Donnerstag, 21. Mai 2015

Eurovision-Songtextkritik 2015: Griechenland

Griechenland - ein letzter Atemzug

In den letzten Jahren sprühten die griechischen Beiträgen vor Lebensfreude und Hoffnung. Zu Beginn der Schuldenkrise 2010 hieß es noch “Brennt alles nieder”, von Kellnertypen in weißen Hemden gesungen - dann folgte eine hedonistische Phase mit “Schau, wie ich tanze”, “Aphrodisiakum” und “Alkohol ist gratis”, im letzten Jahr mit “Steh auf” ein missglückter Versuch, den katergeplagten Kopf mit Balla-balla-Techno wieder frei zu bekommen. Statt “Steh auf” gewann aber “Steh auf wie ein Phönix”, so mythologisch beklaut von den Österreichern scheint jetzt der musikalische Wille Griechenlands endgültig gebrochen. Maria Elena Kyriakou singt “Ein letzter Atemzug”.

Meine Seele, ich glaube ich bin ein Niemand,
du hast mich getötet und ich bin am Ende, ohne eine Waffe
ist mein Licht ausgeblasen, ich fühle mich betrogen
und kann keinen Mut mehr fassen, bin ohne Glaube.
Wie konntest du mich verlassen?

Ein typisches Griechenland-Gefühl dieser Tage. Ohne Glaube, ohne Mut, ohne Hoffnung, alles pfeift auf dem letzten Loch. Ist eine Rettung überhaupt noch möglich, lässt sich fünf nach zwölf die Uhr noch zurückdrehen? Man kann den Eindruck bekommen, Griechenland selbst ist eine Rettung nicht in jeder Weise recht - stellvertretend gibt Maria Elena hier aber doch einen finalen Rettungsruf für ganz Griechenland ab:

Ich flehe dich an, hol mich
aus diesem Höllenfeuer raus.
Komm zurück und rette mich,
was geschehen ist, war falsch.
Ich habe nichts übrig, nur diesen
letzten Atemzug.


Aber Europa wird auf den Ruf nicht hören und dem Lied reiche Punktzahlen verwehren. Lieder, die sich selbst klein machen, werden mit Kusshand übersehen, wer will schon Klagen hören? Ein ähnlicher Effekt wie bei Montenegro - Adieu. Der ganz klassische Weg, schon per Liedtitel auszusteigen - Varianten: Say Goodbye, I want to go home, Let me go, Going home - Tschüssi, ihr winkenden Liedbeiträge - Tschö mit ö.