Donnerstag, 29. Mai 2014

Dienstag, 27. Mai 2014

Brauseboys am 29.5. im Mastul: Freie Felder

Das war mein Wahlsonntag (von Paul Bokowski)

(1) Mutter und Vater auffordern, zu wählen
(1.1) Mutter erklären, was das transatlantische Freihandelsabkommen ist
(1.2) Vater erklären, was das transatlantische Freihandelsabkommen ist
(1.3) Vater auffordern, Mutter zu erklären, was das transatlantische Freihandelsabkommen ist
(1.4) Mutter auffordern, mir das transatlantische Freihandelsabkommen zu erklären
(1.5) Googeln, was das transatlantische Freihandelsabkommen ist
(1.6) Mutter nochmal erklären, was das transatlantische Freihandelsabkommen ist
(1.7) Mutter erklären, dass TTIP keine Partei ist
(1.8) Vater erklären, warum man in Mainz nicht über das Tempelhofer Feld mitentscheiden darf
(1.9) Mutter und Vater auffordern wählen zu gehen

(2) Wählen gehen

(3) Mutter und Vater anrufen und fragen, was sie gewählt haben

(4) Mutter und Vater nochmals auffordern, wählen zu gehen
(4.1) Mutter erklären, warum man in Mainz nicht über das Tempelhofer Feld mitentscheiden darf
(4.2) Vaters Frage ignorieren, was nochmal dieses transatlantische Freihandelsabkommen ist

Donnerstag, 22. Mai 2014

Dienstag, 20. Mai 2014

Brauseboys am 22.5.: Heiße Zeilen

Suchmaschinengedicht: Sonne (von Frank Sorge)

Die Sonne verursacht den Wind.
Die Sonne verursacht den Regen.
Tiefstehende Sonne verursacht Unfall.

Sonne verursacht Chaos.
Sonne macht Strom.
Sonne macht Falten.
Sonne macht glücklich.
Sonne macht schlank.

Immer nur Sonne macht eine Wüste.
Auf deinen Lippe nur Sonne und Salz.
Warum versuchen Insekten nicht
nur Sonne zu fliegen.
Ich will nur Sonne tanken.

(Google-Suchergebnisse: “sonne verursacht”, “sonne macht”, “nur sonne”)

Donnerstag, 15. Mai 2014

Dienstag, 13. Mai 2014

Brauseboys am 15.5.: Lange Nächte

Im fremden Revier (von Frank Sorge)

Zwei Stunden lang sitze ich spontan mit Ingo an einer Bierbank, vor einem Späti an der Panke. Es ist später Nachmittag, ab und zu regnet es, aber uns überdacht eine Markise. Dazwischen Sonnenschein, der uns auf den Tisch scheint. Ich bringe die Flaschen zurück, wir gehen, neben dem Eingang um die schattige Ecke sitzt mittlerweile eine sechsköpfige Gruppe und atmet auf.
"Jetzt können wa endlich auf unsere Banke", sagt einer.
Wir sind im fremden Revier.

Samstag, 10. Mai 2014

ESC-Liedtextkritik: Malta und Fazit 2014

Nach Hause - Malta

Malta macht dieses Jahr einen klassischen Liedtextfehler. Ein Liedbeitrag jedes Jahr setzt mindestens auf die unvergesslichen Zeilen “Komm, wir gehen nach Hause”. Da auch diesem Songschreiber nichts anderes dazwischen einfällt, als gequirlte Chauvie-Scheiße a la “Ich weiß, wie es geht, ich nehm dich in Schutz, ich bau uns was auf” dazwischen zu setzen, fällt es leicht “Geh doch nach Hause” dagegenzurufen. “Willst du mir nah sein, komm mit auf den Ritt” und “Ich geh nicht weg, bis du meinen Namen kennst”, singt er. Ach, geh doch nach Hause.


Fazit:
Ich freue mich nicht darauf, irgendeines der Lieder am Finalabend noch einmal zu hören, es ist ein schlechtes Jahr. Höchstens den niederländischen Trennungssong, der für drei Minuten in dem Spektakel für ein ästhetisches Durchatmen sorgen könnte. Vermutlich der Moment, in dem die meisten mal schnell aufs Klo gehen. Entweder bei “Ruhe nach dem Sturm” (Niederlande), oder bei Norwegens “Ruhiger Sturm”, das aber das Halbfinale nicht überstehen wird. Zu depressiv der Norweger, der bewegungslos mit traurigem Blick von Einsamkeit singt. Mein Fazit für 2014: Keine Innovationen bei Maximalausnutzung von Inhaltsleere, also alles wie immer.

