Donnerstag, 30. Mai 2013

Marion Pfaus


Marion Pfaus war als Rigoletti im ersten Jahr der Brauseboys zu Gast, volle neun Jahre später konnten wir sie endlich einmal wieder begrüßen, was wir sehr begrüßten. Derzeit ist sie aktive Initiatorin von "humboldt 21" mit dem Ziel des Rückbaus des Berliner Stadtschlosses.

Mittwoch, 29. Mai 2013

Brauseboys am 30.5.: Was zu hören

Döner um 12 Uhr (von Frank Sorge)

Der Döner zum Mittag ist ein Genuss, den man nur im Berufsleben zu schätzen lernt. Als Student hat man um die Zeit alternativ die Mensa oder schläft noch zwei Stunden weiter, als Schüler ist man noch in der Schule, als Arbeitsloser hat man noch nicht genug Hunger um die Zeit, ideal ist der Mittagsdöner aber für alle mittelständischen Berufe und für Angestellte. Im Gegensatz zur Kantinenmahlzeit, die sich gerne zu einer ganzen Pausenstunde auswächst, ist der Mittagsdöner mit 15 Minuten Speisezeit ein vergleichsweise kurzes Vergnügen, bietet aber zu dieser Zeit ein Höchstmaß an Frische und Qualität. Legt man auf eine ausgedehnte Pause wert, sollte man lieber in ein verschlafenes Restaurant am Wegesrand gehen, wenn aber genügend Ideen für die weitere Verwertung der gewonnenen Zeit bestehen, garantiert der Mittagsdöner einen straffen Zeitplan.
Man unterschätze außerdem nicht, was für einen Einfluss ein ausgeschlafener Dönerverkäufer auf die Zubereitung hat. Der Mittag ist für viele Imbisse das Kerngeschäft des Tages, so dass hier besondere Sorgfalt auf alles gelegt wird. Die franst im Laufe des Tages gemeinsam mit der Konzentration der Dönerverkäufer aus.
Während meiner Zivildienstzeit bot der Imbiss direkt an der Kirche in Lankwitz-Kirche einen unglaublich ausgefeilten Mittagsdöner. Denn das Brot wurde hier selbstgebacken, pünktlich um die Mittagszeit herum dampften die kleinen Fladen und sie wurden mit auf den Punkt gegrillten Fleischschnipseln und frischer Petersilie bei großem Andrang und mit großem Jubel der berufstätigen Masse dort gefüllt. Ein einziges Mal war ich nach Feierabend dort, das schöne Brot war schon aus, das andere pappig, das Fleisch trocken, ich konnte kaum glauben, im selben Imbiss zu stehen.

Donnerstag, 23. Mai 2013

Mittwoch, 22. Mai 2013

Brauseboys am 23.5.: Illuminationen


50 Jahre Actionfilm (von Frank Sorge)

Tolle Landschaft.
Piff, Paff.
Die scharfe Frau mit den langen Beinen.
Piff, Paff.
Peng, Peng.
Die scharfe Frau mit den langen Beinen zieht etwas aus.
Peng, Peng.
Peng, Peng.
Boom.
Was trinken.
Piff, Paff.
Boom.
Boom.
Das Kleid der scharfen Frau mit den langen Beinen zerreisst, sie ist in Gefahr.
Piff, Paff.
Peng, Peng.
Boom.
Der Endgegner hält ein Messer an den Hals der scharfen Frau mit den langen Beinen.
Piff, Paff, Piff, Paff.
Peng, Peng.
Peng, Boom.
Boom, Boom.
Tolle Landschaft.
Die scharfe Frau mit den langen Beinen lehnt sich an die Schulter des Helden.
(Keine Hochzeit.)

Samstag, 18. Mai 2013

Eurovision Songtext-Kritik 7: Malta


Gerne habe ich wieder auf die Texte des Eurovision Song Contest geschaut, den man am Besten in diesem Moment gemeinsam mit der Lesebühne "Lesershow Wedding" gucken sollte. Hier der Abschluss meiner diesjährigen Songtext-Kritiken.

