Mittwoch, 27. Juli 2016

Brauseboys am 28.7.: Für eine Handvoll Texte

Waikiki Gun Club (von Frank Sorge)

Auf Hawaii gäbe es viele Obdachlose, erzählt die Freundin dort auf einem ersten Spaziergang in Honolulu. Nicht alle seien es hier geworden, mitunter würde man als Obdachloser in anderen US-Bundesstaaten ein One-Way-Ticket zur Anreise bekommen, erläutert sie. Denn es falle eine Todesart definitiv aus: Man könne nicht erfrieren.
Wir passieren einige, wie sie am Abend am Strand campieren, die meisten aber fallen in Einkaufs- und Schlenderstraßen als Werber auf. Sie haben bedruckte Westen des 'Waikiki Gun Club' um, halten ein Schild mit dem selben Aufdruck in der Hand. Vermutlich sollen sie auch Flyer verteilen, an Touristen, die mal mit einer richtigen Waffe schießen wollen, aber eigentlich stehen sie nur stumm für ein paar magere Dollar ihre Zeit ab.
Ich sehe niemanden, der sie anspricht oder sich informiert. Als ich begreife, wer hier wirbt, traurig und zerlumpt in gelb bedruckter schusssicherer Weste, unterdrücke ich den drängenden Impuls, an jeder Station schlaue Ratschläge aus mitteleuropäischer Sicht loszuwerden.

Mittwoch, 20. Juli 2016

Brauseboys am 21.7.: Pokeboys

Mit etwas Glück (von Frank Sorge)

"Spielst du auch Pokemon?"
"Nein, ich hatte Glück."
"Glück?"
"Ich wollte ja, aber keines meiner Geräte wird unterstützt."
"Ach, doof, bzw. glückliche Fügung."
"Ob die Fügung so glücklich war, weiß ich nicht, immerhin eine Fügung. Konnte mir nicht so recht erklären, warum das mit meinem Handy nicht gehen soll und hab in einer ruhigen Minute mal nachgesehen."
"Und?"
"Geht natürlich doch."
"Also spielst du das?"
"Nein, ich hab Glück."
"Nochmal?"
"Wegen der richtigen Pokemons."
"Wem?"
"Na die, die ich letztes Jahr im Virchow gefangen habe. Wenn ich mit denen unterwegs bin, kann ich nicht aufs Display starren. Von zu Hause wiederum macht Pokemon Go nicht so einen Sinn."
"Machen das hier nicht alle Eltern unterwegs?"
"Ja, aber das ist ein Fehler, das ist überhaupt nicht nachhaltig."
"Nachhaltig Pokemon-Spielen klingt merkwürdig."
"Man will doch nicht selbst Pokemon-Spielen, im besten Fall, sondern die Kinder spielen es und man selbst kann was Sinnvolles tun. Dass die Kinder es spielen, kann man aber am Besten verhindern, indem man es selbst spielt."
"Warum?"
"Stell dir vor, du bist acht Jahre alt und siehst auf der Straße einen Fünfzigjährigen an deinem Poke-Stop Bälle abgreifen."
"Okay, ich verstehs, sehr uncool, wenn es die Alten auch spielen."
"Exakt, ein bisschen Glück hatte ich aber doch. Wenn ich beim rauchen das Handy einen Meter vor den Balkon halte, erreiche ich den Stop, ohne dass die Kinder unten es merken."
"Und deine?"
"Die schlafen dann. Diese Zeiten muss man wirklich nutzen."

