Direkt zum Hauptbereich

Brauseboys am 23.6. (20 Uhr) in der Kufa: Open Air mit Marco Tschirpke

Ablenkungen (von Frank Sorge)

Eine der größten Herausforderungen unserer Zeit ist wohl, sich nicht... ist es schon soweit, dass ich Menschen nicht mehr kenne, die tagelang Schlagzeilen machen? Was soll diese Wollmütze, wer ist das, geh weg aus der Timeline, eigentlich wollte ich... obwohl, dann muss ich ja Meldungen aus Russland lesen, Propaganda zum Frühstück. Putins Gesicht ist gar nicht mehr zu ertragen, blasierte Fratze, lebende Versteinerung. Nicht hingucken versus genau hinschauen. Aufmerksamkeitsdilemma: Man will das (Schimpfwort bitte eigenständig ergänzen) nicht beachten und beißt sich so fest an dem Gedanken, dass man nur noch über das (Schimpfwort ergänzen) nachdenkt. Ignorieren beste Idee und schlechteste Idee, Menschen mit Waffen ignoriert man nicht. Wahrscheinlich auch amerikanisches Dilemma - bin ich noch wer ohne meine Waffe? Antwort aber einfach, ja, solange man die Frage überhaupt noch stellen kann, ist man wer, nämlich lebendig und nicht erschossen. Mit Nachrichten kann man sich nicht konzentrieren, aber macht man sie aus, muss man Emails lesen. Die ersetzen jetzt den Drosten-Podcast und den täglichen Blick auf Corona-Zahlen, Postfach voller Positivmeldungen der negativen Art und zur Krönung Long Covid bei Jugendlichen, aber nicht als Zahl, sondern als Namen, die man kennt. Da verliert man vollends den Faden einer stringenten Idee und erinnert sich nicht mal, wo man losgelaufen ist, wo die Reise hingeht. Reisen wäre schön, weg von allem, aber das mit dem Mars dauert noch, muss man sich gedulden.
"Als ich in eurem Alter war", sage ich den Kindern, "gab es kein Internet, keine Handys, keine Tablets, keine Spielekonsole." Sie glauben mir, aber können dennoch nie nachvollziehen, wie das war. Ablenkungen gab es trotzdem genug. "Die Sonne", ergänze ich lächelnd, "die gabs aber schon."
~#~#~#~#~#~#~#~#
Donnerstag, 23.6. /20 Uhr
Kulturfabrik Moabit (Lehrter Str. 35)


Die Brauseboys am 23.6. im Windlicht: Open Air mit Marco Tschirpke

Berliner Pflanzen können aufatmen, es kam mal wieder nass von oben. Das macht uns natürlich skeptisch, was den Donnerstag betrifft, ob uns nicht doch mal ein Wassertröpflein aufs Stirnchen pieseln könnte, oder unsere frisch ausgedruckten Texte durchweicht und aussehen lässt, als würden die Buchstaben weinen. Aber da muss das Wetter früher aufstehen, wir sind ja nicht nur Brause-, sondern auch Schlauboys. Mit der Magie der Meteorologie werden wir eine zutreffende Vorhersage hervorzaubern und den dicken Wolken einfach von drinnen im Slaughterhouse eine Nase ziehen, wenn sie denn kommen. Derzeit sagen unsere Kristallkugeln allerdings einen heißen Sommertag voraus, und Kurze-Hosen-Warnstufe 1.  Bitte denkt daran, euch der Freiluftsituation entsprechend an- oder auszuziehen. Draußen wie drinnen gelten unsere eigenverantwortlichen Coronaregeln: 'Kontrolliert euch bitte selbst, gewissenhaft, kommt nicht positiv, und es ist ausdrücklich erlaubt, Maske zu tragen!'. Diese Woche begrüßen wir die Legende des Lapsusliedes: Marco Tschirpke.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Brauseboys am 17.7. (20 Uhr) mit Jakob Hein und Sedlmeir

Trau keiner KI (von Frank Sorge)   Nach dem Debakel von letzter Woche, als Elon Musks KI Grok, befreit von den ‘Fesseln der Wokeness’, unter anderem Erdogans Mutter beleidigte, wurde direkt die nächste Version vorgestellt, Nummer 4. Also ist klar, warum Musk die Version 3 spontan radikalisierte, weil sie ohnehin kurz vor dem Austausch stand. Das ist sogar recht logisch, aber nicht, um den Schaden zu begrenzen. Mit einem solchen Gedanken verliert der reichste Mann der Welt keine Zeit, es war nur ein weiterer Test, um zu erkennen, was man anders oder unauffälliger machen muss, damit die KI rechtslastig argumentiert. So wird jetzt berichtet, dass der neue Grok bei diversen Anfragen zu kontroversen Themen auf dem Weg zu einer Antwort erst einmal Elons eigene Sicht der Dinge auf Twitter abfragen und entscheidend relevant verarbeiten muss. Das ist lächerlich und gefährlich zugleich. Denn eine Information fehlt noch, Grok soll künftig in den US-amerikanischen Behörden mitarbeiten, zuvord...

Brauseboys am 4.6. (20 Uhr) mit Mareike Barmeyer, Jobinski und Bjarne

Alles im Blick (von Frank Sorge) Susanne sammelt schon gute Momente, ich könnte vielleicht die filmischen abgreifen. Wie ich gerade im Wedding nach Hause gelaufen bin, am Parkplatz vorbei, ein paar Heckleuchten entlang, als plötzlich ein offener Pizzakarton auf einer Motorhaube in den Blick kam, mit verlockend frisch leuchtenden Pizzastücken. Von links pirschte sich eine Krähe an das Auto heran, die gleiche Begehrlichkeit im Blick, schon beim nächsten Schritt aber kam rechts der kauende Autobesitzer in Sicht. Ich blieb stehen und blickte die Krähe und ihn an, er die Krähe und mich, wir lächelten gleichzeitig amüsiert.  “Vorsicht!”, sagte ich zu ihm, “im Wedding muss man immer aufpassen!”  “Mach ich!”, bestätigte der freundliche Nachbar, "Hab alles im Blick!”  Wir fixierten die ertappte Krähe, die sich zurückzog. Heute ging sie leer aus, Abspann, Ende. Die Brauseboys am Donnerstag, 4.6. (20 Uhr)  Mit Mareike Barmeyer , Jobinski und Bjarne Haus der Sinne (Ystader St...

Brause & Beeren am Samstag (26.7., 19 Uhr) in Kremmen!

Samstag, 26.7. (19 Uhr) Kultur & Beeren (Am Kanal 16, Kremmen)   Zu Beginn der Ferien fahren wir noch einmal ins Grüne nach Kremmen, das ist relativ nah am Paradies. Lämmer springen über die Wiese, Hähne singen mit, es grünt und blüht und eine Sommerbühne steht bereit. Ein wunderbarer Ort zum Lesen und Zuhören! Wir lachen am Samstag dem Sommer also noch einmal herzlich ins Gesicht und empfehlen, sich den kleinen Weg aus Berlin raus zu gönnen. Zu unserem beerenstarken Event!   Infos und Tickets hier !