Donnerstag, 24. April 2014

ESC-Liedtextkritik 2014: Vorurteil böse - Island

"Lala lalalala lala lalalala lala lalalala lala la "

Nach dem "Backe, backe, Kuchen" scheinen Kinderthemen fast im Trend. Hier gehört es zur Nummer, die isländische Band Pollapönk besteht zum Teil aus Erziehern, das erklärte Ziel ist Spaßpunk für Kinder und Erwachsene. Ob damit im sonst eher hedonistischen Wettbewerb zu punkten ist, wird sich zeigen. Vielleicht ist es aber auch raffiniertes Angraben der wachsenden Zielgruppe elterngewordener ESC-Fans. Im Lied geht es um einen Stotterer, der Toleranz einfordert.

"Das Leben ist zu kurz für Kurzsichtigkeit,
und sag mir, wer hat noch die Zeit
für einen Kleingeist?
Hör mir zu,
weil jeder K-k-k-k-k-k
Körper sieht innen gleich aus.
Es z-z-z-z-z-z
zahlt sich aus:
ein Lächeln zu tragen."

Das Lied war ursprünglich Isländisch und wurde für den Wettbewerb ins Englische übersetzt. So kann ich nur die Übersetzung übersetzen, ehrlich gesagt glaube ich aber nicht, dass dabei irgendetwas v-v-v-v-v-v-verlorengeht.

"Auch wenn du ein großer bist,
oder ein ganz kleiner.
Oder ein ganz dünner,
oder jemand, der gern isst."

Ich dachte immer, Geschichten mit offensichtlich moralischem Zeigefinger würden Kinder eher abtörnen. Aber vielleicht ist das längst ganz anders, und sie hungern danach.

"Legt die Vorurteile ab,
diskriminiert nicht, Toleranz ist toll,
wir müssen da zusammenarbeiten,
das Problem von unserer Liste streichen."

Arbeit, Problem, Liste - wenn da nicht alle Kinder längst auf den Baum geflüchtet sind, um die Tirade nicht weiter hören zu müssen, weiß ich auch nicht. Da es so offensichtlich reicht mit den Maßregeln, kommt der Text wieder auf seinen Kern zurück:

"Lala lalalala lala lalalala lala lalalala 
Lala lalalala lala lalalala lala lalalala 
Lala lalalala lala la"

Passend zum Inhalt trägt die Band Anzüge in den Teletubbie-Farben.