Direkt zum Hauptbereich

Mr. Bean

Israel


Dass ich mal einen israelkritischen Text schreiben würde, habe ich nicht geahnt. Aber diese Kritik ist berechtigt. Schon seit ein paar Jahren schwächeln die Beiträge, dieser ist, wenn ich ihn so im Hintergrund noch einmal höre, aber gar nicht so schlimm. Der Spaßfaktor ist groß, denn der Sänger sieht aus wie Mr. Bean, vor allem wenn er so ein bisschen das Gesicht zusammenkneift beim Blick in die Kamera. Die Musik ist einigermaßen angenehm, nicht zu trashig. Aber dann der Text:

“Zeit

Zeit, lass mich nicht im Stich.
Zeit, du bist der Mann auf meiner Spielwiese.”

Zeit, du bist der Mann auf meiner Spielwiese - das ist ein Zusammenhang, der sich mir auch noch mehrmaligen Lesen nicht erschließt. Nicht, dass ich mir keine Männer auf Spielwiesen vorstellen kann, doch, doch. Ich kann mir auch Frauen auf Spielwiesen vorstellen, oder Hunde auf Spielwiesen. Aber warum ist die Zeit ein Mann auf seiner Spielwiese? Die nächste Zeile vertieft das Bild, bringt aber keine neue Erkenntnis.

“Was du sagst ist mir Befehl, Tag und Nacht.”

Ein erstaunliches Verhältnis zur Zeit hat Mr. Bean, was auch immer ich mir im weiteren vorstelle, wie der Mann auf der Spielwiese Befehle gibt zum Beispiel, ich kann das Ganze nicht mit einem Stundenglas oder Chronos oder auch nur einem Hauch Tick-Tack-Tick-Tack zusammenbekommen. Im weiteren spricht er zu der Zeit:

“Du kannst mich gerne erregen,
du kannst auch einfach mein Lied ändern.
Ich zähle dich und du gehst weiter, sing
bitte mein Lied weiter.”

Ich sehe die Wertung des Halbfinales, Montenegro ist raus, und auch der israelische Beitrag überlebt das erste Halbfinale nicht, aber offenbar hatte der Sänger eh keine Lust mehr, das Lied überhaupt zu singen, weswegen der ominöse Mann auf der Spielwiese einspringen soll. Auch für einen mindestens ansatzweise zusammenhängenden Text waren die Verantwortlichen einfach zu lustlos. “Nennen wir es Zeit”, sagt da einer, “Zeit kennt jeder und jeder hat mal Zeit erlebt.” “Und worum soll es gehen?”, fragt jemand anderes, “irgendwas mit Zeit oder nicht, egal, ich stelle mir da gerade einen Mann auf einer Spielwiese vor.” Und wer keine Lust mehr hat, der kritzelt da schnell was hin, zum Beispiel:

“Zeit, Zeit, gib mir ein Zeichen, Zeichen, lass mir einfach Zeit.
Warum stresst du mich so, geh schlafen,
du musst mir mehr Zeit geben,
Zeit, Zeit, warum schläft du nicht einfach - sag mir einfach, wie viel Zeit noch ist, und warum du immer weiß oder schwarz sein musst.”

Und hiermit ist das Ende der Semantik erreicht, meine Damen und Herren, sie sehen hier den Abgrund, der ins komplett Sinnlose führt, hier ist der Liedtext schon längst hinübergegangen - seien Sie vorsichtig an der Kante.

“Warte, warte, wir beide sind eins,
aber du übernimmst immer die Führung.”



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Brauseboys am 10.1. im La Luz: Nächstes Jahr

Zugabe

'Danke, dass ihr zuhört, und für's Verständnis. Dafür gibt es dies Geständnis: Wir können nicht ohne und mögen, wenn's euch gefällt. Was für 'ne Welt wäre es ohne uns und den Text? Wir sagen: Danke, dass ihr zuhört. Danke Publikum!'
~#~#~#~#~#~#~#~# Donnerstag, 10.1. /20.30 Uhr La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - Lesebühne im Wedding
Seit bald sechszehn Jahren jede Woche neue Texte, Betrachtungen, Musik und belebende Heiterkeit mit Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann, Heiko Werning und Gästen. Am 10.1. begrüßen nach dem Rückblicksmarathon und seinen Erschöpfungsopfern die ausdauerndsten und virilsten Boys Heiko Werning & Frank Sorge gemütlich im Restaurant des La Luz eine freundliche Liedermacherin und einen Verfasser höchst authentischer Taxigeschichten:
Eva Wunderbar (Bitte bleib) Christian Schmitz (Der Fuchsflüsterer vom Zeltinger Platz) ~#~#~#~#~#~#~#~# Jeden Donnerstag um 20.30 Uhr lesen die Brauseboys und Gäs…

Brauseboys am 2.5. im Eschenbräu: Bock auf Mai

Bier (von Frank Sorge)
Was wären wir, ohne dir - Bier. Bring doch mir noch eins hier. Bier - wegen dir ich wild deklamier und schwadronier. Es veredelt Papier. Bier - der Juwelier veräußert Saphir für dir. Glorifizier, und schnabulier. Sei Pro-Bier für dein Pläsir. Was gehört aufs Klavier? Es ist immer nach vier. Bier! ~#~#~#~#~#~#~#~# Donnerstag, 2.5. /20.30 Uhr Eschenbräu (Triftstr. 67, nahe U-Leopoldplatz und S-Wedding)
Die Brauseboys - Lesebühne im Wedding - ab jetzt im Eschenbräu!
Seit sechszehn Jahren jede Woche neue Texte, Betrachtungen, Musik und belebende Heiterkeit. Neue Features auf dem Weg zur perfekten Location im Eschenbräu: Ein hungriger Schallschutzvorhang, der sich zu gut gelaunten Nicht-Zuschauern nebenan eigenmächtig überwirft und sie verschlingt - ein neues Klavier mit Lautstärkeregler - ein frisch gebrauter, hochgradig beruhigender Maibock.  Am 2.5. begrüßen Thilo Bock, Nils Heinrich, Robert Rescue und Heiko Werning die Gäste:
Uli Hannemann (Abgesandter des guten Ges…

Brauseboys am 14.3. im La Luz: Der dritte Frühling

Zurück in die Zukunft (von Frank Sorge)
Mit dem Rauchen aufzuhören, und es mit dem elektronischen Dampfen zu ersetzen, ist wie den Diesel zu verschrotten, um sich einen Tesla zu kaufen, wie den Festnetzanschluss abzuschaffen, und einen weiteren Funk-Vertrag abzuschließen. Das Coolste am Dampfen ist, neben der umfänglichen Reduzierung von Schadstoffen, wieder hemmungslos Innenräume vollquarzen zu können. Zum Beispiel im Hotel. Nach zehn Jahren Rauchverbot endlich wieder die Bude vernebeln, es ist herrlich. Gibt keinen Dampfmelder im Hotel, Gestank hinterlässt der Gast auch nicht, höchstens ein wenig Mangoaroma. Vor vielen Jahren schon hatte ich mich damit abgefunden, kein Auto haben zu wollen, warum auch? Jetzt hänge ich an YouTube-Videos über Elektroautos wie mein immer durstiges Smartphone an der Steckdose. Früher gab es auch Kabel am Telefon, die Älteren werden sich erinnern, jetzt hängt es aus anderen Gründen dran. Ich muss auch kein eigenes Elektroauto haben, aber ich könnte es st…