Direkt zum Hauptbereich

Brauseboys am 1.4. im Livestream: Grün ist die Hoffnung

Sehr naiv (von Frank Sorge)

Ich bin nicht blöd, aber naiv. Ich glaube zum Beispiel daran, dass Menschen nach bestem Wissen und Gewissen handeln. Das ist keineswegs dumm von mir, auch wenn es nicht immer zutrifft. Handelt jemand nicht so, stelle ich mir allerdings vor, dass so jemand ein schlechtes Gewissen hat, und danach nicht mehr so handelt. Ganz sicher kann ich mir nicht sein, dafür bin ich zu naiv, aber insgeheim denke ich doch immer, so jemand merkt das, es zerrt an seiner Seele, und irgendwann kehrt er um. Der Mensch. Ich bin ja auch einer, mir geht es so, ich schließe von mir auf andere, ich schließe auch von anderen auf mich. Das Ergebnis ist, dass ich denke, Unrecht rächt sich. Wie mit dem Klima, und anderen Dingen. Wenn man die Temperatur hochtreibt, gibt es Katastrophen, die Dinge gehen kaputt. Wenn ein Mensch sein Karma verbraucht, geht er auch kaputt. Ich befürchte, das ist naiv. Ich bin allerdings auch gerne naiv, das liegt an den Alternativen. Was anderes mag ich gar nicht sein: Gewissenlos, raffgierig, rücksichtslos. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass so jemand sein möchte, vermutlich ein weiterer Beleg für meine Naivität. Es ist mir nicht entgangen, dass es andere Gründe für jemanden gibt, so zu handeln, es gibt kein grundloses Böses, denn alles hat seinen Grund. Ich kann mir gut vorstellen, dass jemand eigentlich anders handeln möchte, und es doch nicht tut, ich beobachte mich selbst dabei. Dann suche ich den Grund und kann ihn ausräumen, damit mir das nicht mehr passiert. Mache ich das immer? Sehr sicher nicht, mir ist auch klar, dass für ein Handeln Gewöhnung eintreten kann, auch den schlechten Gründen gegenüber. Sicher findet man Situationen, in denen gute Wege versperrt sind, zu denen man sich sagen kann ‘es blieb mir nichts anderes übrig, ich hatte keine Wahl’. Auch daran kann man sich gewöhnen. Das alles fällt zudem leichter, wenn man noch andere Menschen hat, die mich darin bestärken: ‘Ja, dir bleibt keine Wahl, schön blöd, wenn du es nicht machst, wir können alle nicht anders, mach es, wie wir!” Das zu glauben ist doch aber auch irgendwie naiv, oder? Ich bin manchmal so naiv, dass ich glaube, die anderen sind es auch. Eigentlich muss es sogar so sein, denke ich, denn niemand überschaut, warum alles so ist. Wir wissen alle sehr wenig über das Universum, und das Leben, selbst wenn wir alle Informationen zusammentragen. Wenn man nicht weiß, wie etwas funktioniert, ist man da nicht automatisch naiv? Wir wissen nicht, wie wir entstanden sind, wir wissen nicht, wie unsere Gehirne funktionieren, wir wissen nicht, was die beste Gesellschaft ist, wir wissen nicht, was wir nicht wissen. Müssten wir nicht alle naiv sein? Dieser Gedanke ist so naiv, wie ich bin. Ich denke, dass man diese Dinge durch Denken lösen kann. Natürlich liege ich da falsch, ich bin ja nicht blöd. Nur naiv.
~#~#~#~#~#~#~#~#
Donnerstag, 1.4. /20 Uhr



Die Brauseboys im Livestream am 1.4.: Grün ist die Hoffnung

Wir wissen es uns schön einzurichten, wir sind professionelle Stubenhocker geworden. Heiko versteckt schon die ersten Kröteneier, damit wir am Gründonnerstag etwas zu suchen haben. Aber nicht die normalen, sondern die, die so richtig reinknallen. Robert hat seine Hasenohren gewaschen und zum Trocknen vor das Fenster gehängt, Frank sammelt grüne Zweige in den Rehbergen, Thilo überlegt schon, wie er das Eschenbräu-Fass zum Ei gedengelt bekommt (nicht mit dem Hammer, Thilo, nein!) und Volker malt schöne Osterkarten, die er uns, verkleidet als Postbote, höchst offiziell über den Tisch reichen wird. Das spart auch Porto, wie praktisch. Auch Politiker machen auf Osterhase und verstecken ihre Maßnahmen sehr gut, um sie bloß nicht selbst vor den Feiertagen wiederzufinden. Die Auferstehung jedenfalls hat noch Zeit, wir bleiben erstmal sitzen. Bis Pfingsten in jedem Fall, jedenfalls gäbe es keinen Illusionskünstler, der uns ein früheres Wiederauftreten im physischen Bühnenraum vorgaukeln könnte. Schaltet an, seid dabei, klickt auf die virtuellen Herzen und lauscht den Avataren von Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann & Heiko Werning

Die Donnerstage auf absehbare Zeit lesen wir weiter im Livestream. Wie gewohnt auf unserer Facebook-Seite, aber auch parallel auf YouTube und Twitch. 

