt gebraucht hat. Es soll wohl schon vorgekommen sein, dass jemand nach halbstündigem Herumkreisen in der parkplatzfreien Zone entnervt wieder aus dem Stadtteil herausgefahren ist, um etwas in Nähe einer Nachtbusstation zu suchen. Mancher reagiert dabei vielleicht über, und fährt den goldenen Mietwagen so lange in eine vermeintliche Parklüc…

Brauseboys am 17.9. in der Kulturfabrik Moabit: Mit Lukas Meister & Paul Bokowski

Die fremde Frau (von Frank Sorge)
Wir mieten ein Auto mit der App, ich schnalle mich an, und da ist sie, die fremde Frau. Sie hat ein fieses Parfüm und hat sich ihr Dekolleté damit begossen, genau dort, wo mir der Gurt jetzt meine Brust umschnürt. Es hilft kein Lüften, keine Aircondition, sie steigt nicht aus dem Auto. Als ich aussteige, kommt sie mit, auf Schritt und Tritt folgt sie mir. Sie ist mit bei Ikea, folgt uns durch die Warenhalle, sie fährt mit zurück und isst mit uns zu Abend. Selbst als ich mein Hemd ausziehe zur Nacht, ist sie immer noch da, und als ich Zähne putze, schaut sie mir über die Schulter. Erst am nächsten Morgen ist sie plötzlich weg, ich kann alleine duschen. Ich mag ihr so schnell auch nicht wiederbegegnen. ~#~#~#~#~#~#~#~# Donnerstag, 17.9.20 / 20 Uhr Kulturfabrik Moabit (Windlicht), Lehrter Str. 35

Die Brauseboys - Weddinger Lesebühne in Moabit - Open Air mit Lukas Meister & Paul Bokowski!
Das Beste an der zentralen Lage der Kulturfabrik ist, egal in welche …

Brauseboys am 10.9. in der Kulturfabrik Moabit: Open Air mit Johanna Zeul

Die Moabiter Luft (von Frank Sorge)
Moabit! Hör ich den Namen schon, muss ich vergnüglich lachen. Dort kann man sich, mit wenig Lohn,  'nen schönen Abend machen. Man sitzt im Hof, der Himmel schweigt dann hört man so Geschichten, und wenn ein Gast was Schönes geigt, fängt dein Herz an zu dichten:
Das ist Moabiter Luft, Luft, Luft Süßer, holder Straßenduft, Duft, Duft Schlechte Laune gleich verpufft, pufft, pufft In dem Duft, Duft, Duft, Dieser Luft, Luft, Luft ~#~#~#~#~#~#~#~# Donnerstag, 10.9.20 / 20 Uhr Kulturfabrik Moabit (Windlicht), Lehrter Str. 35
Die Brauseboys - Weddinger Lesebühne in Moabit - Open Air mit Johanna Zeul!
Das Beste an der zentralen Lage der Kulturfabrik ist, egal in welche Richtung man hinaus stolpert, man bleibt in der Zivilisation. Aber auch hinein kommt man mühelos:  Immer dem Herzen nach, und schon ist man drin in diesem paradiesischem Stadtteil, wo das Beste immer nur einen Donnerstag entfernt ist. Wenn es wieder Grillgut vom Stand des Café Moab gibt, kühle Getränke aus …

Brauseboys am 3.9. in der Kulturfabrik Moabit: Im Rausch des Sommers

Heute gibt es Döner (von Frank Sorge)
Im Hausflur treffe ich einen Nachbarn, der mit der Familie nach Brandenburg zieht. In wenigen Tagen ist es so weit, Hausrat und Möbel stehen im Flur zum Transport, er macht Pause mit einem Döner und ich habe einen verpackten Döner in der Hand. Es ist eine würdige letzte Begegnung unter Weddingern, bevor einer von ihnen in eine ungewisse Zukunft aufbricht. Wir kommen vom selben Imbiss. “Den werde ich vermissen”, sagt er, in seiner Stimme liegt echte Wehmut. “Das würde ich auch”, sage ich, “es gibt einfach keinen besseren Döner als in Wedding, Neukölln, Moabit und Kreuzberg." Man muss wirklich wissen, was man tut, wenn man diese Stadtteilgrenzen verlässt, oder gar ganz die Stadt. Nicht umsonst heißt die Hälfte der Läden in der sonstigen Republik ‘Berlin Döner’, denn hier steht der Leuchtturm, um den sich alles dreht. Auf ihn gespießt sind die Fleischlappen, und er selbst dreht sich, Tag und Nacht. Er ist alles, was wir sind: er ist ehrlich, er is…

