Direkt zum Hauptbereich

Brauseboys am 12.5. (20 Uhr) im Theater der Kufa: Live mit Marc Ottiker

Entschleunigung (von Frank Sorge)

"Biste ooch so fertig, Ralle?"
    "Fertig? Nee, wieso? Ist doch erst elfe."
"Ich meine wegen die Lage, oder die Lagen, wat weeß ick, is doch eene Katastrophe nach die nächste. Machste dir keene Sorgen?"
    "Im Nahbereich? Nee, im Gegenteil, ick bin direkt erleichtert."
"Dein Rezept für jute Laune musste mir ooch irgendwann mal verraten."
    "Überleg doch mal, hätteste letztet Jahr noch jedacht, dat wir hier wieder normal in Seestern sitzen? Hat bestimmt jeder jedacht, jetzt jeht dit Ding pleite und kommt ne Kita rin."
"Pleite? Lass dit ma nich Marie hören."
    "Die is drinne."
"Ick bin drinne!"
    "Siehste? Ick bin jedenfalls überglücklich. Dit hätt janz anders kommen können. Denk an' Vulkan, oder dit Brummer-Eck."
"Naja, haste ja recht, ick bin ja ooch froh."
"Ick hör nüscht, ick bin drinne!"
"Ick bin ooch FROH!"
    "Wart erstmal, bis dit Bierchen kommt. Dit Zauberwort, Dieter, is Entschleunigung."
"Willste sagen, ick bin langsam?"
    "Nee, Marie, du bist die Schnellste."
"Danke."
    "Prost! ... Kiek Se dir alle an, hier in die Autos, alle wollnse schnell wohin. Und ooch uff dem Gehweg, een Jerenne morgens, wa, und mittags denn wegen Pause. Machst Pause und rennst rum, überleg mal, und dann nachmittags wieder, wegen Yoga oder so. Dabei, wenn de jemütlich zu dein Yoga loofen würdest, so richtig mit Zeit, wa, und Jelassenheit..."
"Dann brauchste keen Yoga mehr, wenn de ankommst."
    "Exakt! Und wenn ick hier sitze, grad in Sommer, wa, denke ick immer: Dit ham alle verlernt, wa? Entschleunijung, mal Fünfe grade sein lassen, einfach mal rumstehen und nüscht is."
"Hast du jut reden als Rentner."
    "Fand ick früher ooch schon."
"Na, denn wird mit einiget klar."
    "Watt denn?"
"Ick hab den idealen Job für dich, wir stelln dirn Schild hin, 'Entschleunijungsberatung - Zwee Bier die Stunde'. Hast ja recht, einfach mal abschalten."
    "Danach is besser, gloob mir."
~#~#~#~#~#~#~#~#

Donnerstag, 12.5. /20 Uhr

Kulturfabrik Moabit (Lehrter Str. 35)
Heute mal im Theater (Vorderhaus, 2. Stock)



Die Brauseboys am 12.5. im Theater der Kufa: Live mit Marc Ottiker

Überraschung, Überraschung, bei uns kann man was erleben! Nach und nach erleben wir jedenfalls alle Orte in der Kufa und lesen diesen Donnerstag mal nicht im Slaughterhouse, nicht im Café und (noch) nicht draußen. Sondern im schönen Theater, das vor allem richtig schön ist. Gleichfalls ist es für euch eine Gelegenheit, am gleichen Ort auch mal was anderes zu sehen. Wir werden es erleben. Platz ist dort auch reichlich, es kommt ebenfalls Luftfiltertechnik von Alpha Centauri zum Einsatz. Unsere eigenverantwortlichen Coronaregeln lauten: 'Kontrolliert euch bitte selbst, gewissenhaft, kommt nicht positiv, und es ist ausdrücklich erlaubt, Maske zu tragen!'. Wir bleiben außerdem friedlich, verknappen nichts, finden weiterhin jeden Donnerstag statt, und haben diese Woche Marc Ottiker zu Gast. Der Wahlberliner aus der Schweiz hat feines Liedgut aus zwei sehr ähnlichen Sprachen dabei.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Heiligabend mit den Brauseboys