ESC-Liedtextkritik: Übersetzungen der Übersetzungen - Kurzkritik Spanien

Viel wurde in diesem Jahr wieder beklagt, dass die meisten Lieder englisch gesungen werden, und nicht in den Landessprachen. Selbst wenn die Lieder eigentlich in der Landessprache geschrieben wurden, oder “Original” in der Heimat Verbreitung gefunden haben. Italien, Montenegro und Portugal sind offenbar die letzten, die es noch in der eigenen Sprache versuchen. Großbrittanien natürlich ausgenommen. Und Frankreich, weil es bekannterweise nie eine gute Idee für Franzosen ist, englisch zu sprächön oder zu singön. Es gibt dazu mehrere Thesen aus meiner Perspektive:


-Wenn man in der Landessprache singt, verstehen genau nur die den Text, die nicht dafür abstimmen können. Das muss kein Nachteil sein. So ist der französische Text zum Lied “Schnurrbart” so bescheuert, dass sie ihn dankenswerterweise für sich behalten dürfen. Das mit den Bärten kann sogar Österreich besser, siehe Conchita Wurst.


-Wenn man den Text englisch übersetzt, könnten die den Text verstehen, die dafür abstimmen können. Da er aber nicht in deren Landessprache ist, außerdem schnell und mit ungeübter Sprachzunge gesungen, sowie mit Glitter, Bum-Bum und hervorgestreckten Sängerinnenbeinchen überlagert wird, versteht ihn gar keiner mehr. Das muss auch kein Nachteil sein.
-Üblicherweise beurteilt man ein Lied nach Text, Gesang und Begleitung, vielleicht noch dazu, wie die Aspekte ineinandergreifen.
-Durch die beschriebene Sprachverwirrung wird die Bedeutung des Textes weiter irrelevant. Oft ist er es sowieso gewesen, aber es verschärft sich, weil möglicherweise gut beobachtete Inhalte durch Übertragung in abgedroschene englische Pop-Phrasen weiter verdunkelt werden. Oh, Oh, Baby.
-Der Gesang und die Bühnenperformance bedingen sich. Je weniger der Gesang selbst stehen kann, muss der Sänger oder die Sängerin körperlich freigelegt werden, um vom Gesang abzulenken. Eignen sich die Körper der Sänger nicht zum Ausziehen, müssen die Körper der Showtänzer herhalten.
-Der Faktor Musik wird gleichfalls zur Nebensache, es gibt ihn seit Jahren nur noch in den Farben Eurodance-Pop, Maria-Carey-Gedenkgenudel und Kindergeburtstag.


-Logische Folge ist, am wahrscheinlichsten gewinnt ein Lied, bei dessen Entblätterung von Sänger und Sängerin der Pulsschlag des Betrachters etwas mehr steigt. Gute Chancen hätte zum Beispiel der spanische Beitrag, wenn sie (Ruth Lorenzo) das Video 1:1 zur Bühnenperformance umformen würde. Erste Einstellung, die nackigen Füße der Sängerin. Zweite Einstellung, die Sängerin im langen Kleid, das ihren wohl gerundeten Balkon betont, dritte Einstellung, das Dekolleté der Sängerin im langen Kleid im Detail. Vierte Einstellung, vom Regen nassgesprühte Sängerin (das Lied heißt “Im Regen tanzen”) im jetzt viel, viel kürzeren Kleid, die wild mit einem nass gesprühten Tänzer balgt, bei dem es auch ordentlich was zu gucken gibt. Dabei hebt er sie oft in die Luft, um Einstellung fünf, ihr Unterhöschen und die prachtvoll runden Hinterbacken vom hochgerutschten Kleid befreit einmal rundherum drehend zu präsentieren.
Dass hier weder der Text (Zusammenfassung: Tanzen im Regen, tanzen im Regen, wir hören nie auf, im Regen zu tanzen, im Regen zu tanzen, lass es Regen geben, Regen, Regen, tanzen, tanzen), noch die Musik eine Rolle spielen, zeigt sich auch daran, dass der Refrain offenbar musikalisch geklaut ist. Von Dieter Bohlen. Folgerichtig wurde die Sängerin bekannt durch die englische Castingshow Fickfaktor, tschuldigung, X-Faktor.

Donnerstag, 8. Mai 2014

Schwarz un Schmitz


Da Herr Schmitz nicht konnte, kam Frau Schwarz mit Herrn Wienand als Schwarz un Schmitz. So war das, ach quatsch, andersherum: da Herr Schwarz nicht konnte, kam Frau Schmitz mit Herrn Wienand. Der das nächste Mal unbedingt auch seine Jazz-CDs mitbringen sollte, damit ich mein Geld loswerden kann.

