Mittwoch, 15. Mai 2013

Eurovision Songtext-Kritik 2: Niederlande

In Vorbereitung auf den Eurovision Song Contest, den man am Besten gemeinsam mit der Lesebühne "Lesershow Wedding" gucken sollte, poste ich hier täglich eine Songtext-Kritik bis zum Samstag.

Niederlande - die Rückkehr der Maya

Lange hätte die Sängern Anouk auf das richtig Lied für den Eurovision Song Contest gewartet, jetzt meint sie offenbar, sie hätte es gefunden. Langsam und gefühlvoll beginnt der Song, mal sehen, welche schöne Stimmung sie für ihren Beitrag inhaltlich gewählt hat:

Isoliert von der Außenwelt,
Wolken haben alles Licht geschluckt.
Ich habe keine Kontrolle mehr, es scheint,
meine Gedanken irren nur noch umher,
wenn ich ohne dich zu leben versuche.

Ja, das könnte die richtige Stimmung für einen ESC-Gewinn sein. Einsamkeit, Dunkelheit, Selbstmordtendenzen. Das ist vielversprechend, da fühlt man sich als Europäer bei einem liebgewonnenen Grundgefühl gepackt, und schunkelt versonnen mit. Da öffnet sich das Herz, wenn auch nur, um gleich darauf stehenzubleiben. Denn der Refrain ist ein echter Knaller. Nostradamus wälzt sich im Grab und pfeift die schöne Melodie mit, und die Maya hören es von der dunklen Seite des Mondes, auf die sie sich vor Jahrhunderten in Pyramidenraumschiffen zurückgezogen haben, und sie satteln die Pferde, um die Erde mit dem Weltuntergang zu überziehen, den sie verdient hat. Zuckersüß singt sie:

Vögel fallen von den Dächern,
aus dem Himmel wie Regentropfen.
Keine Luft mehr, kein Stolz,
Vögel.

Ein wunderschönes Bild des Untergangs, das so oft wiederholt wird, dass man den wenigen Rest dabei ganz überhört. Vielleicht ist ein Liebeslied, und etwas ganz persönliches, aber das einzige, was bleibt, wird dieses sein:

Vögel fallen von den Dächern,
aus dem Himmel wie Regentropfen.

Den Rest kann man sich denken, wie sich die Vögel auf den Straßen langsam stapeln, wie die Kadaver verrotten, die Seuchen kommen, die Geier kreisen, die Wölfe heulen, die Kinder schreien, die Ratten nagen, die Zombies schwanken und sich das Höllentor öffnet.

Vögel fallen von den Dächern,
aus dem Himmel wie Regentropfen.

Und wie Regentropfen fallen uns die Freudentränen aus den Gesichtern, endlich, das Lied vom großen Untergang ist da. Das eindeutigste Zeichen, dass unser Ende wirklich nahe ist, wäre, dass dieses Lied den Eurovision gewinnt. Ich glaube allerdings, wir können in Malmö noch ganz beruhigt sein. Der Kanarienvogel wird noch nicht von der Stange fallen - nicht die Welt, sondern dieses Lied wird gnadenlos untergehen.