Direkt zum Hauptbereich

Brauseboys am 5.10 (20 Uhr) mit Aike Arndt & Matthias Binner

Verwerfung (von Frank Sorge)
 
Wenn man eine der Verwerfungslinien dieses Landes studieren will, braucht man in der Regel nicht weit zu laufen. Hier aus dem Wedding heraus gibt es eine nach Norden, nach Reinickendorf. Dort in einem Zipfel, der aus irgendwelchen Gründen noch Wedding ist, findet gerade das Weddinger Volksfest statt, das ganz früher mal das deutsch-französische war. Mit ein paar aufgekratzten Jugendlichen steigen wir dort in den Bus, um zurück in den Wedding zu kommen, bis auf den letzten Quadratzentimeter ist das Fahrzeug mit Menschen vollgepackt. Die Jugendlichen mit Migrationshintergrund ecken sofort an bei zwei älteren Reinickendorfern. Sie sollen sich mal benehmen lernen, hier in unserem Land müsse man sich als Ausländer auch mal anpassen, das wäre hier halt eine andere Kultur. Selbst die Jugendlichen sind einen Moment fassungslos, denn natürlich sind es Weddinger Jugendliche, Berliner Jugendliche, deutsche Jugendliche. Es ist wie im schlechten Film, der zweite Reinickendorfer versucht immerhin zu besänftigen: "Nun fahrt mal runter", "Reisst euch doch mal zusammen" etc., nimmt damit aber den anderen in Schutz, die Jugendlichen spötteln schließlich nur noch zurück über den Alkoholkonsum der beiden Reinickendorfer, deren jahrzehntelanger Tribut in den Gesichtern nicht wirklich zu übersehen ist. Meine Kinder schauen mich ängstlich an und fragen, wann wir endlich aus diesem Bus rauskommen, aber einen Moment dauert es noch. Ein Moment, in dem ich mich wirklich frage, ob wir nicht in einen Wald ziehen sollten. Um Fuchs und Hase gute Nacht zu sagen und ab und zu von einem Baumwipfel auszuspähen, ob es die Stadt noch gibt.


Brauseboys - mit Aike Arndt und Matthias Binner

Donnerstag, 5.10. (20 Uhr)
Haus der Sinne (Ystader Str. 10)
 
Es beginnt der Herbst der Sinne, auch bei unserer Lesebühne. Statt 'nur' was zu hören, gibt es diese Woche auch was zu sehen, Comics und Cartoons. Außerdem servieren wir womöglich schmackhafte Essenslyrik, eingedieselte Kiezgeschichten, anrührende Dialoge, anrüchige Verse, appetitanregende Akkorde und windige Pointen. Dieses Picknick am Erntedank der Ideen solltet ihr euch nicht entgehen lassen. Einfach am Donnerstag zum Haus der Sinne schlendern, radeln, rasen, schleichen, hüpfen oder fliegen, uns ist jede Fortbewegung recht, wenn sie zu uns führt. Wir freuen uns auf live verlesene und sichtbare Comics von Aike Arndt und funkelnde Lieder von Matthias Binner.
 
Diese Woche oben auf der Bühne (barrierefrei).

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Brauseboys am 17.7. (20 Uhr) mit Jakob Hein und Sedlmeir

Trau keiner KI (von Frank Sorge)   Nach dem Debakel von letzter Woche, als Elon Musks KI Grok, befreit von den ‘Fesseln der Wokeness’, unter anderem Erdogans Mutter beleidigte, wurde direkt die nächste Version vorgestellt, Nummer 4. Also ist klar, warum Musk die Version 3 spontan radikalisierte, weil sie ohnehin kurz vor dem Austausch stand. Das ist sogar recht logisch, aber nicht, um den Schaden zu begrenzen. Mit einem solchen Gedanken verliert der reichste Mann der Welt keine Zeit, es war nur ein weiterer Test, um zu erkennen, was man anders oder unauffälliger machen muss, damit die KI rechtslastig argumentiert. So wird jetzt berichtet, dass der neue Grok bei diversen Anfragen zu kontroversen Themen auf dem Weg zu einer Antwort erst einmal Elons eigene Sicht der Dinge auf Twitter abfragen und entscheidend relevant verarbeiten muss. Das ist lächerlich und gefährlich zugleich. Denn eine Information fehlt noch, Grok soll künftig in den US-amerikanischen Behörden mitarbeiten, zuvord...

Brauseboys am 10.7. (20 Uhr) mit Danny Dziuk und Matthias Hufnagl

Die Welsnachrichten reissen nicht ab   Welsnachrichten IV (von Frank Sorge)   Der Wels schlägt zurück am Brombachsee. Kaum sind die 120 Filets des erschossenen Fisches verspeist, gab es erneut einen Welsangriff an einer Badeinsel. Die AfD versucht mit einer Anfrage an die Fischereibehörden Stimmung zu machen, aber die Vornamen der auffälligsten Welse sind Michael, Andreas und Thomas. Man hatte mit den ach so typischen Welsnamen Waldemar, Walter und Wanda gerechnet.  Welse leben auch in den Berliner Badeseen, vor allem im Schlachtensee und der Krummen Lanke. Der dort ansässige Wels e.V. hievt wohl fünfzig Welse pro Jahr aus dem Wasser auf den Grill, ohne dass weltweit Memes dazu entstehen oder Proteste losgeschlagen werden.   Die Welslage (von Heiko Werning)   Droht jetzt ein „dritter Welskrieg“, wie die Zeit fragte? Immerhin sieht man dort in der klassischen Sommerlochgeschichte über Welse, die gerade mit einer gewissen Hartnäckigkeit fränkische Badegäste anrasp...

Brause & Beeren am Samstag (26.7., 19 Uhr) in Kremmen!

Samstag, 26.7. (19 Uhr) Kultur & Beeren (Am Kanal 16, Kremmen)   Zu Beginn der Ferien fahren wir noch einmal ins Grüne nach Kremmen, das ist relativ nah am Paradies. Lämmer springen über die Wiese, Hähne singen mit, es grünt und blüht und eine Sommerbühne steht bereit. Ein wunderbarer Ort zum Lesen und Zuhören! Wir lachen am Samstag dem Sommer also noch einmal herzlich ins Gesicht und empfehlen, sich den kleinen Weg aus Berlin raus zu gönnen. Zu unserem beerenstarken Event!   Infos und Tickets hier !