Malta - Morgen ist auch noch ein Tag

Bei all dem Liebesgestammel, mit dem die Beiträge beim ESC uns quälen, ist man froh über jeden Text, der ein bisschen anders ist. Der Beitrag von Malta ist so ein Kandidat, denn hier wird eine kleine Geschichte erzählt, ganz von von außen betrachtet.

Seine Name ist Jeremy,
er arbeitet in der IT-Branche.
Hat nie hinterfragt, warum
er schon immer so ein
extra-vorsichtiger Typ gewesen ist.
Sensibel und scheu,
Risikobewertung ist seine Investition
in ein Leben ohne Überraschungen.

Puh, das muss man erst mal verdauen, die armen Nerds in der IT-Branche. Was für schweren Stoff Gianluca Bezzina hier aufbietet, merkt man beim Hören aber nicht, denn der Sänger ist ein Lächelschleuder, ein Grinsepferd, dem man sich nicht entziehen kann. Er könnte wohl auch singen: “Jeremy überlegt schon etwas länger, einfach mit allem Schluß zu machen. Aber was wird dann mit Mama? Und mit seinem Goldfisch.” Und man würde gute Laune bekommen. Er ist wie Lach-Yoga. Aber auch für Jeremy gibt es Hoffnung, denn jetzt tritt eine Frau in sein Leben. 

Sie hingegen ist spontan,
Unsicherheit ist ihr Credo.
Sie ist schon immer
nie schwarz oder weiß gewesen.
Nur ein kurzes Entzücken,
sie warf einen verheißungsvollen Blick
in seine Richtung.
Eine Auswahl ihres Lächelns.

Leider fällt Jeremy aber darauf rein. Sie macht nur Spaß, und ihm ist es plötzlich ernst.

Er ist ihr zu schnell verfallen,
wir dachten nicht, dass das gutgehen kann.
Weil der liebe, gute Jeremy
seine Gewohnheiten zu sehr schätzt.
Er lebt im Heute,
aber ihr Weg ist das Morgen.
Such also eine neue Richtung,
dann wird es gehen.

Spannend wird es jetzt: Wird Jeremy aus seinem Alltag ausbrechen können? Wird er sie treffen, wird sie ihn wollen? Wir erfahren es nicht und sind enttäuscht. Enttäuscht wie Jeremy, dem sie entglitten ist. Hier der Refrain, den ich bis auf die dritte Zeile sogar ausnahmsweise für recht schön halte. Vermutlich aber war ich schon zu viele Minuten dem Grinsen von Gianluca Bezzina ausgesetzt, seiner eigentlichen Geheimwaffe:

Sie ist wie morgen,
sie ist weit weg.
Sie will nur spielen.
Wie morgen 
ist sie immer
einen Tag voraus.
Immerzu entwischt sie mir,
sie ist nah, und doch stets fern.
Es ist an der Zeit,
ihr hinterherzugehen,
morgen.

Und hier enthüllt sich Jeremys wahres Problem: Prokrastination. Denn wann ist es an der Zeit, ihr zu folgen? Morgen. Und wo ist sie dann schon? Übermorgen.

Eurovision Songtext-Kritik 6: Finnland


In Vorbereitung auf den Eurovision Song Contest, den man am Besten gemeinsam mit der Lesebühne "Lesershow Wedding" gucken sollte, poste ich hier täglich Songtext-Kritiken bis zum Samstag(heute).

Finnland - Ding Dong

Eigentlich wollte ich den finnischen Beitrag übergehen, der “Heirate mich” heißt. Was sollte da auch Überraschendes kommen, Hochzeit kennen wir schon, haben wir schon mal von gehört.

Ich spioniere dich heimlich aus,
trinke Kaffee mit deiner Mutter.
Komme ich meinem Ziel näher?

So weit ist alles normal, und wie man sich das so vorstellt.

Schatz, ich fühl mich wie ein Sünder,
lasse das Essen aus, um dünner zu werden,
wo ist mein Antrag?

Erst bei den nächsten Zeilen beginne ich zu zweifeln, ob das mit der Hochzeit nicht nur eine Verschleierungstaktik ist. Oder irgendein ausgefeilter Brautmoden-Fetisch dahintersteckt?

Ich bin dein Sklave und du mein Meister,
hey, Schatz, jetzt schieß mich endlich.

