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Brauseboys am 17.3.: Federlese

Ahnung (von Frank Sorge)

Vom Balkon aus beobachte ich eine Seniorin. Sie sieht sich verstohlen um und verteilt Meisenknödel in den Hecken des Mittelstreifens. Das kriminelle Potential im Wedding ist wirklich unglaublich. Sie ist nicht die einzige, wiederholt am Tage lassen hier ältere Damen Kerne und Krümel fallen - wie zufällig. Da ist wohl aus Versehen der Beutel gerissen. Ach, und wenn man schüttelt, fällt ja alles raus. So was aber auch. Die Spatzen und Tauben danken es ihren Versorgern. Mit rosigen Wangen sitzen sie bräsig auf den Zweigen und halten verschämt einen Flügel vor den Schnabel, wenn sie aufstoßen müssen. Ist aber auch lecker, das Zeug.
Nach der Seniorin eine kleine Gruppe Jugendlicher, die die Knödel aus den Hecken fischen und rauchen. Der Lebensraum Mittelstreifen ist vielfältig. Über den Dächern lauern Krähen auf die rundgenährten Zwitschervögel und in der Dämmerung kehren Ratten vor ihren Löchern die Reste zusammen, um daraus Eintopf zu kochen. Frühling lässt sein rotes Absperrband vor der Tramlinie flattern. Der Ersatzverkehr kann kommen.

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Donnerstag, 17.3. / 20.30 Uhr
La Luz (http://laluz.de) (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Paul Bokowski, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit fast dreizehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen.

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