Donnerstag, 30. April 2015

Dienstag, 28. April 2015

Brauseboys am 30.4.: Lesung in den Mai

(Foto: Yola Sornsakrin)

Donnerstag, 30.4. / 20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Paul Bokowski, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit zwölf Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen.

Robert Klages
Karl Neukauf

Eurovision 2015 - Die Sieger stehen fest

Jedes Jahr zur gleichen Zeit machen sich Hundertschaften von Hupfdohlen und Schnuckelhasen bereit für ihren großen Auftritt beim Eurovision Song Contest. Außerdem surft ein Weddinger Vorleser auf die Homepage des Wettbewerbs, um die diesjährigen Liedtexte zu lesen, downzuloaden, zu übersetzen, zu kritisieren. Dieses Mal stehen überraschend schon die Sieger fest: Finnland.

Finnland - Ich muss immer

Es lohnt sich vermutlich schon gar nicht mehr, überhaupt noch Wetten abzuschließen. Die Gewinner sind eine vierköpfige Punkband aus Finnland: Pertti Kurikan Nimipäivät (Pertti Kurikkas Namenstag). Die Besonderheit der Band, die es seit 2009 gibt, liegt in den Behinderungen ihrer Mitglieder. Drei haben das Down-Syndrom, einer ist Autist. Trotz dieser Schwierigkeiten bieten sie nicht nur den bestmöglichen, kontrapunktischen Punk-Sound zum Wettbewerb, sie haben auch den besten Songtext in der Tasche.  "Aina mun pitää" - Ich muss immer.

Ich muss immer aufräumen
Ich muss immer sauber machen
Ich muss immer zum Arzt
Ich muss immer zur Arbeit

Kann nicht zu meinem PC
Kann nicht fernsehen
Kann nicht mal Kumpels sehn

Es ist einfach völlig ausgeschlossen, dass irgendeiner der Glitterpflaumen in diesem Jahr auch nur annähernd einen vergleichbar wahren Text vorlegen kann. 


Der, laut Beitrags-Zusammenfassung aus dem Alltagsleben der Bandmitglieder berichtet, aber, laut mir, aus unser aller Alltagsleben berichtet. Nach diesem Lied mag man keine wohlstandsfeile Klage mehr hören, keinen Phönix aus der Asche flattern sehen, nichts über Herzen aus Athen, kein “Fuck me one more time”, keine Fackeln im Sturm. Der Auftritt wird sein, was der Eurovision noch nie war. Wenn es doch anders kommen sollte, liegt es einzig daran, dass kaum jemand wissen wird, was sie dort singen. Bei genauerem Nachdenken wird das wahrscheinlich doch genau der Grund sein, dass es anders kommt. Schade eigentlich. Mein Rat für uns, die wir die echten Gewinner erkannt haben: Völlig wurscht, wer die nächste Hupfdohle wird.

Ich muss immer zuhause bleiben
Ich muss immer Sachen machen
Ich muss immer was Ordentliches essen
Ich muss immer was Ordentliches trinken

Keine Süßigkeiten für mich
Keine Soft-Drinks für mich
Auch kein Alkohol

Fast jede musikalische Stilrichtung wurde vom Eurovision über kurz oder lang aufgefressen. Alles ist in den Fleischwolf gekommen und kehrt jedes Jahr wieder, wie zusammgenähte Monster Frankensteins. Hier jetzt also Punk, könnte man denken. Aber schon einmal hat Finnland mit Lordi bewiesen, dass es anders geht - und gewonnen. Nach einer Minute vierzig bricht das Lied dann unvermittelt ab.

Ich muss immer mich ausruhen
Ich muss immer schlafen gehen
Ich muss immer aufstehen
Ich muss immer duschen

Aber längst ist alles gesagt und gezeigt und verstanden. Hammer Nummer, 12 Punkte aus jedem Land, so sollte es kommen. Dass sie die Krone mehr als verdient haben, beweist auch, dass sie für den Wettbewerb eine eigene englische Übersetzung, bzw. Version des Textes bereitgestellt haben. Diese Version ist das kryptischste Textwerk, das je hier bereitstand. Für einen englischen Muttersprachler hört sich der Anfang vielleicht ungefähr so an:

Ich bin mach es
Ich bin mach es renne
Ich bin mache es Handsmütze
Ich bin mache es Hostels
Ich bin mache es furzend
Keine kommende Maschine
Nein, es ist Fernsehen

Das ist nicht einfach nur ein Beitrag, das ist brilliant. Für mich steht alles fest.

