Direkt zum Hauptbereich

Brauseboys am Donnerstag (3.3., 20 Uhr) im Slaughterhouse: Live + Stream

Desinformation (von Frank Sorge)

Auch zu einer Lüge gehören zwei, der Belogene hätte womöglich verhindern können, belogen zu werden. Die Lügner bleiben verantwortlich, aber was ist mit denen, die sich gerne belügen lassen? Kann man sich hinter Lügen verstecken? Immer wieder hört man, es sei auch sehr bequem hinter den Lügen, Lügen zur Beruhigung wären hoch im Kurs. Dass nirgends so gelogen wird, wie im Krieg, diese Beobachtung kursiert notgedrungen wieder, aber vielleicht sollte man den Begriff gar nicht benutzen, weil er zu nebelig ist. Falschinformation, Desinformation und Propaganda sind hier vielleicht präziser. Eine Lüge nicht zu bemerken, passiert vielleicht schneller, wenn man das Lügen zu sehr über einen Kamm schert. Dann denkt man, alle würden lügen, und das ist dann Desinformation. 
Lügen sind Worte, da ist natürlich viel Skepsis angebracht, vielleicht sollte man auch keine Worte benutzen, um Lügen zu begegnen. Handlungen sprechen für sich, daher ist es mehr als nachvollziehbar, dass der größere Teil des UN-Menschenrechtsrats aus dem Saal gegangen ist, als der russische Kriegsminister Lawrow seine Redezeit hatte. Keine Lüge ändert etwas daran, was Russland macht, wie es handelt, und je dreister dabei die Welt belogen wird, desto nachhaltiger wird sie sich belogen fühlen. Lügen sind ein Kredit, um den Preis der Wahrheit. Nicht wenige notorische Lügner scheitern auch daran, dass sie sich erfolgreich selbst belügen, denn Lügen machen abhängig. Aber was ist die Konsequenz dieser Analyse, ist sie hilflos, was kann man tun? Für die Wahrheit kämpfen wäre vielleicht ein Anfang, sie kann es brauchen.
~#~#~#~#~#~#~#~#
Donnerstag, 3.3. /20 Uhr
Kulturfabrik Moabit (Lehrter Str. 35)


Die Brauseboys am 3.3. im Slaughterhouse: Live + Stream

Wir finden jeden Donnerstag statt, egal ob Sturm, Krieg oder Schnee, so argumentieren wir seit neunzehn Jahren, und schon der erste aller Donnerstage war ein Kriegsbeginn. Aber natürlich fällt es uns im Moment schwer, auf der Bühne Freude und Zuversicht auszustrahlen, oder auch einfach nur albern zu sein. Ohne den Austausch mit euch, mit uns und unseren Texten, wäre es aber noch komplizierter, und wenn man zu lange allein an zu großen Tischen sitzt, hilft man der geistigen Gesundheit offenkundig auch nicht weiter. Also sehen wir uns und schreiben, was wir schreiben können. Federn sind mächtiger als Schwerter, heißt es ja immer, aber seid beruhigt, wir haben keine Federn, nur Tastaturen aus China. Nach aktueller Regelung dürfen wir alle mit 2G + Test begrüßen, die Geboosterten jedoch brauchen keinen Test. Aktuelle Lockerungen gelten erst ab Freitag, Infos dazu also im nächsten Newsletter. Weiterhin haben wir außerdem jede Woche freie Platzwahl im Livestream.

