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Brauseboys am 23.2.: Weddinger Frohsinn

Karstadt (von Frank Sorge) Bei den Kindern deutet sich eine Sprachexplosion an, aus den ersten hundert Einzelwörtern werden Kombinationen gebildet und täglich neue Partikel dazugelernt. Das ist so wundersam zu beobachten, wie das Zusammenfinden erster Eiweißpartikel zu primitiven Bakterien, die einen mit Leben überwucherten Planeten ergeben. Auch der Urknall stinkt dagegen im Grunde ab, mangels staunender Zuschauer. Als Papa Poetus achte ich natürlich darauf, dass ihr erster Sprachteich der Erkenntnis möglichst naturbelassen bleibt. Ein sicheres Terrain bildet, ein elementarer Grundstock, bevor der ganze Wahnsinn unserer globalen Sprachexplosion über sie hereinbricht. "Kommt, Kinder, wir gehen noch zu Karstadt", sagen wir unbedarft, und mein Sohn reckt freudig den Kopf nach vorne und sagt: "Karstadt." "Wow, er hat Karstadt gesagt", sagt meine Freundin, darauf er: "Karstadt, Karstadt, Karstadt." "Puh, willst du nicht lieber was an...

Brauseboys am 12.1. im La Luz: Ins neue Jahr

Lokales Weltgeschehen (von Frank Sorge) Müllerstraße - Reichelt heißt jetzt Edeka, bzw. heißt Edeka, das schon Edeka war, aber noch Reichelt hieß, jetzt auch so. Von der gegenüberliegenden Straßenseite betrachtet hat sich sonst erstmal nichts geändert. Man kann dort wohl Brot, Milch und Eiersalat kaufen. Postfaktische Einkaufsbons - An einer Frischetheke kaufe ich ich Oliven mit italienischen Kräutern und Hummus. Die Kontrolle des Bons ergibt, ich hätte Oliven mit Chilli und Käsesalat erstanden. Im Grunde unproblematisch, solange alles schmeckt. Aber was, wenn ein Umtausch ansteht?  Wachstum - Für ein Start-up-Projekt unter dem Namen 'Grow' wurde am Humboldthain eine Baugenehmigung erteilt. Es soll sofort einer gebaut werden und bald fertig sein, rauchen muss man selber. Let it grow, let it grow, let it grow. Wetter - Es ist wahnsinnig kalt. Immer mehr Tiere müssen von der Weddinger Feuerwehr gerettet werden. Hunde frieren in ihren Pinkelpfützen fest, Spat...

Brauseboys am 12.2.: Lachen und lesen

Kudamm des Nordens - Reloaded (von Frank Sorge) Auf der Müllerstraße, prominent zwischen Seestraße und Citipoint-Center, eröffnet bald ein neuer Laden. Meterhohe Buchstaben auf der neuen Leuchtreklame: "Spätkauf". Nimm das, Gentrifizierung! Künftig kann man also mit dem Brot von der Biocompany direkt zum Sternburg-Regal stolpern, ohne in eine Seitenstraße einzubiegen. Womöglich eine gesündere Mischung, als auf den ersten Blick erkennbar. Der Spätkauf kann den Biokäufer per Versuchung vor allzu ausufernden Wahnvorstellungen bewahren - er erdet - dem Spätkaufer wiederum führt der nahe Bioladen vor Augen, dass Currywurst und Erdnussflips nicht alles sind, bzw. man nicht auf ewig an die Tiefkühlpizza vom Discounter gegenüber gebunden ist. Das elende "entweder... oder" hat ausgedient, es lebe das "aber auch". Im Spätkauf-Bier selbst steckt zudem noch mehr Versöhnungspotential, denn es ist ja vegan. Um den "Kudamm des Nordens" muss man sich dahe...

Der bewusstlose Strom

Laufe ziellos durch den Wedding, einerseits gegen den Bewegungsmangel, andererseits um noch einen Zipfel Sonne zu erhaschen. Kaum bin ich auf der Müllerstraße formt sich ein Ziel vor Augen, aber ich werde unterbrochen und gestoppt. Eine Frau und ein Mann in dunkelgrauen Anzügen und roten Krawatten spricht mich an, ob sie mich kurz stören könnten, eine kurze Umfrage nur, sie würden gerade in der Gegend berufstätige Leute befragen. In ihrer Hand ein Block mit Zetteln, auf denen ca. fünf Fragen in einer Tabelle angedeutet sind. Hier im Wedding auf der Müllerstraße berufstätige Leute befragen, überlege ich, was für ein Unterfangen. “Sind Sie denn berufstätig?” “Ja.” “Nur ein paar Fragen.” “Eine Umfrage? Von welcher Firma nochmal?” “Unic”, sagt sie, bei Google finde ich später nichts. “Und für wen arbeitet Ihre Firma?” Sie überlegt. “Für alle möglichen… Leute.” So ein schwacher Auftritt, fast vermute ich Zeugen Jehovas. Wie ich meine Einkommensituation in den letzten Ja...

Brauseboys am 16.1.: Intermezzo im La Luz

Medizin für die Massen (von Frank Sorge) Was für ein Gedränge in der Apotheke. Es ist Mittagszeit, an einem langen Tresen stehen bestimmt zehn Apothekerinnen an diversen Kassen und sind in Verkaufsgespräche verwickelt. Zwei große Säulen stehen mitten im Raum und bieten drei Möglichkeiten, zu den Kassen zu kommen, links, rechts oder zwischen beiden hindurch. Ich stelle mich in die Mitte, von der aus man den ganzen Tresen übersehen kann, aber auch links und rechts der Säulen könnten sich Rentner vorbeischleichen. Eine steht mit mir in der Mitte und wundert sich ebenfalls über das Getümmel. Wo man sich denn hier nun anstellen solle, fragt sie, ich sage, hier wäre doch ein guter Platz. Ja, sagt sie, aber da rechts zum Beispiel der ältere Herr, der hätte sich eben vorbeigeschlichen. Wir sehen ihn uns an, den Schuft, hinter ihm ist aber noch eine Seitentür geöffnet, von der weiter kranke Menschen, teils mit Krücken, aus dem Ärztezentrum im Haus in die Apotheke drängen. Vielleicht wäre ...

Buchpremiere am 17.9.: Geschichten aus der Müllerstraße

Wir haben es wieder getan, wir haben ein Buch geschrieben. Im schönen Verlag be.bra startet eine Reihe zu "Berliner Orten", die Brauseboys haben ihre liebste Demarkationslinie zwischen den Weddinger Kiezen links und rechts der Müllerstraße ausgewählt:  die Müllerstraße selbst, den früheren "Ku’damm des Nordens". Zwischen Leopoldplatz und Ecke Seestraße begegnen wir dabei vielen skurrilen Gestalten – unter anderem auch uns selbst. Am 17. September feiern wir Buchpremiere und stellen die "Geschichten aus der Müllerstraße" erstmals der Öffentlichkeit vor. Um 19.30 Uhr im Lichtburgforum (Behmstraße 13) Eintritt 5 €. Link zum Buch:   Geschichten aus der Müllerstraße