Mittwoch, 30. Januar 2013

Brauseboys am 31.1.: Einsteigen bitte


Die Tram ist aus
Der Straßenbahnfahrer bemühte sich um das richtige Timing seiner Durchsage. Draußen der Ostwind, die Russenpeitsche, die Minusgrade, drinnen der nach Hause strebende Berufspassantenverkehr. Die Straßenbahn hielt an den Osram-Höfen, und fuhr aber nicht weiter. Eine Minute verstrich, und erste Unruhe kam auf. Lief irgendjemand über die Schienen oder blockierte ein Schneemann den Weg? War der Fahrer eingeschlafen, oder hatte er spontan beschlossen, doch lieber Bürofachkraft zu werden und seinen Sessel längst verlassen?
Die ersten sahen unsicher nach draußen, wo nach den ersten Metern die Sicht durch das Schneetreiben schon endete. Würde es hier vorbei sein? Waren die Türen schon eingefroren und hatten die Tram zum eisigen Sarg gemacht? Das war der richtige Moment für den Straßenbahnfahrer, den Piloten zu mimen und eine Durchsage zu machen: “Liebe Fahrzeuge...”, begann er seine Ansprache an die Totgeweihten, “äh.. verdammt, liebe Fahrgäste natürlich.”
In den sich abmildernden Applaus hinein, fuhr er nicht mit der Bahn, aber mit der Rede fort: “Liebe Fahrgäste, das Fahrzeug hat ein technisches Problem."
Ich trat nach draußen und wurde von einer eisigen Faust begrüßt. Mit zugekniffenen Augen schlidderte ich zum Gehweg am Friedhof und schloß mich der Schicksals-Karawane an. Ich sah das Licht des Alhambra-Kinos am Ende des Tunnels, passierte aber noch weit davon entfernt zwei Weddinger mit Hunden am Weg.
“Ey, kiek mal, Kalle, sonst looft hier keen Mensch lang, und jetzt haste hier die janze Tram uffm Weg.”
“Ma wieder keen Hartz IV jekriecht, wa, könnsich keene Bahn mehr leisten”, rief der andere.

Donnerstag, 24. Januar 2013

Dienstag, 22. Januar 2013

Brauseboys am 24.1.: Diverse Dinge


Die Diversität der Dinge
zeigt sich im Großen wie im Kleinen, in eigentlich jedem noch so abseitigen Ausschnitt der Welt. So betrachte ich nun schon jahrelang intensiv die Gläser und Tassen auf meinem Schreibtisch. Täglich kommen welche dazu und andere verabschieden sich für eine Wäsche, Kaffeetassen und -becher, Weingläser, Whisky-Gläser, Milchgläser, Wassergläser, Teebecher, das ganze Sammelsurium. Nach einem Intensivstudium dieses Trinkgefäßeballetts bin ich mir nun sicher, dass nie in diesen Jahren eine Situation die gleiche gewesen ist, und meine begründete Vermutung ist, ich werde auch niemals die exakt gleiche Ansammlung und Anordnung ein zweites Mal antreffen. Nähme man nun noch die Papiere, Geräte, Kronkorken, Tabakpackungen und den ganzen anderen Müll dazu, den aufzuzählen den Rahmen dieses Newsletters sprengen würde, ließe sich gewiss berechnen, dass selbst die ganze Zeit des Universums bis zu ihrem eigenen Ende nicht ausreichen würde, um zufällig einer exakt wiederkehrenden Unordnung meines Schreibtisches ansichtig zu werden.

