Mittwoch, 27. Mai 2020

Brauseboys am 28.5. im Livestream: Herzen im Strom

Man lässt, was man kann (von Frank Sorge)

Es ist natürlich nachvollziehbar, dass Kneipenwirte fordern, die Kneipen zu öffnen, wenn die schon geöffneten Gaststätten als Kneipe genutzt werden, weil keine Kneipen geöffnet sind. Intuitiv ist jedoch einzusehen, dass drei Halbe einen Menschen unvorsichtiger machen als ein Nackensteak oder ein Teller Bratkartoffeln. Gerade die, die nach drei Halben erst anfangen. Auch gesprächiger macht das Trinken, denn nach viel Essen wird man eher stumm und schläft ein. Von den Kalorien her macht es wiederum keinen Unterschied und Essen ist genauso gesellig. An einen Tisch setzt man dennoch höchstens eine Familie, die ganze Familie am Kneipentisch wiederum wäre für viele aber genau der Grund, doch nicht in die Kneipe zu wollen. Es ist kompliziert, ich kenne das hier zu Hause, warum darf der das und ich nicht? Völlig außer Acht lässt man allerdings die, die schon dürfen, aber noch gar nicht wollen. Die auch nicht demonstrieren wollen, denn sie wollen ja nicht zusammen raus, sie wollen nichts aufmachen, die wollen auch nicht laut Forderungen stellen, schon allein wegen der Aerosole. 
Ich rege mich nicht zu sehr auf über die in der Tram, denen alles und jeder egal ist, sie sind mir im Zweifel genauso egal dann, aber da es jetzt schon jeder vierte oder fünfte ist, werde ich garantiert noch viel weniger Tram fahren als davor. Wenn irgendwas aufmacht, mag ich dort eigentlich im Moment genau deshalb nicht hingehen, weil es aufmacht. Aber für wen macht man dann auf? Für die, die sowieso die Vorsicht fahren lassen wollen? Dann wäre es kein Wunder, was man so draußen an Unvorsicht sieht. Aber könnte man nicht die drinnen lassen, die drinnen sein wollen? Ich meine jetzt auch mit Geld, und nicht nur mit Angst. Ich fände Einsiedlerprämien gut, bessere Steuerklassen für ausgedehntes Homeoffice, Grundsicherung für Künstler, die in Ruhe über den ganzen Mist in ihren Kreativnestern Romane, Alben und Skulpturengärten ausbrüten könnten, mit insgesamt ein paar mehr Themen als Klagen, Verzweiflung und Kapitalismuskritik. Schön naiv natürlich, nach systemrelevant kommt erstmal umsatzrelevant, und gegen Ende bleibt vielleicht irgendwas künstlerisch relevant. Oder auch nichts, denn wer will sich schon daran erinnern?

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Donnerstag, 28.5.20 / 20.30 Uhr
Facebook Livestream (Öffentlich, Internet)



Die Brauseboys - Lesebühne im Wedding - Herzen im Strom!

Seit siebzehn Jahren jede Woche neue Texte, Betrachtungen, Musik und belebende Heiterkeit, seit Beginn der Isolation im Livestream der Herzen. Die, die auf dem Bildschirm fliegen, wenn ihr sie drückt, also anklickt, was wir erst so zwanzig oder dreißig Sekunden später sehen, was uns aber ein herzlich warmes Gefühl bereitet. Wenn man dann die Augen schließt und eine große Muschel ans Ohr hält, hört man über das Rauschen des Datenozeans hinweg so etwas wie Applaus. Es gibt noch keine Neuigkeiten, wenn es anders wieder geht, aber der Stream reisst nicht ab. Am Donnerstag wieder live und in Farbe auf Facebook. Schaltet ein, und lasst euch was vorlesen.

Ab 20.15 Uhr einschaltbar auf unserer Facebook-Seite, auch ohne Account. Der Livestream wird archiviert und kann später nachgeschaut werden. 

Wer den Eintritt von 8,- Euro (ermäßigt 5,-) zahlen möchte, ist herzlich dazu eingeladen, via Paypal an hutspende@brauseboys.de zu spenden (Paypal-Account von Volker Surmanns Satyr-Verlag).
Alternativ per Überweisung an Nils Heinrich mit Verwendungszweck 'Brauseboys'
IBAN DE52 5005 0201 1240 6229 00
BIC: HELADEF1822

Dienstag, 19. Mai 2020

Brauseboys am 21.5. im Livestream: Auch schon so locker?

