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Eurovision 2015 - Die Sieger stehen fest

Jedes Jahr zur gleichen Zeit machen sich Hundertschaften von Hupfdohlen und Schnuckelhasen bereit für ihren großen Auftritt beim Eurovision Song Contest. Außerdem surft ein Weddinger Vorleser auf die Homepage des Wettbewerbs, um die diesjährigen Liedtexte zu lesen, downzuloaden, zu übersetzen, zu kritisieren. Dieses Mal stehen überraschend schon die Sieger fest: Finnland.

Finnland - Ich muss immer

Es lohnt sich vermutlich schon gar nicht mehr, überhaupt noch Wetten abzuschließen. Die Gewinner sind eine vierköpfige Punkband aus Finnland: Pertti Kurikan Nimipäivät (Pertti Kurikkas Namenstag). Die Besonderheit der Band, die es seit 2009 gibt, liegt in den Behinderungen ihrer Mitglieder. Drei haben das Down-Syndrom, einer ist Autist. Trotz dieser Schwierigkeiten bieten sie nicht nur den bestmöglichen, kontrapunktischen Punk-Sound zum Wettbewerb, sie haben auch den besten Songtext in der Tasche.  "Aina mun pitää" - Ich muss immer.

Ich muss immer aufräumen
Ich muss immer sauber machen
Ich muss immer zum Arzt
Ich muss immer zur Arbeit

Kann nicht zu meinem PC
Kann nicht fernsehen
Kann nicht mal Kumpels sehn

Es ist einfach völlig ausgeschlossen, dass irgendeiner der Glitterpflaumen in diesem Jahr auch nur annähernd einen vergleichbar wahren Text vorlegen kann. 


Der, laut Beitrags-Zusammenfassung aus dem Alltagsleben der Bandmitglieder berichtet, aber, laut mir, aus unser aller Alltagsleben berichtet. Nach diesem Lied mag man keine wohlstandsfeile Klage mehr hören, keinen Phönix aus der Asche flattern sehen, nichts über Herzen aus Athen, kein “Fuck me one more time”, keine Fackeln im Sturm. Der Auftritt wird sein, was der Eurovision noch nie war. Wenn es doch anders kommen sollte, liegt es einzig daran, dass kaum jemand wissen wird, was sie dort singen. Bei genauerem Nachdenken wird das wahrscheinlich doch genau der Grund sein, dass es anders kommt. Schade eigentlich. Mein Rat für uns, die wir die echten Gewinner erkannt haben: Völlig wurscht, wer die nächste Hupfdohle wird.

Ich muss immer zuhause bleiben
Ich muss immer Sachen machen
Ich muss immer was Ordentliches essen
Ich muss immer was Ordentliches trinken

Keine Süßigkeiten für mich
Keine Soft-Drinks für mich
Auch kein Alkohol

Fast jede musikalische Stilrichtung wurde vom Eurovision über kurz oder lang aufgefressen. Alles ist in den Fleischwolf gekommen und kehrt jedes Jahr wieder, wie zusammgenähte Monster Frankensteins. Hier jetzt also Punk, könnte man denken. Aber schon einmal hat Finnland mit Lordi bewiesen, dass es anders geht - und gewonnen. Nach einer Minute vierzig bricht das Lied dann unvermittelt ab.

Ich muss immer mich ausruhen
Ich muss immer schlafen gehen
Ich muss immer aufstehen
Ich muss immer duschen

Aber längst ist alles gesagt und gezeigt und verstanden. Hammer Nummer, 12 Punkte aus jedem Land, so sollte es kommen. Dass sie die Krone mehr als verdient haben, beweist auch, dass sie für den Wettbewerb eine eigene englische Übersetzung, bzw. Version des Textes bereitgestellt haben. Diese Version ist das kryptischste Textwerk, das je hier bereitstand. Für einen englischen Muttersprachler hört sich der Anfang vielleicht ungefähr so an:

Ich bin mach es
Ich bin mach es renne
Ich bin mache es Handsmütze
Ich bin mache es Hostels
Ich bin mache es furzend
Keine kommende Maschine
Nein, es ist Fernsehen

Das ist nicht einfach nur ein Beitrag, das ist brilliant. Für mich steht alles fest.

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