Donnerstag, 17. Januar 2013

Dienstag, 15. Januar 2013

Brauseboys am 17.1.: Holt uns hier rein


Selektive Wahrnehmung

Da fahre ich anderthalb Stunden mit der Straßenbahn herum, und anderthalb Stunden später ist beinahe alles vergessen. Sicher wurden ein paar Vermerke in die passenden Schubladen sortiert, dass es hier an der Ecke einen neuen Laden gibt, dort eine neue Baustelle und hier einen neuen Anstrich. Aber die Gesichter sind längst gelöscht, die Situationen und Sitzplätze, morgen dann schon sind sie ganz verschwunden. Nur eines bleibt mir heute in Erinnerung, die aussteigende Rentnerin an der Osloer Straße.
Mitten im Feierabendverkehr hielt ihre volle Straßenbahn, die ich und die vielen anderen Heimkehrer betreten wollten. Sie stand vorn an der Tür und stellte ihren Rollator, einen Frontlader-Hackenporsche sozusagen, blitzschnell auf den Straßenbahnsteig. Sie war sehr klein und begann aber plötzlich ihre Gehhilfe mit so energischen, schnellen und sicheren Schritten die ganze Länge des Wagens Richtung U-Bahn voranzuschieben, dass sie kurz vor den überall herausquellenden Menschen als erste aus dem ganzen Feierabendpulk herausgeflutscht war. Ob sie den Rollator unter den Arm klemmte und dann die Stufen herunterflitzte, konnte ich nicht mehr sehen. Aber da das, was von allem am nächsten Tag bleibt, ohnehin der Phantasie gehört, glaube ich schon jetzt fast schon, ich hätte es noch gesehen.

Donnerstag, 10. Januar 2013

Mittwoch, 9. Januar 2013

Brauseboys am 10.1.: Zurück im Wedding


Neulich im Spätkauf (Folge 438)

"Hi, habt ihr gerade Briefmarken?"
"Ja, Dicker, gerade gekommen. Eine?"
"Ich brauche aber eine 90 Cent."
"Oh, die ham wir gerade nich."
"45 auch nich?"
"Nein, aber ich kann dir dreißig mal drei Cent geben."
"Verlockend."
"Sieht bestimmt cool aus."

Mittwoch, 2. Januar 2013

Auf Nimmerwiedersehen 2012: Endspurt vom 2.-5.1.


BER und kein Ende (von Volker Surmann)
Ob der Flughafen BER wirklich im Oktober 2013 eröffnet, steht in den Sternen. Wir haben in diese Sterne geschaut: Im Oktober 2013 bekommt man den Brandschutz in Griff dank eines hydroaktiven Präventivsystems (dauerhafter Nieselregen im Terminal). Die BER-Eröffnung scheitert trotzdem, weil sich in der Gepäckabfertigung wasserempfindliche Fledermausarten von der roten Liste angesiedelt haben, für die erst ein Ersatzgebäude errichtet werden muss. 2016: Nun soll es ein Brandsonderkommando aus allen abgesetzten Flughafenplanern richten. Bei Feuer kommen diese Heerscharen angerannt und atmen dem Feuer den Sauerstoff weg. 2017: Nachdem das gefeuerte Planungsbüro alle Unterlagen mitgenommen hat, soll nun IKEA weiterbauen, da sind die Bauanleitungen wenigstens gratis dabei. 2022: Der Senat denkt über eine sinnvolle Nachnutzung des Geländes nach. 2028: Das BER-Gelände wird „Bad-Area“ für gescheiterte Großprojekte. Auf den Terminalruinen entstehen die Berliner Zentralbibliothek, das Riesenrad vom Zoo, das Stadtschloss sowie die A100. Als neuer Zentralflughafen Berlins wird Halle-Leipzig ausgerufen.
~#~#~#~#~#~#~#~#
Noch jeden Tag von 2.1.-5.1. /jeweils 20.30 Uhr
Kookaburra (Schönhauser Allee, U2-Rosa-Luxemburg-Platz)

AUF NIMMERWIEDERSEHEN 2012
Nach über zehn schönen Veranstaltungen geht es jetzt in den Endspurt. Noch vier Mal kicken Paul Bokowski, Hinark Husen, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning das Jahr 2012 aus der Zeitgeschichte – es stand sowieso ständig im Abseits. Das Begleitbuch ist im Berliner Satyr Verlag erschienen.

Für weitere Infos schaut auf unsere Presse-Seite: www.brauseboys.de/presse.htm
Oder in die aktuelle zitty, zu der wir eine Doppelseite beisteuern durften.
Noch gibt es letzte Karten, aber es wird eng, reserviert gleich über: www.comedyclub.de