Heirate mich, ich will deine Bienenkönigin sein,
ich werde dich für immer lieben,
ich mache es für dich, für dich, für dich.

Vielleicht muss man überhaupt in Zweifel ziehen, ob es nur um eine Person geht. Womöglich ist das alles eben doch nur ein versautes Spiel mit gezinkten Karten, ein Rollenspiel? Denn der Orgasmus wird sehr freimütig mehrmals im Lied auch ganz ohne vollzogene Hochzeit zelebriert wird.

Oh, oh, oh, oh, oh, ding dong!
Oh, oh, oh, oh, oh, ding dong!

Einerseits dann will sie die Sklavin sein, eine merkwürdige Rolle für eine Bienenkönigin. Andererseits scheint das, was der Meister dazu zu sagen hat, nicht wirklich eine Rolle zu spielen.

Heute ist der Tag, ich will nicht länger warten.
Wo du dich auch versteckst, ich finde dich sowieso.

Da kann man erst einmal nur “Viel Glück” wünschen. Das Video ist noch eindeutiger, denn der Bräutigam wird entführt, er bekommt Gaffer-Tape auf den Mund, er wird zwangstätowiert, und wenn man Lack und Leder drumherum zusammenrechnet, wird er wohl auch noch ein bisschen ausgepeitscht werden. Aber wenn für die “Hochzeitsnacht” doch noch ein paar mehr Leute gewünscht sind, gebt Bescheid. Langweilig wird die sicher nicht.

Freitag, 17. Mai 2013

Eurovision Songtext-Kritik 5: Kroatien


In Vorbereitung auf den Eurovision Song Contest, den man am Besten gemeinsam mit der Lesebühne "Lesershow Wedding" gucken sollte, poste ich hier täglich Songtext-Kritiken bis zum Samstag.

Kroatien - Der Nukleus der Liebe

Deutlich nüchterner als bei den Griechen reagieren die Kroaten auf schwierige Zeiten. Sich einfach die Birne zukippen, das führt ja zu nichts. Damit bekommt man keine rum. Das muss man schon geschickter anstellen, sechs ordentliche, kroatische Männer in Frack geben hier in ihrem Lied “Elend”, "Leid" oder "Misere" Nachhilfe. Aus Sicherheitsgründen singen sie den Text in der Landessprache, denn er ist eine Kitschbombe, wie ihn die Welt noch nicht gehört hat. Er kann potentiell bei jeder weiblichen Person, die ihn versteht, eigentlich bei jedem, der sich angesprochen fühlt, eine unmittelbare Kernschmelze auslösen. Also Vorsicht, auch bei dieser Übersetzung:

Ich habe kein Gold,
um deine schöne Form zu verehren.
Nur diese meinen beiden Arme,
um dich zu halten und dir Wärme zu geben.

Oh, diese harten Zeiten sind steinig und rau, heute.
Oh, diese harten Zeiten. Der Wein hat aufgehört zu fließen.
Ich habe nur eines, in das ich vertraue:
ein gläubiges Herz aus purer Liebe.

Wer jetzt schon schaudert und leichte Tränen der Verzückung in den Augenwinkeln spürt, sollte die folgende, zweite Strophe unbedingt meiden. Einfach weglassen, überblättern, weghören, und in sicherem Abstand tief durchatmen.

Oh, du, meine liebliche Rose,
mein ganzes Leben werde ich für dich sorgen,
und meinen letzten Brotkanten,
werde ich glücklich mit dir teilen.

Mehr als zwei Strophen gibt es leider nicht, der Refrain über die rauen Zeiten wird dafür ein paar Mal mehr wiederholt. Noch ein oder zwei solcher Strophen würde das Lied allerdings zur ultimativen romantischen Allzweckwaffe machen. In einer gigantischen Staubwolke in Herzform würden wir alle verbrennen.

Donnerstag, 16. Mai 2013

Eurovision Songtext-Kritik 4: Griechenland


In Vorbereitung auf den Eurovision Song Contest, den man am Besten gemeinsam mit der Lesebühne "Lesershow Wedding" gucken sollte, poste ich hier täglich Songtext-Kritiken bis zum Samstag.