Brauseboys am 27.8. in der Kulturfabrik Moabit: Open Air mit Doc Schoko + Livestream

Risikoüberlegungen (von Frank Sorge)
Meine Corona-App zeigt mir jetzt häufig Risikobegegnungen an, die im Ergebnis dann doch kein erhöhtes Risiko ergeben. Zuerst bin ich erschrocken und überprüfe die Uhrzeiten. Dabei kommt heraus, dass Einkaufen im Penny Markt relativ sicher ein oder zwei Überprüfungen bedeutet, U-Bahnfahren noch mehr. Ich bin aber erleichtert, weil die Warnfarbe grün bleibt, und ich Smalltalks über Sonderangebote und den Füllstand des Toilettenpapierregals im Discounter selbst vermeiden kann. Einmal kommt direkt beim Überprüfen ganz frisch eine neue Begegnung dazu, wir stehen im Hausflur des Kinderarztes und nur eine Mutter mit Säugling wartet mit uns. Misstrauisch beäuge ich diese, aber ich kann mir nur sehr exotische Szenarien vorstellen, in denen sie gestern in der Hasenheide gefeiert hat. Vielleicht ist es doch jemand hinter der Wand direkt am Wartezimmer, ein halber Meter Wand zwischen Corona und mir. 220 Überprüfungen insgesamt zeigt mir die App an, als würde me…

Brauseboys am 20.8. in der Kulturfabrik Moabit: Mit Bernadette La Hengst

Heute gibt es Gemüse (von Frank Sorge)
Ich bin ein Freund der Archäologie, denn sie kann auch Fragen nach der Zukunft beantworten. Was bleibt von uns übrig, wenn wir jetzt verschwinden würden? Viel bilden wir uns darauf ein, was wir dem Planeten an Materialien abgerungen haben, im Zeitrahmen von ein paar tausend Jahren ist die Mindesthaltbarkeit von allem aber schon lange abgelaufen. Vor allem Keramik und Glas halten durch, das Horten von Pfandflaschen ist also durchaus anlagesicher weit über das eigene Leben hinaus. Der gute alte Ziegelstein bleibt noch eine Weile, aber Jahrtausend für Jahrtausend legt auch darüber neues Material, bis die Ära der Menschheit auf eine dünne Gesteinsschicht zusammengepresst sein wird. Die ist interessant zusammengesetzt, kann uns aber auch kein Shakespeare-Sonett mehr vorlesen. Was am längsten von uns selbst durchhält, das sind unsere Zähne, denn sie sind schon zu unseren Lebzeiten fast vollständig versteinert. Auf der Suche nach uns wird die Lage dennoc…

Brauseboys am 16.7. in der Kulturfabrik Moabit: Mit Michael-André Werner & Lüül

Nur so eine Ahnung (von Frank Sorge)
Wenn ich die Kinder von der Kita hole, erzählen sie immer sofort eine Sache. Offenbar das, was sie am Tag am meisten beschäftigt hat, was sie Besonderes erlebt haben, oder welche neue Frage sich gestellt hat. Man müsste diese Sätze eigentlich aufschreiben. "Weißt du, Papa?", setzt mein Sohn an, nachdem er zu mir gerannt ist. "Was denn?" "Das Weltall", sagt er, "das ist wirklich sehr groß." "Ja, stimmt", sage ich verblüfft, "sogar sehr, sehr groß, unvorstellbar groß." "Und weißt du? Man weiß gar nicht, ob es überhaupt ein Ende hat." "Ja", sage ich, "vielleicht hat es gar keins. Aber was sich Menschen auch schon lange fragen, wie es überhaupt angefangen hat." Er stutzt. "Was denken die denn?", fragt er, jetzt bin ich in der Bredouille. "Die meisten denken, es gab eine große Explosion und seitdem fliegt alles auseinander." "Nein", unt…

