Donnerstag, 28. Juli 2011

Martin und Frank

Das Duo hatten wir zufälligerweise schon einmal. Zufällig, weil es sich ja garnicht um ein Duo handelt, sondern um den Liedermacher und "Lesershow Member" Martin Goldenbaum und den Slammer Frank Klötgen. Der baut zur Zeit gerne berühmte Bauwerke aus seinem Bücherstapel zu Hause nach.

Mittwoch, 27. Juli 2011

Brauseboys am 28.7.: Innere Auskehr

Es ist ein Kreuz

Arglos gehe ich an die Haustür, als es klingelt. Denn der Herr Nachbar klingelt gerade oft, um sich wechselndes Werkzeug auszuleihen. Akkuschrauber und Wasserwaage lassen darauf schließen, dass ich nicht daraus schließen kann, was er da baut oder aufhängt. Könnte alles sein, Garderobenhaken, Wandregale oder auch ein Andreaskreuz für Fesselspiele. Oder zum Anbeten natürlich, obwohl ich nicht weiß, ob man den heiligen Andreas per Andreaskreuz anbetet. Und ob dann Verehrer des heiligen Andreas auch an jedem Bahnübergang mit Andreaskreuz zu Andreas beten und ob das nicht gefährlich ist, immer mit gesenktem Blick innere Einkehr in direkter Nähe von Bahnschienen auszuüben. Und freut man sich als Andreas über Andreaskreuze allgemein, so wie ich mich immer freue, in Frankreich zu sein? Na, es gibt ja genug, die man fragen kann. 
Aber es stehen keine Nachbarn vor der Tür, sondern christliche Fundamentalisten. Haben Sie mich also wiedergefunden nach dem Umzug, haben ja eine Weile gebraucht. Die GEZ war jedenfalls vier Jahre schneller. Beide Fundamentalisten sind jung, sehr jung sogar. Sie haben Pickel und große Kulleraugen und wollen vermutlich über Gott mit mir reden. Irgendetwas an mir aber muss sie erschreckt haben, sie reichen mir nur schnell einen Zettel hin und laufen dann etwas überbetont eilig davon. Hätte ich nicht so herzhaft gähnen sollen, mit dem etwas irren, verschlafenen Blick? Hätte ich wenigstens versuchen sollen, meine Haare in ein oder zwei einheitliche Himmelrichtungen zu bändigen? Hätte ich doch etwas mehr anziehen sollen als einen BH meiner Freundin? Oder haben sie die wie für Andreas gekreuzten Samuraischwerter und die leuchtenden Teufelshörner irritiert, die ich für solche Gelegenheiten neben der Tür mit dem Akkuschrauber in Waage angebracht habe? Oder die Strichliste daneben mit den Tabelleneinträgen "Mormon, Jehova, Debitel", auf der ich immer mal wieder zum Spaß Striche mache? 

Donnerstag, 21. Juli 2011

Mittwoch, 20. Juli 2011

Brauseboys am 21.7.: Spinnen und Flöten

Brückensport

Für manche schockierend, mich eingeschlossen, aber ich war gerade eine Stunde laufen und schwimmen. Und es war gut. Vor allem der Körper hat sich gewundert, war aber die ersten zwanzig Minuten einfach zu überrascht, um Einwände zu formulieren. Dann allerdings hatte er gewichtige Argumente parat und legte sie in einer Liste vor: Atemnot, Herzstillstand, Sehnenriß, Muskelschwund, drohende Kernschmelze. Ich legte eine Pause ein, um den Reaktor zu überprüfen, entschied mich wegen der guten Werte aber gegen sofortige Abschaltung und für eine Laufzeitverlängerung. Ganz so schnell konnte ich jetzt noch nicht aufgeben. Und das Ziel lockte, der große Teich, das Plötzenmeer, anderthalb mal außen rum legte ich drauf und gerade noch rechtzeitig glitt ich hinein und kühlte die Brennstäbe. Ach herrlich war das, drumherum stieg Dampf auf, und wenn ich schon drin war, konnte ich ja auch mal hin und her plätschern. Gemütlich schlenderte ich zurück, ein bißchen, weil ich es verdient hatte, und noch viel mehr, weil die Beine jetzt wohl die ganze Woche zu keiner schnelleren Bewegung mehr fähig sein würden. Nach einer halben Stunde am Rechner erschien mir alles im Nachhinein unglaubwürdig, ja geradezu schockierend. Würde es mir wieder passieren und wohin würde mich der Brückensport führen? Würde ich mich nächste Woche beim Iron Man anmelden, die übernächste über den Himalaya sprinten und die überübernächste den Pazifik durchkraulen? 

Sonntag, 17. Juli 2011

Samstag, 16. Juli 2011

Donnerstag, 14. Juli 2011

Mischa im La Luz

Was üppiges Haupthaar betrifft, bedarf es bei unserem zweiten Gast des Abends keine Hilfsmittel. Aber vermutlich schweres Gerät, um sie zu bändigen. Mischa-Sarim Vérollet kennen wir schon von früher aus dem Laine-Art, aber er ist kürzlich zum Neuberliner geworden. Wenn er also nicht gerade ganz woanders ist, wie gerade in Afrika, können wir ihn vielleicht jetzt häufiger in den exotischen Wedding laden.

