Direkt zum Hauptbereich

Brauseboys am 8.5.: Lieder und Launen

Eurovision-Liedtextkritik:  Richtig falsch - Deutschland (von Frank Sorge)

"Er hat einen Stift in der Hand,
ein Blatt Papier starrt zurück.
Er kann wie ein Mann schreiben,
ein Romanleben, ganz auf Spur.

Vielleicht ein Drama, oder ein Gedicht,
er weiß es immer noch nicht.
Die Zeit tickt im Ohr,
die selige Ruhe ist weg."

Ich habe eine Zigarette in der Hand, neben der Tastatur, ein Bildschirm starrt zurück. Vom deutschen ESC-Beitrag der Sängerin Elaiza hatte ich bisher nichts mitbekommen, lange vorbei die Lena-Zeiten, in denen man nicht daran vorbeigekommen ist. Der arme Poet hier im Lied will jedenfalls etwas schreiben, und weiß nicht was. Der Ärmste. Und nicht nur, dass er sich nicht entscheiden kann, in welcher Form er eigentlich schreiben möchte, er möchte das auch besonders männlich tun. Und fällt besonders männlich in ein existentielles Fragenloch.

"Ist es richtig? Ist es ein Fehler?
Ich kann nicht weitermachen! Du kannst nicht weitermachen!
Wenn du ja sagst ... oder sogar nein,
weißt du nicht, wie und wohin du gehen sollst."

Ich falle gleichfalls in ein existentielles Loch aus Fragen. Worum geht es denn jetzt plötzlich, um Trennung?

"Sie dreht sich um und sieht ihn an,
sie versucht etwas zu fühlen, aber fühlt nichts.
Aber es ist trotzdem schwer, Abschied zu nehmen,
auch wenn man weiß, dass es richtig ist."

Tatsache. Aber warum? Was bedeutet das alles? Das Video ist auch nicht hilfreich, ein Pantomime mimt den armen Poeten, sonst guckt die Sängerin nur streng in die Kamera und presst ihre zunehmend wirren, englischen Zeilen heraus. Vermutlich guckt sie so angestrengt, weil sie sich selbst nicht erklären kann, was sie da eigentlich singt.

"Es ist nicht einfach, sich zu entscheiden,
die eigene Richtung zu finden.
Oh, das Risiko ist hoch,
aber du kannst dich nicht verstecken."

Textlich muss sich der deutsche Beitrag dieses Jahr definitiv verstecken, ganz klein irgendwohin, wo ihn niemand findet. Ihn englisch zu singen, scheint schon die erste Verschleierungstaktik zu sein, damit dem Inhalt niemand folgen kann. Die Pointe scheint darin zu bestehen, dass es, was auch immer, dann doch geht: "Ich kann doch weitermachen! Du kannst doch weitermachen!" Man hätte lieber, sie würden damit aufhören. (Alle Liedtextkritiken hier)

~#~#~#~#~#~#~#~#

Donnerstag, 8.5. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Paul Bokowski, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit elf Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Gäste:

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Brauseboys am 4.6. (20 Uhr) mit Mareike Barmeyer, Jobinski und Bjarne

Alles im Blick (von Frank Sorge) Susanne sammelt schon gute Momente, ich könnte vielleicht die filmischen abgreifen. Wie ich gerade im Wedding nach Hause gelaufen bin, am Parkplatz vorbei, ein paar Heckleuchten entlang, als plötzlich ein offener Pizzakarton auf einer Motorhaube in den Blick kam, mit verlockend frisch leuchtenden Pizzastücken. Von links pirschte sich eine Krähe an das Auto heran, die gleiche Begehrlichkeit im Blick, schon beim nächsten Schritt aber kam rechts der kauende Autobesitzer in Sicht. Ich blieb stehen und blickte die Krähe und ihn an, er die Krähe und mich, wir lächelten gleichzeitig amüsiert.  “Vorsicht!”, sagte ich zu ihm, “im Wedding muss man immer aufpassen!”  “Mach ich!”, bestätigte der freundliche Nachbar, "Hab alles im Blick!”  Wir fixierten die ertappte Krähe, die sich zurückzog. Heute ging sie leer aus, Abspann, Ende. Die Brauseboys am Donnerstag, 4.6. (20 Uhr)  Mit Mareike Barmeyer , Jobinski und Bjarne Haus der Sinne (Ystader St...

Brauseboys am 7.5. (20 Uhr) mit Susanne Schirdewahn und Paula Linke

Stiefel waschen (von Frank Sorge) Tourismus in Deutschland, mal wieder typisch! Versprochen wird eine Gummistiefelwaschanlage, aber vorhanden ist dann nur eine Gummistiefelwaschecke, in der man alles selber machen muss! * Die Brauseboys am Donnerstag, 7.5. (20 Uhr)  Mit Susanne Schirdewahn und Paula Linke Haus der Sinne (Ystader Str. 10) Es war ein schöner Ausflug in den Wedding, aber irgendwann ist auch immer gut mit dem Reisen. Vor allem, wenn man so doppelt erlesenen Besuch bekommt wie diesen Donnerstag, da will man nicht improvisieren, da will man auch mal festlich präsentieren: Den Donnerstag in aller Pracht, tada! Mit uns, dem netten Team des Haus der Sinne und unseren Gästen. Susanne Schirdewahn ist bildende Künstlerin und Autorin im Prenzlauer Berg und lauscht monatlich an Des Esels Ohr, die Musikerin Paula Linke swingt und singt sich durch Stadt und Land und wirbt für vermehrtes Küssen. Da treten wir Herren natürlich frisch geduscht an uns lassen uns nicht lumpen, wir L...

Wir unterbrechen die Sommerpause! Brauseboys "Sommer-Spezial mit alles" am 16.7. & 23.7.

Die Brauseboys am 16.7. & 23.7. (20 Uhr)  Sommer-Spezialabende mit Charme und Schirmchen Haus der Sinne (Ystader Str. 10) Luftige Texte, sonnengebräunte Geschichten, Betrachtungen zum Summer of Twentysix & alle Drinks nur mit Schirmchen. Boys ohne Beach, dafür mit Brause. Die Brauseboys unterbrechen ihre WM- und Sommerpause für zwei Sommerspecials. Am Donnerstag, den 16.7. (20 Uhr) mit Bühnen-Sonnenschein Tilman Birr Am Donnerstag, den 23.7. (20 Uhr) mit glühenden Liedern von June Kater Fußball war gestern, oder wird dann gestern gewesen sein, und wenn wir uns alle bis zum Ende der Sommerferien nicht mehr sehen, ist das doch nicht schön. Aber es gibt für alles eine Lösung, wir machen einfach Pause von der Pause und sind zwei sommerliche Donnerstage da. Vielleicht in kurzen Hosen und unter Einfluss von Cocktails oder Vanilleeis, wir werden sehen, aber frischgeduscht und mitteilungsbedürftig. Ihr könnt auf jeden Fall schon mal Handtücher ablegen, für jede Woche haben wir a...