Dienstag, 26. Mai 2015

Samstag, 23. Mai 2015

Eurovision-Songtextkritik: Israel & Fazit

Israel - Goldjunge

Kleine Jungs, die etwas Schreckliches machen - damit ist man vom norwegischen Beitrag aus direkt dann schon beim Beitrag von Israel.  Der Sänger Nadav ist zarte sechszehn Jahre, sieht aber auf dem Foto satte zehn Jahre älter aus. Das ist diese moderne Ernährung, sie werden so schnell groß. Bevor man sich aber fragt, ob alles an ihm so ausgewachsen ist wie das Äußere, singt er auch schon:

“Mama!”

Und jedes Interesse an der Nummer erlahmt. Wäre er sechs Jahre alt, da würde der Ruf nach Mama noch gehen, okay, aber sechszehn sein und nach Mami schreien, da vergrault man sich rundherum jede Zielgruppe. Selbst die angesprochenen Mütter, die einhellig reagieren würden: “Such dir endlich ne Freundin!”. Aber genau darum geht es ja.

Mama, wieder hat mir jemand das Herz gebrochen.
Sag ihr, ich glaube, ich kann es nicht mehr ertragen.
Mama, wieder hat mir jemand das Herz gebrochen,
und um den Schmerz zu lindern,
muss ich jetzt schnell auf die Tanzfläche.

Mir erschließt sich jetzt plötzlich doch, warum er Mama fragt. Mit sechszehn kommt er halt nicht alleine in die Disco. Aber mit der Erziehungsberechtigten geht es, sie soll daher mitkommen. Glaubt man jetzt erstmal nicht, aber es steht da:

Führ mich aus,
ich bin nicht in der Stimmung für ein gebrochenes Herz,
wir tanzen durch die Nacht, um sie zu vergessen.
Nein, sie weiß nicht, was ich hier mache - 
Hallo, Ladys!

Mit der Mutter in die Disco und wild Mädchen und Frauen anmachen, was Schöneres kann sie sich wohl auch nicht vorstellen, mit ihrem Sohn so die Nacht zu verbringen.


Yea, Baby, drück meinen Abzug,
du weißt, meine Liebe ist ziemlich groß gewachsen,
Liebe, Liebe, Liebe,
wir geben uns dem Rhythmus hin,
du weißt, wenn ich Feuer fange,
probier mich aus (3-2-1 hey).

Dass die Mutter da direkt mitmacht, möchte man sich nicht vorstellen, aber sie ist sicher modern und kann sich auch irgendwie amüsieren, während ihr Sohn Dampf ablässt. Ab und an zeigt sie ihm vielleicht ihren Gesprächspartnern am Tresen, zeigt zu ihm auf die Tanzfläche und sagt: “Das ist doch ein Goldjunge, oder? Mein Goldjunge.” Und er selbst wirbelt wild herum und singt:

Ich bin ein Goldjunge,
erfreu dich an mir,
ich bin der Spaßkönig,
lass mich dir zeigen, wie wirs tun.
Und bevor ich gehe, zeige ich dir noch Tel Aviv.

Ist doch nett, oder? Nach dem Schmusi-Busi noch eine Stadtführung anzubieten. So ist er halt, ein richtiger Goldjunge.

Fazit 2015: 
Das frühzeitige Ausscheiden des Siegers (Finnland) hat dem Finale dieses Jahr nur Verlierertitel beschieden. Die verantwortlichen Jurys sind vehement mit Wattebällchen zu bewerfen. Gewinnen wird Belgien, denn der Junge ist noch ein bisschen goldiger als die anderen. Dicht gefolgt von einem baltischen Beitrag. Je nach Ergebnis werde ich das Fazit natürlich noch anpassen.

