Dienstag, 31. März 2015

Brauseboys am 2.4.: Grüner Donnerstag

Null Toleranz in Kreuzberg (von Frank Sorge)

Die Null-Toleranz-Regelung im Görlitzer Park kann (durch die Null-Realität-Brille) schon vor der eigentlichen Durchführung als großer Erfolg bezeichnet werden. Denn sie setzt fulminant die Null-Verstand-Regelung früherer Zeiten fort, an die der Berliner Innensenator seit Amtsbeginn anzuschließen sucht. Schon die Null-Flüchtlings-Politik zeigte unmittelbar Wirkung auf die Bevölkerung in Kreuzberg, die demnächst komplett in einer Null-Politik-Regelung Sicherheit finden sollte. Nimmermüde stehen, berauscht vom Erfolg, die nächsten Konzepte bereit: Null-Demonstrations-Zonen um Milchkaffee-Hotspots etwa, um den Strom der Touristen nicht zu stören, die für die Null-Berliner-Politik geworben werden sollen. Denn immer noch gibt es gerüchteweise Viertel in der Stadt, in denen gewohnt und nicht verdient wird. Im BER-Aufsichtsrat wirbt Henkel außerdem erfolgreich für eine Fortführung der Null-Flug-Politik. "Er ist eben eine echte Null", rufen Parteifreunde begeistert.

Dienstag, 24. März 2015

Brauseboys am 26.3.: Neulich bald

Neulich an der Haltestelle (von Frank Sorge)

Möbelmärkte (mit Ausnahme der einen schwedischen Kette) gehören zu den Geschäften, deren Werbung besonders verzweifelt ist. Was natürlicherweise an der langen Haltbarkeit der Produkte liegt (hier erklärt sich womöglich die schwedische Ausnahme). Jahrelang braucht man keine neuen Möbel und in genau diesem einen Moment, wenn das Bett zusammenbricht, muss die Werbung zünden. Tonnenweise Spam-Prospekte und bunte Super-Spar-Coupons im Briefkasten verrotten, ohne eines Blickes gewürdigt zu werden. Jeden Tag, überall, hoffnungslos. Die Menschen dahinter sind nicht zu beneiden, eine elende Angelegenheit muss es sein, dort im Marketing zu arbeiten.
Vor ein paar Tagen betrachtete ich an der Tramhaltestelle einen dieser verzweifelten Versuche: 500 Euro Rabatt gewährt Möbel Höffner, bzw. heißt es “500 Euro geschenkt”. Über ein Sternchen ist die Einschränkung verknüpft “Ab einem Einkaufswert von 2500 Euro.” In einer Fußbote, die einen beachtlichen Teil des Plakats ausmacht, finden sich außerdem folgende Anmerkungen: “Ausgenommen von dieser Rabattaktion sind alle Artikel aus unserem Online-Shop, der eXpress-Abteilung und der Marken Aeris, b-collection, Bretz, Bora, Easy Kitchen, Ekornes, Erpo, Gartenmöbel, Henders&Hazel, Hülsta, Joop, Leicht, Miele, Möbel von Leonardo, Muserring, Natuzzi, Now by Hülsta, Rolf Benz, Spectral, TEAM 7, Tempur, Varier, Vorwerk, W. Schillig Editions und Artikel aus unserer Elektroabteilung. Ebenfalls ausgenommen sind Artikel aus unseren aktuellen Prospekten, die unter www.hoeffner de einzusehen sind sowie bereits reduzierte oder als Aktionspreis gekennzeichnete Artikel.”
Ich war viele Jahre nicht mehr bei Möbel Höffner, aber ich denke, es wird vermutlich genau einen Artikel geben, auf den in dieser Aktion theoretisch Rabatt gewährt wird und der dann nicht mehr vorrätig ist. Den zu zeigen wäre aber wirklich zu einfach gewesen.



Donnerstag, 19. März 2015

Dienstag, 17. März 2015

Brauseboys am 19.3.: Blatt und Brause

Weil sie nicht lieben (von Frank Sorge)

Eine Frau quetscht sich neben einen Mann auf den U-Bahnsitz.
"Is' ja'n Gemeinschaftswagen. Ick hab ooch Rechte."
Eine Art Flirt beginnt.
“Komm drauf an”, erwidert der Mann.
“Worauf?”
“Ob Sie einen Fahrschein haben.”
Das leuchtet auch uns Zuhörern ein.
“Wollen Sie mich kontrollieren?” Sie mustert ihn: “Dann will ick aber auch'n Ausweis sehen.”
Er lächelt süffisant. Sie lächelt auch süffisant.
Sie sind beide um die Fünfzig, Partner sind nicht zu sehen. Er ein großer Klotz, sie eine burschikose Blondierte. Wie sie so eng aneinander sitzen, erwarte ich jeden Moment, dass sie ihre Hand in seine legt. Oder er den Arm um ihre Schulter. Aber schon zwei Stationen später ist sie weg, er bleibt ungerührt eine weitere sitzen. Nichts ist passiert, nur ich beobachte das Ganze und mache großes Gefühlskino daraus.
Wir steigen an der Seestraße aus, er geht zum Catering und ich beratschlage mit dem Kameramann über die nächste Einstellung. Lasse mich danach erschöpft in den Regiestuhl sinken. Ein Film über verpasste Chancen. Natürlich schwarz-weiß.

