Die haben es gut (von Frank Sorge)
Die Kinder der Grundschulklasse wollen kein Fasching feiern, sondern lieber Schlittschuhfahren. Richtig neidisch werde ich erst, als sie es sich nicht nur wünschen, sondern wirklich machen. Ich selbst fand Fasching in der Schule in ihrem Alter furchtbar, aber es wurde durchgezogen. Verkleidungszwang, geplante Langeweile in bunten Fetzen, Partyspiele im Klassenraum, Schminkgefahr. Die Abscheu vor der Partyschminke, ich fühle sie bis heute nach und wie vehement ich jedes Jahr abwehren musste, etwas ins Gesicht gekleistert zu bekommen. Erklärt hat mir auch nie jemand, was das alles sollte, es gab diesen Tag, um sich zu verkleiden und lustig zu sein, aber keine Begründung dafür. Weil es Spaß macht, passte ja nicht für jeden, ganz offenkundig. Zu Hause flimmerten Eindrücke der Umzüge im Rheinland über den Fernseher, in West-Berlin, ich saß davor und verstand nichts.
Brauseboys am Donnerstag (19.2., 20 Uhr)
Haus der Sinne (Ystader Str. 10)
Da wirste jeck, es ist schon wieder diese Zeit im Jahr, die in Berlin weitestgehend ignoriert wird. Echte Berliner wissen auch nichts darüber, bezeichnen alles falsch, kennen die einzelnen Tage und ihre Bedeutung nicht. Dafür sind wir tolerant und verurteilen niemanden für das, was die da machen, immerhin essen wir auch gerne Pfannkuchen. Wie man die außerhalb Berlins nennt, ist genauso irrelevant, Berlin ist nicht faschingskompatibel, dafür können wir den Karneval der Kulturen, wenn es sich auch lohnt, auf die Straße zu gehen. Weiter hinterfragt werden muss das nicht, aber so sind wir auch ein Refugium für die Berliner im Geiste, die aus den rheinischen Hochburgen fliehen für ein paar Tage. Seit vielen Jahren ist das vor allem der Kölner Autor Christian Gottschalk, auf den wir uns auch dieses Jahr freuen können. Paul Geigerzähler hingegen hatte mit Karneval nie etwas am Hut, oft hat er nicht mal einen Hut. Eine Geige braucht der Mann, mehr nicht!
Am Mittwoch, 18.2. (19 Uhr) lesen wir außerdem in Neuruppin!
Morgen schon fahren wir mal wieder in das schöne Neuruppin und dort in die Perle der Stadt, die Fontane-Buchhandlung (Karl-Marx-Str. 83, Neuruppin). Die ist nicht nur unerlässlich zur kulturellen Versorgung der Neuruppiner, sondern auch herzlicher Gastgeber von Lesungen immer am 18. des Monats. Dieses Mal können wir das Programm bestreiten und mit unseren schönsten Büchern um uns werfen!

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