Griechenland - Bis der Arzt nicht mehr kommen muss

Schon in den letzten Jahren ist der krisengeplagte griechische Gemütszustand relativ direkt in die Songtexte gesickert, in denen gerne mal etwas angezündet wurde, mit dem diesjährigen Beitrag “Alcohol is free” kommt diese Entwicklung jetzt zu ihrem Höhepunkt. Wie aber soll man Titel und Refrainzeile dieser Trinkerhymne übersetzen, die so politisch unkorrekt das alkoholisierte Steuern eines vollbesetzten Autos durch die Innenstadt verherrlicht? “Alkohol ist umsonst” ist womöglich gemeint, aber viel zu schwach. “Alkohol macht frei” geht dann wiederum etwas zu weit, oder “Alkohol ist Freiheit”. Für das deutsche Gehirn würde ich “Freibier für alle” übersetzen, aber dann sagt man mir vielleicht nach, ich würde allzu frei übersetzen.

Gefangen in stürmischer See auf der Ignatius-Straße,
starke Brisen treiben uns weg von der Küste.

Und sehr schnell will man sich wenigstens anschnallen, wenn der Fahrer mit der Fahne den Wagen immer wieder auf die falsche Fahrspur abdriften lässt. Auch um die weitergehende Orientierung ist es nicht mehr gut bestellt:

Unsere Route mag falsch sein,
überall blinken die Lichter.

Manche Lichter blinken grün, andere rot, völlig egal, das Schiff bleibt auf Kurs Richtung Straßengraben. Erste Halluzinationen stellen sich ein.

In einem endlosen Meer aus gutem, altem Whisky,
Ausgestoßene sind wir, niemand wird uns finden.
Die Erde dampft, alles schwankt.

Und per Eingabe aller Verkehrsminister der Welt, sind dann wenigstens die Folgen des fahrlässigen Fahrverhaltens nicht beschönigt:

Löcher im Kopf und ein Wagen, der sich überschlägt,
wer hat ihm Segel und Räder angebaut?

Vor dem Hintergrund dieser Strophen und den anderen, die einfach weitere Details der volltrunkenen Tour schildern, wie “Alex hatte einen zuviel im Meer der Verkehrslichter” oder “Ein Alkoholtest und ein Verkehrspolizist, die machen uns keine Angst mehr”, wird der Refrain für mich immer schwerer zu übersetzen. Soll es doch heißen, dass nicht der Alkohol umsonst ist, sondern der Tod? “Im Alkohol liegt Freiheit”, vielleicht ist es das. Die Freiheit, mit dem Auto schön über die Kaimauer zu fahren und ins Meer zu stürzen. So hört das Lied auf, “wo hügelabwärts die See beginnt”. Fröhlichen Absturz, die Treuepunkte werden Ihnen gutgeschrieben.


(Das Video ist interessant, weil Thema und Inhalt des Liedes überhaupt nicht visuell aufgegriffen sind. Nicht mal im Promillebereich. Hier eine Fan-Version, wie es eigentlich hätte aussehen können.)

Eurovision Songtext-Kritik 3: Spanien

In Vorbereitung auf den Eurovision Song Contest, den man am Besten gemeinsam mit der Lesebühne "Lesershow Wedding" gucken sollte, poste ich hier täglich eine Songtext-Kritik bis zum Samstag.

Spanien - Doktorspiele

Ein blauer Himmel,
wischt den Sturm weg,
der mein Herz verdunkelt.

Und dann kommst du, mit allem was du hast,
entdeckst mich wie ich bin.

Langsam schwant es mir, eine Ahnung verdichtet sich. Nicht werden die Protagonisten des Eurovision Song Contestes immer jünger, sondern ich werde immer älter. Vielleicht bin ich auch zu abgebrüht geworden, aber es scheint mir doch, das Mittdreißiger-Trio des spanischen Beitrages bräuchte in Liebesdingen überhaupt noch mal einen Schulabschluss: "Komm, ich zeige dir, was ich habe, wenn du mir zeigst, was du hast." Man muss ja auch nichts überstürzen, denn:

All die Hoffnungen
des Lebens liegen vor uns,
das Leben beginnt genau jetzt.

