Direkt zum Hauptbereich

Brauseboys am 16.2.: Liebe in der Luft

Kümmernis (von Frank Sorge)

Eigentlich eine typisch amerikanische Situation. An einer Kreuzung von Highways irgendwo mitten im zersiedelten Delaware halten, um Kaffee und Donuts zu kaufen. Die Kinder schlafen glücklicherweise, es bliebe noch Zeit für eine Zigarette auf dem Parkplatz. Alles ist schnell so weit, aber das letzte Feuerzeug funktioniert nicht mehr. Ein Versuch im Donutgeschäft schlägt fehl, keine Werbestreichhölzer oder dergleichen vorhanden, Nichtraucher ringsherum. Draußen aber hält ein Pickup und ein verwitterter, älterer Mann steigt aus, den ich nach Feuer frage. Er hat welches und fragt, woher wir kommen. Seine Großeltern kämen auch aus Deutschland, führt er schnell aus, eine Schwester wäre vor vielen Jahren sogar dorthin zurück, aber er hätte sie bislang nicht besucht. Wenn er auch nie dagewesen wäre, überlege er doch manchmal, ob er nicht auch zurückgehen sollte. Hier lebe er mittlerweile im Grunde ganz allein, außerdem ginge im Land doch alles vor die Hunde, niemand kümmere sich. Nach allem, was er wisse, wäre das bei uns in Deutschland doch anders.
Ich antworte vage. Aber einiges anders, klar, stimme ich zu. Wo man jetzt aber glücklicher wird, wer kann das sagen? Die Zigarette aus, wir drängen zur Weiterfahrt, man wünscht sich 'Take care' und 'Goodbye'. Wäre es nicht so weit, würde ich heute ein halbes Jahr später gern den Gesprächsfaden aufgreifen, und nachfragen, ob er das jetzt mit 'Kümmern' gemeint hätte. Wenn nein, dann solle er ruhig rüberkommen. Man braucht kein großes Land, um einsam zu sein.
~#~#~#~#~#~#~#~#

Donnerstag, 16.2. /20.30 Uhr
La Luz (Oudenarder Str. 16-20, Osram-Höfe)

Die Brauseboys - frische Texte
Jeden Donnerstag nehmen Thilo Bock, Robert Rescue, Frank Sorge, Volker Surmann und Heiko Werning ihre frisch geputzten Tastaturen und lassen es klappern. Die empfohlene Wochendosis Lesebühne, seit bald vierzehn Jahren jeden Donnerstag mit illustren Gästen. 


Hinweis: Um den Abend mit garantierter Herzenswärme und Raumtemperatur auszustatten, finden wir vorne im Restaurant statt.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Brauseboys am 23.5. im Eschenbräu: Ein Lied von Schaum und Krone

Geplante Nachfolgeserien: Ein Lied von Eis und Waffel (Letzte Episode von Frank Sorge) Nach dem Sieg über den Frühsommerkönig treffen die verbliebenen Mitglieder der Eiswölfe (Haus Gelato) aus dem italienischen Norden und die Leckerbäcker von Haus Hörnchen (‘Die Saison naht’) in einem finalen Duell um den Waffeleisernen Thron auf die Königin der Teigerianer. Ihr akkugetriebenes Reittier Mixerion macht kurzen Prozess mit den kurz gebackenen Schildmuscheln der Hörnchen, und sie entgeht den Waldmeister-Minze-Geschossen, die eine Erstürmung der Stammfiliale des Eisladens ‘Bolle Bolle’ nicht verhindern können. Doch wird die Filialleiterin Hörnchen die Eisbombe zünden, die unter dem Laden schlummert? ~#~#~#~#~#~#~#~# Donnerstag, 23.5. /20.30 Uhr Eschenbräu (Triftstr. 67, nahe U-Leopoldplatz und S-Wedding) Die Brauseboys - Lesebühne im Wedding - jetzt im Eschenbräu! Seit sechszehn Jahren jede Woche neue Texte, Betrachtungen, Musik und belebende Heiterkeit. Die Wand, die W

Jan Koch

Jan wohnt schon eine Weile nicht mehr im Wedding, sondern auf dem Land. Hier wie dort verbreitet er Wohlbefinden und seine schönen Lieder.

Einmal im Jahr Brausegirls: Am 12.4.

Damentennis  Ich stelle zwei Bier auf den Tresen des Spätkaufs.  "Fußball?", fragt der Verkäufer.  "Was?", frage ich. Er nickt zu den Flaschen.  "Guckst du Fußball?"  "Ach so, nein", sage ich, "sowas gucke ich nicht." Und zum Spaß füge ich an: "Ich gucke nur Damentennis."  "Damentennis?"  "Ja, klar. Sonst gucke ich kein Sport, Snooker höchstens."  "Damentennis?"  "Warum nicht?"  Ein paar Tage später stelle ich wieder zwei Bier auf den Tresen des Spätkaufs.  "Ah, und? Wie war dein Damentennis?"  "Ah ja", freue ich mich, "das hast du dir gemerkt."  "Ja, aber guck mal, Damentennis", er überlegt, "ist doch voll Scheiße, immer denkst du so, gleich seh ich was, aber dann siehst du nie was. Nur so mal kurz diese Sport-Unterwäsche."  Offenbar hat er es sich nicht nur gemerkt, sondern auch noch darüber nachgeda