Mittwoch, 13. Juli 2011

Brauseboys am 14.7.: Lesen vom Blatt

Glasmurmelspiel

Ich gehe in den Supermarkt, dessen Name nicht suggeriert, dass es dort billiger wäre. Und dessen Name nicht sagt, dass man Geld behält, wenn man welches ausgibt. Sondern in den, dessen Name einfach nur sagt, dass der Supermarkt da ist, dass er wirklich da ist und nicht ausgedacht ist. Der nicht online ist oder virtuell, der nicht war und nicht erst sein wird. 
Nicht gehe ich in den Supermarkt, weil er mir gefallen würde. Sogar ging ich nie in einen Supermarkt, weil es mir dort gefallen würde. Wenn ich irgendwo hingehe, wo es mir gefällt, dann ist es gegenüber der Schlucht, die Welten trennt, und auf der anderen Seite gibt es Supermärkte. Vielleicht ging ich gern in den kleinen Edeka damals an der Brunnenstraße, der jetzt ein Bio-Fleischmarkt oder etwas ähnliches ist. Aber auch da erst, als mich alle Mitarbeiter grüßten und ich alle Mitarbeiter grüßte und es also gar kein Supermarkt mehr war. Und ich erkannte, dass die Produkte hier waren, weil die Mitarbeiter nach dem Gruß fragten, was mir denn gefallen würde und was nicht und warum. Und als sie mir gefiel und ich auf dem Pfandbon nie ihren hingekritzelten Namen lesen konnte, und ich mich nie traute zu fragen und sie daher nie wiedergefunden habe. 
Ich gehe dort hinein, in den wirklich vorhandenen Supermarkt, weil ich Abwechslung brauche von all den anderen Supermärkten in der Gegend. Es ist eine Gegend, die sich rühmen kann, fast alle Supermärkte des Spektrums in Laufnähe zu haben. Ich kaufe ein, was mir gefällt und ich finde eine Kasse, an der ich nicht anstehen muss. Ich bekomme eine Murmel dazu, nachdem ich bezahlt habe. "Hier, Ihre Murmel", sagt der Verkäufer und gähnt herzhaft. Ich sage nicht danke, ich sage: "Aha." 
Ich habe den Aufsteller gesehen, die große Murmel-Sammelkiste, den Murmel-Sammelbeutel. Auch erzählte man mir schon von den Murmeln und vor einer Weile schon lehnte ich eine mir zugewiesene Murmel ab. Die aber nahm ich mit, denn ich wollte über sie nachdenken. Ich hatte eine Ahnung, wohin das führen würde, aber ich wollte mich erst versichern. 

Donnerstag, 7. Juli 2011

Tilman Claas

Das Verwirrende an Tilman Claas ist nicht, dass wir zum größeren Teil schon sein Vater sein könnten, sondern dass er schon der zweite Tilman bei uns zu Gast ist, der Tilman mit einem "l" und einem "n" heißt. Und er tritt wohl, wenn ich das richtig erinnere, auch gerne mit zwei anderen Tilmans auf, die auch Tilmans mit jeweils nur einem "l" und "n" im Vornamen sind. Oder nur mit einem Tilman als Tilman und Tilmann. Wie auch immer ist sehr verwirrend, warum eigentlich jeder (ich meine in der Hauptsache mich und die anderen Brauseboys in Pressemeldungen, Newslettern, Blogeinträgen, Setlisten etc. - generell ausgenommen sind vermutlich aber nur Tilmans selbst) zwei "l" oder "n" oder den Tillmann mit alles aufschreibt, es hier also immer zu Fehlern kommt - wenn es ja doch nur welche mit einem "l" oder "n" zu geben scheint?

Mittwoch, 6. Juli 2011

Brauseboys am 7.7.: Jungs ohne Ball

Sommermärchenmädchen

Ach, so schön kann Fußball sein. Es bleibt Fußball, keine Frage, und ich durchschaue den Trick der Veranstalter, mich gleichzeitig mit der Frauenfußball-WM auch für den Fußball einnehmen zu wollen. Was aber nicht klappt, denn der Fußball ist mir egal. Aber der Frauenfußball ist mir nicht egal, jetzt wo ich ihn überhaupt das erste Mal so richtig wahrgenommen habe. Eigentlich ist es ein Schock, weshalb es vielleicht kaum Public Viewing gibt und die meisten die Spiele zu Hause gucken. Denn der Blick in den Fernseher ist ausnahmsweise mal ein Blick in einen magischen Spiegel, flüchtig betrachtet zeigt er, was er immer zeigt. Wenn man genauer hinsieht, ist doch alles anders. Herrlich ist das, die Spielerinnen, die Schiedsrichterinnen, die Kommentatorinnen, die Trainerinnen. Genauso muss sich das anfühlen, wenn man als Frau Männerfußball guckt, jetzt weiß ich, wie das ist. Und auch die Freundin neben mir ist begeistert, vermutlich, weil sie jetzt weiß, wie man als Mann Männerfußball guckt. Es bleibt Fußball und bleibt mir egal, aber die Fußballerinnen entlarven hemmungslos, dass wir die letzten Jahrzehnte ausschließlich Männern dabei zugesehen haben. Es wird sichtbar, weil die Fußballerinnen nichts anders machen als ihre Kollegen, nur der Stadionsound der Fans ist eine gute Oktave höher gestimmt und mit spitzen Schreien durchwoben.