Die haben es gut (von Frank Sorge) Die Kinder der Grundschulklasse wollen kein Fasching feiern, sondern lieber Schlittschuhfahren. Richtig neidisch werde ich erst, als sie es sich nicht nur wünschen, sondern wirklich machen. Ich selbst fand Fasching in der Schule in ihrem Alter furchtbar, aber es wurde durchgezogen. Verkleidungszwang, geplante Langeweile in bunten Fetzen, Partyspiele im Klassenraum, Schminkgefahr. Die Abscheu vor der Partyschminke, ich fühle sie bis heute nach und wie vehement ich jedes Jahr abwehren musste, etwas ins Gesicht gekleistert zu bekommen. Erklärt hat mir auch nie jemand, was das alles sollte, es gab diesen Tag, um sich zu verkleiden und lustig zu sein, aber keine Begründung dafür. Weil es Spaß macht, passte ja nicht für jeden, ganz offenkundig. Zu Hause flimmerten Eindrücke der Umzüge im Rheinland über den Fernseher, in West-Berlin, ich saß davor und verstand nichts. Brauseboys am Donnerstag (19.2., 20 Uhr) mit Christian Gottschalk und Paul Geigerzähler H...
Dinge mit Gesicht (von Frank Sorge) Nach Jahren stellen wir fest, dass wir den Kindern Brotdosen mit depressiven Verschlüssen in die Schule mitgeben. Wie furchtbar! Jeden Morgen öffnen sie die Dosen, vielleicht sogar noch etwas motiviert für den Tag, und dann müssen sie sowas sehen. Vielleicht sind sie deswegen oft erschreckend voll noch, die Dosen, wenn sie nach Hause kommen, die Kinder, und wir Erwachsenen müssen die Hasenbrote vertilgen oder vernichten, was in letzter Konsequenz dann noch echter Kummerspeck wird. Und was ist das überhaupt für ein Designkonzept, von einem Hersteller von Kinder-Brotdosen, müsste da nicht Freude und Optimimus leitend sein? Oder sind das alles schon die Emos von früher in den Entwurfsetagen, warum dann nicht gleich ein Totenkopf? Sind es gar stumme Hilferufe aus den Plastkfabriken, kleine Signale an die Außenwelt, die nichts von ihrem Elend weiß? Zeit, sich zu erinnern, dass so vieles auf der Welt Einbildung ist und viele Gedanken nur Projektion e...