Dienstag, 26. März 2019

Brauseboys am 28.3. in der Nussbreite: Die letzte Nuss

Schießkanone (von Frank Sorge)

“Schießkanonen”, brüllt mein Sohn und fuchtelt in der Gegend herum, meine Tochter zieht die Augenbrauen hoch und findet es doof. Was ist also an diesen scheiß Kanonen, dass sie Jungs so in den Bann ziehen, die kleinen, die großen, die mittleren? Sie sind scheiße laut, sie sind scheiße gefährlich, man fühlt sich mächtig. Nun bin ich ja auch mal ein Junge gewesen und kann das gut nachfühlen. Natürlich wollte ich auch Pistolen, denn sie kamen überall vor und waren wichtig, in Filmen und so, und waren immer scheiße spannend. Ich wollte als Neuköllner natürlich das obligatorische Klappmesser, die Wurfsterne, das Katana. Jetzt aber will ich das alles nicht mehr haben, was wollte ich jemals damit?
“Scheißkanonen”, rufe ich und fuchtele in der Gegend herum, mein Sohn zieht skeptisch die Augenbrauen hoch und findet es doof. Ich bin der geborene Pädagoge.
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Donnerstag, 28.3. /20.30 Uhr
Ausweichort! NUSSBREITE (Seestraße 106, U-Seestraße)


Die Brauseboys - Lesebühne im Wedding

Seit sechszehn Jahren jede Woche neue Texte, Betrachtungen, Musik und belebende Heiterkeit mit Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann, Heiko Werning und Gästen. Am 28.3. weichen wir das voraussichtlich letzte Mal in die Nussbreite aus, es sind alle dabei. Aber die letzte Nuss ist noch nicht gegessen, wir begrüßen als Gäste:

Jane Steinbrecher (Schöngeisteswissenschaftlerin)
Christoph Theußl (Schwabinger Schaumschläger)

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Jeden Donnerstag um 20.30 Uhr lesen die Brauseboys und Gäste. In den kommenden Wochen nehmen wir Abschied vom La Luz & der Nussbreite, um ab 18.4. jeden Donnerstag im Eschenbräu zu landen. Deshalb bitte genau schauen, wo wir sind, hier im Überblick:

-Donnerstag, 28.3. >Die Brauseboys in der Nussbreite >20.30 Uhr
-Donnerstag, 4.4. >Die Brauseboys im La Luz >20.30 Uhr
-Donnerstag, 11.4. >Die Brausegirls im La Luz >20.30 Uhr
-Freitag, 12.4. >10 Jahre im La Luz >20.30 Uhr


-Donnerstag, 18.4. >Die Brauseboys im Eschenbräu >20.30 Uhr


Mittwoch, 20. März 2019

Brauseboys am 21.3. im La Luz: Sechzehn Jahr, kaum noch Haar

Sechzehn Jahr, kaum noch Haar (von Udo Sorge)

An einem Donnerstag, es gab keine Lesung,
Hier niemals im Traum, oh nein, oh nein
Alles doch Wedding hier, was sind das für Leute?
Da ging es schon los, da

Sechzehn Jahr, kaum noch Haar,
so lang ist das her.
Sechzehn Jahr, kaum noch Haar,
und es wird nicht mehr.

Lalalala lalalala la la la la la
Ein wilder Donnerstag, zu schnell vorüber,
doch hörte der niemals auf
oh nie, oh nie
Zuhörer jedes Mal, der Kiez gab uns Liebe,
Jetzt waren wir da, da

Sechzehn Jahr, kaum noch Haar,
so lang ist das her.
Kaum noch Haar, sechzehn Jahr,
und es werden mehr.
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Donnerstag, 21.3. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)


Die Brauseboys - Lesebühne im Wedding

Seit genau sechzehn Jahren jede Woche neue Texte, Betrachtungen, Musik und belebende Heiterkeit mit Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann, Heiko Werning und Gästen. Am 21.3. begrüßen Heiko Werning, Thilo Bock, Frank Sorge und Robert Rescue im gemütlichen Restaurant des La Luz:

Udo Tiffert (Lausitz-Literatur)
Skalitzer (Kreuzberg-Ska)

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Jeden Donnerstag um 20.30 Uhr lesen die Brauseboys und Gäste im La Luz, Oudenarder Str.16-20 (Osram-Höfe), Tram M13/50,  nahe U6-Seestraße und U9-Nauener Platz. Das La Luz öffnet um 19.30 Uhr und bietet leider keine warme Speisen an. Um vorher etwas zu essen, empfehlen wir Restaurants in direktem Umkreis, z.B. das Restaurant Schäfer oder das Sam Yuk Gu.