Eine stets optimistische Haltung, gegen die nicht wirklich etwas einzuwenden ist. Aber es gehört auch zum Erwachsenwerden, irgendwann einmal die Wege zu beschreiten, die man vor sich sieht. Die Doktorspiele müssen auch mal Vergangenheit werden.

Du bist das Licht,
das das Universum kreuzt,
du
drängst mich zu fliegen,
mit dir bis ans Ende.

Ich würde vor Allem empfehlen, in Physik vor dem Liebes-Abitur noch einmal etwas Nachhilfe zu investieren. Sonst muss vielleicht doch noch mal einer eine Ehrenrunde drehen. Nicht, dass man später enttäuscht ist, dass man das Ende dieses Universums einfach nicht zu finden in der Lage ist, auch nicht mit Google Maps. 

Lass uns gehen
ohne Angst,
lass uns verkünden, dass die Liebe gewonnen hat,
dass es nun “Ich und du” heißt.

Das hätte Britney Spears auch nicht besser ausdrücken können, damals im Kindergarten. Von der ausgedehnten Pferdchenromantik im offiziellen Video sollte man vielleicht schweigen, auch davon, dass sie am liebsten ein Pferd mit auf die Bühne genommen hätten. Geht es hier womöglich am Ende gar nicht um Liebe zwischen Mensch und Mensch?


Mittwoch, 15. Mai 2013

Eurovision Songtext-Kritik 2: Niederlande

In Vorbereitung auf den Eurovision Song Contest, den man am Besten gemeinsam mit der Lesebühne "Lesershow Wedding" gucken sollte, poste ich hier täglich eine Songtext-Kritik bis zum Samstag.

Niederlande - die Rückkehr der Maya

Lange hätte die Sängern Anouk auf das richtig Lied für den Eurovision Song Contest gewartet, jetzt meint sie offenbar, sie hätte es gefunden. Langsam und gefühlvoll beginnt der Song, mal sehen, welche schöne Stimmung sie für ihren Beitrag inhaltlich gewählt hat:

Isoliert von der Außenwelt,
Wolken haben alles Licht geschluckt.
Ich habe keine Kontrolle mehr, es scheint,
meine Gedanken irren nur noch umher,
wenn ich ohne dich zu leben versuche.

Ja, das könnte die richtige Stimmung für einen ESC-Gewinn sein. Einsamkeit, Dunkelheit, Selbstmordtendenzen. Das ist vielversprechend, da fühlt man sich als Europäer bei einem liebgewonnenen Grundgefühl gepackt, und schunkelt versonnen mit. Da öffnet sich das Herz, wenn auch nur, um gleich darauf stehenzubleiben. Denn der Refrain ist ein echter Knaller. Nostradamus wälzt sich im Grab und pfeift die schöne Melodie mit, und die Maya hören es von der dunklen Seite des Mondes, auf die sie sich vor Jahrhunderten in Pyramidenraumschiffen zurückgezogen haben, und sie satteln die Pferde, um die Erde mit dem Weltuntergang zu überziehen, den sie verdient hat. Zuckersüß singt sie:

Vögel fallen von den Dächern,
aus dem Himmel wie Regentropfen.
Keine Luft mehr, kein Stolz,
Vögel.

Ein wunderschönes Bild des Untergangs, das so oft wiederholt wird, dass man den wenigen Rest dabei ganz überhört. Vielleicht ist ein Liebeslied, und etwas ganz persönliches, aber das einzige, was bleibt, wird dieses sein:

Vögel fallen von den Dächern,
aus dem Himmel wie Regentropfen.

Den Rest kann man sich denken, wie sich die Vögel auf den Straßen langsam stapeln, wie die Kadaver verrotten, die Seuchen kommen, die Geier kreisen, die Wölfe heulen, die Kinder schreien, die Ratten nagen, die Zombies schwanken und sich das Höllentor öffnet.

Vögel fallen von den Dächern,
aus dem Himmel wie Regentropfen.