Virtuellen Eintritt (regulär 8€/5€) bitte spenden an:
hutspende@brauseboys.de auf PayPal
oder per Banküberweisung an Volker Surmann mit Verwendungszweck "Brauseboys":
IBAN DE32 1009 0000 7093 4270 03 (Volksbank Berlin)

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Heiligabend mit den Brauseboys

Was ich mache, wenn ich nicht den Newsletter schreibe 1.) Eine Strichliste anlegen, wie oft ich das Wort Blitzeis im Radio höre. Überlegen, wie ich mit den Varianten "Blitzendes Eis", "Blitzkrieg", "Blitzer" und "geblitzt wird" umgehen soll. 2.) Pfefferkörner kaufen und in die Pfeffermühle bis zum Rand einkullern lassen, dann eine Brötchenhälfte mit Kassler und Käse belegen und mit Pfefferschrot schwärzen. Mich am frischen Duft der zerrissenen Splitter berauschen. 3.) Aus dem Fenster sehen. Auf der verbliebenen Schneedecke im Hof ist ein Vogel herumgelaufen, offenbar von schwerer innerer Verwirrung betroffen hat er stundenlang in vielfältigen Kreisen sein verstörendes Schneegemälde gemalt. 4.) Zeitung lesen und über Kopenhagen informieren. Der sudanesische Sprecher und "Bremser" heißt Lumumba Stanislaus Di-Aping. Die Ladezeit der Facebook-Fanseite von Thorsten Schäfer-Gümbel ist enorm. Er sagt: "Dem Schneckentempo

Brausegirls am 25.4. (20 Uhr) mit Susanne M. Riedel, Mareike Barmeyer, Judith Stadlin, Mandana & Tobias Dellit

Im Moment (von Frank Sorge) Früher war gar nichts besser, lasst euch nichts einreden. Klar war man immer jünger, das liegt in der Natur der Sache, weil man mit der Zeit nicht über ihre Richtung verhandeln kann, aber dass jünger nicht automatisch besser ist, weiß man, wenn man älter ist. Hätte man also damals gedacht 'Morgen wird alles besser', hat man damit gar nicht so falsch gelegen. Aber natürlich auch nicht richtig, denn eigentlich ist die Zeit ja egal, es gibt sie im Grunde gar nicht, es gibt nur den Moment, und der ist momentan. So ist ein Donnerstag immer ein Donnerstag, wenn gerade Donnerstag ist, in gewisser Weise immer der gleiche. Das behaupten wir nicht nur am Ende der Show, es ist die Realität. So lange es so ist, ist es so. So gut, wie es auch ist, es kann immer besser werden, das stimmt ebenfalls. Meine Umschulung zum griechischen Philosophen läuft übrigens prima und ich weiß jetzt schon richtig viel, was ich nicht weiß. Was liest du denn? Weiß ich nicht. Singst

Brauseboys am 2.5. (20 Uhr) nebenan im REH mit Isobel Markus, Christoph Theußl und Hinark Husen

Kartenhaus (von Frank Sorge) Wenn man ein Kartenhaus baut, rechnet man ständig damit, dass es zusammenfällt. Es ist das Ziel der Beschäftigung, den unvermeidlichen Zusammensturz hinauszuzögern. Die Struktur des Kartenhauses ist nur die Visualisierung des Erfolges, je mehr Etagen es bekommt, je länger es hält. Zeit, Geduld und Geschick bekommen ein Muster, ein flüchtiges Gewebe, obwohl sie ja sonst so unfassbar sind. Dann macht jemand ein Fenster auf und es fällt zusammen. Ärgert man sich? Ja, weil es menschlich ist, und nein, weil man mit nichts anderem gerechnet hat. Warum mir das einfällt? Ach, einfach nur so, kein Bezug zur Gegenwart. Nein, ehrlich, oder seht ihr einen? Kartenhäuser baut man, um Zeit totzuschlagen, heute hat man die doch gar nicht mehr. Heute ist man erwachsen und baut andere Strukturen, mit anderen Zwecken, als dass sie zusammenfallen. Was mit Grundlage und Substanz, aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse. Also ist es kein Problem, bei diesem Wetter überall die