Donnerstag, 23. April 2015

Dienstag, 21. April 2015

Brauseboys am 23.4.: Blühende Fantasien

Zärtlichkeiten mit Fremden (von Frank Sorge)

Nach einer Pause im Geburtsvorbereitungskurs kommen wir in einen abgedunkelten Raum zurück, in dem alle auf ausgerollten Plastikmatten sitzen. Die Atemübungen nahen. Es gibt kein Entrinnen mehr - werden wir keuchen müssen, werden wir Urschreie ausstoßen müssen, wir wissen es nicht. Nur, dass es peinlich wird, da sind wir uns sicher. Es muss.
Wenige Minuten später liegen wir herum und atmen, Wehen wegatmen, für Entspannung sorgen. Wir flüstern uns ins Ohr, wir streicheln Rücken und Arme. Zwölf fremde Paare, deren Ergebnis intensiver Geschlechtstätigkeit miteinander zunehmend im Weg ist, machen es in einem Raum. Zärtlichkeiten mit Fremden, die Bäuche verhindern Schlimmeres.
Stelle mir vor, wie Geburtsvorbereitungskurse unter Hippies in den Sechzigern und Siebzigern ausgesehen haben könnten: “Fühlen Sie mal den Bauch meiner Frau”, “Fühlen Sie mal den Bauch meines Mannes” oder “Wer möchte noch eine Dammmassage? Ich bin da grad so gut drin”.
Zum Glück kommt es nicht zum Einsatz von Panflötenmusik, wir müssen auch keine schlechten Gefühle in Bergkristalle ableiten. Wir lümmeln hier einfach im Keller eines Krankenhauses rum, hören das schwere Atmen der anderen Paare und fummeln im Dunkeln, nach der anregenden Ansicht medizinischer Schautafeln. Alles kann, aber mehr muss nicht, das finde ich okay in diesem informativen Swingerclub der Nicht-nur-Hormonschwangeren. Manches Paar verfällt ob der eigenen Scham aber doch bald in geniertes Schulkichern. “Lassen Sie es einfach raus, damit es dann auch mal gut ist”, reagiert die Hebamme in einem Tonfall, der mich aufhorchen lässt. Vor solchen Lehrerinnen musste man sich in der Schulzeit besonders in Acht nehmen, denn ihr Pragmatismus war dazu geeignet, dass man plötzlich etwas einsah, was nicht eingesehen werden durfte, und man in Folge jeder Widerstandsfähigkeit und Rebellionskraft verlustig ging. Als das Gekicher und Getuschel weitergeht, zieht sie eine weitere Trumpfkarte: “Ich verspreche Ihnen, das eine, was sie in ein paar Wochen in dieser Situation nicht machen werden - ist lachen!”
Wir atmen, ganz ruhig.

Donnerstag, 16. April 2015

Dienstag, 14. April 2015

Brauseboys am 16.4.: Mit frischer Tinte

Vorbereitung (von Frank Sorge)

Eltern, die noch nicht wissen, was ihnen blüht, eint die spezielle Mischung aus Vorfreude und Angst im Gesicht. Sie können noch nicht sagen, wie es ihnen ergehen wird. Sie ahnen, dass sie auf dreißig Kilometer Dauerlauf vorbereitet sind, aber es mindestens fünfzig werden, und sich nach diesen die Strecke noch auf hunderte Kilometer ausdehnen wird. Tausende?
Wir kommen ein paar Minuten zu spät in den Geburtsvorbereitungskurs und platzen in die Vorstellungsrunde wie eine Fruchtblase. Platsch, da sind wir - alles ganz natürlich. Wir greifen Stühle und reihen uns ein, ein zukünftiger Vater nennt seinen Vornamen, dass es sein erstes Kind wäre und erläutert, dass er keine speziellen Vorstellungen zum Geburtsvorbereitungskurs mitgebracht hat.
Er scheint einem Muster zu folgen, das irgendwo vor ihm gestartet wurde, und das auch die nächsten streng erfüllen. Man muss also den Vornamen sagen, erschließe ich mir, dann, dass es die erste Geburt ist, dann, dass man keine speziellen Erwartungen mitgebracht hat. Die dazugehörende Frau erfüllt das selbe Muster und ergänzt die aktuelle Schwangerschaftswoche.
Kaum haben wir die Jacken abgestreift, sind wir selbst dran - die kursführende Hebamme bietet an, uns erst einmal zu überspringen, aber ich schüttele den Kopf. “Ich bin Frank, das erste Mal Vater und habe keine speziellen Erwartungen an den Kurs mitgebracht.”
Die Hebamme nickt, erst zu mir, dann zu meiner Freundin, ich bin ein Profi in Vorstellungsrunden.
Die künftigen Eltern sind süß, mit dieser speziellen Mischung aus Hormonüberschuss, gespannter Erwartung und vertraulich vertiefter Zweisamkeit. Ich gucke auch regelmäßig in den Spiegel, aber so gut wie dieser hier ist der zuhause nicht.