Mittwoch, 7. Mai 2014

Gratis-Aktion bis 10.5.: "Degeneration Internet" downloaden

Natürlich ist es wahnsinnig, ein Buch zu verschenken. Trotzdem machen es jedes Jahr hunderttausende zu Weihnachten und anderen Gelegenheiten. In diesem Fall schenken der Satyr Verlag und ich der Netzgemeinde, allen in Netzkultur, Netzpolitik oder Netzpflege aktiven "Netzern" und "Klickern" während Re:publica 14 und Berlin Web Week das E-Book von "Degeneration Internet". Denn es handelt von einem, der ins Netz eingesponnen ist und es eingehend beobachtet hat. Der nie Nerd werden wollte und dann doch "drin" geblieben ist.
Es wurde schon berichtet, dass Menschen nach Lesen des Buchs vom Computer aufstehen und wieder "nach draußen" gehen konnten. Auch ist es für Menschen gedacht, die schon lange denken, sie sollten mal wieder etwas lesen, aber das Internet wäre interessanter. So können sie lesen und sich trotzdem mit dem Internet beschäftigen.

Gerüchteweise ist das E-Book aus technischen Gründen auch noch am 11.5. zum Muttertag verfügbar. Also schenke ich es gleichfalls allen Müttern, die schon immer nicht so genau wissen wollten, was man in diesem Internet eigentlich so macht. Und denen, die ihre Kinder beim Netzgebrauch locker abhängen.

Nebenquest für die Aktion ist das kurzzeitige Erobern der Toplisten der E-Book-Verkäufer. Am Besten geht das, indem das Buch auf jedes lesefähige Gerät der Welt geladen wird, und es durch Bewerfen mit Sternen und Kommentaren möglichst viele lesefähige Köpfe erreicht.

(Amazon) (beam eBooks) (Thalia) (Kobo) ... und weitere Portale.

Dienstag, 6. Mai 2014

Brauseboys am 8.5.: Lieder und Launen

Eurovision-Liedtextkritik:  Richtig falsch - Deutschland (von Frank Sorge)

"Er hat einen Stift in der Hand,
ein Blatt Papier starrt zurück.
Er kann wie ein Mann schreiben,
ein Romanleben, ganz auf Spur.

Vielleicht ein Drama, oder ein Gedicht,
er weiß es immer noch nicht.
Die Zeit tickt im Ohr,
die selige Ruhe ist weg."

Ich habe eine Zigarette in der Hand, neben der Tastatur, ein Bildschirm starrt zurück. Vom deutschen ESC-Beitrag der Sängerin Elaiza hatte ich bisher nichts mitbekommen, lange vorbei die Lena-Zeiten, in denen man nicht daran vorbeigekommen ist. Der arme Poet hier im Lied will jedenfalls etwas schreiben, und weiß nicht was. Der Ärmste. Und nicht nur, dass er sich nicht entscheiden kann, in welcher Form er eigentlich schreiben möchte, er möchte das auch besonders männlich tun. Und fällt besonders männlich in ein existentielles Fragenloch.

"Ist es richtig? Ist es ein Fehler?
Ich kann nicht weitermachen! Du kannst nicht weitermachen!
Wenn du ja sagst ... oder sogar nein,
weißt du nicht, wie und wohin du gehen sollst."

Ich falle gleichfalls in ein existentielles Loch aus Fragen. Worum geht es denn jetzt plötzlich, um Trennung?

"Sie dreht sich um und sieht ihn an,
sie versucht etwas zu fühlen, aber fühlt nichts.
Aber es ist trotzdem schwer, Abschied zu nehmen,
auch wenn man weiß, dass es richtig ist."

Tatsache. Aber warum? Was bedeutet das alles? Das Video ist auch nicht hilfreich, ein Pantomime mimt den armen Poeten, sonst guckt die Sängerin nur streng in die Kamera und presst ihre zunehmend wirren, englischen Zeilen heraus. Vermutlich guckt sie so angestrengt, weil sie sich selbst nicht erklären kann, was sie da eigentlich singt.

"Es ist nicht einfach, sich zu entscheiden,
die eigene Richtung zu finden.
Oh, das Risiko ist hoch,
aber du kannst dich nicht verstecken."

