Freitag, 29. Januar 2010

Donnerstag, 28. Januar 2010

Ich schreibe einen Roman (25)


Das ist sie: Die vielleicht folgenschwerste Unterschrift meines Lebens. Jetzt geht es nicht mehr zurück. Nun bin ich Romancier (i. Druck). *Schluck!*
Zuvor kehrte der Roman-Bumerang ein letztes Mal zurück. Der Korrekturleser hatte zugeschlagen. Mein Job war es, seine Korrekturen zu überprüfen, und alles, was mir dazu noch einfiel, meinem Verleger gestern während eines gut achtzigminütigen Telefonats in seine Satzdatei zu diktieren.
Was man plötzlich recherchiert! Der Korrekturleser meint, Tauben hätten keine "Zehen" sondern "Krallen". Und plötzlich klickt man sich eine halbe Stunde durch diverse ornithologische Wikipedia-Artikel. Aber nein, die Einträge zu "Tauben" und "Vogelskelett" besagen unabhängig voneinander: Die Dinger, die Flugratten unten an den Beinen haben, nennt man tatsächlich "Zehen", drei vorne, eine hinten. "... und aus 'zweikrallige Einbeintaube' machst du bitte wieder 'zweizehige Einbeintaube' ..." - Wie sich mein Verleger dabei fühlte, ist nicht überliefert.
Der Korrekturleser war ansonsten sehr beflissen, extrem ordentlich und medizinisch-psychologisch geschult. Er belehrte mich, dass ein "Katarrh" "eigentlich ne Schleimbeutelentzündung ist"; und wo ich "Unterbewusstsein" schrieb, korrigierte er brav und psychologieterminologisch höchst korrekt auf "Unbewusstes". Aber ich bin jeweils lieber beim alltagssprachlichen Gebrauch geblieben.
Aber sonst hat der Korrektor super Arbeit geleistet, die mir manchmal die schriftstellerische Schamesröte ins Gesicht trieb*. Er hat herausgefunden, dass ich einen Roxette-Titel** zitiere, den es gar nicht gibt. Neben den Satz "Ein paar Momente später standen Yannick und Laura im Flusspferdhaus." schrieb er mit unbestechlicher Logik: "Da stehen sie aber schon das ganze Kapitel." - Oops!
Auch eine wunderschöne Stilblüte hat er neu entdeckt: "Er verhaarte an einer Weggabelung." Offensichtlich wehten ihm Frisuren ins Gesicht, vermutlich ein Föhn-Wind. Ich sollte mich weniger mit Frisörsalon-Namen beschäftigen ...
Nur, was ein "Alien von Tunteigeuze" sein soll, wusste mein Korrekturleser nicht, und die Worte "Binder" (für Krawatte), "Schwatter" (für Farbiger) und "Dönekes" (für Dönekes) kannte er nicht.

Zum Wahnsinnigwerden ist übrigens die neue Rechtschreibung. Nachdem sie verbindlich wurde, habe ich mich immer für sie ausgesprochen. Allein, so ganz genau weiß man ja doch nicht, wofür man da eigentlich ist. Leider weiß das die neue Rechtschreibung selbst nicht so genau. Das, was ich mir mühsam beigebracht habe, ist nämlich schon wieder veraltete, neue Rechtschreibung. Denn was nach Die deutsche Rechtschreibung von Bertelsmann (1999) richtig ist, ist nach der neusten Ausgabe des Duden (2009) schon nicht mehr richtig.
z.B. "kennen lernen"
Alte Rechtschreibung: kennenlernen
Neue Rechtschreibung (1999): kennen lernen
Neue neue Rechtschreibung (2009): kennenlernen
Leider lernt meine Romanfigur viele Leute kennen. Und zu "Small Talk" (neue neue Rechtschreibung) kommt es nie, weil ich doch "Smalltalk" (alte neue Rechtschreibung), aber durchaus noch erlaubt) überzeugender finde. AAARRRGGGHHH!

Mit der heutigen Unterschrift habe ich all das hinter mir gelassen. Juché!

* Was das ist? Eine ungesunde Gesichtsfärbung, die dann auftritt, wenn einem gewahr wird, was für Blödsinn man zu Papier gebracht hat.

** Bevor der geneigte Leser dieses Blogs böswillige Mutmaßungen über meinen Musikgeschmack anstellt: Nein, ich höre selbstredend kein Roxette. Aber eine Romanfigur hört es. Ansonsten hört man in meinem Roman:
Joy Division, Sisters Of Mercy, The Lassie Singers, Michelle, MGMT, Helge Schneider und Andreas Gryphius.