Brauseboys am 9.7. in der Kulturfabrik Moabit: Windlichter

Es ändert sich nichts (von Frank Sorge)
Ich habe mich schon so daran gewöhnt, dass sich die Situation ständig geändert hat, dass es mich unruhig macht, wenn sich im Moment wenig ändert. Früher, also vor drei Monaten, hat sich die Lage immer wieder verschoben, es war mehr und weniger erlaubt, neue Erkenntnisse kamen dazu, Regelungen wurden angepasst. Jetzt gehen so die Wochen dahin und ich weiß nicht: Soll ich mir wirklich wünschen, dass sich was ändert? Denn es könnte sich ja zum Schlechten ändern. Da das Jetzt aber nicht so bleiben kann, muss sich was ändern, damit sich auch was zum Guten ändern könnte. Verzwickte Sache. Verloren hat man, wenn man denkt, dass sich Dinge zurück ändern sollten. Zurück dahin, wo es auch nicht gut war, das zeigt sich ja meistens erst, wenn sich was ändert. Aber nicht nur deswegen. Zurück ändern geht so wenig wie Zeitreisen. Es wäre außerdem total unlogisch, wenn ich wieder herausfinden würde aus dem Labyrinth meiner Gedanken mit der Beobachtung, dass sich…

Brauseboys am 2.7. in der Kulturfabrik Moabit: Freiluftstrom

Verzicht (von Frank Sorge)
Was ist es, was das Internet katalysiert? Wie sehr verhalten sich Verschwörungstheorien zum Virus selbst als Virus? Wie wird man immun gegen neurechte Propaganda? Ich vermute, es würde helfen, ein paar Dinge weniger zu machen. Verzicht - bei diesem Wort stellt sich der innere Zwerg sofort mit einem Sturmgewehr in den Vorgarten. Mir nimmt niemand was weg! Muss ja auch nicht, wenn man selbst verzichtet. Aber wo bleibt denn da die...
Aufmerksamkeit - dieser eine da, der letzte Woche was geliket hat, warum macht er nicht weiter? Wo ist er denn? Nur ein Like und dann nichts mehr, sehr enttäuschend. Vielleicht sollte ich extra was machen, damit da noch mehr kommt? Aber wenn dann nichts kommt? Existiere ich ohne Like eigentlich? Schnell mal alles durchgucken, was auch kein Like hat. Das alles like ich natürlich nicht, auch ein bisschen aus Rache. Rache gegen unbekannt, denn die können da auch nichts für. Wie ich.  Merken ja auch nichts von, hätten sie mich mal gelik…

Brauseboys am 25.6. in der Kulturfabrik Moabit: Freiluft und Bierhorst

Weitere Lockerungen (von Frank Sorge)
Es dürfen sich beliebig viele Menschen treffen, wenn jeder dabei im eigenen Raum ist. Es darf wieder durch den Mund geatmet werden (mit Maske). In Supermärkten dürfen so viele Menschen gleichzeitig einkaufen, wie Pakete Toilettenpapier vorrätig sind. Fehlender Mund-Nasenschutz im öffentlichen Nahverkehr wird durch die Bundeswehr kontrolliert. In Innenräumen dürfen Kulturveranstaltungen mit einer Zuschauerzahl von 0,38 pro Quadratkilometer ohne weitere Einschränkungen stattfinden. Schultermuskulatur darf wieder gegenseitig gelockert werden (innerhalb eines Haushalts). Von einem weiteren Lockern von Schrauben im Verstandesbereich bitten wir Sie abzusehen. 
Diese Lockerungen gelten, nach meiner Kenntnis, ab sofort. ~#~#~#~#~#~#~#~#
Donnerstag, 25.6.20 / 20 Uhr Kulturfabrik Moabit (Freiluftkino), Lehrter Str. 35 + Facebook Livestream (Öffentlich, Internet)


Die Brauseboys - Weddinger Lesebühne in Moabit - Sommer Open Air + Stream!
Seit siebzehn Jahren je…