Freitag, 10. April 2015

Ich habe einen Beruf, ich bin sensibel



Den folgenden Text habe ich am 2.4. bei den Brauseboys uraufgeführt, er ist zum mündlichen Vortrag verfasst. Aber da die Realität ihn gerade akut einzuholen droht und einzelne Politiker allen Ernstes Berufsverbote für Depressive fordern, habe ich mich zur Veröffentlichung entschieden.


Guten Tag. 
Meine Name ist Volker Surmann, und ich war im Jahre 2005 mal wegen einer depressiven Episode in therapeutischer Behandlung. Eigentlich dürfte ich gar nicht vor Ihnen stehen. Denn Bühnenkünstler wurde mit dem Gesetz zum Schutze der Zivilbevölkerung (GzSZ) vom Sommer 2015 als sensibler Beruf eingestuft.
Ich könnte ja jeden Moment eine Waffe ziehen und Sie alle niedermetzeln.

BUH!

Nach §7, Absatz 2 GzSZ dürfen Bühnenkünstler mit indizierten Vorerkrankungen nur noch vor Publiken bis maximal 9 Personen auftreten, darunter keine Kinder, Pflegebedürftige sowie Haustiere mit bis zu vier Beinen.
Bevor ich weiterspreche, müsste also die deutliche Mehrheit von Ihnen den Saal verlassen. Zu Ihrer eigenen Sicherheit. Ich bin ja unberechenbar.
Gut, ich würde auch denken, dass Bühnenkünstler mit dauerhaft weniger als 9 Zuschauern am ehesten Grund zum Amoklauf hätten, aber bitte …
Sie wollen wirklich bleiben? 
Okay. Nach §8, Absatz 3, Satz 1 GzSZ bin ich verpflichtet, Sie darauf hinzuweisen, dass Sie sich ab jetzt auf eigenes Risiko in diesem Publikum aufhalten. Dieser Beschluss ist protokolliert und wurde von der Blackbox mit dem Voicerecorder im Bühnenboden gemäß §29, 2 GzSZ aufgezeichnet.

