Dienstag, 14. Mai 2013

Eurovison Songtext-Kritik 1: Belgien

In Vorbereitung auf den Eurovision Song Contest, den man am Besten gemeinsam mit der Lesebühne "Lesershow Wedding" gucken sollte, poste ich hier täglich eine Songtext-Kritik bis zum Samstag. 


Belgien - Das Ende ist nahe

Man muss sich wirklich Sorgen machen um die sogenannten Benelux-Staaten, wenn man sich die Beiträge des diesjährigen Eurovision Song Contest ansieht. Gut, man sorgt sich insgesamt um die eigene Vernunft, wenn man so leichtsinnig ist, sich den Contest anzugucken. Werden wir diese Menge Glitter in den nächsten drei Minuten überleben, oder wird sie uns blenden? Ist es wirklich eine Tischdecke, die sie da trägt? Auch muss man sich Sorgen machen um die Tänzer, ob man nicht Depressionen bekommt in diesen Kostümen, wenn man am Abend vom Partner oder der Partnerin gefragt wird: Und, wie war die Arbeit?
Luxemburg hat schon vor vielen Jahren das Handtuch geschmissen, was den Song Contest betrifft, die Niederlande haben in den letzten Jahren wenig Glück gehabt, und Mist aufgeboten, und Belgien... ach, Belgien. Du Land der Lustmörder und Kinderschänder. Zerrissen zwischen rechten Nationalflamen und armen Franzosen, die immer abwechselnd zum Liederwettbewerb entsenden. Dieses Mal ist es, glaube ich, wieder ein Franzose, habe aber keine Lust, es zu überprüfen. Der Name des 19-jährigen Sängers ist ohnehin eindeutig: Roberto Bellarosa.
Der eigentlich Fußballer hätte werden sollen, wie seine Brüder, lese ich auf der offiziellen Homepage, und dann doch auf eine andere Spur geriet. Zu wessen Vorteil oder Nachteil ist an dieser Stelle noch nicht ausgemacht. Ballarosa könnte jedenfalls im Spitzensport ein spitze Spitzname sein. Ein Herr Bellarosa beim Song Contest muss natürlich über Liebe singen, aber hier wird nichts an diesem Gefühl beschönigt, die Bellarosa-Brille bleibt im Schrank. Hier wird nicht gesäuselt, hier wird lieber gleich gemordet. Für die Zweifler meiner Interpretation hier die erste Strophe seines Liedes “Liebe tötet”:

Dieser Pfeil traf sie mitten ins Herz und erschütterte sie bis ins Mark,
Und dann fiel sie so tief, wie sie noch nie zuvor tief gefallen war.
Der Schmerz war beinahe unbeschreiblich,
als das Ende näher kam, fühlte sie lebendige Angst.

So muss das sein: Schmerz, unbeschreibliche Angst, das ist genau, was der Täter in diesem Moment vom Opfer erwartet. Das Gefühl, ins Bodenlose zu fallen, kurz vor dem bitteren Ende:

Warten auf das bittere Ende,
gibt mir etwas, das ich fühlen kann.
Weil Liebe tötet, immer wieder.
Liebe tötet wieder und wieder.
Warten auf das bittere Ende,
etwas, das ich überhaupt noch fühle.
Weil Liebe tötet, immer wieder.
Liebe tötet wieder und wieder.

Das ist der Refrain, der mindestens vier Mal wiederholt wird, wieder und wieder zudrücken, bis nicht nur die Liebe erstickt, sondern vor allem die Aufmerksamkeit längst verstorben ist. Dazwischen versteckt ist aber noch eine zweite Strophe, die das Thema fortführt, aber auch eine Lehre für das Leben formuliert: so klar und hellsichtig, wie es nur der wache Verstand eines 19-jährigen erkennen kann.

Da gibt es eine Lektion, die du immer wieder lernen musst:
als direkte Folge des Feuers kommt die Verbrennung.

In anderen Worten: Bloß nicht auf die Herdplatte fassen. So hat es mir meine Mama damals auch gesagt. Vielleicht ist ja wirklich etwas dran. Gleich mal ausprobieren.