Brauseboys am 18.6. in der Kulturfabrik Moabit: Open Air + Stream

Auftreten (von Frank Sorge)
Ich weiß nicht mehr, wie mich meine Eltern von meinem Tretroller getrennt haben, aber irgendwo im Synapsenspuk sehe ich noch die Narbe, denn ich war an den Roller angewachsen. Es war im Endeffekt nichts dabei, ein schlichter Ablösungsprozess, und das langsame Durchsickern der Erkenntnis, dass ein Fahrrad mehr möglich machte, und ich dem Roller auch physisch entwachsen war. Ich dachte schnell nicht mehr an ihn. Jetzt haben wir aber Roller bestellt, für uns, für Erwachsene. Sie kommen auch schneller herangerollert von den Lieferdronen, als wir gucken können. Tram und Bus vermeiden, auch Wege mit den Kindern auf Fahrrädern, alles ganz praktisch mit so einem Ding, dachten wir uns. Ohne Motoren natürlich, einfach nur Rollen, ein Brett, eine Stange und kräftige Beine. Also klappe ich einen auf und probiere ihn unten aus. Für die nächsten Wochen und Monate war der Herr Sorge dann leider nicht mehr zu sehen und aufzufinden. Er rollerte so hier hin und da hin, ließ …

Brauseboy am 11.6. im Livestream: Strom nach draußen

Gute Effekte (von Frank Sorge)
Es ist ja nicht alles schlimm. Überwachungskameras mit Gesichtserkennung haben es im Moment zum Beispiel nicht leicht. Sehr viele Menschen sind auf Fahrräder umgestiegen, das macht auch noch gesund, solange der grüne Streifen breit genug ist, um nicht von einem Auto umgekachelt zu werden. Manch einer hat durch Verzicht festgestellt, was man auch sonst lassen könnte, und auch die Zufriedenheitsstudien in Deutschland, wo wir so glimpflich durch die erste Welle gekommen sind, sind eindeutig anders, als nur Gemecker über Einschränkungen wiederzuspiegeln. Weniger ist also wirklich oft mehr, und selbst der Bierverkauf in Berlin und Brandenburg ist gestiegen in der Krise, lese ich, trotz Kneipenschließung. Und Menschen wie ich und meine Frau werden in einigen Jahren über eines nicht klagen müssen, worüber schon viele Generationen geklagt haben - zu wenig Zeit mit den Kindern verbracht zu haben, als sie klein waren.  ~#~#~#~#~#~#~#~#
Donnerstag, 11.6.20 / 20.30 …

Brauseboys am 4.6. im Livestream: Das strömende Dutzend

Unsichtbare Gefahr (von Frank Sorge)
Ein gelockertes Familientreffen im Britzer Garten. Die gleiche Idee hatten zwar noch zehntausend Leute, aber es ist viel Platz, um Abstand zu halten, und auch sonst vorsichtig zu sein. Ein paar Campingstühle, ein Klapptisch, bunt gefüllte Schalen und große Decken für ein Picknick. Die Sonne ist stark, aber die Familien sitzen im Schatten unter den Eichen. Es herrscht ausgelassene Stimmung, ohne in Parties zu verfallen, mancher entspannt sich vielleicht das erste Mal seit vielen Wochen, die Kinder rennen herum. Nur ich bin etwas irritiert von den Baumstämmen in Bewegung, in dicken Paketen wimmelt und krabbelt es, unter der Haut wabernder Gespinste, wie Geschwüre. Der Eichenprozessionsspinner ist da, teilweise keinen Meter von Tischen und Menschen entfernt, und keiner bemerkt ihn. Wirklich schlimm, dieser Virus, er ist so unsichtbar. Würde man ihn mit eigenen Augen sehen können, wären die Leute vielleicht nicht so unbesorgt.
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Donnerst…