Textlich muss sich der deutsche Beitrag dieses Jahr definitiv verstecken, ganz klein irgendwohin, wo ihn niemand findet. Ihn englisch zu singen, scheint schon die erste Verschleierungstaktik zu sein, damit dem Inhalt niemand folgen kann. Die Pointe scheint darin zu bestehen, dass es, was auch immer, dann doch geht: "Ich kann doch weitermachen! Du kannst doch weitermachen!" Man hätte lieber, sie würden damit aufhören. (Alle Liedtextkritiken hier)

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Donnerstag, 8.5. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Paul Bokowski, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit elf Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Gäste:

Freitag, 2. Mai 2014

2. Mai - Wir hatten Zeit!


Zum zehnten Mal in Folge fand die machtvolle Demonstration zum Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen statt. Das Wetter bot widrige Umstände, entmutigte die geschätzten 200-10.000 Teilnehmer aber nicht, denn gegen eben solche widrigen Umstände wurde demonstriert. Gegen den Zwang zur Lohnarbeit.


Musikalisch eröffnete Jan Papke mit dem Klagelied eines Arbeiters die Demo. Als Ex-Weddinger konnte ich ihn für den Weddinger Block werben und bedanke mich herzlich für seine Teilnahme.


Es war wieder eine sehr kinderfreundliche Demo. Sie müssen auch noch nicht arbeiten, ein seliger Zustand.


Unweigerlich werden sie später aber doch die Fesseln des Lohnerwerbs spüren. Und sie abwerfen, wenn wir es bis dahin nicht geschafft haben sollten.


Die Strecke ging traditionell durch die Schwedter Straße los, dann die Castingallee hoch bis zum Eberswalder. Von dort zu Zwischenkundgebung und Gebet gegen die Arbeit vor dem Konsumtempel (Schön-Schöner-Schönhauser Allee Arcaden). 


Der beständige Nieselregen durchweichte unsere äußeren Hüllen, von innen aber wärmten die kämpferischen Redebeiträge von Falko Hennig und Jürgen Witte auf dem Weg. DJ Jero erhitzte mit einer stimmungsvollen Auswahl Lieder über den Lautsprecherwagen.


Viele staunende Gesichter am Rand, Touristen fotografieren den Zug der Massen.


Vor dem Konsumtempel dann ein Redebeitrag von Jakob Hein und das Gebet.


Doc Schoko spielte vor den Arcaden.


Auf dem Rückweg zum Senefelder Platz habe ich meine Rede zum 2. Mai über die Lautsprecher gehalten und Grüße des Weddinger Blocks übermittelt. Danach las noch Meikel Neid von den Surfpoeten ein Gedicht.


Der nächste 2. Mai kommt bestimmt.

Donnerstag, 1. Mai 2014

ESC-Liedtextkritik: Tanz der Klischees - Dänemark

Das Siegerland des letzten Jahres, wer war das eigentlich, ach ja, die kleine Frau mit der Tischdecke als Kleid, es war Dänemark. Eine Wiederholung ist mit dem diesjährigen Lied jedoch ausgeschlossen, der Sänger Basim bricht nämlich unausgesprochene Regeln. Er nennt sein Lied “Ein Klischee-Liebeslied”, aber das darf er nicht, denn natürlich sind alle Lieder hier Klischee-Liebeslieder. Meta ist immer auch Netzbeschmutzung, man führt nicht einfach Theaterzuschauer hinter den Vorhang. Und wenn, weil man sich dahinter auskennt. Ein erster Blick in den Text:

“Ich traf diese Dame - Dame
und sie sah so heiß aus.
Aber sie war schräg - schräg
alle Zeichen auf Partytime.”

Die Liebe ist ein seltsames Spiel, mit Liebe hat das aber nicht viel zu tun. Nicht mal mit Klischees, aber die kommen ja vielleicht noch.

“Und Kürzlich - kürzlich
fühlte ich mich so komisch, falsch,
so flaky und shaky,
wenn die Sonne untergeht.”

Man wird direkt sauer, da hat jemand einen Meta-Song versprochen, und dann kommt diese unvergesslichen Zeilen dabei heraus:

“Yeah Boom Boom Boom
wenn sie den Raum betritt
pfeifen sogar die Mädchen - pfeifen
Ich weiß, sie ist schwer zu kriegen,
sie ist ein besonderes Mädchen.”

Wie alt ist der Junge da eigentlich, der von Liebesklischees singen will, aber doch so wirkt, als hätte er mit ein paar Jahren Verspätung die Freuden der Selbstbefriedigung entdeckt. Erst fühlte er sich so komisch:

“Es fühlt sich an wie
Skupa duba dabda dididai
Skupa duba dabda dididai”

Dann wie:

“Oh oh oh - hey
Oh oh oh - hey
Oh oh oh - hey.
Noch ein Klischee, Baby.”