Mittwoch, 27. Januar 2010

Brauseboys am 28.1.: Eiszeiten

Noch mehr Schnee da draußen, noch mehr Minus. Eigentlich müsste ich raus, um Rechnungen zu bezahlen. Aber ehrlich ist es angenehmer, im Warmen zu sein und die Rechnungen nicht zu bezahlen. Ich kann sie ausnahmsweise bezahlen, das ist überhaupt das Ungewöhnliche derzeit. Könnte ich sie nicht bezahlen, wie schon vorgekommen, wäre es nicht so angenehm, im Warmen zu sein und die Rechnungen nicht zu bezahlen. Obwohl rein äußerlich alles genauso ablaufen würde, ich bliebe zu Hause und bezahlte nicht.
Obwohl es also an sich angenehm ist, ärgere ich mich darüber, immer noch kein Homebanking eingerichtet zu haben. Ich kann an dieser Stelle garnicht aufzählen, was ich alles im Internet mache, aber dass ich noch kein Homebanking eingerichtet habe, darf ich überhaupt niemandem gegenüber erwähnen, der ansatzweise weiß, was ich sonst im Internet mache. Besser ist es natürlich generell, niemand wüßte, dass ich Homebanking mache, aber mache ich ja auch nicht.
Ich habe sogar schon der Bank gegenüber die Absicht erklärt, das Homebanking einzurichten, vor vielen Jahren in einem anderen Stadtteil, einer anderen Welt, einem anderen Leben. Dann haben irgendwie die Unterlagen eine Tarnvorrichtung entwickelt oder Beine oder Flügel bekommen, und ich hatte bald mein Passwort vergessen, kurz darauf den Benutzernamen zum vergessenen Passwort auch noch. Genauer kann ich es garnicht mehr konstruieren, unsicher ist dieses Homebanking in meinem Falle jedenfalls nicht. Gibt es das überhaupt noch?
Vor mir selbst habe ich diese Verweigerung öfter damit gerechtfertigt, dass ich (auch noch) mit Homebanking (noch viel) seltener aus dem Haus gehen würde. Wenn ich aber nicht aus dem Haus gehen will, wie jetzt, könnte ich doch das Homebanking gebrauchen, zu dessen Einrichtung ich aber nach so vielen Jahren mindestens einmal doch zur Filiale laufen müsste. Noch mehr Schnee und mehr Minus verhindern es für den Moment.

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Donnerstag, 28.1. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

BRAUSEBOYS

Neue Texte, Musik und Multimedia mit Paul Bokowski, Hinark Husen, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann & Heiko Werning.

Gäste:
Marc-Uwe Kling (Preisgekrönter Kängurukenner)
http://www.marcuwekling.de

Thilo Bock (Dichter als Goethe):
http://www.thilo-bock.de

Samstag, 23. Januar 2010

Donnerstag, 21. Januar 2010

Balou Jeanniques

Ob der Temperaturen zogen wir wieder vorne ins Restaurant, damit es alle gemütlich warm haben. Unser besondere Gast von der Elfenbeinküste und Mitglied der ersten afrikanischene Lesebühne "Freie Feder", Balou Jeanniques, brauchte dennoch seine neu erworbene dicke Jacke, für seinen ersten Berlinbesuch hat er nun gerade wirklich die kältesten Wochen erwischt. In bester Lesebühnentradition brachte er zwei neu geschriebene Geschichten der letzten Woche mit und hoffentlich kann er die Stadt bald wieder besuchen und im Sommer.

Dienstag, 19. Januar 2010

Brauseboys am 21.1.: Neues im Westen

Eine gute Gelegenheit, den Schreibtisch mal aufzuräumen, ist ein neuer Bildschirm. Es ist auch eine Notwendigkeit, denn neuer heißt immer auch größer und seit einigen Jahren vor Allem auch breiter. Da ich zu Beginn des Jahres einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen kann, kann ich auch investieren ohne dabei Rekordschulden zu machen. Sicher wird diese Maßnahme auch mein Wachstum beschleunigen, durch einen erweiterten Blick in die wilden Weiten hinter dem LAN-Kabel.
Draußen schmilzt der Schnee, dann werden endlich wieder die Überholspuren auf dem Gehweg frei. Auf den schmalen gestreuten Streifen hänge ich oft als gehender Sprinter hinter den Schneeschleichern fest, vorbei müsste ich mich hektisch durch die links und rechts aufgeschippten Deiche graben. Und das sieht nicht nur dämlich aus, das sind auch so die Momente, in denen man garantiert ausrutscht.
Vor mir ein Schneeschleicher-Vater mit kleinem Schneeschleicher-Sohn. Der Sohn weist gerade seinen arabischen Vater zurecht, er solle doch bitte Deutsch mit ihm sprechen. So ein klar ausgeübter Integrationsdruck überrascht mich.
"Baba, das wichtigste am Menschen ist das Herz."
"Aber Gehirn ist auch wichtig", wirft der Vater ein.
"Ja, das Gehirn steuert alles", räumt der Sohn ein, "aber weißt du, Alis Gehirn ist so groß."
Er deutet eine Walnuß an.
"Und deins, Baba, ist so groß."
Ungefähr Mandarine.
"Und meins ist aber so groß."
Und die Hände formen eine große Glocke um den eigenen Kopf.