Ab 18.4. jeden Donnerstag im Eschenbräu!
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JUBILÄUM & AUSZUG

Freitag, 12.4. >20 Uhr
La Luz (Osram-Höfe)

10 Jahre La Luz - Die große Abschiedsshow



Alles wird neu bei den Brauseboys! Neue Location, neue Besetzung. Doch unseren 16. Geburtstag feiern wir noch in alter Besetzung in der alten Location, die genau 10 Jahre unsere Heimstatt war. Zeit und Anlass genug, auf diese 10 Jahre noch einmal mit einem famosen Best-of zurückzuschauen: Die besten Texte, die je im La Luz vorgelesen wurden, die besten Songs, die in diesen Jahren entstanden, die schönsten Videos, die in dieser Zeit gedreht wurden. Auf zur großen Abschiedssause!

Eintritt: 
13€ (ermäßig: 9€)
Es gibt einen Online-Vorverkauf

Sonntag, 17. März 2019

Me and David Sedaris



„Oh, ein neuer Sedaris!“, rufe ich entzückt. „Ich liebe David Sedaris. Es gibt keinen Autor, der mein Schreiben mehr beeinflusst hat als er“, erkläre ich Roland, einem meiner Lieblingsbuchhändler. „Neue Bücher von ihm kann ich gar nicht abwarten, ich kauf ich sie immer gleich am ersten Tag!“„Das Buch ist vor vier Monaten erschienen“, sagt Roland.
„Ich weiß“, lüge ich. „Ich brauch‘s ja als Geschenk. ... Ist es gut?“

Wenn ich eins von David Sedaris gelernt habe, dann dass es keinen Fettnapf gibt, der tief genug wäre, als dass man nicht über ihn schreiben könnte. Vor allem aber hat er mir vorgemacht, wie man autobiografisch schreibt und die eigene Homosexualität so selbstverständlich thematisiert, dass nicht mal der schubladenverliebte deutsche Buchhandel sich traute, ihn ins Regal mit Homosexuellenliteratur abzuschieben, ganz hinten, im Gang zur Kundentoilettlette. Er hat mich gelehrt, dass Komik in der Aufrichtigkeit liegt und wie man aus echten Anverwandten literarische Figuren macht, ohne die realen Vorbilder zu verraten. Indem man sich über andere nie mehr lustig macht als über sich selbst. Die Komik liegt in der Demut, sich selbst immer als den größeren Depp zu zeichnen. Niemand beherrscht das besser als David Sedaris: „Ja doch, mein Haar ist grau und ausgedünnt. Ja doch, das Ventil in meinem Penis ist undicht, und nach dem Pinkeln gehen immer ein paar Tropfen in die Hose. Aber ich habe zwei Gästezimmer.“ Ich lache schon auf der ersten Seite von "Calypso" - mit David, ich habe Teil an seinem Leben. (Ich bin sicher, ich darf ihn duzen, denn spätestens nach dem dritten Buch von ihm fühlt man sich als Teil seiner Familie.) Wir werden zusammen alt. Er ist mir etwa zehn Jahre voraus. Bei mir sind es noch sehr wenige Tropfen, aber ich hab auch erst ein Gästezimmer.

Einst hatte ich die Chance, David Sedaris zu interviewen – für das queere Stadtmagazin Siegessäule. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Dann habe ich abgelehnt. Ich habe mich nicht getraut, weil ich befürchtete, im Englischen zu versagen. David lernt gerne Sprachen, das weiß ich aus all seinen Büchern, und dann säße da ein schwuler Reporter vor ihm, der in eingerostetem Gymnasialenglisch radebricht und ständig unsinnige Fragen stellt, weil er die Antworten zuvor nicht verstanden hat.

