Dienstag, 25. November 2014

Brauseboys am 27.11.: Wann kommst du geschneit?

Strategien gegen den Winter (von Frank Sorge)

1. Ignorieren. Der Winter ist da, sagen sie alle, aber man muss ja auch sonst nicht allen alles glauben. Sind die Winterverkünder sicher, dass da ein Winter ist? Woran machen sie es fest? Ob es kalt draußen ist? Hier in der Wohnung ist es warm. Durch das Fenster sieht es karg, grau und kalt aus? Was zeigt ein Fenster anderes als ein Bild? Und seit wann macht ein Bild kalt?
2. Augen auf! Es ist schon lange bekannt, dass das Starren auf Computerbildschirme die Wintermüdigkeit aushebelt. Für uns Pioniere des neuen Jahrtausends also unproblematisch. Einfach so lange vor dem Rechner bleiben wie immer. Dann wird man müde wie immer, und schläft genau so lange wie immer. Aber das Vitamin D, wird man vielleicht einwerfen wollen - ja, das gibts überall zu kaufen. 
3. Warm anziehen! Setz der hässlichen Fratze des Winters etwas entgegen. Nimm die größte, alberne, grellstmöglich gefärbte Wollmütze, nutze die lange Unterwäsche mit den Dalmatinern, Rentierpullis, Moon Boots, Daunenfäustlinge, Skibrillen, Ohrenschützer. Dir wird so dermaßen heiß sein, egal wohin du kommst, dass du nicht einen einzigen Gedanken an die behauptete Kälte des Winters verschwenden musst. “Dann seh ich aber scheiße aus”, sagst du, aber ich frage: “Dann erst?”
4. "Den Winter lieben" hilft nicht! Man nennt es Stockholm-Syndrom, ein Ort, an dem es gerne auch mal noch etwas kälter ist als hier. Der Winter nimmt dich gefangen und quält dich, bis du aus reinem Selbstschutz anfängst, den Winter zu umarmen oder ihm ein Gedicht zu schreiben.
5. Erkenntnis! Winter ist eine Konstruktion, die Angst vor dem Winter irrational. Hat der Mensch noch Angst vor dem Feuer? Nein, er fährt damit herum, er holt es aus Atomen, er hält es der netten Person am Tresen nebenan vor die Nase, damit diese sich scheu lächelnd bedanken kann.

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Donnerstag, 27.11. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Paul Bokowski, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit elf Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

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