Dienstag, 3. Juli 2012

Brauseboys am 5.7.: Das wunde Herz


Stimmung

Der Leopoldplatz ist das wunde Herz des Wedding, hier sind Granit und Asphalt härter als anderswo. Zumindest fühlt es sich für mich so an, wenn ich hinüberschreite. Wie alle Passanten senke ich demütig den Kopf und laufe schneller über den klebrigen, fleckigen Boden mit den Scherben und dem immerwährenden Hauch "Odeur d'Urine". Tauben zerren an Rattenleichen, hagere Trinker auf den Kirchentreppen nippen an braunen Flaschen, ein schnöder Springbrunnen schmeisst Frischwasser in die Luft, das in die Dreckdeponie der Brunnenschale hineinfällt, ohne das schlierige Gemisch darin jemals aufklaren zu können. Es ist nicht schön hier, aber es darf auch nicht alles schön sein, wenn nicht alles schön ist.
Eine junge Frau spricht mich mitten auf dem Platz an und will wissen, ob ich Arbeit suche. Arbeit auf einem Straßenfest könnte sie anbieten. Ich bin etwas überrascht, aber dreimal muss man nicht raten, was ich antworte.
"Pst, junge Frau", sage ich, "wissen Sie nicht, wo Sie hier sind? Sie machen doch die ganze Stimmung kaputt."

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Donnerstag, 5.7. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys
Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, jeden Donnerstag mit neuen Texten. Paul Bokowski, Hinark Husen, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann, Heiko Werning und Gäste lesen was vor.

Gäste:
Volker Strübing (Schnipselfriedhofsgärtner): www.volkerstruebing.de
Florian Josef Blank (Quetschkommodenschiffer): www.florianjosefblank.de 

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Eines geht in diesem langen Kommentar leider unter und verzerrt die Lage: Nämlich, dass Veranstalter bei der GEMA immer im Nachhinein rabattieren können, wenn die im GEMA-Tarif angenommenen Grundvoraussetzungen nicht stimmen:

- Ja, die GEMA geht zunächst von Vollauslastung (eine Person pro Quadratmeter) aus. Aber als Veranstalter kann man der GEMA danach belegen, dass man weniger ausgelastet war und bekommt seinen Anteil erstattet.

- Ja, die GEMA geht aufgrund der sog. GEMA-Vermutung davon aus, dass alles gespielte Repertoire GEMA-Repertoire ist. Wenn aber meinetwegen nur 50 % GEMA-Repertoire gespielt wurde, muss der Veranstalter dies der GEMA belegen und bekommt dann sein Geld anteilig zurück.

Es geht eben nur um Belege. Wer einfach behauptet, er sei schlechter ausgelastet oder spiele kaum GEMA-Repertoire kann damit nichts erreichen. Warum? Das würde doch jeder sonst so machen, und an die GEMA würde fast nichts mehr gehen. Das kann nicht richtig sein.

Frank Sorge hat gesagt…

Hi - der Kommentar gehört wohl zum vorigen Blogeintrag.