Mittwoch, 26. Juli 2017

Brauseboys am 27.7.: Es folgt Sonnenschein

Irgendwann Sonne (von Frank Sorge)

Ein gutes Mittel um innerer Wolkenbildung entgegenzuwirken, ist traditionell der Blick auf die 'guten Seiten'. Versöhnende Effekte, die sich erstaunlich zuverlässig selbst bei so schwerwiegend verhagelten Sommertagen einstellen, wenn man genau hinsieht. Die Natur allein, die grüne, saugt die Himmelsgabe durstig ein. Hieß es nicht vor Kurzem noch, Brandenburg würde versteppen? Gefahr gebannt. Bekommt das ein oder andere Gestrüpp dabei zuviel des Guten und säuft heillos ab, lässt sich, in Maßen versöhnlich, wie bei uns scherzen: "Na, wenigstens hat er jelebt!" Zu viel ist doch immer noch besser, als zu wenig. Neigt sich ergiebiger Dauerregen schließlich zur umfassenden Katastrophe, hätte es auch schlimmer können, da ja, allgemein bekannt, Wasser die Grundlage des Lebens bildet. Nicht seine Abwesenheit. Für mich ganz privat sind schon wohltuend befeuchtete Schleimhäute ein guter Grund, der Wetterlage auch ein Lob auszusprechen. Viele nervt es, bei solch Wetterlage in Räume gesperrt zu sein, gerade im Urlaub. Andere aber frohlocken still, Erholungszeit für Stubenhocker, die sich wohlig im Sofa zurücklehnen, während um sie herum unentspannte Frischluftjunkies einen Lagerkoller kriegen.
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Donnerstag, 27.7. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)


Die Brauseboys - Frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Michael-André Werner (macht das hier nicht zum Spaß)
Marco Tschirpke (Lapsuslieder & Gedichte)

Mittwoch, 19. Juli 2017

Brauseboys am 20.7.: Wir lesen durch

Die Außenseiter (von Frank Sorge)

Namen sind mitunter Schall und Rauch, eher nicht, wenn sie auf Straßenschildern stehen. Dann sind es Namen, die auf Straßenschildern stehen. Umstrittene Personen deutscher Kolonialgeschichte von diesen Schildern herunterzunehmen, ist daher eine gute Idee, hier im Wedding im Afrikanischen Viertel. Es geht nicht darum, diese Geschichte zu vergessen oder vergessen zu machen, sondern im Gegenteil, sich mit ihr zu beschäftigen. Nach einigem Streit um das Verfahren und die von einer Jury ausgewählten Namen, hat das Bezirksamt jetzt die komplette Liste der 196 Vorschläge veröffentlicht, die Anfang des Jahres eingebracht werden konnten. Gesucht wurden "Persönlichkeiten – insbesondere Frauen – der (post-) kolonialen Befreiungs- und Emanzipationsbewegung aus Ländern Afrikas". Vor allem Afrikaforscher werden sich weiter mit den Vorschlägen beschäftigen, unter diesen sind aber einige, mit denen sie sich nicht beschäftigen müssen. Mit denen kann ich mich beschäftigen, das wären u.a.: David-Bowie-Straße, Mustafa-Kemal-Atatürk-Straße, BVV-Mitte-auflösen-Straße, Donald-Duck-Straße, Recep-Tayyip-Erdogan-Platz, Grüne-Raus-Straße, Grüne-Kotz-Straße, Grüne-Vögel-Straße, Grüne-Wiese-Straße, Niemals-Grüne-Wählen-Straße, Pippi-Langstrumpf-Straße, Platz-des-afrikanischen-Elefanten.

David-Bowie-Straße - der bekannte Welt-Musiker (Afrika inbegriffen, letztes Album 'Black Star'), der beinahe in Kamerun geboren wurde (Luftlinie gute 5000 km). Passt auf keines der vorgegebenen Kriterien für die neuen Straßennamen, aber dann eigentlich doch ("Sie hat mit ihrem Wirken Maßstäbe gesetzt"). 
Mustafa-Kemal-Atatürk-Straße - der Begründer der Republik Türkei (sehr nahe an Afrika) ist nicht als Widerstandskämpferin bekannt, passt aber auch auf überraschend viele Kriterien der Jury ("Der Name geht aus der Vorschlagsliste hervor.").
BVV-Mitte-auflösen-Straße - ganz offenkundig geht es diesem Namensvorschlag nicht darum, einen Namen vorzuschlagen. In seiner pöbelnden Plumpheit liegt aber auch der inspirierende Impuls, abseits von Persönlichkeiten Straßennamen zu erwägen. Warum also nicht einfach 'Kolonialgeschichtsstraße', oder 'Straße der Verantwortung'? Oder schlicht 'Umbenennungsstraße', wenn man sich gar nicht einigen kann?
Donald-Duck-Straße - Quak, quak, quak. Nak, nak, quak, quak. Quak. Es mag Gründe für diesen Vorschlag geben, aber sie sind einfach nicht richtig greifbar. (Fortsetzung am...)
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Donnerstag, 20.7. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)


