Direkt zum Hauptbereich

Eurovison Songtext-Kritik 1: Belgien

In Vorbereitung auf den Eurovision Song Contest, den man am Besten gemeinsam mit der Lesebühne "Lesershow Wedding" gucken sollte, poste ich hier täglich eine Songtext-Kritik bis zum Samstag. 


Belgien - Das Ende ist nahe

Man muss sich wirklich Sorgen machen um die sogenannten Benelux-Staaten, wenn man sich die Beiträge des diesjährigen Eurovision Song Contest ansieht. Gut, man sorgt sich insgesamt um die eigene Vernunft, wenn man so leichtsinnig ist, sich den Contest anzugucken. Werden wir diese Menge Glitter in den nächsten drei Minuten überleben, oder wird sie uns blenden? Ist es wirklich eine Tischdecke, die sie da trägt? Auch muss man sich Sorgen machen um die Tänzer, ob man nicht Depressionen bekommt in diesen Kostümen, wenn man am Abend vom Partner oder der Partnerin gefragt wird: Und, wie war die Arbeit?
Luxemburg hat schon vor vielen Jahren das Handtuch geschmissen, was den Song Contest betrifft, die Niederlande haben in den letzten Jahren wenig Glück gehabt, und Mist aufgeboten, und Belgien... ach, Belgien. Du Land der Lustmörder und Kinderschänder. Zerrissen zwischen rechten Nationalflamen und armen Franzosen, die immer abwechselnd zum Liederwettbewerb entsenden. Dieses Mal ist es, glaube ich, wieder ein Franzose, habe aber keine Lust, es zu überprüfen. Der Name des 19-jährigen Sängers ist ohnehin eindeutig: Roberto Bellarosa.
Der eigentlich Fußballer hätte werden sollen, wie seine Brüder, lese ich auf der offiziellen Homepage, und dann doch auf eine andere Spur geriet. Zu wessen Vorteil oder Nachteil ist an dieser Stelle noch nicht ausgemacht. Ballarosa könnte jedenfalls im Spitzensport ein spitze Spitzname sein. Ein Herr Bellarosa beim Song Contest muss natürlich über Liebe singen, aber hier wird nichts an diesem Gefühl beschönigt, die Bellarosa-Brille bleibt im Schrank. Hier wird nicht gesäuselt, hier wird lieber gleich gemordet. Für die Zweifler meiner Interpretation hier die erste Strophe seines Liedes “Liebe tötet”:

Dieser Pfeil traf sie mitten ins Herz und erschütterte sie bis ins Mark,
Und dann fiel sie so tief, wie sie noch nie zuvor tief gefallen war.
Der Schmerz war beinahe unbeschreiblich,
als das Ende näher kam, fühlte sie lebendige Angst.

So muss das sein: Schmerz, unbeschreibliche Angst, das ist genau, was der Täter in diesem Moment vom Opfer erwartet. Das Gefühl, ins Bodenlose zu fallen, kurz vor dem bitteren Ende:

Warten auf das bittere Ende,
gibt mir etwas, das ich fühlen kann.
Weil Liebe tötet, immer wieder.
Liebe tötet wieder und wieder.
Warten auf das bittere Ende,
etwas, das ich überhaupt noch fühle.
Weil Liebe tötet, immer wieder.
Liebe tötet wieder und wieder.

Das ist der Refrain, der mindestens vier Mal wiederholt wird, wieder und wieder zudrücken, bis nicht nur die Liebe erstickt, sondern vor allem die Aufmerksamkeit längst verstorben ist. Dazwischen versteckt ist aber noch eine zweite Strophe, die das Thema fortführt, aber auch eine Lehre für das Leben formuliert: so klar und hellsichtig, wie es nur der wache Verstand eines 19-jährigen erkennen kann.

Da gibt es eine Lektion, die du immer wieder lernen musst:
als direkte Folge des Feuers kommt die Verbrennung.