Es begann nach dem mutwilligen Absturz von Flug Germanwings 4U9525. Mit dem Gesetz zum Schutze der Zivilbevölkerung wurde die ärztliche Schweigepflicht für sensible Berufe gelockert. Seitdem müssen Ärzte und Therapeuten jedwede psychische Gefährdungslagen und Erkrankungshinweise an Behörden und Arbeitgeber melden. Als besonders sensible Berufe wurden natürlich Piloten eingestuft, das war klar, sowie sämtliche in der Personenbeförderung tätigen Menschen: Schiffskapitäne (Francesco Schettino grüßte von der Costa Concordia), Lokführer, Busfahrer, Straßenbahnfahrer sowie Betreiber von Kirmeskarussels. Was kann man da nicht alles anrichten? Eine falsche Lenkbewegung, falsches Tempo zur falschen Zeit. Und natürlich alle Mitarbeiter, die in der Flugsicherheit arbeiten. Und natürlich bei der Streckensicherheit bei der Bahn. Eine falsch gestellte Weiche kann hunderte Menschen das Leben kosten! Und natürlich alle Berufe, die mit Waffenbesitz einhergehen: Polizisten, Soldaten (ausgenommen im Auslandseinsatz), Jäger. Und Berufe, die mit Feuer hantieren: Feuerwehrmänner, Feuerschlucker. Oder anderen hochgiftigen Materialen hantieren: Chemieindustrie, Kammerjäger. Sowie natürlich sämtliche Mitarbeiter in Kernkraftwerken. Nicht auszudenken, ein manisch-depressiver Techniker im Steuerungsraum eines AKWs will einen erweiterten Suizid begehen. 
Dann fiel dem Gesetzgeber der Fall des Altenpflegers ein, der in Delmenhorst mehrere Patienten mutwillig getötet hat. Deshalb wurden auch sämtliches Pflegepersonal sowie alle medizinischen Berufe als sensibel eingestuft. Wer kann leichter ein ganzes Krankenhaus totmachen als ein irrer Arzt oder depressiver Pfleger? Na gut, der Koch womöglich noch, die Uni-Mensa lässt grüßen, womit auch alle Berufe der Lebensmittelzubereitung und -herstellung als sensibel gekennzeichnet wurden. Nicht auszudenken, ein diensthabender Milchmüller von Müllermilch wäre mal suizidal und mischte deshalb einer ganzen Charge Himbeerjogurt etwas Zyankali bei!
Einzig Taxifahrer wurde nicht als sensibler Beruf eingestuft. Die seien eh immer schlechtgelaunt, und wenn da einer ein Großraumtaxi mutwillig vor die Wand führe, wäre das ja über die Verkehrsunfallstatistik erfasst. Die Grünen wollten Autofahren per se als sensible Tätigkeit kennzeichnen, konnten sich aber damit nicht durchsetzen.

Wir haben uns in einer Selbsthilfegruppe zusammengeschlossen.
Heiner war Busfahrer, aber da er nach dem Krebstod seiner Tochter vor neun Jahren mal in therapeutischer Behandlung war, galt er bei der BVG als rollende Zeitbombe. Verkraftet ja nicht jeder so einen Verlust, da will man ja gerne mal einen vollbesetzen Schulbus in die Spree lenken.
Peter war Fernfahrer. Das ist natürlich ein besonders sensibler Beruf. Ein Tanklaster mit 20 Tonnen Acetonperoyd kann ein ganzes Dorf in Schutt und Asche legen.
Chantal war mal Pilot. Er mochte das Fliegen so sehr, dass er sich umoperieren ließ. Die Frauenlobby hatte ja, angeführt von der EMMA, bewirkt, dass die sensiblen Berufsverbote ausschließlich für Männer gelten, schließlich wäre ja noch nie eine Frau als Amokläuferin in Erscheinung getreten.
Dummerweise muss man für eine Geschlechtsumwandlung vorher zu einem Therapeuten, der hat natürlich seine Meldepflicht erfüllt und Chantal bei der Gesundheits-Stabsstelle für sensible Indexberufe, kurz Gesundheits-StasI, angezeigt. Wäre alles kein Problem gewesen, hätte nicht zugleich jemand nachgewiesen, wie viele Frauen schon als islamistische Selbstmordattentäterinnen in Erscheinung getreten waren. Tja, Pech gehabt, Mustafa Chantal. Aber das konnte natürlich niemand riskieren.
Statt nur muslimische Frauen von dieser Regelung auszunehmen, wollte die Bundesregierung voll auf Nummer Sicher gehen. Niemand sollte nachher sagen können, man hätte nicht alles zur vorsorgenden Sicherheit der Bevölkerung getan. Mit der 2. Novelle zum Gesetz zum Schutz der Zivilbevölkerung, Absatz 4, wurde der Islam einfach generell als sensible Vorerkrankung eingestuft.
Dann kam der Abschlussbericht zum Absturz der Germanwings-Maschine heraus. Primäre Schuld träfe den Co-Piloten. Aber der Bericht erwähnte auch, dass der Absturz hätte womöglich verhindert werden können, wenn der Pilot nicht zur Toilette gemusst hätte. Seitdem dürfen Menschen mit Blasenschwäche auch nicht mehr in sensiblen Berufen arbeiten.

In Deutschland herrscht inzwischen Vollbeschäftigung. Allerdings sind 26 Prozent aller Werktätigen dauerhaft krankgeschrieben.

Als Mensch mit psychischer Vorerkrankung oder Blasenschwäche kann man nur noch in sehr wenigen Berufen arbeiten. Als Psychotherapeut zum Beispiel. Aber die werden ja nicht mehr gebraucht, weil natürlich niemand mehr zum Therapeuten geht. Wenn’s einem schlecht geht, schluck man’s halt runter. Wer will schon seinen Job verlieren?