Brauseboys am 28.5. im Livestream: Herzen im Strom

Man lässt, was man kann (von Frank Sorge)
Es ist natürlich nachvollziehbar, dass Kneipenwirte fordern, die Kneipen zu öffnen, wenn die schon geöffneten Gaststätten als Kneipe genutzt werden, weil keine Kneipen geöffnet sind. Intuitiv ist jedoch einzusehen, dass drei Halbe einen Menschen unvorsichtiger machen als ein Nackensteak oder ein Teller Bratkartoffeln. Gerade die, die nach drei Halben erst anfangen. Auch gesprächiger macht das Trinken, denn nach viel Essen wird man eher stumm und schläft ein. Von den Kalorien her macht es wiederum keinen Unterschied und Essen ist genauso gesellig. An einen Tisch setzt man dennoch höchstens eine Familie, die ganze Familie am Kneipentisch wiederum wäre für viele aber genau der Grund, doch nicht in die Kneipe zu wollen. Es ist kompliziert, ich kenne das hier zu Hause, warum darf der das und ich nicht? Völlig außer Acht lässt man allerdings die, die schon dürfen, aber noch gar nicht wollen. Die auch nicht demonstrieren wollen, denn sie wollen ja ni…

Brauseboys am 21.5. im Livestream: Auch schon so locker?

Isoliertes Bahnfahren (von Frank Sorge)
Ich fahre mit der Bahn in eine andere Stadt, und das wäre ja sonst nur diese Bemerkung wert, aber es ist Pandemie, da ist nichts so, wie es war. Als ich beim Hauptbahnhof ankomme, schon das erste Verblüffen darüber, dass hier überhaupt Zugbetrieb ist. Klar, ich habe schon eine Fahrkarte gebucht und gehe davon aus, dass alles fährt wie gedacht. Aber das haben auch die gedacht, die irgendwann eine Karte für die Ärzte oder Rammstein gekauft haben. Ich halte es jederzeit für möglich, dass die Fahrkarte in die Luft gekauft war. Der Zug hat immerhin eine halbe Stunde Verspätung, wird mir angezeigt, ein Anker zur Normalität. An der Menge der Fahrgäste liegt es nicht, überlege ich, als ich mir irgendeines der leeren Abteile aussuche, die Schuhe abstreife, die Füße hochlege und meinen 'Komfort-Check-In' mache wie empfohlen Bis Hamburg sehe ich nur zweimal Menschen am Abteil vorbeigehen. Einmal den Schaffner, der auf seinem Gerät sieht, dass ich m…

Brauseboys am 14.5. im Livestream: Viva la Isolation!

Maskiert (von Frank Sorge)
Ich gehe nach unten in den sonnendurchfluteten Kiez, um einzukaufen. Was soll man auch sonst machen? Meine Maske ist in der Jackentasche, gestern habe ich sie erst vor dem Supermarkt angezogen, jetzt lege ich sie gleich auf der Straße an. Sie ist sehr hübsch, muss ich dazu sagen, ein Hipster-Stoff mit symbolisierten U-Bahnstrecken, und was meine Frau näht, ist sowieso immer top. Wenn man mir nahe genug kommt, kann man auch einzelne Stationen lesen: Friedrichstraße, Alexanderplatz. Die Maske ist leicht und man kann gut in ihr atmen. Je weniger jetzt um mich herum noch eine tragen, desto lieber trage ich sie. Sie entspannt mich jeden Tag mehr auf eine Art, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Ich brauche unter ihr keine Mimik, ich brauche keine Gesichtsmaske, wenn ich maskiert bin. Ich kann mal den Mund offenstehen lassen, die Mundwinkel entspannen, die Kiefer lockerlassen. Ein wenig fange ich schon jetzt an zu bedauern, wenn wir damit wieder aufhören. Au…

Brauseboys am 7.5. im Livestream: Kontaktstrom

"Unter der Maske" (von Frank Sorge & Google)

Panik unter der Maske.
Jetzt wissen wir, wer unter der Maske steckt.
Was unter der Maske passiert.
Unter der Maske muss die Ärztin fast schreien.
Atmen unter der Maske kann schwierig sein.

Murmeln unter der Maske.
Unter der Maske des Narren.
Unter der Maske ein Lächeln.
Freude unter der Maske.
Doch ist Ausatmen unter der Maske wirklich gefährlich?