Was ich mache, wenn ich nicht den Newsletter schreibe 1.) Eine Strichliste anlegen, wie oft ich das Wort Blitzeis im Radio höre. Überlegen, wie ich mit den Varianten "Blitzendes Eis", "Blitzkrieg", "Blitzer" und "geblitzt wird" umgehen soll. 2.) Pfefferkörner kaufen und in die Pfeffermühle bis zum Rand einkullern lassen, dann eine Brötchenhälfte mit Kassler und Käse belegen und mit Pfefferschrot schwärzen. Mich am frischen Duft der zerrissenen Splitter berauschen. 3.) Aus dem Fenster sehen. Auf der verbliebenen Schneedecke im Hof ist ein Vogel herumgelaufen, offenbar von schwerer innerer Verwirrung betroffen hat er stundenlang in vielfältigen Kreisen sein verstörendes Schneegemälde gemalt. 4.) Zeitung lesen und über Kopenhagen informieren. Der sudanesische Sprecher und "Bremser" heißt Lumumba Stanislaus Di-Aping. Die Ladezeit der Facebook-Fanseite von Thorsten Schäfer-Gümbel ist enorm. Er sagt: "Dem Schneckentempo

Brauseboys Live + Stream am 24.2. (20 Uhr, 2G) im Slaughterhouse: Mit Felix Jentsch

Russisches Roulett (von Frank Sorge) Ralle: Dit is' Ding, wa? Mit die Ukraine? Dieter: Wat ham die denn für ne Inzidenz? Ralle: Nich Corona, Dieter, Invasion. Dieter: Jibts ne neue Mutante? Ralle: Alte Mutante, Sowjet-Style. Dieter: Und jetzt ham die mehr Medaillen, oder wat? Ralle: Nich Olympia, Dieter, die Russen. Dieter: Ja, die hatten die meisten, oder? Ralle: Nee, dit war früher mal, die warn jarnich dabei, also doch, aber nich als Russland. Dieter: Ach, jenau, wegen Doping. Wie hieß do' gleich der chinesische Jesundheitsminister? Ralle: Janz olle Kamelle, Dieter. Minister ham die ooch, gloob ick, janich mehr, macht allet Putin. Dieter: Der kann Karate, wa? Ralle: Judo. Dieter: Und wat sacht der jetzt? Ralle: Versteh ick nich, aber wat er macht, sieht man ja. Panzer, Soldaten, Raketen, die janze Grenze lang een Uffmarsch. Een abjekartetet Spiel, sag ick dir. Dieter: Ick kenn nur Russisch Roulett. Ralle: Jenau, so ähnlich kommt mir dit vor, nur mit alle Patronen drin. Sag

Brauseboys am 2.12. im Slaughterhouse (20 Uhr, 2G) + Livestream: Mit Amalia Chikh

Illusionen von Frank Sorge Kennt Ihr noch das Gefühl, auch nach langem Widerstand und dem Ausschöpfen aller rhetorischen Mittel, jemand anderem Recht zu geben? Oder die Verwunderung darüber, nachdem man sein Pulver rundherum verschossen hat, dass man im abziehenden Nebel auf verlorenem Posten war? Oder die Ohnmacht, mit den Sohlen direkt  hineingetreten, einer wirklich peinlich idiotischen Sache auf den Leim gegangen zu sein? Kennt ihr das noch, die Haltung, wie man sich selbst zuhört, worüber man redet, und über sich ein Urteil fällt, ausnahmsweise unbeschönigt? Erinnert Ihr euch an Argumente ohne Rosinenpicken, Strohfeuerwendungen, ohne Täter-Opfer-Umkehr, unlautere Verharmlosungen oder Totschlag-Sperrfeuer, und ohne den Nationalstolz der Weißen? Dann ist ja gut, ich dachte schon, das gäb es kaum noch mehr. Es ist noch alles da, es ist in Mehrheiten vorhanden. Das ist beruhigend und keine Illusion. ~#~#~#~#~#~#~#~# Donnerstag, 2.12. /20 Uhr Kulturfabrik Moabit (Lehrter Str. 35) Bra