Dienstag, 21. Februar 2012

Brauseboys am 23.2.: Stille Post


Zwick mich 

Zwickau ist kompliziert. Man kann mit der Vogtlandbahn bis fast ins Zentrum fahren, zwei Stationen vorher ist jedoch der Hauptbahnhof, von dem aus man in andere Richtungen umsteigen muss. Erst einmal ist es sehr irritierend, dass die Bahn plötzlich in die Stadt hineinfährt, aber man gewöhnt sich schnell daran. Auf den gleichen Schienen wie die Straßenbahn rollt man so an eine Haltestelle der Innenstadt und ist gleich da, wo es was zu sehen gibt. Einen Dom zum Beispiel oder die Zwickau-Arkaden der neuesten Arkaden-Klongeneration. Am Zwickauer Hauptbahnhof landet man hingegen im Nichts, noch dazu trifft es uns auf dem Rückweg, zum Umsteigen eine geschlagene Stunde hier warten zu müssen. 
Merkwürdiger Bahnhof, fällt uns beim ersten Durchschreiten auf, martialische Figuren und die Halle hat so merkwürdige Säulen und Proportionen. Wir tippen auf eine Bauzeit in den dreißiger Jahren, einen Nazibau, und draußen finden wir beim Rauchen an der Fassade auch zwei leergeräumte Sockel, auf denen sicher mal so steierne Flattervögel saßen. Ein Typ in Springerstiefeln raucht unweit von uns unter den Wartenden, noch ein Blankokopf trinkt Bier am Stehtisch, Polizisten flanieren, und da fällt es mir erst auf. "Verdammt", denke ich, "wir sind ja in Zwickau. Dem Zwickau. Zwick mich, wir sind in Zwickau." 
In Zwickau fällt es einem garnicht auf, in Zwickau zu sein, erst draußen am Hauptbahnhof. Offenbar zieht Naziarchitektur Nazis an, überlege ich. Um denen Herr zu werden, könnte man den Bahnhof mit größeren Mengen Bier vielleicht zu einer Art Wespenfalle umfunktionieren. Durch die Haupthalle kommen sie dann hinein, rutschen die ersten mit Bier gefluteten Stufen hinab und sammeln sich im Untergrund. Was man dort dann mit ihnen anfangen sollte, müsste man aber noch überlegen. Im Wikipedia-Artikel zum Bahnhof (Eröffnung 1936) wird er als "verklinkerter Kuppelbau in den klaren Linien des Bauhausstils der zu Ende gehenden 20er Jahre" beschrieben". Das finde ich mindestens leicht beschönigend. Im nächsten Jahr soll der Bahnverkehr hier weiter ausgebaut werden, meine Idee wäre, zu dieser Gelegenheit zwei Gummihühner auf die Sockel draußen zu montieren, den Figuren drinnen Bärte aufzusetzen und die "Hartbrand-Glasurziegel" großflächig bunt mit Blumen zu bemalen. Es kann nur hübscher werden, als es ist. 

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Donnerstag, 23.2. /20.30 Uhr 
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe) 

Die Brauseboys 
Jeden Donnerstag mit neuen Texten. Paul Bokowski, Hinark Husen, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann, Heiko Werning und Gäste lesen was vor. 

Gäste: 
Jacinta Nandi (Surfpoetin): www.jacinta-nandi.de
Jochen Reinecke (schreibt vom Leben): www.jochenreinecke.de
Karl Neukauf und Kollegen (Blicke vom Balkon): www.karlneukauf.de