Direkt zum Hauptbereich

Brauseboys am 17.4.: Es hagelt Worte

Weniger ist mehr (von Frank Sorge)

Südlich meiner Wohnung kenne ich alle Dönerläden, aber nach Norden ist meine Drehspieß-Landkarte weitestgehend kahl. Also auf zu neuen Dönern, Richtung Rehberge, da muss es einiges geben. Und ich finde einen vertrauenswürdigen Laden, nette Mitarbeiter, Yaprak-Döner, sogar ein Lockangebot. Und Kartoffeln kommen auch dazu, alles wirkt frisch.
Kalorientechnisch ist der Döner dreigeteilt. Fleisch-Brot-Soße, in gleichen Teilen. Traditionell wird jede Brothälfte mit einem flachen Löffel Soße bestrichen, zunehmend aber reisst es ein, kellenweise Soße dazuzuschütten. Nicht nur schwemmt man selbst infolgedessen auf wie ein Hefekloß, das Brot sifft durch, man hat alles an den Händen. Im Magen schwimmt die Soßenmasse träge herum wie ein Eisberg und wirft den Esser für Stunden in die Bewußtlosigkeit der Tiefsee. Ich sage also immer “Wenig Soße”, oder “Nur ein bisschen Soße”, oder “Ganz wenig Soße.”
“Hallo?”
“Ein Döner.”
“Okay, Soße?”
“Kräutersoße, aber nur ganz wenig.”
Ein bis zwei Minuten dauert es noch, Brot ist im Grilleisen, Yaprak-Schnipsel fallen. Dann nimmt er das Brot und schmiert es kellenweise mit Soße voll. Ich seufze, dann muss ich den unteren Rand halt wegschmeissen, durchaus entsetzt bin ich aber, als er nach der Salatschicht noch einmal eine Kelle Soße nimmt und oben draufsetzt.
“Aber nur ganz wenig”, fast glaube ich es noch zu hören, was ich sagte. 

~#~#~#~#~#~#~#~#

Donnerstag, 17.4. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Paul Bokowski, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit elf Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Gäste:

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Brauseboys am 4.6. (20 Uhr) mit Mareike Barmeyer, Jobinski und Bjarne

Alles im Blick (von Frank Sorge) Susanne sammelt schon gute Momente, ich könnte vielleicht die filmischen abgreifen. Wie ich gerade im Wedding nach Hause gelaufen bin, am Parkplatz vorbei, ein paar Heckleuchten entlang, als plötzlich ein offener Pizzakarton auf einer Motorhaube in den Blick kam, mit verlockend frisch leuchtenden Pizzastücken. Von links pirschte sich eine Krähe an das Auto heran, die gleiche Begehrlichkeit im Blick, schon beim nächsten Schritt aber kam rechts der kauende Autobesitzer in Sicht. Ich blieb stehen und blickte die Krähe und ihn an, er die Krähe und mich, wir lächelten gleichzeitig amüsiert.  “Vorsicht!”, sagte ich zu ihm, “im Wedding muss man immer aufpassen!”  “Mach ich!”, bestätigte der freundliche Nachbar, "Hab alles im Blick!”  Wir fixierten die ertappte Krähe, die sich zurückzog. Heute ging sie leer aus, Abspann, Ende. Die Brauseboys am Donnerstag, 4.6. (20 Uhr)  Mit Mareike Barmeyer , Jobinski und Bjarne Haus der Sinne (Ystader St...

Brauseboys am 17.7. (20 Uhr) mit Jakob Hein und Sedlmeir

Trau keiner KI (von Frank Sorge)   Nach dem Debakel von letzter Woche, als Elon Musks KI Grok, befreit von den ‘Fesseln der Wokeness’, unter anderem Erdogans Mutter beleidigte, wurde direkt die nächste Version vorgestellt, Nummer 4. Also ist klar, warum Musk die Version 3 spontan radikalisierte, weil sie ohnehin kurz vor dem Austausch stand. Das ist sogar recht logisch, aber nicht, um den Schaden zu begrenzen. Mit einem solchen Gedanken verliert der reichste Mann der Welt keine Zeit, es war nur ein weiterer Test, um zu erkennen, was man anders oder unauffälliger machen muss, damit die KI rechtslastig argumentiert. So wird jetzt berichtet, dass der neue Grok bei diversen Anfragen zu kontroversen Themen auf dem Weg zu einer Antwort erst einmal Elons eigene Sicht der Dinge auf Twitter abfragen und entscheidend relevant verarbeiten muss. Das ist lächerlich und gefährlich zugleich. Denn eine Information fehlt noch, Grok soll künftig in den US-amerikanischen Behörden mitarbeiten, zuvord...

Brauseboys am 7.5. (20 Uhr) mit Susanne Schirdewahn und Paula Linke

Stiefel waschen (von Frank Sorge) Tourismus in Deutschland, mal wieder typisch! Versprochen wird eine Gummistiefelwaschanlage, aber vorhanden ist dann nur eine Gummistiefelwaschecke, in der man alles selber machen muss! * Die Brauseboys am Donnerstag, 7.5. (20 Uhr)  Mit Susanne Schirdewahn und Paula Linke Haus der Sinne (Ystader Str. 10) Es war ein schöner Ausflug in den Wedding, aber irgendwann ist auch immer gut mit dem Reisen. Vor allem, wenn man so doppelt erlesenen Besuch bekommt wie diesen Donnerstag, da will man nicht improvisieren, da will man auch mal festlich präsentieren: Den Donnerstag in aller Pracht, tada! Mit uns, dem netten Team des Haus der Sinne und unseren Gästen. Susanne Schirdewahn ist bildende Künstlerin und Autorin im Prenzlauer Berg und lauscht monatlich an Des Esels Ohr, die Musikerin Paula Linke swingt und singt sich durch Stadt und Land und wirbt für vermehrtes Küssen. Da treten wir Herren natürlich frisch geduscht an uns lassen uns nicht lumpen, wir L...