Montag, 21. April 2014

Spreepark-Tour: Katzenmaul


Sie hoffe, wir hätten viel Fantasie mitgebracht, denn die würden wir auf der Tour brauchen. Vieles sei längst vom Insolvenzverwalter verscheuert worden, anderes geklaut. Mit den Autos, die durch diesen Torbogen gefahren sind, konnte man wohl auch gut über die normalen Parkwege heizen. 


Zur Sanierung von Fahrgeschäften wie diesem wären auch vor allem nicht die schweren Stahlteile zu ersetzen, sondern längst verschwundene Wertstoffe in Stromleisten und Kabeln.


Die Zeit nagt nicht nur an Materialien, sondern auch an Stil, Moden und Technik. Sodass ein nächster Betreiber vermutlich eher auf Zeitgeist als Nostalgie setzen würde, im Zweifel also eher etwas neues baut. Dieses Katzenmaul aber einfach abzureissen würde ich jedenfalls nicht übers Herz bringen.


Hier noch einmal ganz nah dran und in 3D (jetzt bitte die Rot-Cyan-Brille aufsetzen).


Wie schnell Vegetation einen Ort zurückerobern kann, lässt sich nicht nur hier sehen. Aber hier auch. Schon nach zehn Jahren (Zombiekatastrophe, Atombomben, Invasionen tentakelbewehrter Außerirdischer, Pleite und Koksschmuggelaktion) haben sich überall Büsche und schlanke Bäume breitgemacht. Die Erde gehört ihnen ohne Wohnberechtigungsschein. Würde man sie noch ein paar Jahrzehnte in Ruhe lassen, wäre alles überwuchert, durchnässt, eingestürzt, unterwurzelt, verrostet, umrankt.


Spaß ist flüchtig, egal, wie kompliziert er hergestellt worden ist.


Die Geschichte der Pleite hat Sabrina Witte schon am Anfang erzählt, auch um Abstand zur vorherigen Gruppe zu gewinnen. Bei ihr dürfen wir mehr, aber es soll keiner sehen. Zum Ende des Monats wäre es eh vorbei mit den Touren, mit allem, sie würden schließen, denn es gäbe eine Einigung mit dem Land. Was künftig aus dem Gelände wird, das könne aber keiner voraussagen.


Bei einer Tour wäre mal ein Mann gewesen, der sie pausenlos beschimpft hätte. In Sippenhaft genommen, wegen aller Geschehnisse, eine ständige Tirade. Warum er dann überhaupt hier wäre, trotz aller Einwände, hätte sie gefragt. Um eben genau das zu tun, sie zu beschimpfen.
Später hätte er sich noch bedankt und beeindruckt gezeigt, dass sie die ganze Zeit über freundlich geblieben wäre. Hätte der gewusst, erzählt sie, was sie sich derweil an Foltermethoden für ihn ausgedacht hatte.