Der Mann unter der Maske.
Unter der Maske des Managers.
Ich verstehe die Beklemmungen unter der Maske.
Schließlich sammeln sich Schweiß, Öl und feuchter Atem unter der Maske.
Unter der Maske des Narzissmus.
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Donnerstag, 7.5.20 / 20.30 Uhr
Facebook Livestream (Öffentlich, Internet)



Die Brauseboys - Lesebühne im Wedding - Kontaktstrom!
Seit siebzehn Jahren jede Woche neue Texte, Betrachtungen, Musik und belebende Heiterkeit, seit Beginn der Isolation im Livestream der Herzen. Das wird auch noch eine Weile so bleiben, entweder trotzdem an anderen Stellen gelockert wird, od…

Brauseboys am 30.4. im Livestream: Voll unter Strom

To-Do-Liste (von Nils Heinrich)

Fast alles abgehakt:



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Donnerstag, 30.4.20 / 20.30 Uhr
Facebook Livestream (Öffentlich, Internet)



Die Brauseboys - Lesebühne im Wedding - Voll unter Strom!
Seit siebzehn Jahren jede Woche neue Texte, Betrachtungen, Musik und belebende Heiterkeit, seit Beginn der Isolation im Livestream der Herzen. Auf jede To-Do-Liste gehören natürlich noch ein paar mehr Dinge drauf, vor allem am Donnerstag. Obwohl die Liste am Donnerstag eigentlich auch sehr kurz sein darf, und wenn wir ehrlich sind, reicht uns ein Punkt: Einschalten! Den Computer und uns, denn wir lesen und singen live und in Farbe auf Facebook. Wir herzen so viel zurück, wie wie wir können.
Ab 20.15 Uhr einschaltbar auf unserer Facebook-Seite, auch ohne Account. Der Livestream wird archiviert und kann später nachgeschaut werden. 
Wer den Eintritt von 8,- Euro (ermäßigt 5,-) zahlen möchte, ist herzlich dazu eingeladen, via Paypal an hutspende@brauseboys.de zu spenden (Paypal-Account von V…

Brauseboys am 23.4. im Livestream: Direkt vom Stromerzeuger

Postgeheimnis (von Frank Sorge)
Wir sollen ein Paket, von dem wir nicht wissen, in der Postfiliale abholen. Der Bote trifft uns nicht an, obwohl wir da sind. Als der Abholzettel durch unseren Briefschlitz gesteckt wird, merke ich das direkt und will in den Flur, den Hineinwerfer schnappen, aber ich höre schon durch die Tür nur noch eilige Schritte die Treppe wieder hinunterrennen. So was Blödes, denke ich, da wünscht man sich fast, nur noch Amazon würde die Post bringen, so weit ist man da schon. Aber was soll ich mich aufregen, vielleicht ist es ein schöner Anlass, mal rauszugehen, es könnte ja noch ein Ostergeschenk sein, das eine Überraschung sein soll. Die Überstellung durch einen Hasen wäre allerdings vielversprechender gewesen. Ich gehe also zur Postfiliale, Tage später, zwei Stunden vor Betriebsschluss, und gehe sofort wieder zurück. In der Filiale selbst ist viel Abstand, aber vor der Tür zieht sich eine eng gedrängte Schlange über den Gehweg, und über den nächsten und übernäc…

Brauseboys am 16.4. im Livestream: Das strömt!

Österlicher Moment (von Frank Sorge)
Es gibt diese Religionen ja nicht erst seit gestern, deshalb sind sie oft gar nicht so von gestern. Ich meine aber nicht Godspots und Online-Predigten, das päpstliche Alleinschauspiel im Livestream, oder dergleichen. Ich stelle es fest, als wir hinter der Kirche mit den Kindern Eier suchen, und zum Feiertag die Orgel spielt. Durch die geöffneten Seitenfenster dringt die Musik nach draußen, einige Menschen sitzen mit Abstand in der Nähe im Hinterhof, um zu lauschen. Ein Lied kennen alle, oder es wurden ein paar Zettel verteilt, jedenfalls singen viele kräftig mit. Das klingt sehr schön. Von meinem Platz bei den versteckten Osternestern sehe ich auch auf die andere Seite der Kirche, durch die Vergitterung schaut ein Obdachloser, der verblüfft den vielen Stimmen in der Luft nachlauscht. Er hat die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, den Schal hoch bis zu den Augen. Ein paar Momente später wühlt er ein Smartphone aus seinem Handwagen und fängt an, eine Au…

Brauseboys am 9.4. im Livestream: Grün, grüner, Gründonnerstag!