Nun bin ich seit mehr als einem halben Jahr mit einem Briten zusammen, wir sprechen nur Englisch miteinander. Mein Partner gibt vor, mich zu verstehen. Aber ich habe noch immer das Gefühl, dass mein Englisch die Qualität von Kinderbildern hat, die man seiner Mutter aus der Kita mitbringt: nur mit Liebe zu ertragen. „Hast du gut gemacht!“, sagt die Mutter, pinnt die bunten Krakeleien zu den anderen an den Kühlschrank und sehnt sich heimlich die Pubertät herbei, in der solche Bilder wie von Geisterhand verschwinden.

Die wahre Ursache, dass ich ein Interview mit David abgelehnt habe – und es vermutlich wieder tun würde –, geht wohl tiefer: Ich könnte enttäuscht sein. Schon jetzt hat mich eine Information aus dem neuen Buch irritiert, um nicht zu sagen geschockt: David ist nur 1,65 Meter groß! Dabei hatte ich ihn mir immer als schlaksigen, durchschnittlich großen Mann vorgestellt! Mein Interview mit David Sedaris hätte also sehr wahrscheinlich damit begonnen, dass ich ihn übersehen hätte. Und was, wenn er mir dann in einem himmelblauen Hosenrock gegenübergetreten wäre, wie er ihn in einer seiner neuen Geschichten beschreibt? Könnte ich so einen Mann noch mein Idol nennen? Einen karnevalesk gekleideten Zwerg, der mir gerade mal bis an die Brustwarzen reicht? - Nein, ich möchte David Sedaris nie begegnen. Ich begegne ihm ihn jedem seiner Bücher, das reicht mir völlig.

Dienstag, 12. März 2019

Brauseboys am 14.3. im La Luz: Der dritte Frühling

Zurück in die Zukunft (von Frank Sorge)

Mit dem Rauchen aufzuhören, und es mit dem elektronischen Dampfen zu ersetzen, ist wie den Diesel zu verschrotten, um sich einen Tesla zu kaufen, wie den Festnetzanschluss abzuschaffen, und einen weiteren Funk-Vertrag abzuschließen. Das Coolste am Dampfen ist, neben der umfänglichen Reduzierung von Schadstoffen, wieder hemmungslos Innenräume vollquarzen zu können. Zum Beispiel im Hotel. Nach zehn Jahren Rauchverbot endlich wieder die Bude vernebeln, es ist herrlich. Gibt keinen Dampfmelder im Hotel, Gestank hinterlässt der Gast auch nicht, höchstens ein wenig Mangoaroma. Vor vielen Jahren schon hatte ich mich damit abgefunden, kein Auto haben zu wollen, warum auch? Jetzt hänge ich an YouTube-Videos über Elektroautos wie mein immer durstiges Smartphone an der Steckdose. Früher gab es auch Kabel am Telefon, die Älteren werden sich erinnern, jetzt hängt es aus anderen Gründen dran. Ich muss auch kein eigenes Elektroauto haben, aber ich könnte es ständig mieten, einfach nur um drinzusitzen, zu dampfen und Radio zu hören. Meinen Kindern muss ich wohl nie das Fernsehgucken einschränken, denn sie haben gleich angefangen, Videos im Internet zu gucken. Wenn ich was aussuchen darf, zeige ich ihnen Raketenstarts, da müssen sie durch. Menschen waren nämlich längst auf dem Mond, auch wenn es ihnen bald so vorkommen wird, als wäre das ganz was Neues. Das ging schon dem Steinzeitmenschen so, als die ganz Schlauen mit der Bronze kamen. "Messer ham wa schon", haben die hier im Urstromtal bestimmt gedacht, und so geht es immer weiter zurück in die Zukunft.
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Donnerstag, 14.3. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)


Die Brauseboys - Lesebühne im Wedding

Seit bald sechszehn Jahren jede Woche neue Texte, Betrachtungen, Musik und belebende Heiterkeit mit Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann, Heiko Werning und Gästen. Am 14.3. begrüßen Heiko, Thilo und Robert im gemütlichen Restaurant des La Luz:

Mareike Barmeyer (Rakete 2000)
Anselm Neft (Die bessere Geschichte)

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Jeden Donnerstag um 20.30 Uhr lesen die Brauseboys und Gäste im La Luz, Oudenarder Str.16-20 (Osram-Höfe), Tram M13/50,  nahe U6-Seestraße und U9-Nauener Platz. Das La Luz öffnet um 19.30 Uhr und bietet leider keine warme Speisen an. Um vorher etwas zu essen, empfehlen wir Restaurants in direktem Umkreis, z.B. das Restaurant Schäfer oder das Sam Yuk Gu.

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JUBILÄUM & AUSZUG

Freitag, 12.4. >20 Uhr
La Luz (Osram-Höfe)

10 Jahre La Luz - Die große Abschiedsshow


Alles wird neu bei den Brauseboys! Neue Location, neue Besetzung. Doch unseren 16. Geburtstag feiern wir noch in alter Besetzung in der alten Location, die genau 10 Jahre unsere Heimstatt war. Zeit und Anlass genug, auf diese 10 Jahre noch einmal mit einem famosen Best-of zurückzuschauen: Die besten Texte, die je im La Luz vorgelesen wurden, die besten Songs, die in diesen Jahren entstanden, die schönsten Videos, die in dieser Zeit gedreht wurden. Auf zur großen Abschiedssause!

Eintritt: 
13€ (ermäßig: 9€)
Es gibt einen Online-Vorverkauf

Dienstag, 5. März 2019

Brauseboys am 7.3. im La Luz: Treulose Tomaten

Treuepunkte (von Frank Sorge)

“Treuepunkte für die Messeraktion?”, fragt die Kassiererin.
Ich drehe mich zu den anderen um, finde nur ich das komisch? Im Sinne von merkwürdig? Ja, offenbar bin ich der einzige, nur in meiner Fantasie das Blut, die Stiche, die Schreie, keiner verzieht eine Miene, ich schüttle den Kopf.
“Bonuspunkte?”
“Für die Messeraktion?”, frage ich nach.
“Nein, für Bonus.”
“Also für Rabatt?”
“Ja, im Endeffekt für Rabatt, aber Bonus klingt besser. Mehr ist mehr, verstehen sie, weniger ist weniger.”
“Ich dachte mehr.”
“Bei anderen Sachen vielleicht”, sie denkt kurz nach, “naja, ist sehr unterschiedlich, aber hier auf jeden Fall nicht. Rabatt ist ein Abzug, ein Bonus hingegen ist ein Bonus ist ein Bonus.”
“Verstanden, okay.”
“Also sammeln Sie?”
“Messer?”
“Sie haben wahrscheinlich schon Messer.”
“Ja", sage ich, "eins oder zwei."
"Ich nehm' die Punkte", sagt die Frau hinter mir plötzlich, "und wenn's hier nicht gleich weitergeht, hol ich die Messer sofort."
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Donnerstag, 7.3. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)


Die Brauseboys - Lesebühne im Wedding

Seit bald sechszehn Jahren jede Woche neue Texte, Betrachtungen, Musik und belebende Heiterkeit mit Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann, Heiko Werning und Gästen. Am 7.3. begrüßen alle Boys außer Teilzeit-Volker im gemütlichen Restaurant des La Luz einen Abgesandten des guten Geschmacks und einen Verfechter guter Töne:

Uli Hannemann (Liebling der Massen)
Doc Schoko (Stadt der Lieder)

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Jeden Donnerstag um 20.30 Uhr lesen die Brauseboys und Gäste im La Luz, Oudenarder Str.16-20 (Osram-Höfe), Tram M13/50,  nahe U6-Seestraße und U9-Nauener Platz. Das La Luz öffnet um 19.30 Uhr und bietet leider keine warme Speisen an. Um vorher etwas zu essen, empfehlen wir Restaurants in direktem Umkreis, z.B. das Restaurant Schäfer oder das Sam Yuk Gu.