Eurovision-Songtextkritik: Norwegen

Norwegen - Ein Monster wie ich

Man weiß ja, worauf man sich mit dem Eurovision einlässt. Etiketten wie “Gnadenloser Trash” kommen ja nicht von irgendwoher. Es gibt peinliche Auftritte, es gibt schamlosen Schwachsinn und sicher liegt man nicht falsch, wenn man genau hier den Unterhaltungswert vermutet. Immer wieder ist ein Beitrag aber auch so bekloppt, dass er in keine Schublade der Glitterkommode passt. Dieses Mal kommt er von den Norwegern. Ein Duett im Pärchen, er erzählt, was los ist:

Liebling, ich erzähle dir die Wahrheit,
ich habe in meiner Jugend etwas Schreckliches getan.
Hab den Verstand verloren, die Kontrolle verloren.
Ich war nur ein kleiner Junge, ich wusste noch nichts,
ich lasse dich lieber gehen…

Wie genau kann man auf die Idee kommen, das Bekenntnis zu einer vermutlich grauenhaften Tat zum Liedthema zu machen? Damit man sich dabei auch bloß nichts konkret Schreckliches vorstellt, sondern die Phantasie des Schreckens voll entfalten kann, erzählt er natürlich nicht, was genau passiert ist.

Um den Prinzen zu finden, den du in mir vermutet hast,
gebe ich dich frei und gebe dich auf.
Winke dir, sage Adieu und lass dich leben,
ohne ein Monster wie mich.


Zu diesen merkwürdigen Zeilen sieht man den Sänger Kejtil Mørland unbewegt in die Kamera starren, passenderweise mit der Wirkung eines Pychopathen. Aber nicht nur die Mimik der Darstellung, auch der Text des Liedes ist damit schon erschöpft, was den Eindruck völliger Verstrahlung der Verantwortlichen verstärkt. Ganz kurz darf sich die Duettpartnerin noch zu Wort melden:

Liebling, 
jetzt habe ich den Deckel dieser grauenhaften Wahrheit gelüftet,
halt mich fest, denn ich verbrenne.
Sing mir etwas Schönes, mach, dass es aufhört,
ich lasse dich besser gehen.

‘Sing mir etwas Schönes’, das ist doch mal ein Wunsch, der sich leicht hätte erfüllen lassen. Man bräuchte nur einfach ein schönes Lied. Zu schade, dass gerade keins in Norwegen vorrätig war.

Freitag, 22. Mai 2015

Eurovision-Songtextkritik: Australien

Australien - Heute Nacht nochmal

Eine wichtige Neuerung in diesem Jahr ist die Aufnahme Australiens in den Kreis der trällernden Europäer. Der Teilnehmerkreis ist schon etwas weiter gefasst als das politisch-geographische Europa, manch einer mag aber denken: Australien, das geht zu weit. Oder: Australien, das ist zu weit. Warum also dürfen die dann teilnehmen? Die Antwort ist einfach: Weil sie es doch so gerne wollen. Viele Fans down under schauen den Eurovision, nicht nur wegen der eigenen europäischen Vorfahren. Man muss über Australier wissen: Sie lassen nie eine Gelegenheit zum feiern aus - im Gegenteil, sie konstruieren gerne und ausufernd Gelegenheiten zum feiern, damit es immer eine Gelegenheit zum feiern gibt. So zeltete ich einmal Mitte Juni am Ayers Rock neben einer australischen Jugendgruppe. Am 24.6. feierten sie in der Wüste “Christmas in Summer”, mit Weihnachtsmann, bunten Schirmen in Getränken, Tanz und Gaudi. Ich fragte einen der Betreuer, was es damit auf sich habe. Die Antwort: Wir Australier feiern einfach gerne und das ist doch eine gute Gelegenheit, dass in genau sechs Monaten Weihnachten ist. “Aber dann kann man doch immer Weihnachten feiern?”, wand ich ein. “Ja, genau”, war die lächelnde Antwort.
Immerhin, die Teilnahme ist eher symbolisch, man kann für den australischen Beitrag nicht abstimmen.* Es gibt dafür aber sowieso keinen Grund. Nicht, dass er ‘unterirdisch’ wäre, er glänzt eher damit nicht, dass nichts an ihm besonders ist. Für einen besonderen Anlass also nicht besonders genug. Textlich ist der Beitrag ein klassischer Vertreter der Liedspezies “Fuck me one more time” - worum es geht? Genau, man will nochmal.

Ich will kein morgen,
oh Baby, heute Nacht ist so gut.
Heute Nacht ist so gut.
Wir können es nicht verhindern,
oh Baby, heute Nacht ist so gut.
Vergiss morgen,
wir machen heute Nacht nochmal.

