Donnerstag, 30. Juni 2011

Mittwoch, 29. Juni 2011

Brauseboys am 30.6.: Finale im Wedding

Weddinger Gelassenheit V

Es sind wieder die Tage, an denen die Kaugummis schmelzen. Wochen und Monate haben sie auf dem Bürgersteig gewartet, Wind, Regen, Eis und der unablässige Druck der Passanten haben sie hart gemacht. Jetzt aber fällt der Sommer auf sie und erweicht ihnen das Herz. Bringt sie zu neuem Leben, hossa, aus Stein wird Fleisch, die Kruste bricht und darunter glänzt es weiß, warm und zart. Es ist die Zeit, die der Weddinger Vorleser ungeduldigt erwartet hat. Wie ein Kind mit Gummistiefeln den frischen Pfützen zustrebt, reisst er sich von allem los, schnürt die Sandale und  schon ist der erste Flatschen anvisiert. Erst schien der grau wie Elefantenhaut, und hat auch entsprechende Haare, die sprießen, aber die Schwarte bricht und enthüllt den süßen Kern. Wie das flüssige Zentrum eines Karamellbonbons, und was für herrliche Fäden man ziehen kann. 
Erst hier einer und da noch einer, dann das gleiche mit rechts. Und schon ist der Vorleser präpariert für seine liebste Sommerlust: ein paar beherzte Schritte in Schwung und Geschwindigkeit eines Tieftauchers an das Kino heran und eine verklebte Sohle beherzt an die Wand gesetzt. Dann mit Schmackes den anderen Fuß nachziehen, verbliebene Bauchmuskeln anspannen und hoch geht an der Glasfassade Alhambra. Schritt für Schritt, Spider Pig. Und hoch auf dem Kino, da gibts einen Ausblick - hier und da noch ein Gebäude, das höher ist. Das Rathaus, hoch aufs Rathaus, immer an der Wand lang. 
Nur merkt es wieder keiner und im Zweifel hats niemand gesehen. Die einen schieben es auf überspannte Phantasie, eine besondere Shisha-Mischung oder einen Zuckerschock durch das 5% Fruchtsaftgetränk im Sonderangebot. Die anderen waren einfach nicht dabei. 

Donnerstag, 23. Juni 2011

Mittwoch, 22. Juni 2011

Brauseboys am 23.6. im Mastul: Soli-Party

Weddinger Gelassenheit IV

Der Herr Sorge schraubt an seinem chinesischen Moped, der Herr Hausmeister kehrt mit neuem Besen Blütenlaub, und der Herr Nachbar grüßt freundlich beim Heimkommen. Kleines Wortgeplänkel, man lacht. Weddinger Gelassenheit im Hinterhof, in den gelegentlich Sonne fällt. 

Donnerstag, 16. Juni 2011

Pjaers Gerät

Blogger Pjaer beehrte uns mal wieder und brachte ein erstaunliches Gerät mit, mit dem er derzeit offenbar eine Art Liebesverhältnis pflegt. Da ich erst nach längerer Rückschau hier berichte, kann ich nicht mehr genau sagen, ob es ein Eierkocher oder Luftbefeuchter war, oder irgendetwas mit Hirnströmen zu tun hatte.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Brauseboys am 16.6.: Für immer Wedding!

Weddinger Gelassenheit III

Am nächsten Tag scheint die Sonne und ich besuche einen besonders zuverlässigen Hort von Gelassenheit im Wedding, das Freibad Plötzensee. Ein großes Areal mit langem Strand und weiten Wiesen. Und auch einem FKK-Bereich, in dem der Weddinger seine Gelassenheit frei von jedem C & A Textil baumeln lassen kann.
Den ganzen Strand lang wird geplauscht und geplätschert, die Bar spielt Musik und selbst von den wilden Badestellen gegenüber dringt freundliches Murmeln. Ein nackter Mann geht an mir vorbei, der ganze Körper ist mit traurig blickenden Frauenköpfen tätowiert, als hätte er sich jede Freundin des Lebens nicht namentlich, sondern als Porträt aufmalen lassen. Unvermittelt brüllt er über den ganzen Strand: “Ey du Idiot, hör endlich uff, is ja nich zum Aushalten.” 
Womöglich meint er sich selbst, denn er ist in Folge der einzige, der sein Verhalten ändert und ruhig wird. Seine Gelassenheit hat Lücken, unsere ist intakt. 

