Montag, 28. Mai 2012

Mr. Bean

Israel


Dass ich mal einen israelkritischen Text schreiben würde, habe ich nicht geahnt. Aber diese Kritik ist berechtigt. Schon seit ein paar Jahren schwächeln die Beiträge, dieser ist, wenn ich ihn so im Hintergrund noch einmal höre, aber gar nicht so schlimm. Der Spaßfaktor ist groß, denn der Sänger sieht aus wie Mr. Bean, vor allem wenn er so ein bisschen das Gesicht zusammenkneift beim Blick in die Kamera. Die Musik ist einigermaßen angenehm, nicht zu trashig. Aber dann der Text:

“Zeit

Zeit, lass mich nicht im Stich.
Zeit, du bist der Mann auf meiner Spielwiese.”

Zeit, du bist der Mann auf meiner Spielwiese - das ist ein Zusammenhang, der sich mir auch noch mehrmaligen Lesen nicht erschließt. Nicht, dass ich mir keine Männer auf Spielwiesen vorstellen kann, doch, doch. Ich kann mir auch Frauen auf Spielwiesen vorstellen, oder Hunde auf Spielwiesen. Aber warum ist die Zeit ein Mann auf seiner Spielwiese? Die nächste Zeile vertieft das Bild, bringt aber keine neue Erkenntnis.

“Was du sagst ist mir Befehl, Tag und Nacht.”

Ein erstaunliches Verhältnis zur Zeit hat Mr. Bean, was auch immer ich mir im weiteren vorstelle, wie der Mann auf der Spielwiese Befehle gibt zum Beispiel, ich kann das Ganze nicht mit einem Stundenglas oder Chronos oder auch nur einem Hauch Tick-Tack-Tick-Tack zusammenbekommen. Im weiteren spricht er zu der Zeit:

“Du kannst mich gerne erregen,
du kannst auch einfach mein Lied ändern.
Ich zähle dich und du gehst weiter, sing
bitte mein Lied weiter.”

Ich sehe die Wertung des Halbfinales, Montenegro ist raus, und auch der israelische Beitrag überlebt das erste Halbfinale nicht, aber offenbar hatte der Sänger eh keine Lust mehr, das Lied überhaupt zu singen, weswegen der ominöse Mann auf der Spielwiese einspringen soll. Auch für einen mindestens ansatzweise zusammenhängenden Text waren die Verantwortlichen einfach zu lustlos. “Nennen wir es Zeit”, sagt da einer, “Zeit kennt jeder und jeder hat mal Zeit erlebt.” “Und worum soll es gehen?”, fragt jemand anderes, “irgendwas mit Zeit oder nicht, egal, ich stelle mir da gerade einen Mann auf einer Spielwiese vor.” Und wer keine Lust mehr hat, der kritzelt da schnell was hin, zum Beispiel:

“Zeit, Zeit, gib mir ein Zeichen, Zeichen, lass mir einfach Zeit.
Warum stresst du mich so, geh schlafen,
du musst mir mehr Zeit geben,
Zeit, Zeit, warum schläft du nicht einfach - sag mir einfach, wie viel Zeit noch ist, und warum du immer weiß oder schwarz sein musst.”

Und hiermit ist das Ende der Semantik erreicht, meine Damen und Herren, sie sehen hier den Abgrund, der ins komplett Sinnlose führt, hier ist der Liedtext schon längst hinübergegangen - seien Sie vorsichtig an der Kante.

“Warte, warte, wir beide sind eins,
aber du übernimmst immer die Führung.”