In anderen Worten: Bloß nicht auf die Herdplatte fassen. So hat es mir meine Mama damals auch gesagt. Vielleicht ist ja wirklich etwas dran. Gleich mal ausprobieren.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Brauseboys am 4.6. (20 Uhr) mit Mareike Barmeyer, Jobinski und Bjarne

Alles im Blick (von Frank Sorge) Susanne sammelt schon gute Momente, ich könnte vielleicht die filmischen abgreifen. Wie ich gerade im Wedding nach Hause gelaufen bin, am Parkplatz vorbei, ein paar Heckleuchten entlang, als plötzlich ein offener Pizzakarton auf einer Motorhaube in den Blick kam, mit verlockend frisch leuchtenden Pizzastücken. Von links pirschte sich eine Krähe an das Auto heran, die gleiche Begehrlichkeit im Blick, schon beim nächsten Schritt aber kam rechts der kauende Autobesitzer in Sicht. Ich blieb stehen und blickte die Krähe und ihn an, er die Krähe und mich, wir lächelten gleichzeitig amüsiert.  “Vorsicht!”, sagte ich zu ihm, “im Wedding muss man immer aufpassen!”  “Mach ich!”, bestätigte der freundliche Nachbar, "Hab alles im Blick!”  Wir fixierten die ertappte Krähe, die sich zurückzog. Heute ging sie leer aus, Abspann, Ende. Die Brauseboys am Donnerstag, 4.6. (20 Uhr)  Mit Mareike Barmeyer , Jobinski und Bjarne Haus der Sinne (Ystader St...

Brauseboys am 7.5. (20 Uhr) mit Susanne Schirdewahn und Paula Linke

Stiefel waschen (von Frank Sorge) Tourismus in Deutschland, mal wieder typisch! Versprochen wird eine Gummistiefelwaschanlage, aber vorhanden ist dann nur eine Gummistiefelwaschecke, in der man alles selber machen muss! * Die Brauseboys am Donnerstag, 7.5. (20 Uhr)  Mit Susanne Schirdewahn und Paula Linke Haus der Sinne (Ystader Str. 10) Es war ein schöner Ausflug in den Wedding, aber irgendwann ist auch immer gut mit dem Reisen. Vor allem, wenn man so doppelt erlesenen Besuch bekommt wie diesen Donnerstag, da will man nicht improvisieren, da will man auch mal festlich präsentieren: Den Donnerstag in aller Pracht, tada! Mit uns, dem netten Team des Haus der Sinne und unseren Gästen. Susanne Schirdewahn ist bildende Künstlerin und Autorin im Prenzlauer Berg und lauscht monatlich an Des Esels Ohr, die Musikerin Paula Linke swingt und singt sich durch Stadt und Land und wirbt für vermehrtes Küssen. Da treten wir Herren natürlich frisch geduscht an uns lassen uns nicht lumpen, wir L...

Wir unterbrechen die Sommerpause! Brauseboys "Sommer-Spezial mit alles" am 16.7. & 23.7.

Die Brauseboys am 16.7. & 23.7. (20 Uhr)  Sommer-Spezialabende mit Charme und Schirmchen Haus der Sinne (Ystader Str. 10) Luftige Texte, sonnengebräunte Geschichten, Betrachtungen zum Summer of Twentysix & alle Drinks nur mit Schirmchen. Boys ohne Beach, dafür mit Brause. Die Brauseboys unterbrechen ihre WM- und Sommerpause für zwei Sommerspecials. Am Donnerstag, den 16.7. (20 Uhr) mit Bühnen-Sonnenschein Tilman Birr Am Donnerstag, den 23.7. (20 Uhr) mit glühenden Liedern von June Kater Fußball war gestern, oder wird dann gestern gewesen sein, und wenn wir uns alle bis zum Ende der Sommerferien nicht mehr sehen, ist das doch nicht schön. Aber es gibt für alles eine Lösung, wir machen einfach Pause von der Pause und sind zwei sommerliche Donnerstage da. Vielleicht in kurzen Hosen und unter Einfluss von Cocktails oder Vanilleeis, wir werden sehen, aber frischgeduscht und mitteilungsbedürftig. Ihr könnt auf jeden Fall schon mal Handtücher ablegen, für jede Woche haben wir a...