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Donnerstag, 21.1. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

BRAUSEBOYS

Neue Texte, Musik und Multimedia mit Paul Bokowski, Hinark Husen, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann & Heiko Werning.

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Sarah Schmidt (Texte aus West-Berlin)
http://www.sarah-schmidt.de

Balou Jeanniques (Texte aus West-Afrika):
http://www.baloujeanniques.blogspot.com/

Ich schreibe einen Roman (24)

Ein Roman ist wie ein Bumerang. Er kommt immer zum Autor zurück.
Gerade hab ich die zweite Überarbeitung an meinen Lektor geschickt. Nach Rohfassung und erster Überarbeitung ist dies also schon das dritte Mal, dass ich den Roman an meinen Verlag maile. Einmal werde ich ihn noch zurückbekommen. Als Druckfahnen nach dem Fehlerlesen eines externen Korrekturlesers. Ändern darf ich dann nichts mehr, sondern nur noch die letzten Korrekturen absegnen und die Druckfreigabe erteilen.

In den letzten zehn Tagen habe ich mich hauptsächlich mit Grammatik, Stilfragen, Formulierungsalternativen und Detailkürzungen beschäftigt. Frickelarbeit, die irgendwie nach Statistik schreit. Pardon, ich meinte: Frickelarbeit, die nach Statistik schreit. Hier also meine kleine Romanstatistik:

Kapitel: 32, plus 32 andere Sequenzen, plus zweiteiligem Anhang
Zeichenzahl des Romans in der Rohfassung: 426.938
Zeichenzahl des Romans bei Abgabe der 2. Fassung: 451.046
Zeichenzahl des Romans heute (3. Fassung): 442.711
Ersatzlos gestrichene Formulierungen mit "irgend": 46
Umformuliertes "gucken": 31
Gestrichene "noch"s, "auch"s usw.: nicht zählbar

Top 3 meiner Lieblingsstilblüten:
1) "... der Wassergraben plätscherte unhörbar im Dunkeln."
2) "... während er eine Schublade voll Nilpferdmist durch die Gegend schob."
3) "Schweißerlen rannen ihm die Stirn herunter."

Samstag, 16. Januar 2010

Gruß von Nils an den Wedding

Ja, wer ist denn das, der da in die Kamera singt? Es ist unser Ex-Brauseboy Nils Heinrich, der nun schon seit Jahren mit seinen Soloprogrammen herumreist, aber der auch viele Street-Credibility-Jahre über dem Katerstübchen im Wedding gehaust hat. Da uns schon Hinark während des Jahresrückblicks belehrte, dass "chillen" jetzt "hartzen" heißt, hier das passende Lied vom Nils.

Freitag, 15. Januar 2010

Donnerstag, 14. Januar 2010

Mittwoch, 13. Januar 2010

Horizont (Brauseboys am 14.1.)

Nun also liegt es vor uns, das neue Jahr, wie eine frisch gefegte Straße. Und am Horizont weit und breit nur ein einziger Termin in Sicht. Der eine wöchentliche Pfahl als Wegmarkierung in den Dünen der ungewissen Zukunft, der Donnerstag Abend.
Kaum ist es zu sehen, das neue Jahr, schneeverweht. Überdeckt sind die Wege und nur zu erahnen, wir stapfen frischen Spuren hinterher und treten die neuen Straßen breiter. Und plötzlich dort bricht er durch die Wolken in Sicht: der Donnerstag Abend.
Tagelang wolkenverhangen die See und endlos, unsere Schiffe brausen dem Wind nach in unbekannten Gewässern. Dann aber geht er eines Nachts am klaren Firnament auf, diese Leuchtboje der Zivilisation in der barbarischen Wochenflut aus Konsum, Information und Zerstreuung: der Donnerstag Abend.

Dienstag, 12. Januar 2010

Der Wedding bloggt

Das schöne Heimatmagazin "Der Wedding" für die ganze Welt gibt es jetzt auch als Blog. Neue Beiträge werden in unserer Blogleiste links künftig mit angezeigt, auch die nächste gedruckte Ausgabe ist in Arbeit.