Und wie Regentropfen fallen uns die Freudentränen aus den Gesichtern, endlich, das Lied vom großen Untergang ist da. Das eindeutigste Zeichen, dass unser Ende wirklich nahe ist, wäre, dass dieses Lied den Eurovision gewinnt. Ich glaube allerdings, wir können in Malmö noch ganz beruhigt sein. Der Kanarienvogel wird noch nicht von der Stange fallen - nicht die Welt, sondern dieses Lied wird gnadenlos untergehen.

Dienstag, 14. Mai 2013

Eurovison Songtext-Kritik 1: Belgien

In Vorbereitung auf den Eurovision Song Contest, den man am Besten gemeinsam mit der Lesebühne "Lesershow Wedding" gucken sollte, poste ich hier täglich eine Songtext-Kritik bis zum Samstag. 


Belgien - Das Ende ist nahe

Man muss sich wirklich Sorgen machen um die sogenannten Benelux-Staaten, wenn man sich die Beiträge des diesjährigen Eurovision Song Contest ansieht. Gut, man sorgt sich insgesamt um die eigene Vernunft, wenn man so leichtsinnig ist, sich den Contest anzugucken. Werden wir diese Menge Glitter in den nächsten drei Minuten überleben, oder wird sie uns blenden? Ist es wirklich eine Tischdecke, die sie da trägt? Auch muss man sich Sorgen machen um die Tänzer, ob man nicht Depressionen bekommt in diesen Kostümen, wenn man am Abend vom Partner oder der Partnerin gefragt wird: Und, wie war die Arbeit?
Luxemburg hat schon vor vielen Jahren das Handtuch geschmissen, was den Song Contest betrifft, die Niederlande haben in den letzten Jahren wenig Glück gehabt, und Mist aufgeboten, und Belgien... ach, Belgien. Du Land der Lustmörder und Kinderschänder. Zerrissen zwischen rechten Nationalflamen und armen Franzosen, die immer abwechselnd zum Liederwettbewerb entsenden. Dieses Mal ist es, glaube ich, wieder ein Franzose, habe aber keine Lust, es zu überprüfen. Der Name des 19-jährigen Sängers ist ohnehin eindeutig: Roberto Bellarosa.
Der eigentlich Fußballer hätte werden sollen, wie seine Brüder, lese ich auf der offiziellen Homepage, und dann doch auf eine andere Spur geriet. Zu wessen Vorteil oder Nachteil ist an dieser Stelle noch nicht ausgemacht. Ballarosa könnte jedenfalls im Spitzensport ein spitze Spitzname sein. Ein Herr Bellarosa beim Song Contest muss natürlich über Liebe singen, aber hier wird nichts an diesem Gefühl beschönigt, die Bellarosa-Brille bleibt im Schrank. Hier wird nicht gesäuselt, hier wird lieber gleich gemordet. Für die Zweifler meiner Interpretation hier die erste Strophe seines Liedes “Liebe tötet”:

Dieser Pfeil traf sie mitten ins Herz und erschütterte sie bis ins Mark,
Und dann fiel sie so tief, wie sie noch nie zuvor tief gefallen war.
Der Schmerz war beinahe unbeschreiblich,
als das Ende näher kam, fühlte sie lebendige Angst.

So muss das sein: Schmerz, unbeschreibliche Angst, das ist genau, was der Täter in diesem Moment vom Opfer erwartet. Das Gefühl, ins Bodenlose zu fallen, kurz vor dem bitteren Ende:

Warten auf das bittere Ende,
gibt mir etwas, das ich fühlen kann.
Weil Liebe tötet, immer wieder.
Liebe tötet wieder und wieder.
Warten auf das bittere Ende,
etwas, das ich überhaupt noch fühle.
Weil Liebe tötet, immer wieder.
Liebe tötet wieder und wieder.

Das ist der Refrain, der mindestens vier Mal wiederholt wird, wieder und wieder zudrücken, bis nicht nur die Liebe erstickt, sondern vor allem die Aufmerksamkeit längst verstorben ist. Dazwischen versteckt ist aber noch eine zweite Strophe, die das Thema fortführt, aber auch eine Lehre für das Leben formuliert: so klar und hellsichtig, wie es nur der wache Verstand eines 19-jährigen erkennen kann.

Da gibt es eine Lektion, die du immer wieder lernen musst:
als direkte Folge des Feuers kommt die Verbrennung.

