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Eurovision Songtext-Kritik 3: Spanien

In Vorbereitung auf den Eurovision Song Contest, den man am Besten gemeinsam mit der Lesebühne "Lesershow Wedding" gucken sollte, poste ich hier täglich eine Songtext-Kritik bis zum Samstag.

Spanien - Doktorspiele

Ein blauer Himmel,
wischt den Sturm weg,
der mein Herz verdunkelt.

Und dann kommst du, mit allem was du hast,
entdeckst mich wie ich bin.

Langsam schwant es mir, eine Ahnung verdichtet sich. Nicht werden die Protagonisten des Eurovision Song Contestes immer jünger, sondern ich werde immer älter. Vielleicht bin ich auch zu abgebrüht geworden, aber es scheint mir doch, das Mittdreißiger-Trio des spanischen Beitrages bräuchte in Liebesdingen überhaupt noch mal einen Schulabschluss: "Komm, ich zeige dir, was ich habe, wenn du mir zeigst, was du hast." Man muss ja auch nichts überstürzen, denn:

All die Hoffnungen
des Lebens liegen vor uns,
das Leben beginnt genau jetzt.

Eine stets optimistische Haltung, gegen die nicht wirklich etwas einzuwenden ist. Aber es gehört auch zum Erwachsenwerden, irgendwann einmal die Wege zu beschreiten, die man vor sich sieht. Die Doktorspiele müssen auch mal Vergangenheit werden.

Du bist das Licht,
das das Universum kreuzt,
du
drängst mich zu fliegen,
mit dir bis ans Ende.

Ich würde vor Allem empfehlen, in Physik vor dem Liebes-Abitur noch einmal etwas Nachhilfe zu investieren. Sonst muss vielleicht doch noch mal einer eine Ehrenrunde drehen. Nicht, dass man später enttäuscht ist, dass man das Ende dieses Universums einfach nicht zu finden in der Lage ist, auch nicht mit Google Maps. 

Lass uns gehen
ohne Angst,
lass uns verkünden, dass die Liebe gewonnen hat,
dass es nun “Ich und du” heißt.

Das hätte Britney Spears auch nicht besser ausdrücken können, damals im Kindergarten. Von der ausgedehnten Pferdchenromantik im offiziellen Video sollte man vielleicht schweigen, auch davon, dass sie am liebsten ein Pferd mit auf die Bühne genommen hätten. Geht es hier womöglich am Ende gar nicht um Liebe zwischen Mensch und Mensch?


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