Der Livestream ist unter folgenden Adressen zu sehen:

Virtuellen Eintritt für den Stream bitte spenden an:
hutspende@brauseboys.de auf PayPal
oder per Banküberweisung an Volker Surmann mit Verwendungszweck "Brauseboys":
IBAN DE32 1009 0000 7093 4270 03 (Volksbank Berlin)

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Brauseboys am 2.12. im Slaughterhouse (20 Uhr, 2G) + Livestream: Mit Amalia Chikh

Illusionen von Frank Sorge Kennt Ihr noch das Gefühl, auch nach langem Widerstand und dem Ausschöpfen aller rhetorischen Mittel, jemand anderem Recht zu geben? Oder die Verwunderung darüber, nachdem man sein Pulver rundherum verschossen hat, dass man im abziehenden Nebel auf verlorenem Posten war? Oder die Ohnmacht, mit den Sohlen direkt  hineingetreten, einer wirklich peinlich idiotischen Sache auf den Leim gegangen zu sein? Kennt ihr das noch, die Haltung, wie man sich selbst zuhört, worüber man redet, und über sich ein Urteil fällt, ausnahmsweise unbeschönigt? Erinnert Ihr euch an Argumente ohne Rosinenpicken, Strohfeuerwendungen, ohne Täter-Opfer-Umkehr, unlautere Verharmlosungen oder Totschlag-Sperrfeuer, und ohne den Nationalstolz der Weißen? Dann ist ja gut, ich dachte schon, das gäb es kaum noch mehr. Es ist noch alles da, es ist in Mehrheiten vorhanden. Das ist beruhigend und keine Illusion. ~#~#~#~#~#~#~#~# Donnerstag, 2.12. /20 Uhr Kulturfabrik Moabit (Lehrter Str. 35) Bra

Brauseboys Live + Stream am 24.2. (20 Uhr, 2G) im Slaughterhouse: Mit Felix Jentsch

Russisches Roulett (von Frank Sorge) Ralle: Dit is' Ding, wa? Mit die Ukraine? Dieter: Wat ham die denn für ne Inzidenz? Ralle: Nich Corona, Dieter, Invasion. Dieter: Jibts ne neue Mutante? Ralle: Alte Mutante, Sowjet-Style. Dieter: Und jetzt ham die mehr Medaillen, oder wat? Ralle: Nich Olympia, Dieter, die Russen. Dieter: Ja, die hatten die meisten, oder? Ralle: Nee, dit war früher mal, die warn jarnich dabei, also doch, aber nich als Russland. Dieter: Ach, jenau, wegen Doping. Wie hieß do' gleich der chinesische Jesundheitsminister? Ralle: Janz olle Kamelle, Dieter. Minister ham die ooch, gloob ick, janich mehr, macht allet Putin. Dieter: Der kann Karate, wa? Ralle: Judo. Dieter: Und wat sacht der jetzt? Ralle: Versteh ick nich, aber wat er macht, sieht man ja. Panzer, Soldaten, Raketen, die janze Grenze lang een Uffmarsch. Een abjekartetet Spiel, sag ick dir. Dieter: Ick kenn nur Russisch Roulett. Ralle: Jenau, so ähnlich kommt mir dit vor, nur mit alle Patronen drin. Sag

Brauseboys am 24.12.: Früher war mehr Lesung

Monolith auf Monolith III (von Frank Sorge) Es begab sich aber zu der Zeit, in der Infektionszahlen nicht sehr geschätzt waren, dass alle Menschen aufgefordert wurden, an den Ort ihres größten Einkaufszettels zu wandern, um möglichst viele Weihnachtsgeschenke noch zu erledigen. Es war auch die Zeit, in der man ‘Weihnachtgeschi’ eingeben muss, um überhaupt einen Treffer zu ‘Weihnachtsgeschichte’ zu landen, denn es war die Zeit der Geschenke, nicht der Geschichten. Da machte sich auch Frank aus dem Wedding, auf in das alte Land, das da heißt Tempelhof, und ging zum Ikea, damit er gezählt werde bei Eingang und Ausgang, und damit seine Finanzen geschätzt werden könnten, im Vergleich zum Einkaufe. Und er hatte einen Beutel dabei, darin waren andere Beutel, und in einem Beutel sogar noch ein Beutel. Und als er dort war, kam nach einer Stunde Schlangestehen die Zeit, dass er einkaufte. Und er nahm ein erstes Paket Kerzen und legte es in einen Einkaufswagen, denn er hatte sonst keinen Raum in