Sonntag, 12. Juni 2011

Karneval der Kulturen

Eigentlich müsste ich "Karneval 2011" schreiben, denn es gab ja schon so viele, die Unterschiede sind schwer zu sehen. Aber so können zukünftige Generationen der nächsten Jahrhunderte den ungefähren Zeitpunkt der Aufnahme anhand des "Telefons" bestimmen.
Ich hatte Zeit und schwankte zwischen Badesee und Karneval. Aber da alle beim Karneval sind, ist ja niemand am See. Auch ganz schön, wenn mal niemand am See ist wie vor ein paar Tagen, aber wenn dann nun gerade Karneval ist, kann ich ja auch zum Karneval gehen. Der See rennt ja nicht weg.
Kaum war ich angekommen, traf ich Wolf, seinen Bruder und einige Compagneros. Sie hatten große Wodka-Lemmon-Tanks in ihren Rucksäcken, wovon ich mit gut zwei Bechern profitieren konnte. Eine perfekte Spülung für den rechtzeitig verzehrten Börek und eine perfekte Grundlage für eine entspannte Wanderung durchs Getümmel.
Ich wäre bereit für die nächste Hippie-Bewegung, manch anderer offenbar auch.
Wenn man an vorderster Front mittanzt, bekommt man natürlich neben der Aufmerksamkeit auch alle anderen Annehmlichkeiten zu Füßen gelegt. Um für das Weitertanzen ordentlich entspannt zu sein, wird hier fachgerecht ausgeholfen.
Hah, letztes Jahr dachten noch einige jugendliche Gemüter, was sie in "Avatar 3D" gesehen hätten, wäre sicherlich die schrägste aller Welten gewesen. Augen auf für die Wirklichkeit!
Die wird nämlich nicht müde, einen zu überraschen. Hier dasselbe in grün.
Im folgenden unterbrechen wir unser Programm für drei Grazien auf dem Laufrad.
Um den damit locker gelassenen Faden wieder aufzuheben. Es geht doch nicht über die Realität.

Beim Thema "Kopfschmuck" haben die sogenannten Herren der Berliner Schöpfung nämlich, wie deutlich zu sehen ist, auf jeden Fall etwas nachzuholen. Die südamerikanischen Federn sind natürlich gewaltig und legen die Latte ganz schön hoch, da kommt keine Zwiebel auf dem Kopf ran, um Döner zu sein. Wenn ihr versteht, was ich meine. Bei den Frauen sah das mit dem Kopfschmuck schon immer deutlich besser aus, wie auch heute noch.

Und auch für profane Haarbeschmuckung ist der Grad weiblicher Aufwendung Lichtjahre von den üblichen Haargelkapriolen der männlichen Jugend entfernt.

Obwohl sich dann insgesamt natürlich auch immer über Geschmack streiten lässt, ganz generell und so. Bei unbedingter Bewahung der Würde aller Beteiligiten.


Beim nächsten Foto zum Beispiel finde ich die Kleider eigentlich doof, aber was mit ihnen gemacht wird, ist großartig. Wie gesagt, die Becherfüllungen Wodka-Lemmon brachten mich durchaus beschwingt in den frühen Nachmittag.


Irgendwann geht dann aber sowieso alles durcheinander, das große Mash-Up. Die Frau im Gemusterten hat noch Luftschlangen von Silvester im Haar, daneben gibts Flamenco-Rüschen und komische Rosa-Halsträger-Schulterpfannenfreitops.

Aber die Pailette stirbt nicht aus, sie wird immer da sein, sie wird alles überdauern.

Und ab hier war nicht nur ich, sondern auch meine Kamera überfordert. Zu viel Licht.

Die ganzen Reflexionen, und weiter schwankte ich zur Feier der Sonne.

Nach einem kalten Flaschenbier gegen die drohende Austrocknung konnte es wieder farbenfroh weitergehen. Dies hier sind nicht die drei Damen vom Grill, sondern vermutlich einigen Star-Trek-Folgen entflohene Außerirdische, vielleicht auch diese drei griechischen Göttinnen von früher, die heute noch ihr Auswahlspiel mit arglosen Männern betreiben.

Ganz tief drinnen im Weichspeicher kann ich mich noch an den ersten Karneval der Kulturen erinnern, mindestens sehr gut an das Straßenfest auf der Freifläche Anhalter Bahnhof. Dort habe ich Luftballons zwischen einer Handvoll Caipirinha-Ständen verkauft und seitdem jedes Jahr wieder. Seit ein paar Jahren passen den Veranstaltern die Ballons aber nicht mehr ins Konzept. Und mir auch das Ballonverkaufen nicht, obwohl ich es immer gerne gemacht habe. "As time goes by", wie der Casablancaner sagt.


Oft schon hat es geregnet zu Pfingsten, dieses Mal aber nicht.


Ungarn wählte den Schnurrbart als Accessoire, der in diesem Fall hoffentlich aber nicht durch ausdünstende Giftstoffe die allerdings kleidsame Akne verursacht hat.