Ich würde dem Liedsänger auch dazu raten, macht's doch einfach nochmal, macht was ihr wollt. Aber warum darüber singen?

Oh, alle haben so ihre Probleme,
haben immer den Kopf voll damit,
oh, aber heute Nacht lösen wir sie nicht,
jetzt lassen wir sie mal alle hinter uns.

Gerade will man noch einmal betonen: Ja, Mann, ihr könnt doch machen, was ihr wollt. Aber dann fällt es ihnen selbst auf:

Mach wat’de wat’de wat’de willst
Mach wat’de wat’de wat’de willst
Mach wat’de wat’de wat’de willst
Nu mach schon,
oh ja, mach.


Australien gilt nicht unbedingt als Hort von Intellekt und Kontemplation, so unverhohlener Hedonismus braucht aber auch hier noch eine Rechtfertigung.

Oh, manche Leute könnten das verrückt nennen
und sagen, wir leben nur für den Spaß.
Oh, sie könnten Recht haben, möglicherweise,
aber ich garantiere dir: was wir haben, ist, was sie wollen.

Sex, okay, aber dieses Lied, das wollen wir nicht, das könnt ihr behalten.

*Nachtrag: Mein letzter Stand war, dass für Australien nicht abgestimmt werden kann. Ist aber offenbar doch anders, nur der nächste Austragungsort wäre dann nicht in Australien. Aber keine Gefahr.

Eurovision-Songtextkritik 2015: Ungarn

Ungarn - Kriege für nichts

Bei “Ein bisschen Frieden” damals, da ging das noch mit den politischen Aussagen. In den Achtzigern hat man auf Friedenslieder noch gehört. Eine Frau, eine Gitarre, eine Botschaft. Den ungarischen Beitrag in diesem Jahr singt eine Frau, begleitet von einer Gitarre, vielleicht ist die Zeit wieder reif. Im Verlauf des offiziellen Videos singen nach und nach irgendwelche Leute auf der Straße mit, bis sie am Schluss alle in Eintracht das Friedenslied “Kriege für nichts” schmettern:

Weißt du, dass unsere Erde vor die Hunde geht,
all die Kriege für nichts, es hört nie auf.
Jeder verdient eine Chance,
all die Seelen, all die Seelen, kannst du sie schreien hören?

Das ist harter Tobak für das Wohlstandsohr, schreiende Seelen der Verdammten. Jahrelang hat man sich durch Ablenkungen bunte Ohrstöpsel zugelegt gegen derlei Klagen, und die Sängerin Boggie versucht, sie zu durchstoßen.

Dass du in Frieden lebst, heißt nicht,
dass es in Ordnung ist, all den Schmerz zu ignorieren.
Ich sehe Kinder zu den Sternen gehen,
Soldaten laufen in die Dunkelheit, lass mich fragen:

Kannst du all diese Augen rechtfertigen,
die nie wieder Tageslicht sehen.
Nenn' mir einen guten Grund, eine hilflose Seele
zu verletzen, ein Herz zu brechen, einen Verstand auszulöschen.


Ich schaue an dieser Stelle mal, was nach dem ungarischen Beitrag im Halbfinale kommt… ach ja, Weißrussland, lustig - das ist so ein Sänger mit angeschmiedeten Elbenohren der seine Co-Sängerin durch die gemeinsame Leidenschaft für den Herrn der Ringe kennengelernt hat. Was für ein Ding! Da mag man ein Buch mit lustigen Fabelwesen, die Filme sicher auch, und dann trifft man jemanden, der das auch gut findet. Toll, oder? Was noch mit dem ungarischen Beitrag war? Ach, der, weiß nicht, war irgendwas Trauriges. Aber hier, “die Zeit ist wie ein Donner, a-a, höre ihren Donner, a-a, grollend wie ein Donner, a-a”, das ist doch schmissig. Beim ungarischen Beitrag sollte man vorher vielleicht schnell noch auf die Toilette gehen, damit man das danach nicht verpasst. Bestimmt zeigen sie da auch Zwerge und sowas auf der Leinwand. Wie das Friedenslied endet? Ist doch egal. Will euch doch nicht die Laune verderben. Traurig natürlich:

Weißt du, wie viele Unschuldige
sich vor Bestrafungen verstecken?
Für Verbrechen, die sie nicht begangen haben.
Allein, sie sind allein, verdienen sie

zu sterben, weil sie etwas anderes glauben?
Weil sie ein Gesicht haben, das irgendwem nicht gefällt?