Am Schlusspunkt der Wichsphantasie, die hier klischeehaft für Liebe stehen soll, muss Basim dann mangels eigener Erfahrungen Pornobilder und Promis bemühen:

“Wie Katy Perry - so sexy
sie könnte ein glückliches Mädchen küssen.
Schmeckt wie Kirsche - Kirsche,
ja, sie kann dich komplett aufwühlen,

Wolke Sieben - sieben,
das habe ich noch nie gefühlt.
Sie hat mich dem Himmel näher gebracht.
Oh my God - los gehts!”

Auf dem Höhepunkt dann noch ein paar Mal
“Oh oh oh - hey” und
“Skupa duba dabda dididai”
bis zur finalen Ernüchterung:

“Was soll ich tun,
gib mir einen Hinweis.
Noch ein Klischee, Baby,
jetzt fühle ich mich traurig,
ich muss irgendwie zu dir durchdringen.
Ja, genau.”

Was einfach bedeutet, er findet sie geil und konnte sie bislang nicht ansprechen. Zum Glück gibts ja andere Lösungen, sich zwischendurch mal mit etwas Traurigkeit das Mützchen zu kühlen.


ESC-Liedtextkritik: Mama - Belgien

Von Belgien denkt man ja schon einiges, und kann sich noch alles mögliche mehr vorstellen, was man gar nicht denken will. Aber dass der diesjährige Beitrag dermaßen abgebrüht jede menschliche Vernunft in Frage stellt, um Punkte zu machen, ist fast schon bewundernswert. Das Problem ist erst einmal nicht der Text, sondern wer ihn singt. Axel Hirsoux scheint so um die Vierzig zu sein, seine Körperfülle ist beträchtlich. Er hat die Haare über den Geheimratsecken zusammengegelt und hatte aber wegen der Smokingsanprobe vielleicht keine Zeit mehr, sich zu rasieren.

“Ich komme nach Hause,
mein Herz ist gebrochen und ich brauche
behütete Zeit, 
ich brauche deine Liebe. 
Eine Hand, die mich hält, ein Herz, das heilt, eine Stimme, die mir hilft das durchzustehen, durchzustehen…”

An wen wendet er sich wohl, nachdem alles schief gegangen ist? Eine neue Angebetete, eine alte Freundin, ärztliche Hilfeangebote? Alles zusammen, er kehrt zurück zu seiner Mutter.

“Wenn auch die Hoffnung fehlt,
findest du Worte, es besser zu machen, mich besser zu fühlen.
Wenn ich genug habe, oh, wie habe ich es satt,
das Heulen und die Schmerzen, auf dich kann ich zählen, nur auf dich…”

Nur auf dich, only you, schön, wenn das innerfamiliäre Verhältnis so eng ist. Ist ja nichts dabei, für einen großen Mann, Heulen und zurück zu Mami. Das ist auch die neue Zeit, da geht das alles. Und noch viel mehr.

“Und wieder einmal, Mama,
bist du da für mich, Mama,
du bist mein Leuchturm,
meine Schulter, mein Schutz, mein Satellit,
ich bin schwach, du bist schön.”

Wie gesagt, der Text ist nicht das eigentliche Problem, aber dass ihn ein vierzigjähriger Nerd mit Kummerspeck im Smoking singt. Und dann noch in einer Stimmlage, für die selbst Heintje zu alt war. Und zu männlich. 

“Es ist nicht oft genug gesagt worden,
aber du bedeutest die Welt für mich, bist mehr als seelenverwandt
(nämlich blutsverwandt, könnte man schlaumeiern).
Und du solltest wissen, du solltest wissen,
dass ich dankbar und hoffnungsvoll bin, 
eines Tages genauso strahlen zu können…

Vermutlich hat irgendjemand in einer beteiligten Marketing-Abteilung in Belgien nach Genuss von zu viel Starkbier und kosmischer Strahlung bemerkt, dass ja einen Tag später in manchen Euro-Ländern “Muttertag” ist. Das ist unsere Chance, dachte der, und setzte das Unglück in Gang, das zu diesem grotesk misslungenen Beitrag geführt hat. Nur wenn man die Augen ganz fest zumacht, und nicht so gut englisch versteht, ist das Lied einfach nur langweilig.


So, man dachte, das wäre es schon. Nein, ich hab das offizielle Video eines Liveauftritts jetzt fast zuende angesehen. Seine echte Mutter sitzt mit im Publikum, daneben offenbar sein Freund, der großäugig mitsingt. Ihr Mund zittert, und natürlich wird sie auch in Kopenhagen dabei sein. Um ihrem Sohn die Hand zu halten, wenn erwartungsgemäß die Punkte ausbleiben.