Pressestimmen zum aktuellen Magazin:

„Statt Fotostrecken edler Pariser Modeschauen setzen sie etwa auf eine Fotoserie mit Innenansichten türkischer Kulturvereine.“ Tagesspiegel, 11/01/2009

„Die Bilder in der Fotostrecke über die hiesige »restmoderne« Nachkriegsarchitektur kommen mitunter wie ein authentischer Schlag in die Fresse daher.” TAZ , 04/03/09

Mittwoch, 6. Januar 2010

Brauseboys am 7.1.: Heimat, Heimsuchung

Das mit dem alten Jahr wäre also geschafft, Zeit für ein neues voller Horizonte und Perspektiven. Mein Computer begrüßt mich an Neujahr freundlich mit einem Bluescreen - also einem Totalversagen des Systems. Vielleicht hat der Millennium-Bug ja Verspätung, zehn Jahre sind ja nix für ein Jahrtausend. Vermutlich aber liegt es an den Updates, die der Herr PC fleißig und dutzendweise noch auf den letzten Drücker an Silvester verarbeiten musste. Die Vermutung liegt nahe, jemand wollte Arbeit nicht mit ins neue Jahr nehmen und ist ob des Datumsdrucks nachlässig geworden. Dass die letzten Sekunden des Jahres zu Kurzschlussreaktionen im Hirn führen, hat gewiss jeder schon erlebt. Da schmeißt man sich plötzlich an jemandes Hals und auch die inneren Raketen werden gezündet. Wie viele Versöhnungen es wohl schon in diesen Übergangsminuten gegeben hat, wie viele Treueschwüre? Aber natürlich auch Enttäuschungen und bekräftigte Schlussstriche, in wenigen Momenten, die eine ganze Zeitzone an Menschen in Schreckstarre, Gejohle und innerem Feuerwerk teilen. Wir halten uns dieses Mal fest in den Armen am Reichstag, der mit Raketen beschossen wird und erwarten, dass die Flagge davor an gezielten römischen Lichtern sich entzündet.

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Donnerstag, 7.1. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

VOLKER SURMANNS BRAUSEBOYS
"Heimat, Heimweh, Heimsuchung" - Die Vorleseshow zur nagelneuen und gleichnamigen Anthologie, präsentiert von Brauseboy Volker Surmann. Mit Karsten Krampitz (Hrsg. und Bachmannpreisträger des Publikums), Anselm Neft, "Baufresse" Andreas Gläser, Michael-André Werner, Weddingbarde Jan Koch und Volker Surmann.

Ich schreibe einen Roman (23)

Gestern habe ich die Korrekturfahnen des Romans in Empfang genommen. Mannomann! 282 Seiten. Ich staune. Das ist viel! Und der Appendix fehlt noch! Fast ein Schmöker! Yeah, ich bin ein Schmökerschreiber! Keine 160-Seiten-Novelle. Nee, ich bin ein richtiger Schriftsteller!
"Wir kriegen das auch auf 160 Seiten, wenn du willst", sagt mein Lektor.
"Bloß das nicht!", sage ich. Ich will Schmökerschreiber sein.
Dann schlage ich die Fahnen auf. Ui ui ui. Ich bin doch kein Schriftsteller. Ich bin ein Stümper. Gottogottogott, so viele Fehler. "Gott! Oh, Gott! Oh, Gott! So viele Fehler!", würde mein Lektor vermutlich sagen.
Dann aber doch hauptsächlich nur Kleinkram.
"Du benutzt viele Worte, die nicht im Duden stehen", sagt mein Lektor. "Erklär doch mal, was ist pladdernder Regen, zupseln und trutschen? Im Duden steht nur trutschig."
"Trutschen ist das Verb dazu. Jemand geht trutschig."
"Das steht aber nicht im Duden. Und was soll das hier heißen? Seine Hand platschte auf den Tisch."
"Na ja, es ist, wie mit einer Hand auf den Tisch zu patschten, nur eben irgendwie feuchter, mit einer schweißnassen Hand." (Irgendwie würde mein Lektor sofort wieder streichen.)
"Es steht aber nicht im Duden."
"Deshalb musste ich es ja erfinden. Das Wort fehlte."

Meine schönste Stilblüte (bislang):
"Der Wassergraben plätscherte unhörbar irgendwo im Dunkeln."

P.S. Mein Roman hat mal wieder ein neues Flusspferd vorne drauf. Auch schön.



Freitag, 1. Januar 2010