Mittwoch, 30. November 2016

Brauseboys am 1.12.: Leselichter

Gerecht ist nichts (von Frank Sorge)

Noch schnell Kuchen für den Nachmittag kaufen. Vier Stück abgezählt für die Familie muss reichen, überlege ich beim Warten. Na, vielleicht noch ein Spritzgebäck für unangekündigten Besuch, den Heiland, den Paketboten oder Außerirdische. Man muss immer vorbereitet sein.
Hier im Traditionsbilligbäcker drängeln sich oft ältere Herrschaften vor, ist mir aufgefallen. Heute eine Seniorin, hinter mir rein in den Laden, schnurstracks irgendwie zum Seitentresen. Dann dumm rumstehen und bald einen Ausfallschritt in die Schlange machen. Heute aber ist das Personal aufmerksam: 'Wer war dran?', ruft die Backfee demonstrativ und winkt mich heran.
'Vier Stück Kuchen', bestelle ich, 'Mohn, Kirsch, Streusel und Bienenstich.' Ein Glück bin ich an sie geraten, denke ich, bei ihrem jungen Kollegen braucht es keine vordrängelnden Rentner, um überholt zu werden. Unter einer halben Stunde geht da nichts und Scharen von Kunden ziehen abgefrühstück vorbei, während der noch das Einwickelpapier faltet. Vielleicht ist die Seniorin ja vor allem darauf erpicht gewesen, ihn zu überspringen und nicht mich. Sie steht in meinem Rücken, vermutlich rot vor Scham.
'Ach, hier beim Kirsch, dit is ja so schmal, da jeb ick Ihnen noch dit von der Kante mit, okay?"
"Ja, klar, danke schön", sage ich, dann läuft die Generosität etwas aus dem Ruder.
"Oh, hier bei dem Streusel auch, mach ick Ihnen dit andere noch dazu, ja?"
"Äh, gern, ich wollte dann eigentlich noch einen Spritzkuchen."
"Einen? Und uneigentlich? Ick hab hier noch zwee Alte, die lege ick ihnen einfach drauf, ja? Wat weg is, is weg."
Ich muss wirklich sehr hungrig aussehen. Aber warum lächelt die Bäckerin immer so über meine Schulter?
Doch alles Show für die Dränglerin. Zuhause wird die klagen: "Da hat sich so ein junger Mann vorgedrängelt und dann hat der auch noch so viel umsonst bekommen." Mir soll es recht sein. Mit zwei großen Tüten Eckstücken, Mängelexemplaren und Probierhäppchen trete ich den Heimweg an.
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Donnerstag, 1.12. / 20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit dreizehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Mittwoch, 23. November 2016

Brauseboys am 24.11.: Es ist soweit

Noch nicht (von Frank Sorge)

Wir wissen: Kinder sind Armutsrisiko, Karrierebremse, Streitpunkt und Scheidungsgrund. Zudem Heulsusen, Mimosen, Nervenbündel und Schreihälse, auch rein körperlich äußerst widerborstige Keimschleudern, Dreckspatzen, Nasenbohrer, Hosenscheißer. Ferner machen sie graue Haare, und ihr Drängen nach Aufmerksamkeit hat die Gravitationswirkung schwarzer Löcher auf das Individuum, das fortan im Schatten seiner selbst, aufgesaugt und zerrieben, 'Eltern' genannt wird. Aber es gibt auch positive Dinge 'auf der anderen Seite'. So sind sie zum Beispiel ganz schön niedlich. Man kann sie lustig am Bauch kitzeln, wenn sie zu frech werden.
In diesen Tagen verpasst man durch die frühen Vögel auch die spektakulären Berliner Sonnenaufgänge nicht. Gemeinsam starrt man versonnen auf den orangerot leuchtenden Himmel hinter dem Kirchturm, ein glühendes Wolkenmeer. So hätte man sich das immer vorgestellt, sage ich ihnen, wenn die Apokalypse naht und das Jüngste Gericht abgehalten wird. Ist es schon so weit? Nein, jetzt erstmal Frühstück.
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Donnerstag, 24.11. / 20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit dreizehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 


Mittwoch, 16. November 2016

Brauseboys am 17.11.: Verhüllungen

Irgendwer ist es immer (von Frank Sorge)

Als ich den Kinderwagen vor der Kita abstelle, warnt mich ein türkischer Vater: "Musst du aufpassen, ja? Sind mir schon zwei geklaut worden."
"Oh, tatsächlich?"
"Ja" beteuert er, "zwei Stück. Das sind die Bulgaren hier, weißt du? Würd' ich aufpassen, ja? Die Bulgaren klauen alles so."
Es dauert alles noch sehr lange mit uns Erdenbewohnern, denke ich.
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Donnerstag, 17.11. / 20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit dreizehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Andrés Atala-Quezada

Dienstag, 8. November 2016

Brauseboys am 10.11.: Auch für Schlitzohren

Entertainment (von Frank Sorge)

Vor ein paar Monaten schon belauschte ich zwei, naja, Halbstarke in der S-Bahn. Halbschwach hätte auch gepasst, denn sie waren eher dünn und blass, junge, weiße Männer um die Volljährigkeit, womöglich Auszubildende. Sie unterhielten sich über den US-Wahlkampf. "Ich hab mir da alle mal auf YouTube angeguckt", sagte der eine, es ging noch um die Auswahl der Kandidaten, "total langweilig, nur der eine ist lustig."
Als wäre das eine Kategorie, auf die es ankäme, dachte ich und hörte wieder weg. Aber offenbar kam es auf sie an, wenigstens hier in der Ferne. Schlimmer aber, dachte ich nach, dass sich noch mehr Menschen überlegen werden, wie sie auf diese Art 'lustiger' werden können. Bei diesem Gedanken schauderte mir etwas, das sage ich gern frei von der Leber, ihr Schlitzaugen.
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Donnerstag, 10.11. / 20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit dreizehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Dienstag, 1. November 2016

Brauseboys am 3.11.: Mit Speis und Trank

Fotogruß aus Fürstenberg (von den Brauseboys)


Wenn solche harmonischen Fotos von uns auf Reisen gemacht werden, kann das Jahresende nicht fern sein, das traditionell Fixpunkt unserer kosmischen Bestrebungen ist. Nach intensiven Planungen im Brandenburgischen ist unser Jahresrückblick 'Auf Nimmerwiedersehen 2016' jetzt intensiv geplant. Wieder war es nicht leicht, denn es ist ja ein Jahr gewesen wie kaum ein anderes. Wenn nicht sogar wie kein anderes. Bald gibt es neue Informationen zum Programm, derweil die Spielplanseite des Kookaburra schon einen Termin als ausverkauft meldet. Mannomann, schnell rum so ein Kartenverkauf. Jan Koch vertritt hier am Tisch Robert Rescue, der aus optischen Gründen das Foto machen musste. Danke an das Restaurant für den Fisch, und den Fischen selbst natürlich auch.