Sonntag, 12. Juni 2011

Karneval der Kulturen

Eigentlich müsste ich "Karneval 2011" schreiben, denn es gab ja schon so viele, die Unterschiede sind schwer zu sehen. Aber so können zukünftige Generationen der nächsten Jahrhunderte den ungefähren Zeitpunkt der Aufnahme anhand des "Telefons" bestimmen.
Ich hatte Zeit und schwankte zwischen Badesee und Karneval. Aber da alle beim Karneval sind, ist ja niemand am See. Auch ganz schön, wenn mal niemand am See ist wie vor ein paar Tagen, aber wenn dann nun gerade Karneval ist, kann ich ja auch zum Karneval gehen. Der See rennt ja nicht weg.
Kaum war ich angekommen, traf ich Wolf, seinen Bruder und einige Compagneros. Sie hatten große Wodka-Lemmon-Tanks in ihren Rucksäcken, wovon ich mit gut zwei Bechern profitieren konnte. Eine perfekte Spülung für den rechtzeitig verzehrten Börek und eine perfekte Grundlage für eine entspannte Wanderung durchs Getümmel.
Ich wäre bereit für die nächste Hippie-Bewegung, manch anderer offenbar auch.
Wenn man an vorderster Front mittanzt, bekommt man natürlich neben der Aufmerksamkeit auch alle anderen Annehmlichkeiten zu Füßen gelegt. Um für das Weitertanzen ordentlich entspannt zu sein, wird hier fachgerecht ausgeholfen.
Hah, letztes Jahr dachten noch einige jugendliche Gemüter, was sie in "Avatar 3D" gesehen hätten, wäre sicherlich die schrägste aller Welten gewesen. Augen auf für die Wirklichkeit!
Die wird nämlich nicht müde, einen zu überraschen. Hier dasselbe in grün.
Im folgenden unterbrechen wir unser Programm für drei Grazien auf dem Laufrad.
Um den damit locker gelassenen Faden wieder aufzuheben. Es geht doch nicht über die Realität.

Beim Thema "Kopfschmuck" haben die sogenannten Herren der Berliner Schöpfung nämlich, wie deutlich zu sehen ist, auf jeden Fall etwas nachzuholen. Die südamerikanischen Federn sind natürlich gewaltig und legen die Latte ganz schön hoch, da kommt keine Zwiebel auf dem Kopf ran, um Döner zu sein. Wenn ihr versteht, was ich meine. Bei den Frauen sah das mit dem Kopfschmuck schon immer deutlich besser aus, wie auch heute noch.

Und auch für profane Haarbeschmuckung ist der Grad weiblicher Aufwendung Lichtjahre von den üblichen Haargelkapriolen der männlichen Jugend entfernt.

Obwohl sich dann insgesamt natürlich auch immer über Geschmack streiten lässt, ganz generell und so. Bei unbedingter Bewahung der Würde aller Beteiligiten.


Beim nächsten Foto zum Beispiel finde ich die Kleider eigentlich doof, aber was mit ihnen gemacht wird, ist großartig. Wie gesagt, die Becherfüllungen Wodka-Lemmon brachten mich durchaus beschwingt in den frühen Nachmittag.


Irgendwann geht dann aber sowieso alles durcheinander, das große Mash-Up. Die Frau im Gemusterten hat noch Luftschlangen von Silvester im Haar, daneben gibts Flamenco-Rüschen und komische Rosa-Halsträger-Schulterpfannenfreitops.

Aber die Pailette stirbt nicht aus, sie wird immer da sein, sie wird alles überdauern.

Und ab hier war nicht nur ich, sondern auch meine Kamera überfordert. Zu viel Licht.

Die ganzen Reflexionen, und weiter schwankte ich zur Feier der Sonne.

Nach einem kalten Flaschenbier gegen die drohende Austrocknung konnte es wieder farbenfroh weitergehen. Dies hier sind nicht die drei Damen vom Grill, sondern vermutlich einigen Star-Trek-Folgen entflohene Außerirdische, vielleicht auch diese drei griechischen Göttinnen von früher, die heute noch ihr Auswahlspiel mit arglosen Männern betreiben.

Ganz tief drinnen im Weichspeicher kann ich mich noch an den ersten Karneval der Kulturen erinnern, mindestens sehr gut an das Straßenfest auf der Freifläche Anhalter Bahnhof. Dort habe ich Luftballons zwischen einer Handvoll Caipirinha-Ständen verkauft und seitdem jedes Jahr wieder. Seit ein paar Jahren passen den Veranstaltern die Ballons aber nicht mehr ins Konzept. Und mir auch das Ballonverkaufen nicht, obwohl ich es immer gerne gemacht habe. "As time goes by", wie der Casablancaner sagt.


Oft schon hat es geregnet zu Pfingsten, dieses Mal aber nicht.


Ungarn wählte den Schnurrbart als Accessoire, der in diesem Fall hoffentlich aber nicht durch ausdünstende Giftstoffe die allerdings kleidsame Akne verursacht hat.


Für dieses Foto ist es sicherlich unangemessen zu erläutern, dass vermehrtes Schwitzen unter den Achseln bei Sommerwetter durch gelegentliches Armheben in seinen Folgen gedämpft werden kann. Aber sonst müsste ich darüber schreiben, wie sehr mich die anmutige junge Frau mit ihrem Blick umgehauen hat, was ja auch irgendwie unangemessen ist.


Gegen Ende dann zwei lustige Technowagen mit fröhlichem Gewummer, verfolgt von großen Gruppen wippenden Partyvolks mit Caipirinha in den Adern. Hier war die Nebelmaschine in Aktion.


Und als sich am Abend der Nebel lichtete, rollten die letzten Kokosnüsse an den mit Glassplittern bestreuten Straßenrand.