Gutmeinende Ärzte gingen wieder dazu über, einen wie früher statt Depressionen wegen Rückenleiden krankzuschreiben. Das ging eine Zeitlang gut. Doch als immer mehr Kliniken für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Rückenleiden aufmachten, wurde der Gesetzgeber misstrauisch und hat reagiert. Seitdem stehen Rückenleiden auch auf dem Index. Sicher ist sicher. Niemand soll sagen, die Bundesregierung hätte nicht alles zum Schutz der Bevölkerung getan!
So kam Norbert in unsere Selbsthilfegruppe. Er ist Altenpflegehelfer und hatte vor sechs Jahren mal einen Bandscheibenvorfall. Die Arbeitslosigkeit hat ihn völlig aus der Bahn geworfen. Jetzt hat er zum Rückenleiden noch ein „Rückenleiden“ dazu bekommen. Letzte Woche hat er sich umgebracht. Ganz allein. Aber das konnte ja vorher niemand wissen!

Wir haben interne Erhebungen durchgeführt: Die Selbstmordrate unter arbeitslosen
psychisch Vorerkranken ist um 30% gestiegen, unter Blasenschwachen um 50% und bei Männern mit Rückenleiden um 20%. Damit hat das Gesetz zum Schutz der Zivilbevölkerung ausreichend Tote produziert, um Politiker als sensiblen Beruf einzustufen.
Aber uns glaubt ja niemand. Wir sind ja krank.

Donnerstag, 9. April 2015

Dienstag, 7. April 2015

Brauseboys am 9.4.: Schöner verlesen

Besser zum Spezialisten (von Frank Sorge)

Herr Schluppke, Sie sind in diesem Jahr zum Bier-Buddha des Weddings gewählt worden, sind Stichwortgeber und zugleich Maskottchen der "Degentrifizierungs-Bewegung", jetzt außerdem niedergelassener Entrückungsspezialist? Woher nehmen Sie plötzlich die Energie?

Sie meinen, weil ick davor so lange arbeitslos war? 

Das wollte ich nicht andeuten.

Hat nicht jeklappt, aber ejal - klingt allet prima, wat Se da uffzählen, nur Energie brauch ick dafür nich.

Was dann?

Stehvermögen, dicket Fell, klaren Kopp.

Aber geht es bei ihrer neuen Praxis für Entrückung nicht gerade darum, den Kopf zu vernebeln?

So stellen Sie sich dit vor? Dann sollten Se lieber mal vorbeikommen, ick kann ihnen helfen mit die verqueren Ansichten.

Helfen Sie mir vorerst, zu verstehen. Was erwartet mich dort?

Vor allem ne liebevoll bewahrte Kneipe, die sonst hätte uffjeben müssen. Alkohol kriegen Se ooch, wenn Se welchen brauchen, Dartscheibe is noch da, Rauchen jeht, allet wie immer. In erster Linie beschäftigen wir uns aber mit dem Geist in Ihrer Flasche. Manche jehn einfach in irgendeine Kneipe, wennse Kummer haben, sollten aber besser zum Spezialisten. Dit is die Idee.

Hat die Flasche Pfand?

Keene Angst, die kriegen Se zurück, wenn wir mit dem Inhalt fertig sind. Bei Ihnen, sag ich mal so, würde ick bei der Spöttelei ansetzen, die Ihnen so jewisse Freude zu bereiten scheint. Macht keenen Sinn, da sollten Se von abrücken.

Aber ich spotte doch nicht, ich versuche nur, das Interview aufzulockern.

Ick bin locker, wegen mir machen Se dit nich. Für so Fälle ham wir die Inge, die knackt och dit größte Ego.

Fangen Sie schon an, mich zu therapieren?

Ne Therapie brauchen Sie? Hätte ick nich vermutet. Aber sehn Se, ick mach überhaupt nüscht, um sie zu entrücken, dit machen Se einfach so von selbst.

Was sind ihre Öffnungszeiten?

Dienstag bis Sonntag, von 9 Uhr bis 4 Uhr morgens. Montag is Ruhetag, da kommen die meisten.

Donnerstag, 2. April 2015