Direkt zum Hauptbereich

Brauseboys am 20.7.: Wir lesen durch

Die Außenseiter (von Frank Sorge)

Namen sind mitunter Schall und Rauch, eher nicht, wenn sie auf Straßenschildern stehen. Dann sind es Namen, die auf Straßenschildern stehen. Umstrittene Personen deutscher Kolonialgeschichte von diesen Schildern herunterzunehmen, ist daher eine gute Idee, hier im Wedding im Afrikanischen Viertel. Es geht nicht darum, diese Geschichte zu vergessen oder vergessen zu machen, sondern im Gegenteil, sich mit ihr zu beschäftigen. Nach einigem Streit um das Verfahren und die von einer Jury ausgewählten Namen, hat das Bezirksamt jetzt die komplette Liste der 196 Vorschläge veröffentlicht, die Anfang des Jahres eingebracht werden konnten. Gesucht wurden "Persönlichkeiten – insbesondere Frauen – der (post-) kolonialen Befreiungs- und Emanzipationsbewegung aus Ländern Afrikas". Vor allem Afrikaforscher werden sich weiter mit den Vorschlägen beschäftigen, unter diesen sind aber einige, mit denen sie sich nicht beschäftigen müssen. Mit denen kann ich mich beschäftigen, das wären u.a.: David-Bowie-Straße, Mustafa-Kemal-Atatürk-Straße, BVV-Mitte-auflösen-Straße, Donald-Duck-Straße, Recep-Tayyip-Erdogan-Platz, Grüne-Raus-Straße, Grüne-Kotz-Straße, Grüne-Vögel-Straße, Grüne-Wiese-Straße, Niemals-Grüne-Wählen-Straße, Pippi-Langstrumpf-Straße, Platz-des-afrikanischen-Elefanten.

David-Bowie-Straße - der bekannte Welt-Musiker (Afrika inbegriffen, letztes Album 'Black Star'), der beinahe in Kamerun geboren wurde (Luftlinie gute 5000 km). Passt auf keines der vorgegebenen Kriterien für die neuen Straßennamen, aber dann eigentlich doch ("Sie hat mit ihrem Wirken Maßstäbe gesetzt"). 
Mustafa-Kemal-Atatürk-Straße - der Begründer der Republik Türkei (sehr nahe an Afrika) ist nicht als Widerstandskämpferin bekannt, passt aber auch auf überraschend viele Kriterien der Jury ("Der Name geht aus der Vorschlagsliste hervor.").
BVV-Mitte-auflösen-Straße - ganz offenkundig geht es diesem Namensvorschlag nicht darum, einen Namen vorzuschlagen. In seiner pöbelnden Plumpheit liegt aber auch der inspirierende Impuls, abseits von Persönlichkeiten Straßennamen zu erwägen. Warum also nicht einfach 'Kolonialgeschichtsstraße', oder 'Straße der Verantwortung'? Oder schlicht 'Umbenennungsstraße', wenn man sich gar nicht einigen kann?
Donald-Duck-Straße - Quak, quak, quak. Nak, nak, quak, quak. Quak. Es mag Gründe für diesen Vorschlag geben, aber sie sind einfach nicht richtig greifbar. (Fortsetzung am...)
~#~#~#~#~#~#~#~#
Donnerstag, 20.7. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)


Die Brauseboys - Frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern.  Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Jürgen Beer (Lass uns da mal hingehen)
Doc Schoko (Stadt der Lieder)

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Brauseboys am 10.1. im La Luz: Nächstes Jahr

Zugabe 'Danke, dass ihr zuhört, und für's Verständnis. Dafür gibt es dies Geständnis: Wir können nicht ohne und mögen, wenn's euch gefällt. Was für 'ne Welt wäre es ohne uns und den Text? Wir sagen: Danke, dass ihr zuhört. Danke Publikum!' ~#~#~#~#~#~#~#~# Donnerstag, 10.1. /20.30 Uhr La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe) Die Brauseboys - Lesebühne im Wedding Seit bald sechszehn Jahren jede Woche neue Texte, Betrachtungen, Musik und belebende Heiterkeit mit Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann, Heiko Werning und Gästen. Am 10.1. begrüßen nach dem Rückblicksmarathon und seinen Erschöpfungsopfern die ausdauerndsten und virilsten Boys Heiko Werning & Frank Sorge gemütlich im Restaurant des La Luz eine freundliche Liedermacherin und einen Verfasser höchst authentischer Taxigeschichten: Eva Wunderbar (Bitte bleib) Christian Schmitz ( Der Fuchsflüsterer vom Zeltinger Platz ) ~#~#~#~#~#~#~#~#

Jan Koch

Jan wohnt schon eine Weile nicht mehr im Wedding, sondern auf dem Land. Hier wie dort verbreitet er Wohlbefinden und seine schönen Lieder.

Brauseboys am 16.7. in der Kulturfabrik Moabit: Mit Michael-André Werner & Lüül

Nur so eine Ahnung (von Frank Sorge) Wenn ich die Kinder von der Kita hole, erzählen sie immer sofort eine Sache. Offenbar das, was sie am Tag am meisten beschäftigt hat, was sie Besonderes erlebt haben, oder welche neue Frage sich gestellt hat. Man müsste diese Sätze eigentlich aufschreiben. "Weißt du, Papa?", setzt mein Sohn an, nachdem er zu mir gerannt ist. "Was denn?" "Das Weltall", sagt er, "das ist wirklich sehr groß." "Ja, stimmt", sage ich verblüfft, "sogar sehr, sehr groß, unvorstellbar groß." "Und weißt du? Man weiß gar nicht, ob es überhaupt ein Ende hat." "Ja", sage ich, "vielleicht hat es gar keins. Aber was sich Menschen auch schon lange fragen, wie es überhaupt angefangen hat." Er stutzt. "Was denken die denn?", fragt er, jetzt bin ich in der Bredouille. "Die meisten denken, es gab eine große Explosion und seitdem fliegt alles auseinander." "Nein", un