Donnerstag, 29. August 2013

Kandidatencheck: Piraten/Linke

Für den ersten Donnerstag unserer Politwochen stellte sich für die Piraten Direktkandidatin Therese Lehnen den investigativen Fragen von Volker Surmann.

Klaus Lederer tritt für die Linke in Mitte/Wedding an, hier in intensiver Plauderei mit Hinark Husen. Er kam von einer anderen Veranstaltung, auf der viel geschwitzt wurde. So dass er das Hemd gegen ein orangefarbenes T-Shirt wechseln musste (so die Legende).

Hier noch einmal beide in gewisser Eintracht.

Dienstag, 27. August 2013

Brauseboys am 29.8.: Start in die Politwochen

An der Grenze (von Frank Sorge)

Nun ist es soweit, unser Bus rollt an die Grenze zu den USA. Werden sie mich reinlassen, werden sie mich gleich erschießen oder mit der Tasche auf den Weg setzen? Nun ist meine juristische Weste ganz rein und weiß, und ich komme aus einem Land von “Freunden”, wie kürzlich wieder von Obama betont wurde. Eigentlich habe ich nichts zu befürchten. Außerdem haben wir uns ganz brav über das Internet vorangemeldet, über das Programm ESTA, ich surfe außerdem mit Chrome, benutze Facebook, Twitter und sende Emails normalerweise unverschlüsselt. Sie wissen also längst alles über mich.
Ich sitze in einem Linienbus, gefüllt mit Menschen aller Nationen, und draußen stolzieren US-amerikanische Grenzer herum, kurz sucht mich die Phantasie heim, ich wäre Edward Snowden und würde auf besonders perfide Weise meiner Entdeckung zu entkommen versuchen, indem ich als Frank Sorge wieder in die Heimat einreise. Will ich eigentlich in dieses Land, und will ich wieder raus, wenn ich einmal drin bin?
Die Prozedur ist erträglich und dauert nicht allzu lang, bis die ganze Busbesatzung geprüft ist. An etwa zehn Kabinen werden Fingerabdrücke genommen, Augen gescannt, DNA-Proben geschüttelt, Stimmmuster verglichen, Verhöre geführt. Wir gruseln uns aber sehr, als uns ein Mitarbeiter auffällt, der die ganze Zeit über unauffällig die Trennscheiben der Kabinen putzt. Er ist hager, und hat einen stieren Blick durch dicke Brillengläser, er lässt seinen Blick überall hin schweifen, während er die Scheiben säubert. Die sind es längst, in diesem Gewusel von Menschen fällt er uns aber als der einzige auf, der den Überblick behält. Er sieht wie wie der klassische Psychopath im Hollywood-Film aus, ein Freak, der jeden Moment unkontrollierbar wird. Kaum einer achtet auf ihn, aber er achtet auf uns alle, während er unaufällig die Scheiben putzt.
Zwei Möglichkeiten: Entweder er ist der Depp vom Dienst, und zu nichts anderem zu gebrauchen. Ein Honk, der wieder irgendwas Dummes gemacht hat, Einreisenden die Nase abzubeissen etwa, und jetzt dafür die Scheiben putzen muss. Oder er ist telepathisch begabter Spezialagent, der während vermeintlich beiläufiger Reinigungsarbeiten unsere innersten Motivationen ausleuchtet.
Plötzlich sieht er mich scharf an, und ich erschrecke vor diesem kalten, brutalen Blick. “Ich bin nicht Edward Snowden”, denke ich ganz bewußt, “war nur ein Scherz.”

Donnerstag, 22. August 2013

Mittwoch, 21. August 2013

Heute bis Samstag: Voll die Lutscher im Mehringhof



Mittwoch, 21.8. bis Samstag, 24.8. /jew. 20 Uhr
Mehringhof (Gneisenaustr. 2a, nahe U-Mehringdamm)

Nils Heinrich & Heiko Werning mit 'VOLL DIE LUTSCHER! - spannende Lieder & Texte für Erwachsene'

Nils Heinrich und Heiko Werning sind Bühnenprofis, deren seltene Duoshows eine stetig wachsende Fangemeinde begeistern. Die beiden Augenweiden lernten sich auf einem Udo Jürgens-Ähnlichkeitswettbewerb kennen, wo sie beschlossen, ab sofort eine Woche im Jahr gemeinsam in Berlin aufzutreten. Die Körpertemperatur des Publikums steigt, wenn die beiden die Bühne betreten, zum Volk sprechen und ihre zu Herzen gehenden Lieder singen.
Und wenn sie richtig gut drauf sind, lesen sie ihre verdammt guten Texte. Ihre Auftritte sind stets restlos ausverkauft. Auch in diesem Jahr präsentieren sie wieder brandneue Nummern, die vorher noch nirgendwo zu hören oder zu sehen waren. Auch nicht auf YouTube. Beide feiern übrigens am 24. August auf der Bühne gemeinsam Geburtstag.

Also reserviert jetzt eure Karten, ihr Lutscher!