Die Brauseboys - Frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Jürgen Beer (Lass uns da mal hingehen)
Doc Schoko (Stadt der Lieder)

Mittwoch, 12. Juli 2017

Brauseboys am 13.7.: Wedding für alle

Der lange Abschied (von Frank Sorge)

Es ist mir sehr unangenehm, mich nicht beim Abholen von den anderen Eltern der Kita-Kinder zu verabschieden - aber es geht nicht mehr. Es ist unwürdig. Man hat ja schon so relativ wenig miteinander zu tun. Wenn dann die wenigen Begegnungen peinlich verlaufen, umso verheerender. Nach guter Gewohnheit beende ich  bislang Gespräche in der Garderobe mit 'Tschüß', 'Adieu' oder 'Auf Wiedersehen'.
Dann bringe ich die Kinder heraus und frage sie, ob wir direkt nach Hause wollen. Ich frage rhetorisch, denn die Antwort lautet immer “Eis!”. Also fahren wir zum Eisladen, wo, na hoppla, genau die Eltern sitzen, von denen ich mich gerade verabschiedet hatte. So wörtlich war das mit dem ‘Wiedersehen’ nicht gemeint.
“Hello again”, sage ich da peinlicherweise, oder “Ach, so sieht man sich wieder”.
Mir war schon aufgefallen, dass viele Eltern nicht auf ein ‘Tschüß’ reagieren und hatte das für unfreundlich gehalten. Aber jetzt weiß ich, die wussten halt schon, wie unsinnig so ein Abschiedsgruß ist. Ich nicht, also folgt ein peinliches Herumgestammel zur Gesprächswiederaufnahme, kantiger Smalltalk-Aufguss gegen unbehagliche Stimmungen, gekrönt mit einem Tschüß - das als ‘Jetzt aber wirklich’ betont ist. Es hält bis zum Spielplatz gegenüber.
Was ich auch nicht mehr mache, das Eis oder irgendein anderes Nahrungsmittel mit auf den Spielplatz zu nehmen. Kaum sitze ich selbst mal mit einem Stück Brot da, selten genug, dass ich überhaupt zum Essen komme, da nähern sich schon die ersten wankenden Gestalten. Sie haben große Kulleraugen, sie haben verschmierte Münder und sandverschlammte Schläfen. Sie wanken wie kleine Zombies, immer meine Kehle oder mein Gehirn im Blick, bei genauerer Betrachtung ist der Fokus der Karawane aber mein Brot. Oder mein Eis, oder meine Gummibärchen. Die meisten Kinder stehen einfach da und starren, bis ich ihnen alles übergebe. Andere setzen sich so um mich herum, dass ich komplett blockiert bin, bis ich alles verteilt habe. Meine eigenen Kinder beäugen das erst skeptisch, sehen, dass es funktioniert und rennen zu anderen Eltern. Überlebensstrategien im Wedding.
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Donnerstag, 13.7. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)


Die Brauseboys - Frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Roman Israel (Sax Royal)
Karl Neukauf (Papperlapapp)

Mittwoch, 5. Juli 2017

Brauseboys am 6.7. in der NUSSBREITE: Mit Paul, Ivo & Ahne

Wedding für alle (von Frank Sorge)

Schön biste nur, wenn die Sonne druff scheint.
Aba feucht, ooch wenns lange nicht regnet.
Kannte dir nicht, aber hätte jemeint,
wir wärn uns ma' irgendwo begegnet.

Stehst voll mit Häusern, wo Einöde war,
und bist doch ne Wüste jeblieben.
Aber mit schöne Oasen drin, klar,
Kamele und Palmen und Dünen.

Nich nur Zeit kratzt an die Häuser,
ooch Makler. Rausjeputzt wird: Die Immobilie.
Blumiger Text wird von altem Charme säuseln,
am Straßenrand wächst keene Lilie.

Bisschen teurer, wem sollte dit schaden?
Draußen am Rand kannste immer noch mieten.
Haste nüscht, brauchste doch ooch keenen Laden,
dit hat son Ort jwd meistens zu bieten.
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Donnerstag, 6.7. /20.30 Uhr
Achtung! Ausweichort! 
NUSSBREITE (Seestraße 106, U-Seestraße)



Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. Diesen Donnerstag mal wieder ausnahmsweise in der Nussbreite, unserem liebsten Nusslokal.

Paul Bokowski (Der mit der Brille)
Ivo Smolak (Der mit Hüftschwung)
Ahne (Der mit Gott spricht)