Verlassen wir an dieser Stelle den ungarischen Beitrag und setzen uns dafür ein, als Industrienation bessere Waffen zu verkaufen, damit die Welt friedlicher wird. Das erscheint mir ganz logisch, denn Kriege werden ja nicht für nichts geführt. Sondern fürs Geschäft. Im Grunde das Gleiche wie mit dem Singen. Man muss so ein Lied ja auch verkaufen. Das hat sie wohl nicht ganz verstanden, das sollte man dieser Sängerin mal genauer erklären.

Donnerstag, 21. Mai 2015

Eurovision-Songtextkritik 2015: Griechenland

Griechenland - ein letzter Atemzug

In den letzten Jahren sprühten die griechischen Beiträgen vor Lebensfreude und Hoffnung. Zu Beginn der Schuldenkrise 2010 hieß es noch “Brennt alles nieder”, von Kellnertypen in weißen Hemden gesungen - dann folgte eine hedonistische Phase mit “Schau, wie ich tanze”, “Aphrodisiakum” und “Alkohol ist gratis”, im letzten Jahr mit “Steh auf” ein missglückter Versuch, den katergeplagten Kopf mit Balla-balla-Techno wieder frei zu bekommen. Statt “Steh auf” gewann aber “Steh auf wie ein Phönix”, so mythologisch beklaut von den Österreichern scheint jetzt der musikalische Wille Griechenlands endgültig gebrochen. Maria Elena Kyriakou singt “Ein letzter Atemzug”.

Meine Seele, ich glaube ich bin ein Niemand,
du hast mich getötet und ich bin am Ende, ohne eine Waffe
ist mein Licht ausgeblasen, ich fühle mich betrogen
und kann keinen Mut mehr fassen, bin ohne Glaube.
Wie konntest du mich verlassen?

Ein typisches Griechenland-Gefühl dieser Tage. Ohne Glaube, ohne Mut, ohne Hoffnung, alles pfeift auf dem letzten Loch. Ist eine Rettung überhaupt noch möglich, lässt sich fünf nach zwölf die Uhr noch zurückdrehen? Man kann den Eindruck bekommen, Griechenland selbst ist eine Rettung nicht in jeder Weise recht - stellvertretend gibt Maria Elena hier aber doch einen finalen Rettungsruf für ganz Griechenland ab:

Ich flehe dich an, hol mich
aus diesem Höllenfeuer raus.
Komm zurück und rette mich,
was geschehen ist, war falsch.
Ich habe nichts übrig, nur diesen
letzten Atemzug.


Aber Europa wird auf den Ruf nicht hören und dem Lied reiche Punktzahlen verwehren. Lieder, die sich selbst klein machen, werden mit Kusshand übersehen, wer will schon Klagen hören? Ein ähnlicher Effekt wie bei Montenegro - Adieu. Der ganz klassische Weg, schon per Liedtitel auszusteigen - Varianten: Say Goodbye, I want to go home, Let me go, Going home - Tschüssi, ihr winkenden Liedbeiträge - Tschö mit ö. 


Dienstag, 19. Mai 2015

Brauseboys am 21.5.: Da kommt was

Foto: Yola Sornsakrin

Donnerstag, 21.5. / 20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Paul Bokowski, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit zwölf Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Judith Stadlin (von der Schweizer Lesebühne Satz & Pfeffer)
Sebastian Nitsch (Frisch gekrönter Prix-Pantheon-Preisträger. Glückwunsch!)