Dienstag, 12. Juli 2016

Brauseboys am 14.7.: Es ist ein Brauseboy


Willkommenheißung (von Frank Sorge)

Mit Nachwuchs ist es so eine Sache. Das Nachwachsen allein dauert lange. Dann, wenn es überhaupt möglich geworden ist, in die Fußstapfen zu treten, greift erst einmal der Jugendschutz, plötzlich will der Nachwuchs nicht mehr so, wie man es geplant hat, folgerichtig die Rebellion, mit allen Vorwürfen. Man hätte ja so viel Druck aufgebaut über die Jahre, das Vorlesen, so schön es wäre, aber doch keine Herzenssache, eigentlich wäre es immer heimlicher Traum gewesen, Steuern zu prüfen - so hätte man sich jetzt auch heimlich beworben und eine Zusage erhalten. Was nun auch unausweichlich den Umzug nach Fissingen-Trollach mit sich bringen müsse, was das Auftreten auch wegen der Entfernung... Die Retourkutsche dann postwendend, keine Dankbarkeit, verlorene Mühen, weggeworfenes Talent, umgehendes Enterben. Schwenk ins Emotionale, alles nur Projektion, nie geliebt, Tassen fliegen.
Um diesen Vorgang den heranwachsenden Brause-Kindern zu ersparen, und weil wir etwas früher an die Rente denken müssen, als diese volljährig geworden sind, holen wir uns besser jemanden dazu, der von Anfang an mitgewachsen ist. Da muss man dann auch nicht alles erklären. Mit Freude darf ich also verkünden: Ab diesem Donnerstag ist unser Freund und Weggefährte Thilo Bock ein Brauseboy und mit dabei. Nicht nur ist er in allen Jahren häufig bei uns zu Gast gewesen, er hat mit der Zeit seine Vorlesetätigkeit auch immer weiter auf den Wedding ausgedehnt. Hier kennt man ihn 'Dichter als Goethe', als Teil der 'Lesershow' und von anderen Gelegenheiten als witzigen, charmanten Vorleser. Da wir zufällig auch witzige, charmante Vorleser... naja, es passt jedenfalls prima und wir freuen uns sehr. Willkommen, Thilo!

Mittwoch, 6. Juli 2016

Brauseboys am 7.7.: Kurzshow mit EM-Halbfinale

Postkarte aus Island (von Frank Sorge)

Liebes Publikum,
viele Grüße aus Island. Hier ist es landschaftlich sehr schön. Wenn man keine Bäume mag. Auch findet das Wetter behaglich, wer Temperaturen über 10 Grad schon als Zumutung empfindet. Am ersten Imbiss, den wir aufsuchen, gibt es Schafskopf im Angebot. Im Gegensatz zu, zum Beispiel, 'Armen Rittern', die schon allein deshalb keine wirklichen Ritter mehr enthalten, da diese sehr selten geworden sind, deckt sich die blumige Bezeichnung hier wörtlich mit dem, was man auf dem Teller erhält. Alles in Island ist sehr teuer. Man kann sich aber als EU-Bürger mit seinen Quittungen an lange Schlangen am Flughafen anstellen, um das Leid durch rückerstattete Steuern etwas zu mindern. Leider hat man dann keine Zeit mehr, sich hier etwas außerhalb eines Shopping-Centers anzusehen. An einem heißen Sommertag (12 Grad) waren wir am Strand und haben die Isländer dabei beobachtet, wie sie ausgelassen in Badekleidung über den Sand schlenderten. Durch unsere Skibrillen, auch sonst sensorisch gedämpft noch durch Ohrenschützer und Pudelmützen, war dieses Schauspiel einmalig und unwirklich. Mit diesen Begriffen ist dann letztlich auch die ganze Insel recht zutreffend beschrieben.

Bis Bald im Wedding
Frank Achimsson
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Donnerstag, 7.7. / 20 Uhr
Mastul (Liebenwalder Str. 33, nahe Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Paul Bokowski, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit dreizehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen.

ACHTUNG FUSSBALL-EM! Am Donnerstag, 7.7. Kurzshow mit Public Viewing im Mastul. Ab 20 Uhr gibt es ein Vorprogramm, ab 21 Uhr gemeinsames Schauen des Spiels Deutschland-Frankreich (Eintritt frei).

Ab nächste Woche: Alles wieder normal. Fast.