Mittwoch, 30. März 2016

Brauseboys am 31.3.: Lesewo, Lesewas

Der Moment der Erkenntnis (von Robert Rescue)

Ich halte meine erste elektrische Zahnbürste in der Hand. Auf der Bürste befindet sich Zahnpasta. Ich weiß, dass ich das Gerät erst einschalten darf, wenn ich die Bürste im Mund habe. Aber in diesem Augenblick habe ich es vergessen. Es ist ja mein erstes Mal. Ein denkwürdiger Moment und eine Riesensauerei.
~#~#~#~#~#~#~#~#

Donnerstag, 31.3. / 20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Paul Bokowski, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit dreizehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen.

Dienstag, 22. März 2016

Brauseboys am 24.3.: Gute Zeiten

Gute Zeit (von Frank Sorge)

Eigentlich wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, dass Außerirdische landen. So nette Außerirdische, die eine Flasche Wein mitbringen. Die beim Abendessen, das nicht aus uns besteht, etwas vorschlagen wie: "Lasst mal die Atome ganz und die Verbrennung sein, wir haben da was Hübsches mitgebracht."
Die beim Kaffee danach vom Universum schwärmen, wie groß, wie bunt, wie erhellend. Die auf die Frage nach Blastern, Photonentorpedos und Lichtsäbeln milde lächeln und erzählen, dass Gewalt keine Lösung gewesen ist. Das Zeug aber durchaus noch in Museen zu besichtigen wäre.
Die ihre Medizinkoffer aufmachen, denn "ihr braucht ja schon ein paar Jahre mehr, um euch ein paar dieser Sterne aus der Nähe anzusehen." Die nach dem Dessert dann die Frage stellen, als was wir uns eigentlich sehen würden? Die uns damit in Verlegenheit bringen, zuzugeben, dass es sich bei uns im einzelnen immer um einen Menschen handelt. Bei allen.
Es wäre eine gute Zeit. Auch zum Überlegen, was wir machen, wenn sie nicht kommen.

Dienstag, 15. März 2016

Brauseboys am 17.3.: Federlese

Ahnung (von Frank Sorge)

Vom Balkon aus beobachte ich eine Seniorin. Sie sieht sich verstohlen um und verteilt Meisenknödel in den Hecken des Mittelstreifens. Das kriminelle Potential im Wedding ist wirklich unglaublich. Sie ist nicht die einzige, wiederholt am Tage lassen hier ältere Damen Kerne und Krümel fallen - wie zufällig. Da ist wohl aus Versehen der Beutel gerissen. Ach, und wenn man schüttelt, fällt ja alles raus. So was aber auch. Die Spatzen und Tauben danken es ihren Versorgern. Mit rosigen Wangen sitzen sie bräsig auf den Zweigen und halten verschämt einen Flügel vor den Schnabel, wenn sie aufstoßen müssen. Ist aber auch lecker, das Zeug.
Nach der Seniorin eine kleine Gruppe Jugendlicher, die die Knödel aus den Hecken fischen und rauchen. Der Lebensraum Mittelstreifen ist vielfältig. Über den Dächern lauern Krähen auf die rundgenährten Zwitschervögel und in der Dämmerung kehren Ratten vor ihren Löchern die Reste zusammen, um daraus Eintopf zu kochen. Frühling lässt sein rotes Absperrband vor der Tramlinie flattern. Der Ersatzverkehr kann kommen.

Donnerstag, 10. März 2016

Mittwoch, 9. März 2016

Brauseboys am 10.3. mit Dan Richter und Johannes Kubin

Was alles noch fertig sein wird, wenn der BER eröffnet (von Frank Sorge)

Der BND mit allen rundum dazugehörenden Straßen, Neubauten und Spionage-Fachgeschäften.
Eine Abluftanlage im Kulturverein.
Ein System für eine reibungslos schnelle Terminvergabe beim Bürgeramt.
Eine Grundrenovierung meines Arbeitszimmers.
Die Klimaerwärmung ist gestoppt.

Meine Kinder können dann laufen, hopsen, springen, paragliden
und Slide-Gitarre spielen.
Das letzte Auto mit Verbrennungsmotor wird aus dem Verkehr gezogen.
Weltfrieden.
Im La Luz stehen feste Lesepulte für ergraute und tattrige Vorleser.
Ich freu mich schon.

Mittwoch, 2. März 2016

Brauseboys am 3.3.: Der Super-Donnerstag

Reisepläne (von Frank Sorge)

Die Kinder brauchen Pässe, wir brauchen einen Termin beim Bürgeramt.
"Wollt ihr nicht lieber auf den Mars fliegen?", fragt Freundin Wenke, "dort braucht es noch keinen Pass, und die Vorbereitungen dürften sich vom Aufwand nichts nehmen."
Wir melden Zweifel an, wie kinderfreundlich es auf dem Mars wäre.
"Bestimmt ähnlich karg wie im Warteraum des Bürgeramtes. Je nach Flugroute oder Wartenummer müsst ihr ohnehin mit der Volljährigkeit der Kinder rechnen, wenn ihr am Ziel seid." Die Schwerelosigkeit würde uns aber die Zeit gewiss nicht lang werden lassen.
Das nächste Mal, beschließen wir, denn die Flüge sind schon gebucht. Im Internet gibt es keine Termine vor Reiseantritt, also probieren wir es telefonisch.
In ungewohnter Effizienz werden wir Sekunden nach dem Anruf mit der hoffnungsvollen Bandansage 'Probieren Sie es später nochmal' wieder aus der Leitung geworfen. Keine Wartemusik, kein nächster Mitarbeiter, der gleich Zeit für uns hätte. Was ist da los? Noch verblüffter sind wir, als nach dem x-ten Versuch doch jemand abnimmt.
"Glückwunsch!", sagt der Mitarbeiter. "Hätten Sie stattdessen Lotto gespielt, hätten Sie jetzt ausgesorgt." Termine hat er nicht, aber einen wilden Rat: "Gehen Sie einfach vorbei. Morgen um 7 Uhr mit Sack und Pack und allen Dokumenten."
"Den Kindern auch?"
"Ja, je mehr, desto besser. Bauen Sie richtig Druck auf! Viel Glück!"
Vor dem Bürgeramt schaue ich wenige Stunden später in den sternenklaren Himmel. Da oben leuchtet er, der rote Planet.