Eurovision-Songtextkritik: Zypern - Was ich hätte tun sollen

Ein zwanzigjähriger Zypriote hat eine dickrandige Brille auf und einen Plan. Alles singen die immergleichen Liebeslieder, da muss man doch mal ein 'anderes' Liebeslied dagegensetzen. Wo es nicht immer nur um das gleiche Zeug geht, den Flug zum Himmel, die Augen als Sterne. Es braucht da mal eine originelle Wendung, eine Pointe - dann zerplatzen all diese albernen Liebeslieder vor dem einen komischen Lied. So der Plan, den er im Kurzinterview durchscheinen lässt. Er will uns ultimativ überraschen:

Heute regnet es,
mir ist kalt, und ich 
bin neben der Spur, ohne dich.
Mein Kopf dreht sich wie verrückt
zu der Zeit zurück, als wir… alles mögliche am Laufen hatten.

Nicht schon wieder, denke ich, sagt doch einfach mal, was ihr gemacht habt. Wart ihr ein Eis essen, spazieren, im Supermarkt einkaufen, in der Kiste, beim Tierarzt?

Jetzt liegt meine Welt in Scherben,
wie schnell sich das Leben ändern kann.

Ich hab immer alles für dich getan,
gab dir mein Herz, du gabst mir deins,
und hast mir das Gefühl gegeben, jemand zu sein,
aber eine Sache, die hätte ich wirklich machen sollen…

Herzchen raus, Herzchen rein, das kennen wir alles, bis hierhin unterscheidet sich das Lied von keiner beliebigen Liebesliednummer, die er überwinden will. Noch eine Strophe und noch einen Refrain lässt er die Zuhörer zappeln, die schon ganz unruhig werden. Was ist es bloß, das er hätte tun sollen? Wir sind alle so gespannt... Es gibt einen musikalischen Wechsel, der Sänger zieht die Augenbrauen zusammen, als würde er selbst über die Frage noch einmal nachdenken müssen, dann hellt sich sein Gesicht auf: “Ach ja!”


Ich hätte für dich da sein sollen
Ich hätte für dich da sein sollen
Ich hätte für dich da sein sollen
ich hätte überhaupt da sein sollen

Ich habe nicht alles für dich getan,
aber ich habe es wirklich versucht, das ist die Wahrheit,
hätte dir das Gefühl geben sollen, jemand zu sein,
aber eine Sache, die hätte ich wirklich machen sollen…

Beinahe alles habe ich für dich getan,
aber dein Herz gebrochen, jetzt ist meins auch kaputt,
als du mich gebraucht hast, bin ich nicht gekommen,
das ist die Sache, die hätte ich wirklich machen sollen...

Das Lied klingt schmissig, der Zypriote nett. Der Plan aber, das Liebesliedgut zu revolutionären ist vermutlich ein ganz kleines bisschen zu hoch gegriffen. Nur weil der Liebesliedsänger einmal einsieht, dass er selbst auch ein bisschen Schuld an der Misere hat, ändert das nichts an den sieben Standard-Wolken, die hier alle sonst auf ihre Musiktuschepilder pinseln wie eifrige Schulkinder.
Außerdem kenne ich mich mit Pointen aus, die ein bisschen zu ruhig sind, um als solche wahrgenommen zu werden. Das ist so eine.

Donnerstag, 14. Mai 2015

Bird's Free Funk


Bird's Free Funk tragen ihren Jazz gerne von Hannover in den Wedding, so auch an diesem Donnerstag zum traditionellen 'Himmelfahrtskommando". Die gemeinsamen Darbietungen unseres Schlussliedes sind legendär, so auch dieses Mal. Dank an Charlotte, Till und Johannes.

Dienstag, 12. Mai 2015

Brauseboys am 14.5.: So wird das

Wie war das? (von Frank Sorge)

Papa, wie war das 2015?
Ach, da war noch alles anders. Man ist zum Beispiel zurückgetreten, wenn man eine Wahl gewonnen hat.
Wirklich?
Ja, erst Andreas Kümmert, der eigentlich zum Eurovision sollte, dann der Bremer Bürgermeister...
Was ist Bremen?
Das war mal eine schöne Stadt, gar nicht weit weg von dem Strand, wo wir immer Urlaub machen.
Und was war noch anders?
Na, wenn man gestreikt hat gegen die Kommunen, dann so, dass die Kommunen dabei Geld einsparen. Früher gab es noch so Kindergärten, aber dann kam ja auch schon die Revolution.
Der große Claus?
Ja, genau, der Vorstand des Revolutionsrats hat damals mit den Lokführern um bessere Arbeitsbedingungen gekämpft. 
Was waren Lokführer?
Raumschiffkapitäne.
Und was war Arbeit?
Was ganz Unangenehmes, da reden wir mal drüber, wenn du etwas älter bist.

