Mittwoch, 27. März 2013

Brauseboys am 28.3.: Boys and Girls

Pragmatisch (von Frank Sorge) 

Die Großmutter meiner Freundin ruft an. Auf ihrem verschneiten Balkon lagert noch Ende März in einen Topf verwurzelt ihr Weihnachtsbaum, der längst in einen Garten verpflanzt werden sollte. “Dann hänge ich jetzt einfach die Ostereier dran”, sagt sie pragmatisch. Eine gute Idee, wie ich finde. 

Dienstag, 19. März 2013

Brauseboys am 21.3.: Zehn Jahre


Wütende Vögel (von Frank Sorge)

Jeden Morgen schalte ich mich ein und setze mich vor den Desktop. Mindestens jeden Mittag. Auf der rechten Seite steht meine automatisch gestartete Glasanwendung, darin ein Programm, das mein Kaffeemaschinenserver in der Küche vorbereitet hat. Ich öffne den Ordner mit den Zigarettenpapieren, lade ordentlich Milligramm Tabak dazu und speichere das Ganze mit einer Filterendung. Dann starte ich die Anwendung mit einer Feuerzeug-App.
Hinter dem Bildschirm dann finde ich die richtige Welt. Denn ich bin eigentlich ein wütender Vogel, und ich bin so wütend auf die Schweine, die Schweine, dass ich mich gegen wackelige Bauwerke werfe, in denen die Schweine hocken, die Schweine. Ich bin eine Druidin mit Zaubersprüchen, die meinen Gegnern die Kehle abschnüren, ich bin ein Sternenimperator, ein Pilot für Kampfroboter. Wenn ich dann arbeite, kehre ich auf meinen Desktop zurück, auf dem sich die Symbole stapeln. Ich lade den Kaffeedatensatz runter und beende die Glasanwendung.
Draußen im Hof zwitschern die wütenden Vögel. Sie meinen es ernst, aber ich fühle mich sicher in meinem wackeligen Bauwerk.

Samstag, 16. März 2013

Mittwoch, 13. März 2013

10 Jahre Brauseboys


Unglaublich! Sensationell! Überirdisch!
10 JAHRE BRAUSEBOYS

Samstag, 6.4. /20 Uhr
Heimathafen Neukölln (Karl-Marx-Straße 141)


Weddings Lesebühne feiert ihr 10jähriges Bestehen und verlässt dafür sogar den angestammten Kiez. Im Neuköllner Heimathafen präsentieren Paul Bokowski, Hinark Husen, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning das Beste und Schrägste aus einem vollen Jahrzehnt Lesebühnenschaffen. Außerdem wird das gleichfalls sensationelle Fanbuch enthüllt. Als Gaststar dabei: der Kabarettist & Brauseboys-Gründer Nils Heinrich.
Karten: Heimathafen Neukölln (030 / 56 82 13 33) www.heimathafen-neukoelln.de

Brauseboys am 14.3.: Fast zehn Jahre


Soziale Unwörter (von Frank Sorge)

Die Nationale Armutskonferenz hat eine Liste von Wörtern veröffentlicht, deren Gebrauch nicht empfohlen wird, um die Lebenssituation armer Menschen nicht auch noch durch stark abwertende Begriffe zu belasten. Es ist eine “Liste der sozialen Unwörter”, darunter zum Beispiel: “die sozial Schwachen”. Denn ob jemand wenig Geld hat, sagt ja nichts über soziale Kompetenz aus, vor allem nicht über soziale Stärken. Andere Wörter der Liste erschließen sich nicht sofort, zum Beispiel “Ehrenamtspauschale”. In den Erklärungen wird darauf hingewiesen, dass das gemeinte Ding eigentlich Ehrenamtseinkommensteuerpauschale heißt oder heißen müsste, weil sie nur erhält, wer auch eine Steuererklärung abgibt. So dass arme Menschen sie nicht erhalten. Das ist tragisch, bzw. nicht in Ordnung, aber warum das Wort Ehrenamtspauschale dadurch zum Unwort wird, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Vor allem im Vergleich zu: Ehrenamtseinkommensteuerpauschale.
Andere Begriffe wiederum kenne ich erst, seit ich die Liste gelesen habe. But’ler etwa, Menschen im Bildungs- und Teilhabeprogramm der Bundesregierung - was auch immer das ist. Dass aber sprachlich auch schon eine feine Trennlinie zwischen “Menschen mit Migrationshintergrund” und “Menschen mit Migrationshintergrund ohne Migrationserfahrung” gezogen worden ist, finde ich erstaunlich perfide. Da ist man nicht nur Opfer, man ist sogar Opfer-Opfer.

Freitag, 8. März 2013

Robert liest heute im Hahn


Freitag, 08.3. /20:30 Uhr
Literaturraststätte Goldener Hahn (Oranienstraße 14a, Heinrichplatz)



Der Goldenen Hahn hat einen festen Platz in der Geschichte der Brauseboys. Unzählige Male trauten sich Boys in den Hahn, um den Kreuzbergern eine Friedensbotschaft aus dem Wedding vorzulesen. Diesmal versucht es wieder einmal Robert Rescue und wird dabei von einem Ortsansässigen begleitet.
Eintritt frei, Hut geht rum.

Donnerstag, 7. März 2013

Mittwoch, 6. März 2013

Brauseboys am 7.3.: Im Licht


Zurück ins Glück (von Frank Sorge)

Ich finde es nur logisch, dass sich Wowereit jetzt dafür stark macht, eine Baumaßnahme zu verhindern und rückgängig zu machen. Vielleicht hat er sich das auch gedacht. Nach dem Flughafendebakel als Aufsichtsratsvorsitzender nahm er sich die ein oder andere Rotweinflasche zur Brust, wahlweise diverse Kannen Kamillentee oder dicke Tüten, um über sich selbst und die eigenen Kompetenzen zu meditieren. Er kam zu dem Ergebnis: Man muss sich auf seine eigenen Stärken konzentieren, auch wenn man vorher dachte, es wären Schwächen. Wenn ich nicht dazu geeignet bin, ein Bauprojekt voranzutreiben, bin ich vielleicht geeignet dazu, welche zu verhindern.
Gleich auf den ersten Moment scheint diese Strategie zu funktionieren, aber man muss ihn vielleicht warnen. Die erste Euphorie sollte ihn nicht verleiten, sich zum Beispiel mit den neuen Selbsterkenntnissen in Stuttgart einzumischen. Auch wenn der S21-Aktivist jetzt vielleicht erkennt, dass Wowereit vielleicht der letzte Strohhalm ist, der noch bliebe. Aber wir brauchen ihn jetzt hier, wenn er schon einmal aus dem Büro ist, sollten wir ihn an die Hand nehmen. Blumenkinder Berlins, greift euch den Kerl an der Hüfte, um mit ihm durch unsere Stadt zu tanzen. Er soll seine neuentdeckten Kräfte frei entfalten können, hier und da am Rand ließe sich gewiss noch etwas finden, das man hervorragend rückgängig machen kann.