Dienstag, 20. August 2013

Brauseboys am 22.8.: Ahoi Kapitän

Spätverkauf von Welt (von Frank Sorge)

Meine armen Ohren und das arme Verarbeitungsorgan dazwischen. Geplagt erst vom Lärm der weiten Welt und dann vom Posaunenchor der Presslufthämmerer auf der Hinterhofbaustelle. Die Woche danach gehörte akustisch dem Rüttler, einer besonders schönen Gattung ratterndender Baumaschinen. Der neue Sand musste geebnet und verdichtet werden, für die neuen Bodensteine, damit sie ordentlich und plan eingeklopft werden konnten. Erst nach Feierabend, wenn der letzte Hammer gefallen ist, tauche ich erleichtert in die Abendruhe wie in ein Wattebett. Dort gewinne ich Kraft, und bekomme Durst, so dass ich nach langer Zeit mal wieder den Spätkauf gegenüber aufsuche.
"Na, war wieder Pornodreh?", begrüßt mich der Spätverkäufer, seine aktuelle Einschätzung meiner beruflichen Aktivitäten.
"Geht erst langsam wieder los", sage ich, "war im Urlaub."
"Urlaub? Für mich wär das Urlaub."
"Was?"
"Pornodreh, Mann. Hast du mal gefragt, ob sie noch Leute suchen?"
"Ich war doch weg, aber man braucht auch mal ne Pause."
"Du vielleicht. Wo warst du denn?"
"Zuletzt noch einmal in New York."
"Oh, Mann", er schaut mich skeptisch an, "was willst du denn da, Mann?"
"Na, mal alles angucken. Aber es ist laut da..."
"Ja, Mann, Alter, und es stinkt, und ist voll teuer, hätte isch dir vorher sagen können."
"Ziemlich heiß auch, jetzt im August."
"Ey, Mann, das ist doch kein Urlaub, da fährt man doch nicht hin, ist doch wie hier."
"Du hast recht, aber hier ist viel schöner."
"Kannst du auch nicht sagen, Mann. Guck mal raus, Alter, hier ist Wedding."
Wir gucken raus. Und sehen den Wedding, ein langweiliges Stück Seestraße, auf dem langweilige Autos vorbeifahren.
"Nächstes Mal fährst du an den Strand, oder so."

Donnerstag, 15. August 2013

Dienstag, 13. August 2013

Brauseboys am 15.8. mit Sven van Thom und Johannes Krätschell

Lautdifferenzen (von Frank Sorge)

"Und, ja, unglaublich laut, vor allem New York. Wie man es mit dieser Lautstärke aushält, kann ich mir kaum vorstellen. Und wie herrlich ruhig Berlin dagegen ist", erzähle ich am Telefon, "aber das liegt nicht nur daran, dass es mehr Menschen sind, alles ist lauter. Und alle sind lauter. Mit meiner normalen Stimmstärke hatte ich die ganze Zeit das Gefühl zu wispern. Als hätte ich immer nur gewispert, oder geflüstert. Man sagt also ganz normal "Cheeseburger" oder "Medium Coffee Latte please", und dann lehnen die sich so vor, aber nicht zu weit, falten konzentriert die Stirn, damit du es ihnen noch einmal ganz in Ruhe wiederholen kannst. Den Kollegen am Milchschaumbereiter stoppen sie mit einer knappen Geste. "Coffee Latte Medium" wiederholst du, pieps, pieps, der nette Herr vom Starbucks hat dich kleines Mäuschen jetzt vermutlich verstanden. Aber er fragt dich noch was, viel zu laut, du hast dich direkt erschrocken. Er will deinen Namen wissen, warum das denn noch, fragst du dich, und das ist so ein Tonfall, da tastest du schon nach deinem Pass. Aber verstehst schließlich, aha, damit drei Minuten später jemand "Frank" rufen kann, wenn der Kaffee fertig ist. Statt Kaffee zu rufen, wenn der Kaffee fertig ist. So ein Unsinn, alles ist einfach unnötig laut dort, und hier, sogar an der Seestraße - was für eine Ruhe dagegen..."
Plötzlich höre ich nichts mehr. Es ist Montagmorgen und Arbeiter im Hinterhof setzen die Presslufthämmer an, um den komplett verbetonierten Hinterhof von eben diesem Beton wieder zu befreien. Sie hören auch tagelang nicht mehr auf damit, als läge darunter noch ein vielversprechender Steinkohleflöz, der aufgebrochen werden muss. Pünktlich um 7.30 Uhr beginnen sie jetzt zärtlich mit den druckvollen Instrumenten meine Gehörgänge zu malträtieren. Das Telefonat konnte ich bisher nicht beenden, aber bis zu diesem Punkt war ja auch eigentlich das Wesentliche erzählt.

Donnerstag, 8. August 2013

Dienstag, 6. August 2013

Brauseboys am 08.8.: Vollständiger geht nicht

Ausschnitt aus einem Telefonat, mitgehört im Hof der Lüderitzstraße 6 (Robert Rescue)

»Ja, mit Tomaten und Sahnesoße. Äh, wann kannst du liefern? In einer Viertelstunde? Lass dir Zeit, in einer Viertelstunde geht nicht. Was das heißen soll? Ey, es ist jetzt 19:30 Uhr. In einer Viertelstunde kann ich noch nicht essen. Was soll das heißen, wir liefern das Essen sofort nach Bestellung? Soll ich später anrufen und dann bestellen, oder wie? Pass auf, ich bin unterwegs und erst um 20:30 Uhr zuhause. Ich bin Türke und jetzt ist Ramadan. Um 20:54 Uhr geht die Sonne unter. Also liefere mir das Essen um 21 Uhr an die angegebene Adresse oder steck dir das Zeug in den Arsch.«