Erhaben im Zweifel (von Frank Sorge)
Es gibt bei uns in der Nähe so etwas, das man unter Umständen Spielplatz nennen könnte. Am Rande der Rehberge, umwachsen und beschattet, links und rechts des Weges. Ein paar Holzpilze zum Draufstellen, Balken zum Balancieren, drumherum Sand. Fährt man mit Kleinkindern im Fahrradanhänger daran vorbei, mit Kleinkindern, die man schon eine Wochen mit dem Drinbleiben quält, könnte man für einen Moment auf die Idee kommen, hier Rast zu machen, wenn niemand da ist. Zumal nichts abgesperrt ist, weil es genaugenommen gar nicht so recht etwas abzusperren gibt. Wenn nun diese Kinder auch noch auf die Idee kommen, sich auf die Pilze zu stellen, oder mit einer Schaufel etwas von dem Sand umzugraben, dann wäre das im Zweifel ja vielleicht doch ein Spielplatz. Wenn es bellt, wie ein Hund, wenn es riecht, wie ein Hund, muss man die Katzentheorie vielleicht fallenlassen. Aber Zweifel sind nicht für jedermann, ein unmittelbar hinter den Büschen auftauchender Jogger…

Pandemiewalzer

Pandemiewalzer
zu singen: auf Thomas Koschat "Schneewalzer" (1887)
zu tanzen: allein, auf Abstand oder in häuslicher Gemeinschaft



Immer wieder halt ich an,

denn wir treffen uns im Gang

zwischen Milch und Tiefkohlkost,

du mit Wurst und Schüttelfrost.

Ja, es war im Edeka,

es war voll und wenig da.

Zwischen Truhen tanzten wir,

um‘nander zum Flaschenbier.



Den pan-, de-, mi-, schen Walzer tanzen wir!

Du kaufst Obst, Klopapier!

Beim pan-, de-, mi-, schen Walzer im Ernstfall,

ja, hier im Edeka, da ist heute ein Maskenball!




Und wir eiern draußen rum,

wirken druff oder sehr dumm,

haben Zeit zu unserm Glück,

‘nen Schritt vor und zwei zurück.

Ja, wir tänzeln durch die Stadt

obwohl sie geschlossen hat,

Sound kommt dazu aus dem Stream:

Zappeln wir wie im Berghain drin.



Den pan-, de-, mi-, schen Walzer tanzen wir!

Ich mit Bier, du mit Tier!         [Einkaufen und Gassigehen ist ja erlaubt.]

Beim pan-, de-, mi-, schen Walzer in Berlin

Ja, da bleib’m wir mal drin, weil wir gar…

Brauseboys am 2.4. im Livestream: Streamboys

Dichter als Google (von Frank Sorge)

Auch zum aktuellen Anlass wird die Suchmaschine poetisch tätig, wenn man sie dazu anstiftet. Hier ein kleines Gedicht mit drei Autovervollständigungsstrophen:





~#~#~#~#~#~#~#~#
Donnerstag, 2.4.20 / 20.30 Uhr
Facebook Livestream (Öffentlich, Internet)



Die Brauseboys - Lesebühne im Wedding - Streamboys!
Seit siebzehn Jahren jede Woche neue Texte, Betrachtungen, Musik und belebende Heiterkeit. Jetzt haben wir schon den dritten Livestream vor Augen und begrüßen euch diese Woche wieder live und in Farbe auf Facebook. Wir sind uns sicher, dass es mit euch wieder ein spektakulärer Abend wird, und danken noch einmal sehr herzlich allen Zuschauern der letzten Woche.  Ab 20.15 Uhr einschaltbar auf unserer Facebook-Seite, auch ohne Account. Der Livestream wird archiviert und kann später nachgeschaut werden. 
Wer den Eintritt von 8,- Euro (ermäßigt 5,-) zahlen möchte, ist herzlich dazu eingeladen, via Paypal an ahoi@brauseboys.de zu spenden (Verwendungszweck: Huts…