Isoliertes Bahnfahren (von Frank Sorge)

Ich fahre mit der Bahn in eine andere Stadt, und das wäre ja sonst nur diese Bemerkung wert, aber es ist Pandemie, da ist nichts so, wie es war. Als ich beim Hauptbahnhof ankomme, schon das erste Verblüffen darüber, dass hier überhaupt Zugbetrieb ist. Klar, ich habe schon eine Fahrkarte gebucht und gehe davon aus, dass alles fährt wie gedacht. Aber das haben auch die gedacht, die irgendwann eine Karte für die Ärzte oder Rammstein gekauft haben. Ich halte es jederzeit für möglich, dass die Fahrkarte in die Luft gekauft war.
Der Zug hat immerhin eine halbe Stunde Verspätung, wird mir angezeigt, ein Anker zur Normalität. An der Menge der Fahrgäste liegt es nicht, überlege ich, als ich mir irgendeines der leeren Abteile aussuche, die Schuhe abstreife, die Füße hochlege und meinen 'Komfort-Check-In' mache wie empfohlen Bis Hamburg sehe ich nur zweimal Menschen am Abteil vorbeigehen. Einmal den Schaffner, der auf seinem Gerät sieht, dass ich mich schon selbst um seine Aufgabe gekümmert habe, und dann den Schaffner, der irgendwann wieder zurück zu seinem Abteil geht. Die Mikrofonansage hingegen wirkt, als säßen wir zu Tausenden auf einer Wiese und gleich würde Jimi Hendrix spielen. Mit markigen Worten preist der Zugchef die Mitarbeiter, die Fahrgäste, die Bahn, die ganze Welt und wünscht uns eine außerordentlich gute Reise, mit euphorisiertem Vibrieren in der Stimme schaltet er das Mikro wieder aus. Aber ich kenne das gut: Wenn nur ganz wenige da sind, probiert man am Mikrofon eher mal was aus.
Durch die Verspätung verpasse ich meinen Anschluss und steige auf den Zug eines regionalen Unternehmens um. Thank you for letting me not choose Deutsche Bahn again. Hier schlägt die Zugchefin einen anderen Ton an: „Liebe Fahrgäste, in diesem Zug herrscht... ach wissen Sie, herrscht, das klingt ja immer so blöd…“ Sie überlegt. „Es ist uns wichtig, dass Sie auf der ganzen Fahrt einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Wir machen das auch. Bitte tragen Sie ihn nicht: Unter dem Kinn, unter der Nase, am Ohr, auf dem Kopf, in der Hand oder in der Tasche, sondern bitte so, wie er gedacht ist. Es geht ja um unsere Gesundheit, oder?“ Die rhetorische Frage verhallt ohne Reaktion, aber hätte ich irgendwo einen Like zur Performance drücken können, hätte ich das auch gemacht.

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Donnerstag, 21.5.20 / 20.30 Uhr
Facebook Livestream (Öffentlich, Internet)



Die Brauseboys - Lesebühne im Wedding - Himmelfahrtsstrom!

Seit siebzehn Jahren jede Woche neue Texte, Betrachtungen, Musik und belebende Heiterkeit, seit Beginn der Isolation im Livestream der Herzen. Wann wir wieder aus dem Echsenstudio rauskommen (wo es immer schön warm ist und wir täglich frischen Salat bekommen), das wissen wir nicht, aber bald vielleicht. Es steht in den Sternen, wir können es nur noch nicht entziffern. Wir sehen das jetzt irgendwie gelockert, ihr auch? Natürlich wollen wir, dass einzig gute Laune und Lachen dabei dann ansteckend sind, wenn es soweit ist, wie bei unserer - tada! - zehnten Livestrom-Show. An diesem Donnerstag stecken wir uns also weiterhin virtuelle Zweige hinters Ohr, wenn die Kinder schlafen, und trinken unser Himmelfahrtsfass aus dem Eschenbräu unter Beobachtung aus dem Internet, bevor wir in die Maske summend am Vatertag der Gedanken nach Hause schlendern. Bei den meisten ist das gar nicht weit. Schaltet ein, und lasst euch was vorlesen.

Ab 20.15 Uhr einschaltbar auf unserer Facebook-Seite, auch ohne Account. Der Livestream wird archiviert und kann später nachgeschaut werden. 

Wer den Eintritt von 8,- Euro (ermäßigt 5,-) zahlen möchte, ist herzlich dazu eingeladen, via Paypal an hutspende@brauseboys.de zu spenden (Paypal-Account von Volker Surmanns Satyr-Verlag).
Alternativ per Überweisung an Nils Heinrich mit Verwendungszweck 'Brauseboys'
IBAN DE52 5005 0201 1240 6229 00
BIC: HELADEF1822

Dienstag, 12. Mai 2020

Brauseboys am 14.5. im Livestream: Viva la Isolation!