Für dieses Foto ist es sicherlich unangemessen zu erläutern, dass vermehrtes Schwitzen unter den Achseln bei Sommerwetter durch gelegentliches Armheben in seinen Folgen gedämpft werden kann. Aber sonst müsste ich darüber schreiben, wie sehr mich die anmutige junge Frau mit ihrem Blick umgehauen hat, was ja auch irgendwie unangemessen ist.


Gegen Ende dann zwei lustige Technowagen mit fröhlichem Gewummer, verfolgt von großen Gruppen wippenden Partyvolks mit Caipirinha in den Adern. Hier war die Nebelmaschine in Aktion.


Und als sich am Abend der Nebel lichtete, rollten die letzten Kokosnüsse an den mit Glassplittern bestreuten Straßenrand.



Freitag, 10. Juni 2011

Donnerstag, 9. Juni 2011

Mittwoch, 8. Juni 2011

Brauseboys am 9.6.: Mit alles

Weddinger Gelassenheit II

Gurken sind weiterhin verdächtig, auch wenn sie spanisch sprechen. Im Grunde wie bei Kachelmann ist die Schuldfrage durch Freispruch geklärt, aber der ganze Vorgang kommt einem weiterhin, wie der Berliner mit seinem angeborenen Misstrauen sagt, spanisch vor. Vorläufig unschuldig, aber lange noch nicht rehabilitiert. 
Selbst im Weddinger Alltag, eigentlich ein Bollwerk der fröhlichen Ignoranz gegenüber der Welt, ist die Gemüseangst angekommen.
“Ein Döner bitte.”
“Knoblauchkräuterscharf?”
“Keine Soße bitte.”
“Salat mit alles?”
“Nein, Salat ohne alles.”
“Aber Salat is nich spanisch, ist von türkische Markt.”
“Egal, ein Döner ohne alles.”
“Und ohne Soße?”
“Ja.”
“Okay.”
Unschlüssig stehen wir einen Moment still und atmen die Sekunden.
“Kostet null Euro.”
Ich gebe ihm das Doppelte, dann bin ich wirklich dran und muss eine Entscheidung treffen. 
“Döner?”
“Nein, ein Pide bitte mit Ei und Sucuk.”
Ein guter Plan, denke ich, von Gemüse hat dieses Gericht nur mal von ferne gehört. Beim Verpacken dann schüttet der Dönermann in zuvorkommender Freundlichkeit und Güte als Dreingabe noch ein paar ordentliche Zangen vom Dreigestirn des Lebensmittelterrors dazu: Gurke, Tomate, Blattsalat. 
Ich übe mich in Weddinger Gelassenheit und esse alles auf.
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Donnerstag, 9.6. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

BRAUSEBOYS - WEDDING-WOCHEN im Juni

Der traditionsreiche Themenmonat der Brauseboys mit übertriebenen Huldigungen und völlig überzogenen Glorifizierungen des nun aber ehrlich allerschönsten Bezirks des mittleren Norden Berlins. Neue Texte, Musik und Multimedia mit Paul Bokowski, Hinark Husen, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann, Heiko Werning und Alt-, Ex- und Neuweddinger Gästen. 

Gäste:
Nils Heinrich (war mal Weddinger und Brauseboy)
www.nils-heinrich.de
Christoph Theußl (Weddinger aus Österreich)
www.theussl.de

Freitag, 3. Juni 2011

Thilo erobert den Wedding


Thilo wohnt nur zeitweise im Wedding, aber in den letzten Jahren hat er mehr Leseveranstaltungen hier begründet, als wir Brauseboys zusammen. Sie heißen "Dichter als Goethe", "Und ewig rockt der Bock", "Herr Bock oder Herr Werning laden ein" und "Lesershow Wedding". Und wenn das kein Siegerlächeln ist.

Mittwoch, 1. Juni 2011

Brauseboys am 2.6.: Wedding Wochen 2011

Weddinger Gelassenheit

Ganz plötzlich ist die Kassenschlange im Supermarkt etwas länger geworden, da meckert es schon von hinten. "Nu machen Se dochmal ne zweite Kasse uff, watt solln ditte? Unmöglich is dit." Die Kassiererin blickt auf und sagt: "dann muss ick aba ma nach hinten." Ganz ruhig steht sie auf, öffnet ihre Kassentür und schlendert zu einem Hinterraum,  in dem sie verschwindet. Dann hören wir Sie mit einer fast erotisch jede Silbe auskostenden Stimme eine weitere Mitarbeiterin an die Kasse rufen und beobachten, wie sie bald darauf wieder aus der Tür kommt und gemütlich zur Kasse zurückgeht. Als sie wieder sitzt und sich sortiert hat, die Verstärkung ist noch nicht in Sicht, wirft sie einen verächtlichen Blick in Richtung der Rentnerin am Schlangenende, scannt meine Milch ein und sagt: "Beim Arzt warten se stundenlang, aber hier sollet plötzlich schnell jehn." Das ist die (siehe oben).