Donnerstag, 7. Mai 2015

Dienstag, 5. Mai 2015

Brauseboys am 7.5.: Statt Bahnfahren


(Foto: Yola Sornsakrin)

Donnerstag, 7.5. / 20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Paul Bokowski, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit zwölf Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Saskia Inken Rutner (SIR)

Eurovision-Songtextkritik 2015: Dänemark

Nachdem für mich und gefälligst für alle Finnlands Punkband als vorzeitiger Sieger des ESC gelten muss, gibt es ja noch die anderen Teilnehmer, die man wenigstens noch einmal sehen möchte, wenn sie sich schon so viel Mühe gemacht haben. Beim Durchgucken der weiteren Lieder muss ich mich korrigieren, das meiste will ich doch nicht sehen. Aber ich muss ja.

Dänemark - So wie du bist

Man muss die Band aus Dänemark für ihren Bandnamen loben: Anti Social Media, das klingt unangepasst und orginell. Leider ist es das einzige am Beitrag, was unangepasst und originell klingt. In der Selbstbeschreibung nennen sie die Beatles als Vorbild, sie wären vom warmen Sound der Sixties inspiriert. Leider aber klingen sie nicht wie die Beatles oder irgendeine Band aus den Sechzigern, sie klingen ungefähr so wie die Flippers. Auch beim Text erwarte ich nichts, meine Erwartungen werden nicht enttäuscht. “So wie du bist” heißt das Lied und beginnt so:

Der Sommer ist da, der Winter vorbei,
endlich kann ich die Sonne sehen.
Jedes Mal, wenn du in den Raum kommst,
lösen sich alle meine Ängste in Luft auf,
wenn ich in deiner Atmosphäre bin.
Ich weiß nicht, wie du es machst,
aber du machst es,
ich kann nicht sagen, warum.

Das lyrische Ich, wenn man es überhaupt lyrisch nennen mag bei diesen Zeilen, kämpft offenbar mit einer Zwangsneurose, einer Angststörung. Nur wenn die Dame des Herzens in den Raum kommt, kann er sich entspannen. Ein partnerschaftliches Verständnis, das offenbar noch aus der Kleinkindphase herrührt. 


Besonders neugierig machen auch Partikel wie “ich weiß nicht” oder “ich kann nicht sagen”, denn das interessiert einen ja besonders, wenn jemand nicht sagen kann, was er sagen will: Nämlich, wie sie ist. Aber vielleicht weiß er das ja wenigstens, da kommt ja schon der Refrain:

Es ist die Art, wie du bist,
es ist einfach die Art, wie du bist
die mir den Tag rettet,
schlechte Zeiten vergessen lässt.

Auch hier kann er also nicht sagen, wie sie eigentlich ist. Man weiß ja nicht mal, ob sie überhaupt eine sie ist, eine Freundin, ein Freund, ein Schwarm oder ob es nicht doch um die eigene Mutter geht - was beim Eurovision auch nicht selten wäre. Sehr schmeichelhaft die nächste Strophe von “So wie du bist”:

Wie ein altes Radio, ein Song, der mich nicht loslässt,
ich kann nichts denken, nur an dich,
Filmstars und Kaviar könnten mich nicht dahin bringen, wo du bist,
Ich kann nichts
dagegen tun.

Aber warum denn auch? Machs doch einfach mit deinem alten Radio, macht es, so oft ihr wollt. In eurem “Raum”, was auch immer das für ein Raum ist. Vielleicht wäre so die Zeit sinnvoller genutzt, als darüber ein Lied zu schreiben. Was auch immer dieses ist, worüber du geschrieben hast.

Und ich werde immer da sein,
wenn du jemanden brauchst, der dich führt.
Was immer auch zu tun ist, Mädchen, 
für dich mache ich es.

Bitte, liebes lyrisches Du, Mädchen, das ist deine Chance - sag ihm, er soll aufhören zu singen. Einfach nur aufhören.