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Eurovision-Songtextkritik: Israel & Fazit

Israel - Goldjunge Kleine Jungs, die etwas Schreckliches machen - damit ist man vom norwegischen Beitrag aus direkt dann schon beim Beitrag von Israel.  Der Sänger Nadav ist zarte sechszehn Jahre, sieht aber auf dem Foto satte zehn Jahre älter aus. Das ist diese moderne Ernährung, sie werden so schnell groß. Bevor man sich aber fragt, ob alles an ihm so ausgewachsen ist wie das Äußere, singt er auch schon: “Mama!” Und jedes Interesse an der Nummer erlahmt. Wäre er sechs Jahre alt, da würde der Ruf nach Mama noch gehen, okay, aber sechszehn sein und nach Mami schreien, da vergrault man sich rundherum jede Zielgruppe. Selbst die angesprochenen Mütter, die einhellig reagieren würden: “Such dir endlich ne Freundin!”. Aber genau darum geht es ja. Mama, wieder hat mir jemand das Herz gebrochen. Sag ihr, ich glaube, ich kann es nicht mehr ertragen. Mama, wieder hat mir jemand das Herz gebrochen, und um den Schmerz zu lindern, muss ich jetzt schnell auf die Tanzflä...

Eurovision-Songtextkritik: Norwegen

Norwegen - Ein Monster wie ich Man weiß ja, worauf man sich mit dem Eurovision einlässt. Etiketten wie “Gnadenloser Trash” kommen ja nicht von irgendwoher. Es gibt peinliche Auftritte, es gibt schamlosen Schwachsinn und sicher liegt man nicht falsch, wenn man genau hier den Unterhaltungswert vermutet. Immer wieder ist ein Beitrag aber auch so bekloppt, dass er in keine Schublade der Glitterkommode passt. Dieses Mal kommt er von den Norwegern. Ein Duett im Pärchen, er erzählt, was los ist: Liebling, ich erzähle dir die Wahrheit, ich habe in meiner Jugend etwas Schreckliches getan. Hab den Verstand verloren, die Kontrolle verloren. Ich war nur ein kleiner Junge, ich wusste noch nichts, ich lasse dich lieber gehen… Wie genau kann man auf die Idee kommen, das Bekenntnis zu einer vermutlich grauenhaften Tat zum Liedthema zu machen? Damit man sich dabei auch bloß nichts konkret Schreckliches vorstellt, sondern die Phantasie des Schreckens voll entfalten kann, erzählt er ...

Eurovision-Songtextkritik: Australien

Australien - Heute Nacht nochmal Eine wichtige Neuerung in diesem Jahr ist die Aufnahme Australiens in den Kreis der trällernden Europäer. Der Teilnehmerkreis ist schon etwas weiter gefasst als das politisch-geographische Europa, manch einer mag aber denken: Australien, das geht zu weit. Oder: Australien, das ist zu weit. Warum also dürfen die dann teilnehmen? Die Antwort ist einfach: Weil sie es doch so gerne wollen. Viele Fans down under schauen den Eurovision, nicht nur wegen der eigenen europäischen Vorfahren. Man muss über Australier wissen: Sie lassen nie eine Gelegenheit zum feiern aus - im Gegenteil, sie konstruieren gerne und ausufernd Gelegenheiten zum feiern, damit es immer eine Gelegenheit zum feiern gibt. So zeltete ich einmal Mitte Juni am Ayers Rock neben einer australischen Jugendgruppe. Am 24.6. feierten sie in der Wüste “Christmas in Summer”, mit Weihnachtsmann, bunten Schirmen in Getränken, Tanz und Gaudi. Ich fragte einen der Betreuer, was es damit auf sich h...

Eurovision-Songtextkritik 2015: Ungarn

Ungarn - Kriege für nichts Bei “Ein bisschen Frieden” damals, da ging das noch mit den politischen Aussagen. In den Achtzigern hat man auf Friedenslieder noch gehört. Eine Frau, eine Gitarre, eine Botschaft. Den ungarischen Beitrag in diesem Jahr singt eine Frau, begleitet von einer Gitarre, vielleicht ist die Zeit wieder reif. Im Verlauf des offiziellen Videos singen nach und nach irgendwelche Leute auf der Straße mit, bis sie am Schluss alle in Eintracht das Friedenslied “Kriege für nichts” schmettern: Weißt du, dass unsere Erde vor die Hunde geht, all die Kriege für nichts, es hört nie auf. Jeder verdient eine Chance, all die Seelen, all die Seelen, kannst du sie schreien hören? Das ist harter Tobak für das Wohlstandsohr, schreiende Seelen der Verdammten. Jahrelang hat man sich durch Ablenkungen bunte Ohrstöpsel zugelegt gegen derlei Klagen, und die Sängerin Boggie versucht, sie zu durchstoßen. Dass du in Frieden lebst, heißt nicht, dass es in Ordnung ist, a...

Judith Stadlin

Judith von der Lesebühne Satz & Pfeffer scheut auch den langen Weg aus der Schweiz nicht, um uns ins La Luz neue Geschichten und ausgefeilte Sprachspielereien mitzubringen. Sehr zu unserer Freude.

Sebastian Nitsch & Querflötist

Sebastian Nitsch besuchte uns im La Luz und brachte einen freundlichen Querflötisten zur Unterstützung mit, dessen Name zwar genannt und beklatscht - aber von mir sträflicherweise nicht notiert worden ist, um ihn hier nennen zu können.