Direkt zum Hauptbereich

Brauseboys am 9.4.: Schöner verlesen

Besser zum Spezialisten (von Frank Sorge)

Herr Schluppke, Sie sind in diesem Jahr zum Bier-Buddha des Weddings gewählt worden, sind Stichwortgeber und zugleich Maskottchen der "Degentrifizierungs-Bewegung", jetzt außerdem niedergelassener Entrückungsspezialist? Woher nehmen Sie plötzlich die Energie?

Sie meinen, weil ick davor so lange arbeitslos war? 

Das wollte ich nicht andeuten.

Hat nicht jeklappt, aber ejal - klingt allet prima, wat Se da uffzählen, nur Energie brauch ick dafür nich.

Was dann?

Stehvermögen, dicket Fell, klaren Kopp.

Aber geht es bei ihrer neuen Praxis für Entrückung nicht gerade darum, den Kopf zu vernebeln?

So stellen Sie sich dit vor? Dann sollten Se lieber mal vorbeikommen, ick kann ihnen helfen mit die verqueren Ansichten.

Helfen Sie mir vorerst, zu verstehen. Was erwartet mich dort?

Vor allem ne liebevoll bewahrte Kneipe, die sonst hätte uffjeben müssen. Alkohol kriegen Se ooch, wenn Se welchen brauchen, Dartscheibe is noch da, Rauchen jeht, allet wie immer. In erster Linie beschäftigen wir uns aber mit dem Geist in Ihrer Flasche. Manche jehn einfach in irgendeine Kneipe, wennse Kummer haben, sollten aber besser zum Spezialisten. Dit is die Idee.

Hat die Flasche Pfand?

Keene Angst, die kriegen Se zurück, wenn wir mit dem Inhalt fertig sind. Bei Ihnen, sag ich mal so, würde ick bei der Spöttelei ansetzen, die Ihnen so jewisse Freude zu bereiten scheint. Macht keenen Sinn, da sollten Se von abrücken.

Aber ich spotte doch nicht, ich versuche nur, das Interview aufzulockern.

Ick bin locker, wegen mir machen Se dit nich. Für so Fälle ham wir die Inge, die knackt och dit größte Ego.

Fangen Sie schon an, mich zu therapieren?

Ne Therapie brauchen Sie? Hätte ick nich vermutet. Aber sehn Se, ick mach überhaupt nüscht, um sie zu entrücken, dit machen Se einfach so von selbst.

Was sind ihre Öffnungszeiten?

Dienstag bis Sonntag, von 9 Uhr bis 4 Uhr morgens. Montag is Ruhetag, da kommen die meisten.

~#~#~#~#~#~#~#~#

Donnerstag, 9.4. / 20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Paul Bokowski, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit zwölf Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Heiligabend mit den Brauseboys

Was ich mache, wenn ich nicht den Newsletter schreibe 1.) Eine Strichliste anlegen, wie oft ich das Wort Blitzeis im Radio höre. Überlegen, wie ich mit den Varianten "Blitzendes Eis", "Blitzkrieg", "Blitzer" und "geblitzt wird" umgehen soll. 2.) Pfefferkörner kaufen und in die Pfeffermühle bis zum Rand einkullern lassen, dann eine Brötchenhälfte mit Kassler und Käse belegen und mit Pfefferschrot schwärzen. Mich am frischen Duft der zerrissenen Splitter berauschen. 3.) Aus dem Fenster sehen. Auf der verbliebenen Schneedecke im Hof ist ein Vogel herumgelaufen, offenbar von schwerer innerer Verwirrung betroffen hat er stundenlang in vielfältigen Kreisen sein verstörendes Schneegemälde gemalt. 4.) Zeitung lesen und über Kopenhagen informieren. Der sudanesische Sprecher und "Bremser" heißt Lumumba Stanislaus Di-Aping. Die Ladezeit der Facebook-Fanseite von Thorsten Schäfer-Gümbel ist enorm. Er sagt: "Dem Schneckentempo

Brauseboys am 2.5. (20 Uhr) nebenan im REH mit Isobel Markus, Christoph Theußl und Hinark Husen

Kartenhaus (von Frank Sorge) Wenn man ein Kartenhaus baut, rechnet man ständig damit, dass es zusammenfällt. Es ist das Ziel der Beschäftigung, den unvermeidlichen Zusammensturz hinauszuzögern. Die Struktur des Kartenhauses ist nur die Visualisierung des Erfolges, je mehr Etagen es bekommt, je länger es hält. Zeit, Geduld und Geschick bekommen ein Muster, ein flüchtiges Gewebe, obwohl sie ja sonst so unfassbar sind. Dann macht jemand ein Fenster auf und es fällt zusammen. Ärgert man sich? Ja, weil es menschlich ist, und nein, weil man mit nichts anderem gerechnet hat. Warum mir das einfällt? Ach, einfach nur so, kein Bezug zur Gegenwart. Nein, ehrlich, oder seht ihr einen? Kartenhäuser baut man, um Zeit totzuschlagen, heute hat man die doch gar nicht mehr. Heute ist man erwachsen und baut andere Strukturen, mit anderen Zwecken, als dass sie zusammenfallen. Was mit Grundlage und Substanz, aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse. Also ist es kein Problem, bei diesem Wetter überall die

Brausegirls am 25.4. (20 Uhr) mit Susanne M. Riedel, Mareike Barmeyer, Judith Stadlin, Mandana & Tobias Dellit

Im Moment (von Frank Sorge) Früher war gar nichts besser, lasst euch nichts einreden. Klar war man immer jünger, das liegt in der Natur der Sache, weil man mit der Zeit nicht über ihre Richtung verhandeln kann, aber dass jünger nicht automatisch besser ist, weiß man, wenn man älter ist. Hätte man also damals gedacht 'Morgen wird alles besser', hat man damit gar nicht so falsch gelegen. Aber natürlich auch nicht richtig, denn eigentlich ist die Zeit ja egal, es gibt sie im Grunde gar nicht, es gibt nur den Moment, und der ist momentan. So ist ein Donnerstag immer ein Donnerstag, wenn gerade Donnerstag ist, in gewisser Weise immer der gleiche. Das behaupten wir nicht nur am Ende der Show, es ist die Realität. So lange es so ist, ist es so. So gut, wie es auch ist, es kann immer besser werden, das stimmt ebenfalls. Meine Umschulung zum griechischen Philosophen läuft übrigens prima und ich weiß jetzt schon richtig viel, was ich nicht weiß. Was liest du denn? Weiß ich nicht. Singst