Maskiert (von Frank Sorge)

Ich gehe nach unten in den sonnendurchfluteten Kiez, um einzukaufen. Was soll man auch sonst machen? Meine Maske ist in der Jackentasche, gestern habe ich sie erst vor dem Supermarkt angezogen, jetzt lege ich sie gleich auf der Straße an. Sie ist sehr hübsch, muss ich dazu sagen, ein Hipster-Stoff mit symbolisierten U-Bahnstrecken, und was meine Frau näht, ist sowieso immer top. Wenn man mir nahe genug kommt, kann man auch einzelne Stationen lesen: Friedrichstraße, Alexanderplatz. Die Maske ist leicht und man kann gut in ihr atmen. Je weniger jetzt um mich herum noch eine tragen, desto lieber trage ich sie. Sie entspannt mich jeden Tag mehr auf eine Art, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Ich brauche unter ihr keine Mimik, ich brauche keine Gesichtsmaske, wenn ich maskiert bin. Ich kann mal den Mund offenstehen lassen, die Mundwinkel entspannen, die Kiefer lockerlassen. Ein wenig fange ich schon jetzt an zu bedauern, wenn wir damit wieder aufhören.
Auf dem Gehweg schlurft ein Rentner mit Handwagen heran. Ich bin nicht geistesgegenwärtig genug, mit dem Smartphone für die Welt zu fotografieren, was ich sehe, aber es brennt sich mir ohnehin wie ein Foto ein. Offenbar hat er keine übliche Maske mehr bekommen, er trägt eine Clownsmaske aus Plastik, ungefähr wie die Schergen des Jokers. Ein billiges, buntes Teil, das fies lacht und das nur zwei winzige Gucklöcher übrig lässt, durch die er navigiert. Wo immer er hingeht, zum Einkaufen, zur Apotheke, der Horror-Clown-Effekt ist perfekt und wahrscheinlich wird er überall vorgelassen, oder die Schlangen lösen sich unmittelbar auf, wenn er sich anstellt. Andererseits ist hier Wedding, die meisten hier lachen sich vermutlich nur tot. Also hoffentlich nur im übertragenden Sinne, denn auch beim Lachen fliegen diese Aerosole ja ganz schön rum.

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Donnerstag, 14.5.20 / 20.30 Uhr
Facebook Livestream (Öffentlich, Internet)



Die Brauseboys - Lesebühne im Wedding - Viva la Isolation!

Seit siebzehn Jahren jede Woche neue Texte, Betrachtungen, Musik und belebende Heiterkeit, seit Beginn der Isolation im Livestream der Herzen. Wie lange das noch so bleiben muss, können wir nicht sagen, aber draußen stehen schon die nächsten Erreger vor der Tür. Virale Verschwörungstheorien, die Schrauben lockern und die Vernunft gefährden, da bleiben wir doch lieber länger drin. In diesem Internet, mit einem Betriebssystem von... ah, oh, wo ist mein Virenscanner? Ihr aber könnt uns weiterhin aus sicherem Abstand zusehen, wie wir lesen und singen, live und in Farbe auf Facebook, mit ungezügelter Freude. Schaltet ein, trinkt ein Eschenbräu mit uns mit und lasst euch was vorlesen.

Ab 20.15 Uhr einschaltbar auf unserer Facebook-Seite, auch ohne Account. Der Livestream wird archiviert und kann später nachgeschaut werden. 

Dienstag, 5. Mai 2020

Brauseboys am 7.5. im Livestream: Kontaktstrom

"Unter der Maske" (von Frank Sorge & Google)

Panik unter der Maske.
Jetzt wissen wir, wer unter der Maske steckt.
Was unter der Maske passiert.
Unter der Maske muss die Ärztin fast schreien.
Atmen unter der Maske kann schwierig sein.

Murmeln unter der Maske.
Unter der Maske des Narren.
Unter der Maske ein Lächeln.
Freude unter der Maske.
Doch ist Ausatmen unter der Maske wirklich gefährlich?

Der Mann unter der Maske.
Unter der Maske des Managers.
Ich verstehe die Beklemmungen unter der Maske.
Schließlich sammeln sich Schweiß, Öl und feuchter Atem unter der Maske.
Unter der Maske des Narzissmus.
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Donnerstag, 7.5.20 / 20.30 Uhr
Facebook Livestream (Öffentlich, Internet)



Die Brauseboys - Lesebühne im Wedding - Kontaktstrom!

Seit siebzehn Jahren jede Woche neue Texte, Betrachtungen, Musik und belebende Heiterkeit, seit Beginn der Isolation im Livestream der Herzen. Das wird auch noch eine Weile so bleiben, entweder trotzdem an anderen Stellen gelockert wird, oder weil an anderen Stellen gelockert wird, wir werden sehen. Ihr aber könnt uns weiterhin zusehen, denn wir lesen und singen live und in Farbe auf Facebook, mit ungezügelter Freude. Schaltet ein, trinkt ein Eschenbräu mit uns mit und lasst euch was vorlesen.

Ab 20.15 Uhr einschaltbar auf unserer Facebook-Seite, auch ohne Account. Der Livestream wird archiviert und kann später nachgeschaut werden. 

Wer den Eintritt von 8,- Euro (ermäßigt 5,-) zahlen möchte, ist herzlich dazu eingeladen, via Paypal an hutspende@brauseboys.de zu spenden (Paypal-Account von Volker Surmanns Satyr-Verlag).
Alternativ per Überweisung an Nils Heinrich mit Verwendungszweck 'Brauseboys'
IBAN DE52 5005 0201 1240 6229 00
BIC: HELADEF1822