Donnerstag, 12. März 2015

Dienstag, 10. März 2015

Brauseboys am 12.3.: Mikrofonkosmos

Lob des grauen Tages (von Frank Sorge)

Kerzenschein wird warme Sonne,
attraktiv erscheint ein Buch.
Zusammenhänge, unergründlich,
werden unvermittelt klar.
Grauer Tag, ick lobe dir.

Führst mich heute ganz zu mir.
Denken in den eigenen Farben,
malen mit dem eigenen Licht.
Facebook ist auch morgen da.
Hoffentlich auch dein Gesicht.

Des trüben Draußens eigne Wonne:
Huch! Ein Spaziergang auf dem Land,
mitten durch die graue Stadt.
Kaum wer anders ist zu sehen.
Klamm und kalt das nasse Tuch.

Freitag, 6. März 2015

Jubilare & Kuchen


12 Jahre Brauseboys - die Jubilare Paul Bokowski, Nils Heinrich, Hinark Husen, Volker Surmann, Heiko Werning, Frank Sorge und Robert Rescue.


Feiern macht hungrig, herzlichen Dank an Julia für die überraschende Geburtstagstorte. Vielen Dank auch allen Zuschauern, eure Ausdauer und euer Zuspruch tragen uns locker ins nächste Dutzend Jahre Lesebühne im Wedding. Mit Nils und Hinark fühlten wir uns höchst komplett, kommt bald wieder. Es war ein Fest!


Donnerstag, 5. März 2015

Brausegirls 2015


Die Brausegirls 2015, direkt nach dem Spitzenprogramm mit Festwochensekt und Kuchen. Wir danken herzlich Rigoletti, Sarah Bosetti, Kirsten Fuchs, Johanna Zeul, Chio Schuhmacher & Marlen Pelny für den tollen Abend.

Dienstag, 3. März 2015

12 Jahre Brauseboys: Gala am 6.3. & Brausegirls am 5.3.

Freundlichkeitsoffensive (von Frank Sorge)


Langsam bin ich geneigt, meine Imbissblockade zu lockern. Sie bezieht sich nur auf einen Laden nebenan, nachdem mir der “Döner eines anderen” untergeschoben wurde. Noch dazu sind sie immer unfreundlicher geworden, wortkarg und grimmig. Lieblos geradezu, ich war enttäuscht. Denn gut schmeckt es hier, alles hätte unbestritten einen Dönerstern im Döner-Michelin verdient. Oder wird man an der Gastro-Spitze automatisch unausstehlich? Es duftet, die Sonne scheint, ich wage einen neuen Versuch.

Schon das “Kommen Sie doch rein, der Herr” beim Eintreten hätte mich skeptisch machen sollen. “Hatten Sie einen schönen Tag, wie können wir Ihnen helfen?”
In Gedenken an einen kürzlich verstorbenen Außerirdischen ziehe ich skeptisch eine Augenbraue hoch. “Ein Dürüm bitte.”
“Einen Dürum-Döner, gute Wahl, kommt sofort!”
“Nicht sofort”, will ich einwerfen, denn ich fürchte, wieder einen liegengebliebenen zu bekommen. Lieber langsam, aber für mich gemacht.
“Möchten Sie Soße, wir haben hervorragende…”
“Knoblauch, bitte.”
“Knoblauch, eine gute Wahl, der Salat komplett? Er ist sehr frisch und sehr lecker.”
“Keine Tomate, bitte.”
“Keine Tomate? Aber sehen Sie diese Farbe?”, er beugt sich über die Schale, “und wie das duftet?”
“Nein, danke, aber dafür Schafskäse.”
“In Ordnung, der Herr. Sie haben einen hervorragenden Geschmack, kann ich Ihnen sonst noch etwas anbieten? 
“Nein, danke, zum Mitnehmen bitte.”
“Natürlich”, er fummelt gekonnt eine Tüte hervor, ich bezahle, er deutet eine Verbeugung an. “Ich hoffe, es ist alles zu Ihrer Zufriedenheit. Haben Sie noch einen schönen Tag und guten Appetit.”
“Alles bestens, herzlichen Dank.”
“Aber sehr, sehr gerne.”
Ich trete nach draußen und kann es nicht glauben. Sehe noch einmal durch die Scheibe, er winkt freundlich. Also nicke ich entspannt, nehme den gold-glitzernden Aufkleber aus meiner Michelin-Herrenhandtasche und klebe ihn an die Scheibe. Applaus brandet auf, innen und draußen - mein absoluter Traumjob.