In anderen Worten: Bloß nicht auf die Herdplatte fassen. So hat es mir meine Mama damals auch gesagt. Vielleicht ist ja wirklich etwas dran. Gleich mal ausprobieren.

Brauseboys am 16.5. im Magna Mata: Mit Currywurst


Was einem so gute Laune bereiten kann (von Frank Sorge)

Mit durchaus schlechter Laune stehe ich an der Straßenbahnhaltestelle, schon wieder Osloer Straße. Hier strömen Weddinger aus allen Himmelsrichtungen zusammen, die Volksstämme der Soldiner und Panker treffen auf durchreisende Malplaqueten, Seemüller und Nauener. Am belebten Nachmittag stehe ich da und rauche eine Zigarette, als eine ältere Frau in meinem Rücken vorbeiläuft und mir "Entschuldigung" zuraunt. Warum erklärt sich erst jetzt, als sie einen Meter hinter mir den Rock rafft und ein belebtes Plätschern erklingt. Vermutlich schirme ich sie sogar etwas ab, aber so breit bin ich längst nicht, die ganze Reihe der Blicke gegenüber und hier auf den Wartesteigen ablenken zu können. Nachdem sie flott eine beachtliche Pfütze hinterlassen hat, lässt sie den Rock wieder fallen und zieht von dannen. Ein älterer Mann neben mir grinst mich an, offenbar will er darüber reden.
"Machen ja Männer auch ständig", sage ich zu ihm.
"Und so ist es fast noch praktischer", sagt er.
Plötzlich aber war die Stimmung aufgeheitert, und mein Himmel wolkenlos.

Donnerstag, 9. Mai 2013

Dienstag, 7. Mai 2013

Brauseboys am 9.5.: Bier, Brause und Bücher


Mann mit Huhn (von Frank Sorge)

An der Osloer Straße stehe ich an der Ampel neben einem Mann, der ein Huhn auf dem Arm trägt. Der Herr wirkt etwas zerzaust, vielleicht gar verwirrt, aber er nimmt die Fürsorgepflicht für das Geflügel ernst. Denn es ist nicht gefroren, gerupft oder sonstwie zubereitet, es lebt. Wenige Zentimeter entfernt brausen Autos und LKWs vorbei, aber er murmelt beruhigend auf das Huhn ein, das den Kopf an seinen Hals schmiegt. Zuerst vermute ich, er würde es direkt zum Kochtopf führen, aber diese zärtliche Anwandlung macht mich skeptisch. Er muss es auch nicht wirklich festhalten, es sitzt auf seinem Unterarm. Der Wedding schaut kurz rüber, dann wird der Kauz mit dem Huhn von der Anonymität der Großstadt verschluckt. Aber er ist hier nicht allein, er hat ein Huhn, und mit dem Huhn hat er auch etwas Dörfliches in der Stadt, sollte er das vermissen. Es wirkt auch nicht so, als bringe er das Tier sicher in seinen Garten, den Zoo, oder seinen Hühnerhof, sondern vermutlich in eine dunkle Hinterhauswohnung ums Eck. Dort setzt er es in der Küche ab, stärkt sich mit einer Scheibe Vollkornbrot und wischt die Krümel vom Schneidebrett runter auf den Boden, so malt es meine Phantasie aus. Das Huhn pickt erwartungsgemäß alles auf und trottet dann rüber ins Wohnzimmer, vielleicht setzt es sich neben ihn, wenn er Fernsehen guckt.

Mittwoch, 1. Mai 2013

Brauseboys am 2.5.: Der Spargel wächst


Arbeiterlied (von Frank Sorge)

Jeden Morgen steh ich auf,
und am Abend geh ich unter.
Schau, dass ich was Schaues kauf,
Schönes macht die Seele munter.
In der Nacht dann träume ich,
und sollte doch längst schlafen.
Und, wenn es geht, versäum ich nicht,
mit Gift mich abzustrafen.
In den Pausen schöpf ich Kraft,
vom Tag mit seinen Flatterdingen.
So hilft, was mir mein Leben schafft,
zugleich es rumzubringen.
Und hab ich einmal nichts zu tun,
fällts mir sehr schwer, mich auszuruhn.